Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Date
- 1899-01-27
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 84 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 4 Ein Werk von Rabbi Moses Sofer s. A. Radautz. Herr Alexander Salomon Schreiber in Sereth, Bukowina, Sohn des berühmten Krakauer Rabbiners Rabbi Simon Schreiber und Enkel des größten Talmudgelehrten unseres Jahrhunderts, Moses Schreiber, dessen halachische und agadische Werke in der ganzen Diaspora als maßgebend und bahnbrechend verbreitet sind, hat dieser Tage aus dem hinterlassenen Manuscript des Chassam Sofer einen neuen Geistesschatz an's Tageslicht gefördert, indem er Glossen zu Chullin, circa 4-0 Bogen Folio, durch den Druck veröffentlichte. Es ist wohl überflüssig, über die Gediegenheit und Vortrefflichkeit dieses Meisterwerkes, welches der große Mann auf dem höchsten Gipfel seiner geistigen Höhe seines Lebens, jedes Wort genau erwägend, niedergeschrieben, auch nur ein Wort zu verlieren; wir Epigonen können uns nur erwärmen und erleuchten lassen von dieser helllcuchtenden Sonne am Horizonte unserer Literatur. Diese Zeilen wollen nur dazu anregen, daß alle Jene, welche für das Talmudstudium Sinn und Verständniß haben, sich bestreben mögen, dem gelehrten Herausgeber Herrn Sal. Schreiber, der weder Zeit noch Geld gespart, um seinem unsterblichen Ahnen ein neues Denkmal mit der Herausgabe dieses Werkes zu setzen, dadurch Dank zu sagen, daß sie dieses Meisterwerk ihrem Bücherschatze einverlcioen, um aus dieser wahrhaften unerschöpflichen Segensquelle ihren Geist zu laben. Der gelehrte Herausgeber hat aus Eigenem den Betrag von 1000 fl. gewidmet, um die noch zahlreich vorhandenen Manuscripte durch den Druck zu veröffentlichen, und hat den Erlös dieses Werkes einem heiligen Zwecke bestimmt, ist aber Willens, wenn, wie doch mit Sicherheit zu erwarten, der Absatz dieses Werkes flott von statten geht, sofort an die Redigirung eines neuen, nicht minder werthvollen Werkes des unsterblichen Chassam Sofer zu schreiten. Es wird daher hoffentlich jeder Verehrer des unsterblichen Gelehrten — und welcher Talmudkenner ist dies nicht? — durch Anschaffung dieses hervorragenden Meisterwerkes gerne dazu beitragen, daß die jüdische Gllehrtenwelt eine neue goldene Frucht erhalte von diesem ewrggrünen Lebensbaume der wahrhaften Thoraerkenntniß. i. K. R. Briefkasten. L. M. Die Mutter M o n t a i g u e's, der zu den größten Köpfen zählt, die Frankreich hervorbrachte, war eine Jüdin. A. SB. Das „Vaterland" trat anfangs begeistert für das Bild Max Klinger's: „Christus im Olymp" ein Da diese Vorurtheilslosigkeit in Kunstfragen in clericalen und antisemitischen Kreisen große Erbitterung hervorrief, änderte das fromme Blatt rasch seine Meinung und gibt nur noch den hämischesten Angriffen auf den Künstler und sein Werk Raum. Das nennt man wohl Objectivität um jeden Preis, H. M. Das Moralltätszeugniß, welches P u r s ch t seinem Busenfreunde und Gesinnungsgenossen Gregorig im Gerichtssaale ausstellte, bildet ein ehrendes Denkmal für Beide. Daß Purscht ein Sachverständiger in Srttlichkeitsfragen ist, wie er im „Büchl" steht, wird Niemand bezweifeln, Arthur H. Die Christlich-Socialen legen Werth darauf, in ihren Processen durch den geborenen Juden P o r z e r vertreten zu sein. Sie wollen auf diese tückische Weise demonstriren, wozu Juden fähig sind. Die Herrschaften vergessen jedoch, daß für die Löw's, Porzer's rc. rc. nicht die Juden, sondern die Antisemiten die Verantwortung zu tragen haben. M. R. Die antisemitischen Blätter verschweigen die in den französischen Blättern veröffentlichte Erklärung, daß der Präsident des Cassationshofes, L ö w, einer protestantischen Familie angehört, deren Stammbaum 300 Jahre alt ist. M. R. Wir können es Ihnen nicht verdenken, wenn Sie glauben, daß über V e r g a n i's zaubergewaltige Züge ein v e rstohlenes Lächeln zuckt, so oft er in seinem Blatte die Notizen über verschwundene oder gestohlene Obligattonen liest. H. SB. Sie fassen es nicht, daß antisemitische Journalisten, die einem Platte angehören, welches die „Concordia" stets mit Hohn und Schimpf übergietzt, um Aufnahme in diesen Verein ansuchen. Wir auch nicht. H. 91. Gregorig sagte vor Gericht, er schäme sich, wenn angesichts der über ihn circulirenden Gerüchte die Schulkinder sagen: „Das ist unserem Lehrer sein Vater!" Freilich, wenn der Sohn Gregorig's die befähigtesten und würdigsten Bewerber um eine wohldotirte Stelle aus dem Felde schlägt, dann sagen die Antisemiten stolz: „Das ist unserem Gregorig sein Sohn!" Dr. B. G—r. Im „Deuttchen Volksblatt" konnte man diese Woche Mitthellungen über eine Reihe der haarsträubendsten Verbrechen lesen. Da die Confession der Thäter nicht besonders hervorgehoben wird, können Sie beruhigt annehmen, daß es durchwegs antisemitische Gesinnungsgenossen Vergani's waren. A. R. Lassen Sie es gut sein. Die enragirtesten Freunde Lueger's werden bald bei seiner Gasbeleuchtung erkennen, wie schlecht sie mit seiner Tramway fahren. E. L. Ihre Bemerkungen über die Bornirtheit des Kritikers vom „Deutschen Volksblatt" sind sehr zutreffend. Der Mann sieht weder den Dichter, noch den Darsteller, sondern nur den Juden. H. Sch. in St. Ihr Sohn vollendet am Montag, den 13. März 1899 — den 2. Adar 5659, das 13. Lebensjahr. 91. R. L. Besten Gruß und Glückwunsch. M. Auch unter den Kindern des Geistes gibt es Mißgeburten. F. Sie haben Recht: Unsere Fehler werden von Anderen bemerkt — unsere Talente von Anderen entdeckt — unsere Personen von Anderen benrtheilt — ja, was haben w i r denn eigentlich zn sagen? SB. Zum Glücklichsein gehört Verstand, aber nicht Jeder, der Verstand hat, ist glücklich. L. Die Zukunft kann man vermeiden — der Gegenwart ein Ende machen — doch seiner Vergangenheit kann Niemand entfliehen. „Eine Dankbare": Die anonyme Spende wurde bereits in der letzten Nummer ansgewiesen. Eingesendet. Geehrter Herr Redact eur! Gegenüber dem Eingesendet des Herrn Dr. Landau und den statistischen Ziffern des Herrn Dr. R u t o w s k i über den Großgrundbesitz der Juden in Galizien halte ich meine aus dem Verzeichnisse der landtäflichen Güter geschöpften Angaben aufrecht, ebenso meine Annahme, daß die jüdischen Besitzer von Rusticalgründen nach Tausenden zählen. Hoch achtend Herzberg-Fränkel. Mel G-ldschiiiibt'sche Stiftung für Mittclfchüler- Vom Vorstande der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wird hiemit zur Kenntniß gebracht, daß für das laufende Schuljahr drei Ettel Goldschmidt'sche Stipendien ä 50 fl. ö. W. an Schüler der Realschule israelitischer Confession zu verleihen sind. Die Bewerber um diese Stipendien haben ihre Gesuche mit Zeugnissen über ausgezeichneten Studicnfortgang und einem Mitteilosigkcitszeugnisse zu versehen und bis 28. Februar d. I. im Einreichungs-Protokolle der israelitischen Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4, I. ©tocP) zu überreichen,^woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben sind. Baker- und mutterlose Knaben, ebenso Verwandte des Stifters Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt oder seiner Gattin Nanette geb. Landauer erhalten den Vorzug. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Wien, 15. Jänner 1899. Der Borstand der israelitischen Cultusgemeinde. Jakob Liiwy'jchc Familicnsiiftmig. Vom Curatorium der obgenannten Stiftung wird hiemit verlautbart, daß die Zinsen derselben im Betrage von ö. W. fl. 620 demnächst zur Vertheilung an die nächsten armen Verwandten des am 7. Mai 1864 verstorbenen Stifters, Herrn Jacob Lowy, gelangen. Die Bewerber haben ihre, mit dem legalen Nachweise der Dürftigkeit und der Verwaudtschaft mit dem Stifter, sowie mit einem Geburtszeugnisse versehenen Gesuche bis längstens 28. Februar 1899 im Einreichungs-Protokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien zu überreichen, woselbst während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags Gesuchsblanquette unentgeltlich verabfolgt werden. Auf verspätet eingelangte oder nicht gehörig instruirte Gesuche, oder endlich auf solche von Personen, welche mit dem Stifter nicht verwandt sind, wird keine Rücksicht genommen. Wien, den 15. Jänner 1899. Das Curatorium der Jacob Löwy'schen Familienstiftung. ftanaYltirf echten Slivovitz und Boro- Udil ülilil l wicka (Wachholder) den Liter zu - --- g, 1,20 versendet i65 J. WEISS, Klosterneuburg, Martinstrasse Nr. 121 Von 3 Liter aufwärts franco. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien VIII. ButtuawuiBfraSiK