Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 4 (27.1.1899)
- Date
- 1899-01-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 82 Vr. Vloch's Wochenschrist Nr. 4 sowie sechs Kinder, zwei verheiratete Töchter und vier Söhne, die angesehene Kaufleute sind. Herr Sachsel war ein eifriger Jude und hat sich um den Verein zur Förderung des Handwerkes verdient'gemacht. Wien. (Kaufmännischer U n t e r st ü tz u n g sverein „O st e n".) Der seit 22 Jahren bestehende Kaufmännische Unterstützungsverein „Osten" veranstaltet wie alljährlich s i auch heuer am 19. Februar im Hotel Continental, II., Praterstraße, ein Elite-Kränzchen, dessen Reincrträgniß den bekannten wohlthätigen Zwecken des Vereines bestimmt ist. Kartenausgabe vom 1. Februar ab von 3 bis 6 Uhr beim Cassier Herrn Ferdinand Berger, II., Lilienbrunngasse 3. Comite: Herr I. Fluß, Präses; die Herren: Ferdinand Berger, A. S. Diamant, Emil Moriz Diamant, Ignaz Gingold, I. Jacob, Max Juer, Marcus Messing, Dr. Salo Rappaport, Isidor Schulbaum, M. Seif, Dr. S. Seif, S. Singer, H. Tauber, Julius B. Weiß, Leon Widrich. Frauenberg. Der hiesige Chewra Kadischa-Verein mit einem Präsidenten Herrn Heinrich Stein und der unter Leitung der Frau Jg. Lederer stehende Frauenverein veranstalteten am 15. Jänner ein gemeinsames Festmahl. Es toastirte Herr Rabbiner L e b o w i t s ch auf Herrn Heinrich Stein, der seit einem halben Jahrhundert an der Spitze der Chewra Kadischa steht. Herr Heinrich Stein rühmte in seinem Trinkspruche die Wirksamkeit des Rabbiners. Herr- Philipp Stein, Vorsteher der Cultusgemeinde, trank auf das Wohl der verdienstvollen Präsidentin des Frauenvereines, Frau Lederer, Herr Lebowitsch auf das Wohl des Cultusvorstehers Herrn Philipp Stein, der mit unvergleichlicher Hingebung für das Wohl der Gemeinde wirkt. Es wurde bei diesem Anlasse auch der Armen gedacht. Wseti«. Freitag, den 20. d. M. wurde hier eine edle, hochherzige Frau zu Grabe getragen. Frau Katharina G l es i n g e r, eine durch ihre Herzensgüte und Wohlthätigkeit ausgezeichnete Frau, hatte ein imposantes Leichenbegängnis, wie es heutzutage nur in wenigen Städten der Monarchie möglich wäre. Die Landbevölkerung des ganzen Bezirkes strömte in Massen herbei und auch die städtische Bevölkerung drängte es, der edlen Frau die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Trauergästen gewahrte man auch: Se. Hochwürden den Dechant Herrn P. Zadnik, Se. Hochwürden den Senior H. C. Herrn Opocensky, sowie Se. Hochwürden den Senior A.-C. Herrn Winkler. Bor dem Trauerhause auf der Straße hielt Se. Ehrwürden der Herr Bezirksrabbiner Dr. I. Rabbinowicz eine ergreifende Rede in czechischer Sprache und auf dem Friedhofe einen Nachruf in deutscher Sprache. Die Geistlichkeit der anderen Confessionen und auch die gesammte Bevölkerung verblieb auf dem Friedhofe bis zur letzten Schaufel; dann sah man viele von der Bevölkerung am Grabe niederknieen und beten. Die cantoralen Functionen versahen die Herren Cantoren der Cultusgemeinde Blau und Schwarz. Berlin. Bei dem diesjährigen Krönungs- und Ordensfest sind auch mehrere unserer Glaubensgenossen mit Auszeichnungen bedacht worden, so u. A. Commercienrath Hugo Landau in Berlin, praktischer Arzt und Präsident des israelitischen Consistoriums Dr. L e w y in Straßburg, Justizrath und Bankdirector Dr. R i e ß e r in Berlin. Jafsy. (Todesfall.) Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Dr. Leo Rosenthal, langjähriger Primararzt im jüdischen Krankenhaus, Ritter des Franz Josef-Ordens. Seine Bedeutung brachte Rabbiner Dr. Niemirower zum Ausdruck in der geistreichen Anwendung des Bibelwortes: „Juda Leo, Dich preisen Deine Berufsbrüder, Deine Meisterhand am Nacken des Feindes als erster und größter jüdischer Operateur der Moldau. Tausende unserer Glaubensgenossen, wie auch viele nicht jüdische Größen: der österreichische Consul, der Vice-Bürgermeister, der Decan der medicinischen Facultät u. s. w. erwiesen ihm die letzten Ehren. Unser Rabbiner, der Präsident des Spitalvorstaudes S. Reischer und die Aeczte Herzenberg, B u r st i n und B r a u n st e i n hielten ergreifende Ansprachen. Feuilleton. Malka Schwarzenkopf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. Antorisirte Bearbeitung für die deutsche Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber M a n n s c r i p t. (Nachdruck verboten.) Zweiter Act. Ein kleines Zimmer, Kellerwohnung. Links zwei Betten und eine Wiege. Auf dem Fußboden liegt das Bettzeug herum. Rechts ein mittelst alter Leintücher und Vorhänge abgegrenzter Winkel. Darin ein Bett und allerhand Hausgeräthe und Kleidungsstücke. Schinutz und Unordnung. Neben dem Kamin im Lehnstuhl sitzt die paralysirte Ryfke Konrrzna; fünf Kinder spielen sich auf den Betten. Im Winkel schläft der alte Schwarzenkopf. Die Thür geht auf und Pake Rofenthal tritt ein, eine alte Jüdin mit einem Tnch am Kopf. 1. Scene. Pake: Niemand ist da! Und Herr Schwarzenkopf? Ah! er liegt so ruhig am Bett. Mag es ihm wohl bekommen. Auch ich werde mich niedersetzen, damit meine schwachen Füße ausruhen. Scha, Buben, nur keinen Spectakel. Herr Schwarzenkopf schläft ja. Schwarzenkopf (erwacht). Wer ist denn da? Bist Du's, Malka? Pake: Das ist nicht Eure Tochter, Herr Schwarzenkopf. Das bin ich, Pake Rosenthal. Ich bin hergekommen, um mich zu erkundigen nach Euerem Befinden und mit Euch ein bischen von Geschäften zu sprechen. Schwarzenkopf (erhebt sich). Was gibt's denn Neues, Frau Pake? Pake: Es macht sich Alles sehr gut. Der junge Jojne Firulkes ist ein würdiger Kaufmann, wenn er auch erst 17 Jahre alt ist. Ein halbes Geschäft in der Marschalkowskagasse bald bei der Bahn gehört ihm und Ihr wißt ja, was für einen Werth ein Geschäft dort hat. Was für Kundschaften und was für guten Verdienst es dort gibt! Die Eltern Jojne's möchten nur, daß ihr Sohn eine Frau bekommt, die für das Geschäft und für den Mann taugen würde. Schwarzenkopf. Malka ist ein armes Mädchen und wird von mir nichts bekommen. Ich athme kaum und verdiene mir nur das elende Essen. Ich muß sparen, damit ich mir wenigstens für einige Kopeken auf den Schabes einen Fisch kaufen kann. Pake: Die Eltern Jojne's wissen sehr gut, daß Malka ein armes Mädchen ist. Aber Jojne ist ein wenig blöd und etwas kränklich und seine Eltern werden keine großen Geschichten machen. Schwarzenkopf: Malka hat sehr viel gelernt. Sie hat in Deutschland die Schulen besucht und -sie hat viel Geld gekostet. Zweitausend, vielleicht sogar dreitausend Rubel. Pake: Der alte Firulkes gibt Euch auch danach einen Sohn. Denn er will, daß Malka das ganze Geschäft leite. Die Alten werden in der Swietojurskagasse mit Talglichtern und Früchten handeln. Der Junge bekommt aber einen halben Tabak-Laden in der Marschalkowskagasse. Jojne kann dort nicht allein sitzen und er muß eine gelernte Frau haben. Schwarzenkopf: Und was werde ich davon haben? Wenn Firulkes wird von meiner Tochter einen Nutzen haben, so wird es doch mein Schaden sein! Pake: Du alter Schwarzenkopf willst mich, Pake Rosenthal, zum Besten halten? Wozu brauchst Du Deine Tochter? Dein ganzes Geschäft besteht dock nur in Zündhölzchen und Cigaretten, die Du vor dem Eldorado verkaufst. Malka taugt zu diesem Geschäfte nicht und Du mußt ihr doch zu essen geben. Jojne Firulkes zum Schwiegersohn zu haben, ist für Dich ein seltenes und feines Geschäft, das Du nur der Pake Rosenthal zu verdanken hast. Daher mach' mir nichts vor, denn Du zitterst ja ganz vor Freude, daß Du Deine Malka los wirst.