Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 3 (20.1.1899)
- Date
- 1899-01-20
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 64 Ar. 3 Dr. Bloch's Wochrnfchrrst. Die Arbeit treibt mich früh araus Uu lasst mich spät zurück; O. fremd is mir mein eigen Leib! 0. fremd mein Kind’s a Blick! . . .“ Gewaltig zürnend erhebt der Dichter die Anklage gegen die „Schatten-Ehapper", wie er sie heißt: „ . . . A da. \vu Millionen vernutzt men zum Spass, Da lasst men varhungei’en Menschen in Dass’; Auf Kowed, auf Luxus \vu Geld werd vanvendt, ls’ far dem Gedrückten varschlossen die Hand’ . . . Morris Rosenfeld ist ein Dichter. I. S a s ch a r. H. G. Wir haben die erbärmliche Heuchelei der Antisemiten, welche die Trennung der Schulkinder nach den Confessionen mit pädagogischen Gründen rechtfertigen wollen, wiederholt gegeißelt. Leetor Ein freisinniger Schriftsteller, der auf Ehre hält, wird einem Theater, das prineipiell die Annahme eines Stückes von der Confeffion des Autors abhängig macht, feine Bühnenwerke nicht überlassen. Darüber kann es wohl keinen Zweifel geben. „Kunst wist Gunst." Dieselben Antisemiten, welche gegen alle großen jüdischen Künstler — Mahler, Sonnenthal rc. — bisher so unendlich albern vorgeganqen, nehmen gleichwohl vom regierenden Fürsten von Liechtenstein werthvolle Gemälde von Isidor Kaufmann und Simon Glücklich gerne an. Einem geschenkten Bild sieht man eben nicht auf.— das Schild. Briefkasten. Chewra Kadischa. Ein neues Vereinsmitglied hat außer dem Jahresbeiträge von fl. 10.50 eine Aufnahmsgebühr von fl. 50 zu entrichten, welche bei bescheidenen Verhältnissen ermäßigt werden kann. I. Wien, N. Ein derartiges Ehepaar darf ein Rabbiner nicht trauen und die vollzogene Trauung ist vom religionsgesetzlichen Standpunkt ungiltig. R. R. Nach dem ungarischen Gesetze kann allerdings der Richter die Zeugen dazu zwingen. I. Pollak, Wie«. Ihr Urthcil ist sehr voreilig. „Malta Schwarzenkops" ist eines der judensreundlichsten Theaterstücke, die je aufgesührt wurden. Es ist ein großes Verdienst der Dichterin, daß sie als Erste das jüdische Proletariat auf die Bühne gebracht und seine, selbst den meisten Juden unbekannte Nothlage gezeigt hat. Schmeicheleien und Lobhudeleien sagt sie uns nicht, und das wäre auch überflüssig. Gerade durch seinen Realismus, durch die wahrheitsgetreue Schilderung des großen Elends der jüdischen Massen und durch Vcrnrtheilung der Verschwendungssucht und nationalen Selbstentäußerung bei einer gewissen jüdischen Jugend hat das Stück besonders die christliche Welt gefesselt und bei einem großen Theile vielfache Vorurtheile zerstreut. Freilich hat sich auch Niemand schon auf Grund der ersten Hälfte des ersten Actes ein Urtheil gebildet. L. B. Ueber diesen Punkt hat sich Macaulay, der ein nicht so ganz bornirter Herr gewesen sein soll, ror vielen Jahrzehnten bereits in folgender Weise geäußert: „Die Differenzpunkte zwischen Christenthum und Judenthum haben sehr viel mit der Tauglichkeit eines Mannes zu thun, Bischof oder Rabbiner zu sein. Aber sie haben mit seiner Tauglichkeit, Magistratsperson, oder Gesetzgeber, oder Finanzminister zu sein, nicht mehr zu thun als mit seiner Tauglichkeit, ein Schuhflicker zu sein. Niemand hat jemals daran gedacht, die Schuhflicker zu nöchigen, irgend eine Erklärung über den wahren Glauben eines Christen abzugeben." A M. Die Deutschnationalen Schönere r'scher Couleur planen einen Massenaustritt aus der katholischen Kirche, weil diese ihnen zu verjudet ist. Da jedoch die meisten Juden, die ihrer Religion abtrünnig wurden, sich zmn Protestantismus bekehrten, werden die Schönerianer sich schließlich doch einen eigenen Wotan-Cultus zurechtlegen müssen. Professor M. 91. Wenn der schwerhörige T r e i t s ch k e und der blinde Dührin g die Meinung vertraten, daß man von den Juden weder Gutes höre noch sehe, so können sich die Juden über dieses abfällige Urtheil wohl trösten. A Ihre Frage, ob Greg orig zu dem Kränzchen der Sodawasser-Fabrikanten, welches Montag stattgefunden, eine Einladung erhalten, haben wir nicht gut verstanden. 91. G (III. Bezirk). Sie behaupten, daß man im „Deutschen Volksblatt" doch manchmal auch ein wahres Wort zu lesen bekomme. Da Sie als Beweis hiefür, aus einer Sclbstberichtigung des Vergani- Blattes in der Affaire Guttmann das demüthige Bckenntniß des Blattes citiren, daß e s gelogen, müssen wir Ihnen Recht geben. H 91. Mahler ist ein getaufter Jude. Die Chrytlich-Soeialen gehen eben weiter als Wagner und wollen auch von dem getauften „Judenthuni in der Musik" nichts wissen. Da normale Menschen — unbeschadet ihrer religiösen Ueberzeugung — der Meinung sind, daß in Fragen der Kunst die Frage nach der Religion keine Berechtigung habe, wird man den Christlich-Socialen das Zeugniß nicht verweigern können, daß sic sich über die Gesetze des normalen Denkens souverän erheben. Adolf I—t». (II. Bezirk.) Es ist eigentlich noch fraglich, ob man bei einem solchen Verglerch nicht den — Affen beleidigt, der doch ein ziemlich harmloses Geschöpf ist. 81. L. Ob der Staatsanwalt nichts dagegen hätte, wenn ein liberales Blatt nach dem Beispiele Verganis, der immer von „j ü d is ch e n" Betrügern spricht, auch andere C o n s e s s i o n e n mit der Gaunerei in Verbindung brächte £ Es käme auf die Probe an. Jguotus. Wiederholt spricht Kant in verehrungsvollen Worten von Moses Mendelssohn. Danksagung. Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums unserer Chewra Kadischa fiitb mir, als dem Gründer dieses Vereines, zahlreiche Zeichen der Ehrling und Sympathie zugekommen, wofür ich hiemit allen Freunden Dank sage. Insbesondere erstatte ich meinen Dank Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Reich, Herrn Moriz Leitner, Präses der Chewra Kadischa, sowie allen Vereinsmitgliedern; ferner dem löblichen Vorstaltd und den Mitgliedern der Chewra Kadischa in Liesing, welche mich aus diesem Anlasse außerordentlich geehrt haben. Baden, den 16. Jänner 1890. A n t o n S ch u e i d e r Präses der israelitischen Cultnsgemeinde in Baden. Notiz. Anläßlich der herallltahenden Peffach-Festtage werden in den meisten Familien Tafelgeräthe, hauptsächlich Eßbestecke, nachgeschafft, ultd es ist für Jedermann von Interesse, eine in diesen Artikeln leistungsfähige Bezugsqltelle kennen zu lernen. Wir machen unsere geehrten Leser auf die bekannte Firma Brüder Gold mann „Zur Brillantenkönigin", Wien, 1. Adlergasse 8, aufmerksam, woselbst eine reichere Auswahl von echt Silber-, sowie Berndorfer Chinasilber-Eßbestecken, Tafellenchtern, Sederschüffeln und allen zu Hochzeitsgeschenken geeigneten Artikeln in solider mtd phantasiereicher Ausführung preiswürdig zu haben ist. M| - ♦ ♦♦4.4 g*'* (V 55 ♦ Organ für die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft. Herausgeber Dr. S. R. Landau. -— Zweite r Jahrgang. I ä n n e r h e f t. Dr. S. Lande sbergcr: Zum proletarischen Zionismus. — Monats-Rundschau. — Die Arbeiterfrage am Zionisten-Congreß. Rede von Dr. S. R. Landau. — Professor Dr. Rußland: Jüdische Wirthschaftsgeschichte. — Aus dem jüdischen Arbeiterleben. — Berichte. — Literatur. — Feuilleton. R. A. B r a u d e s : Abraham Goldfaden rc. Jahres-Abonnenient 1 fL 2 ®. . Man abbonnirt in der Administration: „Der jüdische Arbeiter" Wien, IXjl, ©tafergafle 7. . Probenummern g r a tis und franco. Concurs. ist In der israelitischen Cultusgemeinde Rosenberg (Südböhmen) wird ein behördlich ' autorisirter Rabbiner, der gleichzeitig Chasen und Koreh sein muss, mit einem fixen Jabresgehalte von 1100 Kronen nebst freier Wohnung und sonstigen blebenem olmnenten per 1. März 1. J. ausgenommen. Bewerber wollen ihre Gesuche bis 15. Februar 1. J. an den Gefertigten einsenden. Nur dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Der Vorstand. Herausgeber: Dr Josef L. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von St. Kamus & Co., Wien, VL Theobaldg. 7