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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-01-20 · 3 (20.1.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
3 (20.1.1899)
Date
1899-01-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 4.: Dr. Blvch's Wvchenschrist. Nr. i wird, dürste sie auch schließlich zu einer gemeinsamen Action im Interesse der Erweiterung der Landesautonomie bewegen. Allem an der Zulassung eines jüdischen Repräsentanten in den Landesschulrath haben doch nur die Inden allein ein hervorragendes Interesse. Und darum müssen sie es vorerst verlangen, laut und vernehmbar. Es gilt für sie, eine 30jährige Nachlässigkeit von sich abzuschütteln und damit den Beweis politischer Reife-zu erbringen. Nicht darin, daß die galizifchen Juden weder bei der Anstellung von jüdischen Religionslehrern, noch bei Beschlüssen über den Religionsunterricht, die Lehrbücher re. nicht mitsprechen dürfen, sondern schon darin, daß sie eines Rechtes beraubt sind, das sonst den Juden aller anderen Provinzen in Oesterreich zusteht, liegt für sie eine doppelt schwere Zurücksetzung und ein umso größerer Ansporn, nicht zu ruhen und zu rasten, bis sie dieser staatsbürgerlichen. Minderwerthigkeit ein Ende gemacht haben werden. Beschlüsse der Cultnsvorstände, Petitionen der Cultusgemeinden, Resolutionen der politischen Vereine u. dgl. würden den berufenen Factoren zeigen, daß es in Galizien noch eine jüdische öffentliche Meinung gebe. Sie würde sich durch ihre Entschiedenheit auch Gehör verschaffen. Ter Eintritt in den Landesschulrath muß aus der Tagesordnung bleiben! L. Der „IudrnKnecht" auf dem Throne. Das hiesige „völkische Organ" polemisirt gegen Kaiser Wilhelm und benörgelt eine Ordensverleihung, die er sich hat zu Schulden kommen lassen und die der „Ostdeutschen Rundschau" als eine bcklageuswerthe Verirrung erscheint, für welche sie den „Druck einer Staatsnothwendigkeit" als Milderungsgrund zuzugestehen die Güte hat. Bei der „Ostdeutschen Rundschau" freilich kann von dem Drucke einer Staatsnothwendigkeit nicht gesprochen iverden; die Staatsnothwendigkeit erfordert den Druck der „Ostdeutschen Rundschau" nicht im Geringsten. Jnsoserne sie sich aber als eine „völkische" Nothwendigteit betrachtet, sich berufen erachtend, die Hüterin der Reinheit des deutschen Gedankens zu sein, so sollte sie sich doch nicht so lächerlich machen, eine Handlung der höchstgestellten Persönlichkeit aller Deutschen, des thatkrästigen und energischen Fürsten, des Repräsentanten der Machtsülle des deutschen Volkes, als eine unfreiwillige, als eine erzwungene, als eine Demüthigung vor der Geldmacht des Judenthums hinzustellen. Maler Menzel hat den Schwarzen Adlerorden, und Baron Alfred Rothschild hat den preußischen Kronenorden erster Claffe erhalten. Einen „jüdischen Geldsürsten", das muß die „Ostdeutsche Rundschau" erleben, hat Wilhelm U. decorirt. Armes Alldeutschland, wohin hat dein Deutschthum sich verirrt, sogar dein Kaiserthron ist verjudet, wenn er vor dem unerträglichen Zwange, das Knopfloch eines Juden schmücken zu müffen, nicht geschützt ist! Was kann nur den deutschen Kaiser bewogen haben, die alldeutsche Seele des Herrn K. H. Wolf, die teutoburgischen Empfindungen seines Leirartiklers so tief zu verletzen? Dle Ehrung Rothschilds wurde auf die Verdienste zurückgeführt, die sich Rothschild um die Herbeischaffung ernes besseren Einvernehmens zwischen den Mächten errungen hat. „Mit erschreckender Deutlichkeit", ruft der publicistiMe Herold der Markomannen und Cimbern ait§, „enchüllt diese Begründung die unheimliche Macht des jüdischen Capitals^ und mit Recht wirst ein reichsdeutsches antisemitisches Blatt bei dieser Gelegenheit die Frage auf: „Wer regiert?" Die Antwort darauf soll offenbar die sein, daß nicht der deutsche Kaiser Deutschland regiert, sondern der jüdische Geldfürst, der Baron Alfred Rothschild, der wegen seiner angeblichen, zwischen den Mächten vermittelnden Thätigkeit ein „Schadchen" oder noch verächtlicher „ein politischer Kuppler" genannt wird. Fürst Bismarck war bekanntlich ein „ehrlicher Makler". War er nicht auch ein „politischer Kuppler"? Die weltumfassenden ostdeutschen Polirrker wissen andererseits zu erzählen, daß das Haus Rothschild auch Kriege anzettelt. Der letzte große Krieg zwischen Spanien und Nordamerika soll hauptsächlich von der „amerikanischen" Börse angeftistet worden sem. Und dennoch habe man noch keinen semitischen Beherrscher der Börse erschossen ober geheutt. Mau sollte es nicht glauben, mit welcher „erschreckenden Deutlichkeit" die völkische Geistesgestörtheit in diesen Ausführungen zu Tage tritt. Man könnte glauben, der Mann, der das niederschreibt, habe die Aufgabe gehabt, einen Antrag des Stadtrathes zu motivireu. Solche Dinge können überhaupt nicht widerlegt werden; nur nebenbei sei bemerkt, daß sämmtliche amerikanische Börsenmatadore die reinsten Arier sind. Allein es ist interessant, daß die „Ostdeutsche Rundschau" die Version, Baron Alfred Rothschild habe sich diplomatische Verdienste erworben, er habe zur friedlichen Annäherung der Mächte beigetragen, selbst für richtig hält. Also auch die verdienstliche Handlung eines Juden reizt ihren Zorn. Sehr häufig hört man zur Entschuldigung oder Beschönigung des Antisemitismus ansühren, daß die Juden selbst theilweise mit daran Schuld seien durch ihre unangenehmen Eigenschaften, durch ihre Fehler, durch ihre Laster, durch ihre Verbrechen. Um das darzuthun, wird jede Verhaftung eines jüdischen Betrügers als ein Freudenfest gefeiert, nämlich als Beweis für die Gefährlichkeit des Judenthums. Die arischen Lustmörder, Einbrecher, Obligationen-Defraudanten und sonstige Ehrenmänner werden niemals hinsichtlich ihrer Confession oder Nationalität gekennzeichnet. Dieser besonderen Würdigung erfreuen sich, um eben die beabsichtigte Wirkung zu erzielen, nämlich die Juden als verächtlich und Hassenswerth erscheinen zu lassen, nur jüdische Verbrecher. Sehr häufig geschieht es, daß arische Gauner, deren Namen halbwegs jüdisch klingen, ohneweiters als Juden bezeichnet werden. Nun wäre es zwar ungerecht, aber eher begreiflich, wenn man die Juden wegen schlechter Eigenschaften Einzelner hassen und verfolgen würde. Thatsächlich sehen wir aber, daß gerade die Bethätigung guter Eigenschaften bei den Juden ihre berufsmäßigen Verfolger zu viel größerer Wuth aufstachelt als alle Schandthaten, die jemals von Auswürflingen des jüdischen Volkes begangen wurden. Ein jüdischer Wucherer reizt die unzurechnungsfähige Wuth der christlich-socialen und cheruskischen Antisemiten beiweitem nicht in dem Maße wie ein großer jüdischer Dichter. Ein jüdischer „Kratzer", der Waaren herauslockt, findet viel eher ihre Nachsicht als ein Jude, der in der Wissenschaft oder in der Kunst sich Anerkennung in der ganzen Welt erworben hat. Und so ist es denn ein Symptom dieser geistesgestörten Richtung, daß die Anerkennung eines Verdienstes, welches sich ein Jude, dieser Angehörige eines, wie sie gerne sagen, „zersetzenden" Elementes, um den Völkerfrieden erworben haben soll, Aeußerungen eines bestialischen Ingrimms hervorruft, der auch vor dem Kaiserthrone Deutschlands nicht Halt macht. Die Juden sollen so niederträchtig sein, wie es die Antisemiten haben wollen, um sie mit einem Anschein von Recht verfolgen zu dürfen. Sind sie es aber nicht, sind sie vielmehr so perfid, sich durch nützliche Fähigkeiten und bürgerliche Tugenden auszuzeichnen, so ist das noch empörender. Diesem Gedankengang, wenn der Ausdruck anwendbar ist, ist der lehrreiche und heitere Artikel des ostsriesiscl)en Zeitnngskriegers zu danken, der dem deutschen Kaiser die Rolle eines gekrönten Judenknechtes vindicirt. Zeugenaussagen über dir gallischen Exerffe. Krakau, im Jänner. Die Strafproeesse gegen die Excedenten, die sich wie eine Seeschlange seit Monaten ziehen, gehen nunmehr zu Ende. Die letzten haben das Kreisgericht von Neu-Sandee beschäftigt. Dabei sind jedoch so intere>sante Details über das Verhalten der k. k. Behörden und des k. k. Militärs in die Oeffentlichkeit gelangt, daß man erst jetzt in der Lage ist, ein richtiges Urtheil darüber zu fällen. Von verschiedenen Seiten wurde dieses Verhalten anders geschildert; erst vor dem Gerichtshof in Neu-Sandee hat ein vollkommen classischer Zeuge, der k. k. Notar O b m i n s k i von Alt-Sandec, durch seine Aussage gezeigt, welcher der widerstreitenden Meinungen wir Glauben schenken sollen — der unglaublichsten. Die galizifchen Excesse werden das österreichische Parlament noch beschäftigen, da die Regierungsvorlagen über die Suspension der Geschworenengerichte und' üoer die Einführung des Ausnahmszustandes an erster Stelle auf der Tagesordnung stehen. Wie wir gehört haben, ist auch Dr. S t r a u ch e r als erster Redner

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