Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 42 Dr. Blvch's Wochenschrift. 2 Kolumna beigesetzt hat. Aber ich kann mir gar kein Prädicat beilegen, denn mein Name endet nicht auf „ski", sondern auf „zweig". Wie würde das ausschauen: Kolumna Silberzweig. Jacob: Und ich würde meinen Namen um nichts in der Welt ändern. M o r i z: Ich würde mich an Ihrer Stelle Lewinski nennen. Jacob: Warum? Geht es Ihnen vielleicht um das Alter der Familie? Der Name Löwy ist älter als alle Adelsfamilien mit ihren Stammbäumen. M o r i z: Wiedenski hat mir erklärt, daß er mich in keiner Adelsfamilie einführen wird, wenn ich noch weiter Silberzweig heiße. Jacob: Ich kenne den Herrn Wiedenski nicht näher. Aber was ich von ihm erzählen hörte, ist für ihn durchaus nicht schmeichelhaft. Uebrigens liegt mir daran sehr wenig. Ich bin nicht Ihr Vormund und habe auch nicht die Absicht, Sie zu beaufsichtigen. Ich glaube jedoch, daß Ihre Tante seligen Andenkens, obwohl sie Silberzweig hieß, dennoch ihrem Namen durch ihre Herzensgüte und ihren Wohlthätigkeitssinn Ehre gemacht hat. Schon ihr Waisen- und Siechenhaus genügen, um ihren Namen für lange Jahre und viele Generationen in Ehren zu erhalten. M o r i z: Meine Tante war demokratisch und philantropisch gesinnt. Sie hat das Geld förmlich verschwendet und hatte eine Manie, die schmutzigen Juden haufenweise zu beglücken. Jacob: Sie nennen es Verschwendung, wenn man Hunderte von Familien vom moralischen und physischen Elend befreit? M o r iz: Aber was hatte sich meine Tante um solche Dinge zu bekümmern? Wenn nicht ihre dumme Philantropie, so hätte ich ein doppeltes Vermögen nach ihr geerbt. Ich Hab' es nur ihrem plötzlichen Tode zu verdanken, daß ich aus dieser Noth heraus konnte und jetzt mit freier Brust aufathmen kann. Meine Tante war mir nie gut, sie hat sich geweigert, meine Schulden zu bezahlen. Jacob: Sie litten ja keine Noth. Von Ihrem Posten hatten Sie ein genügendes Einkommen. Moriz: Ein sehr genügendes Einkommen! Jacob: Mein Gehalt ist noch geringer und doch lebe ich anständig davon, ohne über mein Los zu schimpfen. Moriz (bläst sich aus): Denn Sie haben geringe ästhetische Bedürfnisse. Jacob: Das mag sein. Dennoch bin ich zufrieden. Nun zur Sache, die mich hergeführt hat. Sie wissen, daß Ihre Tante sich für die Erziehung eines armen Mädchens Namens Malka Schwarzenkopf, der Tochter eines armen Juden, der von Hausiren mit Zündhölzchen lebt, interessirte. Moriz: Jawohl, ich habe davon gehört. Jacob: Fräulein Schwarzenkopf ist 18 Jahre alt und kehrt nach Absolvrrung des Pensionats in Breslau nach Warschau zurück. Das Honorar für das letzte Jahr des Pensionats hat Ihre verstorbene Tante im vorhinein bezahlt und Fräulein Schwarzenkopf benützte diese Wohlthat, um das Pensionat vollständig absolviren und ein Diplom erhalten zu können. Nun kehrt sie heute mit dem Nachmittagszuge nach Warschau zurück, wovon sie mich telegraphisch benachrichtigt hat. Wie denken Sie sich nun zur Ziehtochter ihrer Tante zu stellen? Moriz (zündet sich eine Cigarre an): Mein lieber Herr Löwy! Ihre Frage setzt mich in Erstaunen. Was kümmert mich eigentlich dieses Fräulein Schwarzenkopf? Maa sie mit ihrem Diplom gehen, wohin sie will. Ich habe kein Asyl für absolvirte Penstonistinnen. Jacob (vermag sich kaum zu beherrschen): Es handelt sich hier gar nicht um ein Asyl, sondern um die Festsetzung einer Summe, die dem Fräulein Schwarzenkopf gestatten würde, auch fernerhin entsprechend ihrer Bildung und Erziehung zu leben. Sie dürfte wahrscheinlich bald irgend eine Beschäftigung sinden, aber man darf sie wenigstens für die erste Zert nicht ohne Mittel lassen. Sie kann ja doch nicht zu ihrem Vater zurückkehren? Moriz: Ich möchte, wissen, warum nicht? Jacob: Dieser alte Schwarzenkopf ist ein gewöhnlicher Jude, und Fräulein Schwarzenkopf ist ein gut erzogenes, distinguirtes Mädchen. Was für ein Leben müßte sie in dieser tief unter ihrem Niveau stehenden Umgebung zubringen? Moriz: Das kümmert mich nicht. Ich wiederhole, daß ich mein Geld auf so wahnsinnige Weise zu vergeuden nicht beabsichtige, wie meine Tante. Jacob: Sie wollen also nichts für das Mädchen thun? Moriz: Nichts, und ich rathe Ihnen, sich zu beeilen, falls Sie das Fräulein erwarten wollen, denn in zehn Minuten trifft der Zug hier ein. Jacob: Haben Sie keine Angst. Ich werde noch rechtzeitig ankommen, um ihr diese traurige Botschaft zu überbringen. Armes Mädchen! Was wird sie nun anfangen? Moriz: Es wird ihr nicht an Beschützern fehlen. Ich empfehle mich. Jacob: Ich empfehle mich. (Ab.) 6. Scene. Moriz (Allein). Ein imerträglicher Pedant! Das hätte noch gefehlt, daß ich -irgend eine Malka in Schutz nehme und drauf Geld verschleudere. Das muß schon ein fesches Mädel sein, dieses Fräulein Schwarzenkopf von den Nalewki. Schwarz wie Pech und mit einer Adlernase. Ich hätte schon wirklich nicht, wofür Geld auszugeben. (Fortsetzung folgt.) Erziehung und Unterricht. Bon Jda Oppenheim. (Schluß.) Biel schlimmer sah-es mit dem Unterricht im 17. und 18. Jahrhundert aus. Allgemeine Dürftigkeit drückte die Juden; nur einzelne besaßen größeres Vermögen. Dennoch ließen sie nicht von der Idee, daß die Schule den Hauptzweck ihrer Zukunst bildete. Sie wurden aber gemieden, verstoßen, so wurde die Sprache und der gesellige Umgang vernachlässigt. Indessen Lehrer wollte selten Jemand werden. Die Gemeinden mußten gerade dieses Fach mit mehreren anderen verbinden. Der Lehrer sollte Vorsänger, Schächter u. s. w. sein. Das Sprichwort lautete: Aus einem Bocher kann man alles machen. Wie konnte ein solch geplagter Mann unterrichten? Die Disciplin in diesem C h e d e r (Winkelschule) war auch demnach arg. Der Lehrer ging gewöhnlich an sein schweres Tagewerk mit Geistesstumpfheit und Gleichgiltigkeit. Die Kinder fürchteten ihn wie einen Tyrannen. Das Kind wurde nie von seinen Fehlern überzeugt. Falsches Lesen wurde mit Maulschellen, das Lachen mit Ohrfeigen, falsch Gelerntes mit Haarzupsen, das Weinen mit Kneifen, die Unaufmerksamkeit mit Prügeln, die Dummheit mit Anlegen von Schandzeichen, die Bosheit mit Arrest bestraft. Da war die Schule den Kindern eine Marter. Den traurigen Verhältnissen entsprach auch das Local. Das Cheder, Schulstube, war die Wohn- und Schlafftube für die Lehrerfamilie, ein enges, niedriges, licht- und luftarmes, unsauberes Gemach, worin eine. Anzahl Kinder — Knaben und Mädchen — gedrängt nebeneinander saßen. Wände uud Laden bestaubt und mit Spinnweben besäet, die Fensterscheiben wie Bienenzellen in Blei gefaßt. Die Lehrer waren meist zugereiste polnische Juden — Gelehrte und Rabbiner —- die geradezu verderbenbringend aus die Kinder einwirkten. Die Schule wurde den armen Judenkindern zur Folterkammer. Aus der Straße wurden sie von der christlichen Schuljugend mit Schimpfworten, Püffen und Schlägen überhäuft; im Hause sahen sie die ernsten sorgenvollen