Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 41 im Sterbehause die Rabbiner aus Wartberg und Joka, im Friedhofe der Rotheer Kreisrabbiner Koloman Weber. Berlin. % Jänner. Der Senior der Berliner Stadtverordneten, Sanitätsrath Dr. Neumann, dessen gegenwärtige Wahlperiode noch in diesem Jahre (1899) abläuft, vollendete am 6. Jänner sein vierzigstes Amtsjahr als Stadtverordneter. Er trat am 6. Jänner 187,9 in die Berliner Stadtverordneten- Versammlung als Mitglied ein und wurde nach Ablauf seines Mandats immer wiedergewählt — im Ganzen siebenmal. Dies seltene Ereignis; hat Magistrat und Stadtverordnete bestimmt, deni Jubilar an seinem Ehrentage eine werthvolle Glückwunsch - Adresse zu widmen. Auf eine vierzigjährige Dienstzeit als Gemeindevertreter kann außer ihm nur noch ein Stadtverordneter zurückblicken: der greise Gelehrte Professor Dr. Virchow, der ebenfalls im Jahre 187,9 in die Stadtverordneten-Versammlung eintrat und auch siebenmal wiedergewählt wurde. Sanitätsrath Dr. Neumann ist auch Vorsitzender im Curatorim der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Feuilleton. Malka Schwarzrnkvpf. Schauspiel in fünf Acten von G. v. Zapolska. A n t o r i s i r t e B e a r b e i t u n g für die d e n t s ch e Bühne von S. R. Landau. Den Bühnen gegenüber Manuscript. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Erster Act. 4. Scene. Vorige, dann Jacob Löwy, ein Diener. Der Diener: Ein Herr will Sie sprechen. Wen? W i e d e n s k i: Der Diener: Den Herrn Moriz. Wiedenski: Ich habe Dich Trottel ullterrichtet, daß Du sagen mußt, den gnädigen Herrn. Moriz: Das ist der Concipient meines Advocaten. Ich bitte ihn vorzulassen. Sie gestatten, daß ich ihn in mein Arbeitszimmer führe. W i e d e n s k i: Aber selbstverständlich! (Der Diener geht fort, man spielt und singt; Bewegung, Lärm.) Moriz: Der wird mich noch mit seinen Geschäften quälen. 1. Ch ansonnette: Du kannst ihn ja hinausschmeißen. Moriz: Du kannst sicher sein, daß ich das thnn werde, sogar mit Vergnügen. (Jacob Löwy tritt ins Zimmer. Ein junger Mann mit edlen Zügen und vornehmer Haltung.) Jacob: Sie verzeihen. Wie ich sehe, bin ich zu Unrechter Zeit gekommen. Moriz: Aber nein. Kommen Sie nur her. Was bringen Sie Neues? Wenn Geld, dann heiße ich Sie willkommen. Adelchen spie? nun was. 1. Chanson nette: Vielleicht einen türkischen Marsch? Moriz: Was fällt Dir denn ein; ich bin doch nicht „stier". Im Gegentheil. Jacob: Ich bin heute nicht in Geldangelegenheiten zu Ihnen gekommen. Moriz: Weshalb denn sonst? Jacob (weist auf die Gesellschaft hin): Es fällt mir schwer, in so zahlreichem . . . geschweige denn so lustigem- Kreise die Dinge vorzubringen. W i e d e n s k i: Adelchen, so spiele doch einen Trauermarsch. (Sie spielt den Trauermarsch von Chopin.) Moriz: Hör' doch auf. Du bist ja die reinste Drehorgel. Ich bitte auf mein Arbeitszimmer. W i e d e n s k i (springt vom Sessel auf): Meine Damen! Ich proponire, daß wir uns Alle in das Speisezimmer begeben. Wir nehmen die Vorräthe mit und überlassen den Moriz als Opfer dem Sohne des Themis. 1. C h a n s o n n e t t e : Wessen Sohne? W i e d e n s k i: ' Das ist nicht für Dich! Also, gehen wir, meine Damen. (Nimmt die Bouteillen mit.) Die Witwe mit uns. B e r n a r d : Selbstverständlich! (Sie gehen Alle lachend und anstoßend hinaus.) 7>. Scene. Morij und Jacob. Moriz: Um was handelt es sich denn? Aber ich mache Sie daraus aufmerksam, daß ich keine Zeit habe und daß ich erwartet werde. Jacob: Haben Sie keine Angst. Unsere Conferenz wird nicht allzu lange dauern. M o r i z: Bitte, nehmen Sie Platz. Vielleicht möchten Sie mich früher als Jurist darüber aufklären, ob die Formalitäten bei einer Namensänderung lange dauern müssen. Jacob: Bei einer Namensänderung? Wie meinen Sie das? Moriz: Sehen Sie, ich möchte doch meinen Namen ändern, denn der Name Silberzweig ist nicht schön. Ich möchte wie ein Schlachziz heißen, Srebrnowski oder ähnlich. Silberzweig, das ist ja furchtbar jüdisch. Jacob: Sie schämen sich also, ein Jude zu sein? Moriz: Nun, sehen Sie — solange ich im Comptoir saß, da ging es noch an. Aber jetzt, nachdem ich eine so große Erbschaft gemacht habe, möchte ich doch aus der alten Haut heraus und möchte nicht sein... Jacob: Ein Jude?! Das ist sonderbar. Bleiben Sie doch lieber ein Silberzweig. Ein wahrer Srebrnowski werden Sie nie werden. Sie werden blos aufhören, ein Silberzweig zu sein. Und so werden Sie wie Twardowski in der Legende zwischen Himmel und Erde baumeln. Sie werden sich nur von den Ihrigen lossagen und in die neuen Kreise werden Sie kaum gelangen. Moriz: Warum kaum? Wenn ich Geld habe, so wird das schon sehr leicht gehen. Schauen Sie doch diesen Wiedenski an, der ist ein ganz gewöhnlicher Jude aus Przemysl. Er hat sich viel in der Welt herumgetrieben, hat immer etwas Geld bei sich und darum wird er auch überall empfangen, selbst von der Aristokratie. Jacob: So erzählt er Ihnen, und Sie glauben es ihm. Moriz: Warum sollte ich es ihm nicht glauben? Seine Cigarrentasche ist ganz mit Grafen- und Baronenkronen ausgestattet, die ihm seine Freunde, die Grafen und Barone, geschenkt haben, und in seinen Taschen wimmelt es von aristokratischen Visitkarten. Und warum das Alles? Nur deshalb, weil Wiedenski Verstand hat und seinem Namen das Prädicat