Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 2 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 39 bildet Euch aber ja nicht ein, daß Ihr besser als Euer Vater seid." Diese Begrüßung habe Diderot als die beste bezeichnet, die er je erfahren; und ähnlich gehe es auch ihm. Hierauf begrüßte Advocat Dr. Duschenes in beredter und eindrucksvoller Rede den heutigen Erfolg des Centralvereines. Dr. Kisch schälte in geistvoller Weise als den Kern des heutigen Vortrages die letzten Worte desselben heraus. Geistvoll sprach noch Dr. Welsch und in jubelnd ausgenommener Weise Pros. Klar und Intendant Teweles. Berlin. Die Zahl der Uebertritte vom Judenthume ist erfreulicherweise trotz der Kindertaufen nicht gestiegen. Sie betrug in den letzten fünf Jahren: 1892, 103; 1893, 170; 1894, 140; 1895, '105; 1896, 105; während zum Judenthume in diesen Jahren 7, 2, 4, IO, 8 Personen übergingen. Die Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden vermochte nur 12 Juden im Jahre 1896 zur Taufe zu bringen. — Bekanntlich besteht seit zwei Jahren eine Deutsche Palästina- und Orientgesellschaft, welche die Pflege der Handelsbeziehungen zwischen Palästina, das heißt dem christlichen Palästina und Deutschland zu seiner Aufgabe hat. Dabei hatte die Gesellschaft die Unterstützung des großen Bankhauses von der Heydt und hat, wie der dem Aufsichtsrath am 8. December vorgelegte Bericht ergibt, sehr gute Erfolge zu verzeichnen. Das Capital soll demnächst vergrößert werden. Leider ist diese Gesellschaft ganz streng christlich und die Juden in Palästina finden bei ihr keine Förderung. Magdeburg. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Magdeburg hielt Herr Prof. Dr. Philippson einen sehr interessanten Vortrag über das Thema: „Ein jüdischer Leibarzt der Königin Elisabeth und Shakespeares Shylock." Aeußerlich scheinen diese Charaktere nichts mit einander gemein zu haben, aber der Vortragende führte sie innerlich desto näher zusammen und legte dar, wie letzterer aus dem ersteren hervorgegangen sei und ohne diesen gar nicht möglich gewesen wäre. Der Vortrag versetzte in die Zeit der allbekannten und im gewissen Sinne sogar berüchtigten Königin Elisabeth von England mit ihrer Günstlingswirthschaft. Der Redner schilderte, wie der jüdische Leibarzt der Königin, Lopez, unter der Beschuldigung, seine Herrn: vergiften zu wollen, von seinen Gegnern gestürzt und vernichtet wurde. Und weil Lopez ein Jude war, sei der damals ohnehin schon bestehende Judenhaß noch in bedeutender Weise verstärkt worden, was schließlich darin gipfelte, daß der damalige englische Dichter Christoph Marlow ein Stück schrieb, dessen jüdischer Held als ein Muster von Abscheulichkeit hingestellt wurde, wodurch der Haß gegen die Juden nur noch verniehrt sei. Demgegenüber, und darin liege das Verbindungsglied zwischen dem jüdischen Leibarzt Lopez und Shylock, habe nun Shakespeare in letzteren: einen Juden geschildert, der dem psychologisch unmöglichen Ungeheuer des Christoph Marlow als wahrscheinlicher Mensch gegenübertrat. Zwar einen edlen Juden durfte Shakespeare in der danraligen Zeit nicht schaffen, um sein Stück nicht von vornherein durchfallen zu sehen; aber Shylocks Grausamkeit sei in: gewissen Sinne berechtigt und in seiner Hinneigung zu seiner unwürdigen Tochter verkörpere er die den Juden eigene Liebe zu ihren Kindern. Dies ungefähr der Inhalt des geschichtlich wie psychologisch interessanten Vortrages, den Herr Prof. Philippson mit der Mahnung und mit dem Wunsche schloß, daß alle Juden treu Zusammenhalten mögen in dem Jahrtausende alten Glauben ihres Stammes, andererseits aber auch in treuer Liebe zum Vaterlande. Richmond, December 1898. Das von der hier tagenden Convention der Amerikanischen Hebräischen Congregation aufgestellte Comite über die zionistische Bewegung, bestehend aus Dr. David Philipson, Simon Wolf und Josef Krauskopf, hat nachstehenden Bericht erstattet: „Wir sind leider in Kenntniß gesetzt und bedauern die unglückliche Lage, in welche viele unserer Glaubensbrüder in manchen fremden Ländern versetzt sind, wodurch natürlich, aber unglückseligerweise in ihnen sich das Sehnen nach Wiederherstellung eines Zions regte, so beschließen die hier versammelten Delegirten der Amerikanischen Hebräischen Gemeinden: daß wir unbeugsam einer zionistischen Politik opponiren. Die Juden sind keine Nation, sondern eine religiöse Gemeinschaft. Zion war eine kostbare Besitzung der Vergangenheit, das frühere.Heim unseres Glaubens, wo unsere Propheten ihre weltbezwingenden Gedanken aussprachen und unsere Psalmisten ihre nun in aller Welt gesungenen Hymnen sangen. Als solches besteht es in uns als ein heiliges Angedenken; aber es ist nicht unsere Hoffnung der Zukunft. Die Mission des Judenthums ist geistiger, nicht politischer Natur. Seine Zwecke sind nicht, Staaten zu gründen, sondern die Wahrheiten der Religion, die Grundsätze der Menschlichkeit durch die ganze Welt zu verbreiten." Diese Resolution wurde angenommen. Die Vereinigte Hebräische Amerikanische Congregation besteht jetzt aus 91 Gemeinden von dem Staate Maine bis Californien von Michigan bis Florida mit einer Mitgliedschaft von 8541 Mitgliedern. Aus dem Berichte des Comitös über bürgerliche und religiöse Rechte entnehmen wir folgende Sätze: Die Bemühungen des Comites, die Rechte der Individuen zu sichern, die ihnen ihrer religiösen Ueberzeugungen wegen vorenthalten wurden, waren äußerst erfolgreich und verdienen unsere herzlichste Anerkennung. In zahlreichen Fällen, wo das Emigrantengesetz den Zusammenbruch ganzer Familien und sonst Anderes bedrohte, wurde durch Bemühen ihres Comites vielfach geholfen. Wir stimmen den Handlungen des Comites sofern bei, daß was für dasselbe geschehen ist, für sie als amerikanische Bürger gethan worden und nicht weil sie Juden waren. Wir bedauern die fortgesetzte antisemitische "Agitation im Auslande und erfreuen uns mit dem Factum, daß unser Land von diesem Schandfleck frei ist. Den berühmten Dreyfusfall berührend, bittet das Comitö die hohe Befriedigung zu constatiren, daß die Gerechtigkeit im Angesichte fast unübersteigbarer Hindernisse denn doch triumphirt. Wir huldigen der Integrität solcher Männer wie Zola, welche den Weg geebnet haben zur Vindieation der unterdrückten Unschuld. Havana,31.December. (SpanischerWillküract gegen einen amerikanischen Händler.) Samuel L. Israel von Nr. 343 West 49. Str. zu New-Aork machte vor einigen Tagen an Obispo Str. in Havana einen kleinen Laden auf und verkaufte in demselben amerikanische Flaggen, billige Schmucksachen u. s. w. Gestern Abends kam seine Frau weinend zu General Greene und klagte diesem ihr Leid. Ihr Mann sei verhaftet worden und sie wisse nicht, was aus ihm geworden sei. General Greene schickte Capitän Mott zuu: Generaleapitän Castellanos und ließ diesen ersuchen, daß besagter Israel aus der Haft entlassen und vor ihn, Greene, gebracht werden solle. Eine Stunde später stand Israel, von einem Adjutanten des Generalcapitäns geleitet, vor General Greene im „Hotel Jnglaterra". Er sagte, er sei im Furza- Gefängniß eingesperrt gewesen. Israel erzählte, gestern Abends um 5 Uhr sei ein spanischer Lieutenant in seinen Laden gekommen, habe die amerikanischen Flaggen heruntergerissen, die Schaukästen zerschlagen und später drei Soldaten geschickt, die ihn verhaftet hätten. In: Gefängniß sei er gut behandelt worden. General Greene hat den Generalcapitän ersuchen lassen, die Angelegenheit zu untersuchen, und Letzterer ließ ihm antworten, er werde heute Vormittags dem General einen Bericht darüber einsenden. General Greene ist der Ansicht, daß, da Israel in Freiheit gesetzt ist, die Sache ihre Erledigung gefunden hat. Vermischtes. Wien. (Oe ft e rre i ch i s ch-i s ra eck i t i s ch e U n i o u.) Samstag den 14. d. M., halb 8 Uhr Abends, findet im Saale des Restaurants Khuner, I., Adlergasse 6, eine Vereinsversammlung der Oesterreichisch-israelitischen Union mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mittheilungen des Präsidiums: 2. Vortrag des Herrn Dr. Berthold Oppenheim, Rabbiners in Olmütz: „Das Judenthum im Staate"; 3. Anträge und Interpellationen; 4. Discussion. An den Vorstand des Politischen Volksvereines und an den Vorstand der Oesterreichisch-israelitischen Union ist je eine Zuschrift gelangt, laut welcher der Herr Statthalter von Niederöfterreich mit Erlaß vom 23. December 1S9X für die von den genannten Vereinen anläßlich des Allerhöchsten Regierungs-Jubiläums dem Kaiser dargebrachte Huldigung den Allerhöchsten Dank bekannlgegeben hat.