Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 2 (13.1.1899)
- Date
- 1899-01-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 34 ' Dr. Bloch's WochenschrM. Nr. 2 ihrem Neben- und Beieinander mit den sonstigen Ideen". — Zu den Kämpfen dieser Richtungen in der hellenistischen Periode vgl. Grimm, „Buch der Weisheit", S. 27—32. Er Lekämpt die Behauptung des Q 1 von der Vergeblichkeit alles menschlichen Mähens. Zu Cap. 2 i8_24a (Q 4) bemerkt er, daß man doch hiebei immer Gottes Hand spüren könne, der Erfolge nur dem ihm Wohlgefallendcn gewcn re und das vergebliche Mühen dem Sünder überlasse 2 24 d-ar> (excl. Schluß). Aehnlich folgt auf Cap. 3, 1 —10 (Q 4) die These von Q 4, daß Gott alles sehr schön eingerichtet habe, wenn dies auch der Mensch nicht immer cinsehen könne, und daß der Mensch jeden Genuß als eine Gabe Gottes dankbar hiuzunehmen habe und zu dem, was Gott angeorduet, nichts bcizuthun noch davon etwas wegnehmen dürfe, Cap. 7 u_14 u vgl. 6, 10. Besonders und wiederholt tritt aber Q 4 der Leugnung der gerechten Weltregierung seitens Q 1 entgegen. So folgt auf 3 U; (Q 1) sofort die Versicherung, daß das göttliche Gericht nur aufgcschoben sei und seinerzeit sicher erfolgen werde, V. 17, wodurch der Zusammenhang zwischen V. 10 und 18 schroff zerrissen wird. Ueberhaupt ist Cap. 3 J0_i7 interessant durch die beständige Opposition, die Q 4 dem Q 1 Vers um Vers macht, s. 2. d. St. unten. Aehnlich wird 3, 7 versichert, daß auch die Hohen von einem Höchsten werden zur Verantwortung gezogen werden, 8 5, ß, daß die Gesetzestreuen von Jahwe beschützt, dagegen die Frevler am Tage seines Gerichtes ihre Schuld würden zu tragen haben 717, is, daß frühzeitiger Tod die Frevler dahinraffe, die Gottesfürchtigen aber solchem Schicksal entgehen 8 12b. Aehnlich ist die Glosse Cap. 8 ,sb von der unausbleiblichen Bestrafung der Frevler, welche letztere doch Q 1 in 8 10 durchaus leugnet, woraus 0 4 sofort bemerkt V. 11—13, daß man aus dem Aufschub des Gerichts nicht auf dessen gänzliches Ausbleiben schließen dürfe. Uebrigens solle man beim Leiden des Gerechten doch nicht vergessen, daß auch sie nicht ganz ohne Sünde feien 7 2o. — Gegen die Leugnung des Unterschieds zwischen Mensch und Thier 3 21 (Q r) macht Q 4 die höhere Bestimmung des Menschengeistes geltend 12?d. Jni Sinne dieser Glosse haben die Massorethen die Stelle 3 2i vocalisirt f. u. z. d. St. Tem Chafsid gehören auch die religiösen und sittlichen Warnungen an, die er bisweilen in seltsamem Contrast mitten zwischen die epikuräischen Aufforderungen zur Freude und Genuß hineingeftreut hat. So Cap. 11 sb. n, ita. Aehnlich opponirt er in 1\-, dem epikuräischen Sadduzäer 716, Q 2. Im ganzen gehören Q 4 die folgenden Stücke an: 2 44b_26a, 811, 13, 14, 17, 4 17—<>, 3—5, g t>, 7, g 10—12, 7is, 17, 23-23, 29, 8 „-8, 11-13, 9 ,, 11 5, 9 b, 12 ia, 7 b. Außer den genannten haben aber noch andere Glosfatoren Zusätze zu unserem Buche gemacht, die im Einzelnen nicht weiter unterschieden werden können, und denen wir die zusammenfaffende Bezeichnung Q 5 geben. Von ihnen rühren vorzugsweise die Sprüche her, die Rathschläge oder Beobachtungen der Lebensklugheit enthalten wie Cap. 49—12, Cap. 3 2—O (erd. Schluß», 8, 11, 7id, 3, 0 n, 7, 10, 18, 20—22, 104, 8 — 11, 10—18, 20, 11 1—4, 0. Während Q 1 und die anderen Glossatoren bestimmte Standpunkte und Richtungen vertreten, bewegen sich die Glossatoren vom 03 auf dem Gebiete der allgemeinen Spruchweisheit. Tas ganze Gedicht von Cap. 1 2 C. 2 7 wurde in dem Wirrwarr, in dem es vorlag, von einem Redactor 14 1 zufammengestellt, mit Ueberschrift Cap. 1 1 und mit Schlußformel Cap. 12 8 versehen. Zu alledem kamen am Schluß noch drei besondere Nachträge, deren erster Cap. 12 9—10 den Leser über die Person des Kohelet in lobender Weise zu unterrichten sucht, Epilog 1. Von diesem Verfasser kann unmöglich auch der ziveite Nachtrag, Cap. 12 11-12, herrühren (gegen Bickell S. 7 f., der Cap. 12 g 14 einem Verfasser Rzuschreibt), der die feindliche Stimmung gegen diese ganze Literatur verräth, vgl. auch Cheyne, Job am Sal. S. 231—233, Epilog 2. Die Schlußworte, Cap. 12 is-14, verrathen einen Pharisäer, der an ein abschließendes jenseitiges Gericht glaubt, welches der Chassid -Q 4 3 17, 11 so noch nicht kennt, 14 2." „Gegen diese Jnterpolationshypothese darf man nicht den Umstand geltend machen, daß wenig sprachliche Verschiedenheiten sich zwischen den einzelnen Glossatoren constatiren lassen, da diese ja alle derselben kurzen Zeitperiode von 200—100 angehören, s. 8 3. Daß aber diese Verschiedenheiten nicht so gering an Zahl sind, darüber vgl. man unten zu 7 8, 9 i0, u, 17, 10 1, 13, 11 2, 12 g u. a. Stellen." So weit Siegfried, oeffen neue Hypothese in zwei Punkten mit meiner historischen übereinstimmt, näuckich erstens in der A b f a s s u n g s z e i t: es ist die letzte Entwicklungsphase der althebräischen Sprache, die der Ueberleitung zum Neuhebräischen, insbesondere zur Mischnasprache und zweitens darin, daß Spuren der Benutzung anderer biblischen Schriften, wie Cap. 3~u auf Job, 1 21 in Kohelet zu finden seien, wobei Siegfried Seite 13 hinzufügt: „Eine große Anzahl von Anklängen an die Sprüche hat Leimdörser 81—83 gesammelt." Die unstreitig geistvolle Combination des gelehrten Theologen wird ohne Zweifel in der Gelehrtenwelt viel Beachtung finden, bringt sie doch anscheinend auf einfache Weise Licht in das chaotische Dunkel unseres schwierigsten biblischen Buches. Dennoch tauchen in der unbefangenen Forscherseele mancherlei Zweifel gegen die Annahme dieser G l 0 s s a t 0 r e n Hypothese aus. Zunächst diese: Sollten in einem Zeitraum von 100 Jahren, in welchem fünf, sechs oder noch mehr Schriftsteller an einem Buche arbeiten, diese einander so wenig nahe gerückt sein, daß sie nicht mit einem Sterbenswörtchen einander erwähnen, ihre Namen oder ihre Ideen, an die sie anknüpfen, hervorheben, etwa so: Kohelet 1, der du gegen die Lehre des Judenthums als Pessimist auftrittst ich Q3 oder Q4: ich protestire?! Sollten ferner in der Sofrimperiode diese Namen den leitenden Weisen völlig unbekannt geblieben sein dermaßen, daß in der ganzen Periode der Sofrim- und Tannaünliteratur nichts von einer Polemik oder von einer Ergänzung der Gedanken und Sprüche eines für die Gesammtheit Israels von so großer Bedeutung gewordenen heiligen Literaturwerkes Erwähnung geschieht? Hatten die Talmudisten, die doch der Sofrimperiode näher standen und um diese Vorgänge etwas gewußt oder davon gehört haben mußten, niederschreiben können, Sabbath 30 h: Tas zum gottesdienstlichen Gebrauch bestimmte Buch Kohelet suchte man — wohl zur Zeit der Feststellung der kanonischen Bücher — zu verbergen, d. h. vom liturgischen Gebrauche auszuschließen, „w eil seine W 0 rte einander widersprechen?" Nein, hätten sie wissen müssen, cs sind gar keine Widersprüche, denn was 0 1 einst im Jahre 200 gesagt, das hat ein Chacham, ein Chassid, ein Pharisäer oder ein anderer Glossator — nur einige Zeit später widerlegt, ergänzt oder rectisicirt, denn Kohelet ist nicht einer, sondern — schon sein Name verräth eine Vielheit — ist ein S a m in e l w e r k m e h r e r e r S ch r i f tsteller: es fallen sonach alle Widersprüche in nichts zusammen!? — Dann aber, und das fühlt Siegfried selber (siehe oben), ist sprachlich fast gar kein Unterschied zwischen den angenommenen Glossatoren, es wird bei der Lectüre des Buches kaum je der Gedanke sich geltend machen, daß die Formen, die Sätze und Worte, die Ausdrucksweise oder irgend welche Sprachmanier von 0 1 nicht immer wiederkehren auch bei den anderen, ja bis hinab zu den Kompositeuren oder Redactoren 14 4 und 14 2. Hier sei auf Delitzsch hingewiesen, der sogar die Einheit des Styls des Epilogs mit dem Terte des ganzen Kohelet feststellte. Ja noch mehr. Die Uebersetzung Siegfrieds, in welcher verschiedene Schriftzüge die Verschiedenheit der Autoren nach seinen Hypothesen markiren, weist manche Stellen auf, die mitte n in eine m Satze die Autorschaft theilen, z. B. Seite 30, Cap. Vers 9a: „Besser ist das Sehen mit den Augen als das Umherschweifen der Begierde." Dies sagt Kohelet 3, während der Schluß desselben Verses als Vers 9b: „Auch das ist eitel und Jagen nach Wind", eirr ungeschickter Einschub von 14 1 ist (siehe Commentar ibiäsrn). Desgleichen unfaßbar, wie man den Zusammenhang von Cap. 7 1 aufheben kann, dermaßen, daß man so: „Besser ist ein Name als gutes Salböl", als Einschub in Kohelet 3, 1b: dann „Besser ist der Tag des Todes als der Tag, da man geboren wurde" — als Ausführung von Kohelet1 hingestellt. Ist dies nicht mehr als Willkür? (Schluß folgt.)