Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 1 (6.1.1899)
- Date
- 1899-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 1 Dr. Bloch’s Jahrgang XVI. Cenkrslorgan für die gelammten Interessen des Nedaction und Administration: Wien - II. Untere Augartenstrabe 1 a. Telephon Nr. 6535. K. k. Postfparcaffen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. Wien, 6. Jänner 1899. Erscheint jeden F. eitag. Brief-Adresse: H., Untere Angartenstratze 1s.. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Judrnthums. - ■ ■ --M Bezugspreis für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 Jtr. i Einzel-Exemplare 25 kr. Für's Ausland: | Halbjährig 5 fl. — 10 Lr. I Ganzjährig 10 „ 80 „ |! Anzeigen: Die 4mal gespaltene l!! Petitzeile 12 kr. i| -- " ■==HK Inhaltr Leitartikel: Die Bibel und ihre Schätzung. — Die Juden und die österreichische Statistik. — Zur Plenarsitzung des Wiener Cultusvorstandes. — Eine historische Parallele. — Pariser Brief. — Die Stellung der Juden in Oesterreich in den letzten 59 Jahren. — Bom Jahrmarkt des Lebens: Die Affaire Purscht vor Gericht. Bon der Budapester Orpheum-Gesellschaft, lieber Treitschkes Antisemitismus. Ein Nachruf für Frau Brandes. Fürsorge für geistig zurückgebliebene Kinder. — Berbandstag der israelitischen Religionslehrer in Oesterreich. — Verbandstag der jüdischen Lehrervereiue im Deutschen Reiche. — Jüdische Kunst in Paris. — C o r r e s p o n d e n z e n: Wien. Aus Ostgalizien, Krakau, Graz, Berlin, London, Richmvnd, Ehicago. — Vermischtes: Wien, Meran, Bielitz Viala, Prag, Patzau, Pisek, Wottitz, Boskowitz, Lemberg, Preßburg, DolivaTuzia, Essegg, Sarasev o, Berlin. — Feuilleton: Malta Schwarzenkopf. — Erziehung und Unterricht. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Air ersuchen unsere geschützten Fbennenlen um rechlseilige Einsendung cler laukenclen Ibennementsgetnitzr, äumil die Tusenclung cles Klulles keine Änlerbrechung erleicle. Die Bibel und ihre Schätzung. Die antisemitischen Verirrungen des polnischen Volkes zeitigen die sonderbarsten Blüthen. Den Glanz seiner Geschichte bildete die Toleranz und es hat sich dieses Ruhmes freiwillig entkleidet. Die christlich-religiöse Gesinnung war aber unlöslich verknüpft mit seinem nationalen Empfinden, und nun ist es im Begriffe, dem Judenhaß zuliebe auch seine religiösen zu verleugnen. Ganz nach dem Vorbilde des Wiener Pater Sch eich er reden polnische Geistliche von dem Gegensätze zwischen der milden christlichen Anschauung und dem strengen Vergeltungsgesetze des alten Testaments. In dem berühmten Psalm: „An den Strömen Babels" zeige sich „eine tolle Mordlust, die Rachegier, die Säuglinge der Feinde an den Felsen zu zerschellen". In dieser Roheit der Beurtheilung der ehrwürdigsten Denkmäler der Menschheit zeigt sich der sittliche Tiefstand, von dem aus das blöde Auge diese hohen Werke beobachtet. Die Bibel gegen solche Angriffe zu vertheidigen, darf man sich ersparen; nur an einzelnen Heroen der polnischen Literatur sei bei dieser Gelegenheit erinnert. Da ist vor Allem der unvergleichliche Adam Mickiewicz, unvergleichlich auch in der Größe — seines Hasses. Wilde Töne fanatischer Grausamkeit, ein Wühlen in Feindesmord und Zerstörung, in wüster toller Verzweiflungslaune. . in jenem Nachtstück, der Kerkerscene aus dem „Dzrady" voll grellem Todeshumor, das in der Vampyrballade gipfelt: Kommen werd' ich eines Abends, Meine Brüder werd' ich beißen, Meine Vaterlandsgenossen. Wem ich meine scharfen Zähne In die Seele werde schlagen, Der wird sich wie ich aufrichten Als ein Vampyr und wird schrei'n: Rache gegen nns're Feinde! Rache mit der Hilfe Gottes, Rache selbst auch Gott zum Trotz. Und dann gehen wir und löschen - Unsern Durst mit Feindes blute, Scharren seinen Leichnam aus, Nageln an ihm Hand' und Füße, Daß er sich nicht mehr erhebe, Nicht mehr komme als Gespenst. Dann verfolgen seine Seele wir zur Hölle Wir, wir alle Wersen uns mit uns'rer Wucht lieber seine Seele, bis ihr Ausgeht die Unsterblichkeit. Und so lang sie hat Empfindung Lassen wir nicht nach mit Beißen. Rache gegen uns're Feinde Rache mit der Hilfe Gottes, Rache selbst auch Gott zum Trotz. Diese Leidenschaft des Hasses, die nicht in Thaten frei lverden kann strömt in Dithyramben voll heiß wehenden Alhems aus; sie sattelt sich den Sturmwind als Roß und die Wüste wird ihr zu eng, wie im Dithyrambus „der Faris". Der berühmte polnische Alterthumssorscher und Historiker Josef Szujskr nimmt in seinen gesammelten Werken (Serya I, Tom VI. Auflage vom Jahre 188S, Druckerei des „Czas" in Krakau) Veranlassung, an verschiedenen stellen sich auch gelegentlich über die Literatur der Juden und diese selbst auszusprechen. Seite W0. „Wer vott uris wurde nicht auf dem Boden der biblischen Geschichte erzogen? Wem von uns haben die Gestalten des Moses, Simson, David, Salomon und der Propheten nicht die Einbildungskraft ausgesüllt? Wer von uns hat nicht aus dieser Quelle die edelsten Eingebungen, die geläutertsten Ideen für das ganze Leben geschöpft? Welche Lehre hat ihm mit gleicher Leichtigkeit so viele Geistesnahrung zugeführt wie die Erzählung von der Geschichte der Hebräer, welche sich unserer Phantasie wie die Volkssage anschmiegt, die durch ihre Größe wie ein riesiger Palast überrascht, den wir in unserer frühen Jugend angeschaut und der