Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 960 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 52 die oft drei, vier, ja sogar fünf Dollar wöchentlich aus das Theater aüsgebett". Eine kurze Berechnung kann beweisen, daß sie -im'Verhältnisse zu ihrem Einkommen für die Kunst viel mehr leisten als jene „noblen" Familien, die mit der Förderung der.Metropolitan-Oper renommiren. Sonst gibts ja noch jüdische Theater in Philadelphia. Cbicaao und St. Francisco. Das Kunstleben im Ghetto ist nicht blos auf Theaterstücke, Sänger, Schauspieler und Componisten beschränkt. Es bestehen da fünf, jüdische Blätter, die jüdische Buben alltäglich in den Straßdn' colportiren. Eines, „The Dramatic World“ (die dramatische Welt), ist ausschließlich dem Theaterleben gewidmet Novellisten und Dichter, darunter die berühmtesten Schorner und Moris Aosenfeld, werden gefeiert und die Werke der Genannten erfreuen sich großer Verbreitung. In diesem künstlerischen Schaffen des Ghettos kommen überall die Beziehungen zwischen dem jetzigen Leben und der ehemaligen Geschichte dieses Volkes zum Ausdrucke und sie winden um die Massen ein'Band der Lebens-und Jnteressen-Gemeinschast. Sie ist eine nationale Kunst im echtesten Sinne dieses Wortes. Es wäre wissenswerth, ob diese Künstler des Ghettos, wenn sie sich ganz frei ausleben könnten, große Kunstwerke schaffen würden. Leider werden wir nie darauf eine Antwort erhalten. Von allen Seiten drängt sich ihnen der amerikanische Einfüiß auf. Hat ja doch Moris Rosenfeld den Ruhm unter den eigenen Glaubensgenoffen einem christlichen Professor zu verdanken, der ihn entdeckte und seine Gedichte einer literarischen Gesellschaft in New-Iork vorlas. Ein Insasse des Ghettos, Abraham C a h a n, hat mehrere Judengeschichten für amerikanische Monatsschriften geschrieben und auch zwei gelungene Bücher veröffentlicht. Und darin erzählt er von einer Mutter, die sagt: „Ich spreche noch nicht englisch, aber ich werde es bald lernen; da — auf ihren Sohn zeigend — ist mein Lehrer." Die Kinder besuchen schon die öffentlichen Schulen und werden der jüdischen Sprache entfremdet. „Ich spreche gerne von der alten Heimat", sagte zu mir eine alte Jüdin im Windsor-Theater, „und manchmal denke ich auch daran heimzukehren; aber meine Kinder ärgern sich und nennen mich eine Deutsche"! Es war gerade während des Krieges mit Spanien und da fand ich, daß die Juden stolz darauf waren, mehr Freiwillige gestellt zu yaoen, als die anderen Colonien. Und doch wird in ein oder zwei Generationen das nationale Eolorit des jüdischen Lebens verschwinden und damit auch das jüdische Theater. Briefkasten. S. Z. 9t. Nicht zum Abdruck geeignet. Consul H. B. in S. Abonnement für 1899 erhalten, besten Dank. An zahlreiche Einsender. Die uns nachträglich zugesandten Berichte über die Veranstaltungen anläßlich der Jubiläumsfeier find zu sehr verspätet und können daher nicht mehr veröffentlicht werden. Ei« Entrüsteter, Brünn. Beruhigen Sic sich doch mit den Worten Theodor Mommsens. der gesagt hat: „Gegen den Pöbel gibt es keinen Schutz, ob es nun der Pöbel auf der Straße oder der Pöbel im Salon ist, das macht keinen Ilnteffchicd. Canaille bleibt Canaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canail l e." italiano in Triesto. Sie empfehlen als prächtige Inschrift auf eine Luegerbüste einen geistreichen Satz Ihres scharfsinnigen Landsmannes Macchiavelt: „Das gegebene Versprechen war ein Bedürfniß der Vergangenheit, das gebrochene Wort ist ein Bedürfniß der Gegenwart!" — Famos. Adolf Freund. Berufsschnorrer, hie keine Berücksichtigung verdienen. Dr. Woriz Rappaport-Stiftung für Preisausschreibungen. Das Comite der von Dr. Jacob Rappaport zum Andenken an seinen Vater Dr. Moriz Rappaport errichteten Stiftung veröffentlicht hiemit folgende Preisfrage s Geschichte der jüdischen — —: Apologetik. Angesichts der Thatsaehe, dass es eine geschichtliche lieh ersieht über die reiche, in griechischer, hebräischer, arabischer, sowie in den modernen Sprachen abgefasste, apologetische Literatur der Juden noch nicht gibt, wird vor Allem Werth darauf gelegt, dass die Preisarbeit eine solche liebersicht darbiete. Diese soll sieh aber keineswegs auf eine bibliographische Zusammenstellung beschränken, vielmehr muss die Arbeit eine zusammenhängende, geschichtlich entwickelte Darstellung der Versuche, die Wahrheiten des Judenthums zu erweisen und die Auseinandersetzung der Entstehungsursachen und des Inhaltes wenigstens der hervorragendsten einschlägigen schrillen enthalten, so dass der Leser einen Leb erblick über die gegen die Lehren und Lehrschriften des Judenthums gerichteten Angriffe, möge diese nun von innen (philosophische Skepsis, Karaismus) oder von aussen erfolgt sein, sowie über die Abwehr derselben zu gewinnen vermag. Da die gegen das Judenthum gerichteten Angriffe auch die Gestaltung der äusseren Rechtsverhältnisse der Juden beeinflusst haben, so wird auch auf solche Schriften Bedacht zu nehmen sein, welche durch Verbreitung richtiger Ansichten über, das Judenthum zugleich der Verbesserung der politischen und rechtlichen Stellung der Juden förderlich gewesen sind. Als terminus a quo der Darstellung wird die hellenistische Periode, als terminus ad quem das Jahr 1848 angenommen. Wenn auch eine eingehende Vertrautheit mit der gesammten hier in Betracht kommenden Literatur aus der Arbeit hervorleuchten soll, so muss doch das Wichtigste gegen das minderwichtige wohl abgewogen sein und soll in der, der Kürze und Klarheit sich betleissigenden Darstellung die Beibringung zu vieler Einzelheiten, welche das Wesentliche erdrücken könnten, vermieden werden. Als Preissumme für die beste Schrift wurden 2500 Kronen ö. W. bestimmt. Diejenigen Personen, welche um diesen Preis zu concurriren beabsichtigen, haben die Preisschrift bis längstens 30 September 1900, Mittags 12 Uhr an das Secretariat der israelitischen Cultusgemeinde in Wien (Seitenstettengasse 4. II. Stock) ohne Namensfertigung mit einem Motto versehen einzusenden und in einem Couvert, welches dasselbe Motto trägt, versiegelt, Namen und Adressen anzugeben. Bemerkt wird, dass stiftbriefsgemäss dem Autor das Recht des Eigenthums bleibt und dass, falls der Autor die Publicirung der Preisschrift nicht selbst vornimmt, dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien das Recht zusteht, über Vorschlag des Unterzeichneten Curatoriums die Publicirung zu veranlassen. Wien, am 8. December 1898. 0as Curatorium der Dr. Moriz Rappaport-Stiftung. Dsnkssgirng. Aus Anlaß der Verlobung unserer Tochter Margarethe mit Herrn Rabbiner Dr. Mase Grunwald in Hamburg sind uns telegraphisch und schriftlich Aundgebungen der Sympathie in solch' großer Zahl zugekommen, daß es uns beim besten Millen nicht möglich ist, alle schriftlich zu beantworten. Mir bitten deswegen unsere Freunde in Nah und Fern auf diesem Wege den Ausdruck unseres herzlichsten Dankes rnkgrgrnzunrhmrn. Hochachtungsvoll Dr. Josef S. Bloch und Frau. _ — Noti;! Eh L in G. Nicht gezogen. Gn«t Melsels, Przemhsl. Wir erachten die Angelegenheit für hinreichend geklärt. 3f. E in Kann und I. H. K. in Th. Berichte über Jubilümnsfeierlichkeiten sind bereits verspätet. Ei« Abonnent. Anonyme Zuschriften werden nicht beantwortet. Adonnent, Dornawatrn Wenden Sie sich an die Buchhandlung Kaufmann in Frankfurt a. M. -- Versicherung gegen Berlosnngsverlust. Die Central- Depositeneasse und Wechselstube des Wiener Bankvereines, Wien, I. Herrengaffe 8, hat den Prämientarif für die Versicherung von Werthpapieren gegen Verlosungsverlust für das ganze Jahr 1899 veröffentlicht. 2luch im ablaufenden Jahre hat sich die von derselben eingeführte Festsetzung des Tarifes für den Zeitraum eines ganzen Jahres als wichtige Neuerung sehr bewährt. Die Besitzer versicherungsbedürftiger Werthpapiere haben von derselben in umfassender Weise ebrauch gemacht, weil ihnen durch die Versicherung für ein ganzes K^xine bedeutende Ersparniß an Mühe, Zeit, Porto und Stempel " ' t wurde. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher RedaetMZ — Druck von 81. KarrtttS & Co., Wien, VL Theobaldg. 7