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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-30 · 52 (30.12.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
52 (30.12.1898)
Date
1898-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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> Nr. 52 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Crntrslorgan für dir gesammten Interessen des Iudrnthums. St. I Postsparcasten-Amt Clearingverkehr Nr. 810 976. Redaction und Administration: Wien II. Untere Augartenstraße ln. leleptton Nr. 6535. Wien, 30. Derrmber 1898. Erschein t jeden ^.ettag. Brief-Adresse: II., Untere Augartenftratze la. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Bezugspreis für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. -- 8 Sr. Einzel-Exemplare 25 h. Für's Ausland: Halbjährig 5 fl. — 1ü Sr. Ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petilzeile 12 kr. Inhaltr Leitartikel: Die Neujahrsnacht eines Inden. — Die Ewigkeit des Judenthums. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Judenstatistik in Galizien. — Correspond enzen: Oessentliche Plenarsitzung des Wiener israelitischen Cultusvorstandes, Vom Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Fürsorge iür geistig zurückgebliebene Kinder, Von der Budapester Orpheum-Gesellschaft, Abermals eine Widerlegung, Berlin, Köln, Rom, Paris, London, New-Iork, Philadelphia. — V e rm i s ch t e s: Wien, Skole, Bistritz a. H., Raab, Bukarest. — Feuilleton: Erziehung und Unterricht. — Das jüdische Theaterleben in Amerika. — Briefkasten. — Inserate. SMp ersuchen unsere geschützten Abonnenten um rechtseitige Einsendung der laufenden Ibonnemenlsgebützr, damit die Zusendung des Blattes keine Änterbrechung erleide. JEup Einsendung der Betrüge wolle man die beigeleglen ^osl-Checks benülsen. Die Hdminislralion. Die Nrujahrsnacht eines Juden. „Ein alter Mensch" — so beginnt Jean Paul eine ergreifende Vision — „stand in der Nenjahrsnacht am Fenster und schaute mit dem Blicke einer langen Verzweiflung auf zum unbeweglichen, ewig blühenden Himmel und herab auf die stille, reine, weiße Erde, worauf jetzt Niemand so freuden- und schlaflos war als er". Freuden- und 'chlaflos — in diesen wenigen Worten eines Dichters und eines Weisen birgt sich die ganze Tragik eines Menschenschicksals. Freuden- und schlaflos, das heißt so viel, als daß Einer auf Alles verzichten soll, was dieses Leben dem Glücklichen zu bieten vermag, und keinen Augenblick besitzen, in welchem man die ewige Schönheit dieser „stillen, reinen, weißen Erde" in ungetrübter Betrachtung ruhig genießen darf. Freuden- und schlaflos, das ist nicht blos das Schicksal der Schuldigen, sondern auch der unschuldig Verfolgten, das Schicksal des Juden. Aber der Unglückliche bei Jean Paul erwacht aus einem herzbeklemmenden Traume, derihm das schaurige Trugbild eines verlorenen Lebens vor die irrende Phantasie gerückt, zu einem Morgen lebensfroher Hoffnung und jugendfrischer Thatkraft. Anders der Jude, dieser wahrhaft Unglückliche. Was ihm den Schlaf von den Augenlidern scheucht, das sind nicht nebelhafte Schreckbilder, die vor den Strahlen der Morgensonne verschwinden. Was ihm zugefügt wird an Spott und Hohn, an Verletzung seiner menschlichen Empfindungen und seiner bürgerlichen Rechte, an Herabwürdigung seiner Person und seines Glaubens, an Beeinträchtigung und Verbitterung seiner Existenz, das ist Alles kein flüchtiger Traum, sondern die trostlose, ihn täglich von Neuem niederdrückende Wirklichkeit. Der Abschluß eines dahingegangenen und der Beginn des neuen Jahres drängt uns diese Betrachtung über die Lage unserer Glaubensgenossen auf, welche inniger als je sich zusammenschließen sollen zur entschiedenen und energischen Abwehr, gegen Verfolgungssucht und Unduldsamkeit, zu gemeinschaftlicher Culturarbeit, zur Hebung des jüdischen Geistes, zur gegenseitigen Förderung und Nächstenliebe. Das Jahr 1898 wird in der Geschichte der Juden schmerzliche Erinnerungen zurücklassen. In diesem Jahre ereigneten sich in Galizien jene Wuthausbrüche, schrecklich und beängstigend, weniger wegen der Verheerungen, die sie angerichtet, denn als Symptom für die Größe des Haffes, den das raffinirte System der Verhetzung eines ganzen Volkes gezeitigt hat. In dieses Jahr fallen auch die ihrer symptomatischen Bedeutung wegen wichtigen Excesse in Prag. Die Zustände in Niederösterreich und in der Hauptstadt Oesterreichs sind unseren Lesern nur allzu g^nau bekannt, als daß wir sie heute erst nochmals zu schildern brauchten. In diesem Lande und in dieser Stadt hat sich eine Partei des Regiments bemächtigt, deren ausgesprochenes Programm die brutale Verfolgung und Entrechtung des Judenthums ist, und der frivole Versuch, mir dieser Verfolgung und Zurücksetzung schon in der Schule zu beginnen, unseren Kindern schon im zartesten Alter einen Vorgeschmack dessen beizubringen, was sie als Erwachsene ihres Glaubens und ihrer Stammesangehörigkeit wegen zu erwarten haben, bildete eine Kraftprobe dafür, was diese Partei an offener Verhöhnung der StaarSgrundgesetze wagen darf. Ein flüchtiger Rückblick auf die Ereignisse in Rußland, in Deutschland, in Rumänien, in

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