Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Date
- 1898-12-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 912 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 50 Vorstandsmitglied Dr. Gotthelf Meyer entwarf hierauf einen Rückblick auf die 50jährige Geschichte des Vereines und schilderte alle Phasen, die der Verein durchgemacht. Er hob hervor, daß der Theresien-Kreuzerverein in den 50 Jahren 26.000 Kinder unterstützt, daß er für Schulzwecke 265.000 fl. und für Bekleidungszwecke 200.000 fl. verwendet hat. Als letzter Redner ergriff Cultuspräsident kais. Rath Klinge r das Wort. Er dankte im Namen des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, den Förderern und Gönnern, sowie der gegenwärtigen Verwaltung des Vereines für ihr mühevolles segensreiches Wirken. Damit schloß die Feier. Wien. Dienstag den 6. December l. I. um 8 Uhr Abends veranstaltete der „Israelitische Wohlthätigkeitsverein für den III. Bezirk mit besonderer Berücksichtigung von Witwen und Waisen" aus Anlaß des 5OjLhrigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers im kleinen Sophiensaale III., Marxergasse 13, eine Festfeier. Der Saal war zu diesem Zwecke entsprechend decorirt. Die Festrede hielt der Vereinsobmann Herr Director Dr. Moriz Brunner. Die Rede übte sowohl durch ihren Inhalt als auch durch ihre Form auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck. Dem Wunsche des erhabenen Monarchen, die Jubelfeier durch Acte der Wohlthätigkeit zu begehen, entsprechend, wurden am 2. December alle jene Witwen und Waisen, die vom Vereine eine regelmäßige Unterstützung genießen, mit einer besonderen Gabe bedacht. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß der Verein „Landstraßer Freunde" am 2. December dem genannten Wohlthätigkeitsvereine zu Vereinszwecken den Betrag von 100 fl. gespendet hat. Prag. Die altererbte Liebe zum Kaiserstamm, namentlich und ganz besonders die Gefühle innigster Verehrung und Dankbarkeit, welche die gesammte Prager jüdische Gemeinde für den ritterlichen Kaiser Franz Josef empfindet, gelangten an dem Jubeltage des 2. December zu lebhaftester, deutlichster Aussprache. Es würde die Grenzen dieses Blattes, welches Berichte aus allenTheilen der weilen österreichisch-ungarischenMonarchie zu melden hat, beiweitem überfluthen, wenn alle patriotischen Enunciationen, welche hier stattfanden, mitgetheilt werden sollten und es kann nur das Hervorragendste aufgezählt werden. Das Capital der bei einer früheren Kaiserfeier gegründeten Kaiser Franz Josef - Gemeinde- Siechen st iftung wurde durch die bei dem neuerlichen freudigen Anlässe eingeleitete Sammlung auf die Höhe von ca. 110.000 st. gebracht, es werden eine große Anzahl von namhaften Stiftungs-Jahresbeiträgen an bedürftige Bewerber verliehen und soll, sobald das Capital eine dem Hauptzwecke entsprechende Höhe erreicht haben wird, ein Siechen haus gebaut werden, in welchem alle. Unglückliche, alleinstehende, Krüppel, Blinde, Gelähmte, ein Asyl, Versorgung und liebevolle Pflege finden sollen. . Ein zweiter, die Armen der ganzen Stadtgemeinde umfassender Act bestand darin, daß tausend Arme ohne Berücksichtigung der Confession am 2. December in der jüdischen Volksküche ein splendides Mittagmahl verabreicht erhielten. Der officielle Festgottesdienst wurde Freitag Vormittags in der Klaus-Synagoge abgehalten. In dem festlich geschmückten Gotteshause hatte sich eine große Anzahl distinguirter Personen eingefunden. Da alle in Uniform oder schwarzen: Frack und weißer Cravatte erschienen und die zahlreichen Besitzer von Ordensdecorationen diese angelegt hatten, bot die Versammlung ein glänzendes Bild. Der Statthalter war dadurch am Erscheinen verhindert, daß er zur selben Stunde zahlreiche Deputationen empfing, die Staatsbeamten dadurch, daß sie durch kirchliche Feiern andernorts festgehalten wurden. Dagegen waren alle Staatsbeamten jüdischer Confession, Oberfinanzrath Plov, die Finanzräthe Adler, Meist, Wiener u. A., sämmtliche Mitglieder der israelitischen Gen: rinde - Repräsentanz, der älteste Rath Ronhert und Secretär Stein als Vertreter des Magistrates, Landtagsabgeordneter Dr. Zalud, Stadtrath Jnwald, sämmtliche Rabbiner, Prediger u. v. A. erschienen. Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld hielt die Festrede, nach Form und Inhalt ein Meisterwerk, die auf, die Zuhörerschaft eine mächtige Wirkung ausübte. Das Programm der Feier war sehr passend zusammengestellt und der gesangliche Theil wurde vom stimmbegabten Cantor Guttmann und dessen gut geschultem Chore trefflich executirt. Den Schluß bildete die Volkshymne, welche vom Publicum stehend angehört wurde. Eine aus zahlreichen Mitgliedern bestehende Deputation unter Führung des Prager Gemeindepräsidenten Dr.'Rosenbacher und der böhmische Landesjudenschafts-Obmann Doctor Lichtenstern überreichte Sr. Excellenz dem Statthalter eine Huldigungsadresse der böhmischen Landesjudenschaft. Auch bei dem Nachmittags vom Tempelvorstande veranstalteten Feier hatte sich ein zahlreiches Publicum eingesunden. In Vertretung des Statthalters war Hofrath Hoffmann, dann viele hohe Staatsbeamte, die gesammte Cultusgemeinde-Repräsentanz u. v. A. erschienen. Die Festrede hielt Tempelprediger Dr. Fischer, der allgemeinen verdienten Beifall fand. Cantor Masky, welcher die vertonten Psalmen mit dem Chor vortrng, entledigte sich seiner Aufgabe in vortrefflicher Weise. In allen anderen Synagogen fanden gleichfalls Festfeiern statt, ebenso wurden für die Mittel-, Bürger-, Volks¬ und auch Licealschüler und Schülerinnen entsprechende Festlichkeiten veranstaltet, an denen' sich Prediger der Zizkow- Synagoge Dr. Deutsch, Tempelprediger Dr. Fischer, Religionsprosessoren Dr. Grün, Feldprediger Dr. Kisch, Rabbiner Knöpfelmacher und Stark, die Religionslehrer Freund und Springer betheiligten. Auch in den Gemeinde- und vielen Privatanstalten wurde das seltene Jubelfest feierlich begangen. Vereine und Private hatten zahlreiche Wohlthätigkeitsacte ausgeübt. Prag. In der Meifelsynagoge fanden am 2. December früh Morgens um halb 8 Uhr für die israelitischen Mannschaften (circa 150), um halb 9 Uhr für das Neustädter I. und II. Obergymnasium, dann für die Handelsakademie, Abends im Anschlüsse an den Sabbath-Gottesdienst Festfeiern statt, bei denen die patriotischen Reden Herr Rabbiner Dr. Kisch hielt, der musikalische Theil mit gewohnter Präcision vom Obercantor Wallerstein geleitet wurde. In Groß-Meseritsch fand am Vorabende des Jubiläumstages in den: prächtig decorirten Tenrpel ::: Anwesenheit des Cultusvorstandes, der Gemeindemitglieder, der Lehrer und der israelitischen Schuljugend ein solenner Gottesdienst statt, woran als geladene Gäste der Bezirkshauptmann, der Bezirksrichter, die Beamten der politischer: und juridischen Behörde, der Bürgermeister mit dem städtischen Gemeinderathe, die Feuerwehr, die fürstlich Lobkowitz'schen Beamten und viele Honoratioren sich betheiligten. Ein reichhaltiges Gesangsprogramm, trefflich durchgeführt von unserem Obercantor Steiner und einem von ihm geleiteten Chore mit Harmoniumbegleitung, sowie die gediegene Festrede vom Localrabbiner Dr. Weiner verfehlten ihre Wirrung auf das Publicum nicht. Am 2. December erfolgte die Bekleidung einer größeren Anzahl armer Schulkinder aus Cultusgemeindemitteln, wozu auch der humanitäre Verein der Groß-Meseritscher in Wien in munificenter Weise beigesteuert hatte. In Graz begann un: 9 Uhr die Schulfeier. Dazu hatte sich die Jugend in: Festkleide, zum großem Theile von den Eltern begleitet eingefunden, ebenso der Gesammtvorstand, sowie dieSpitzen aller israelitischenVereine. Aller hatte sich eine doppelt freudige Erregung bemächtigt, als sich das Gerücht verbreitete, unserem Herrn Rabbiner Ehrwürden Doctor S. M ü h s a m sei das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen worden. Herr Lehrer Ungar hielt in begeisterten Worten eine dem Kindessinne angepaßte Rede und schloß mit einen: Hoch auf den Kaiser, in das Alle begeistert einstimmteu, worauf die Kinder die erste Strophe des Kaiserliedes sangen und beschenkt mit einer Festschrift die Schule verließen. Hierauf fand eine Festsitzung des vollzähligen Cultusrathes statt, zu der viele geladene Gäste erschienen waren. Herr Präses Biller hielt in schwungvollen Worten die Festrede und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser. Zur Hauptseierlichkeit in: Tempel versammelte sich die ganze Gemeinde. Mit verstärkten: Chore wurde der Königspsalm gesungen, wonach unser ehrwürdiger Herr Rabbiner die Kanzel bestieg, um