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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-12-09 · 49 (9.12.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
49 (9.12.1898)
Date
1898-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ceniralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. ^T- - - K. t Postsparcassen-Amt Tleskringderkehr Nr. 610.976. ft —— 3 Wien, 9. Derembrr 1898. *■ 1 ■ - « Bezugspreis für Oesterreich: Halbjährig 4 st. — 8 Lr. Einzel-Exemplare 26 kr. Für's Ausland: Halbjährig S fl. — 10 ttt, Ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petilzeile l2 kr. Redaktion und Administration: Wien II. Untere Augartenstraße 1». Telephon Nr. 6535. «--5 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: U., Untere Slugartenstratze In. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Jnhnttr Leitartikel: Brief aus Berlin. — Das galizische Elend und die Schulstistung des Baron Hirsch.. — Bo in I n h r nt nrkt des Levens: Glossen zur Tagesgeschichte. Auszeichnung siir Baronin Hirich. Auszeichnntugen. Erstes Wiener israelitisches Reeonvalescentenheim für arme Frauen und Kinder. Zum Eiuwaudcnmgsverbot in Pa'asrina. — Das Jubiläumsfest des Kai'ers. — Feierliche Grundsteinlegung zum Bau eines Siechenhauses. — Fünfundzwanzigstes Juluiäum des Tempelvereines in Mariahilf. — Correspondenzen: Oeffentliche Plenarsitzung des Wiener israelitischen Cultusvoestandes vom 4. Deeembec 1898, Wien, Floridsdorf, Friedel-Mistek, Groß-Enzersdorf, Hamburg. — B e r m i s ch t e s: Wien, Austerlitz. Proßnitz, Fiume, Bern. Jassy. — Feuilleton: Das Heiratsgespenst. — Briefkasten. — Inserate. - Brief aus Berlin. Berlin, 5. December. Das Ergebniß der Wahlen zur Berliner Repräsentantenversammlung liegt jetzt vor. Es waren 11 Repräsentanten und 10 Stellvertreter zu wählen. Gemeinsame Candidaten aller Parteien waren zwei verdiente Männer, die nach ihrer aufopfernden Persönlichkeit als außerhalb des Meinungsstreites stehend hüben und drüben anerkannt werden. Noch ein Dritter war von den Liberalen wie vom Centralverein aus die Liste gesetzt worden, nicht weil er über den Parteien steht, sondern weil er mit beiden Parteien sich gut zu stellen, bei jeder den Glauben zu erwecken wußte, daß er im Grunde seines Herzens zu ihr halte. Diese Drei haben die meisten Stimmen erhalten. Die nächsten zwölf Plätze sind von den Liberalen eingenommen, denen auch das Lewinstein'sche Fähnlein der Sonntagsfreunde die Stimmen gegeben. Herr Lewinstein selbst, der seine eigene Candidatur mit allem Nachdruck und mit reichen Mitteln zu fördern gesucht hatte, ist ernstlich gar nicht in Frage gekommen. Damit ist die Schwäche des Lewinstein'schen Anhanges deutlich dargethan und der Beweis erbracht, daß die 5800 Unterschriften, die Herr Lewinstein für die Sonntagsgottesdienst-Petition mit Fleiß gesammelt hat, von den Unterschreibenden selbst nur zu einem ganz kleinen Theil eingelöst worden sind. Der Centralverein,' der mit den glänzendsten Aussichten in den Wahlkampf zog, muß sich mit höchstens sechs Stellvertreterplätzen begnügen. Vielleicht geht bei genauer Zählung auch davon noch der eine und andere Platz verloren. Der Vorstand des Centralvereines hat sich als Organisator der Niederlage bewährt. Durch sein Verhalten allein, nicht durch sein Programm, hat er die Intelligenzen abgestoßen und wenn schon nicht ins gegnerische Lager, so doch zur Stimmenthaltung getrieben. Vor drei Jahren waren die Liberalen in derselben Lage. Die aus ihrer Mitte gewählten vier Stellvertreter lehnten ab. Die Ceytralvereinler werden das nicht thun. Sie warten geduldig, ob ihnen nicht Tod oder Krankheit das Plätzchen zuschanzen, das sie von dem Vertrauen der Wählerschaft zu erringen nicht im Stande waren. Es ist ein Glück, daß der Centralverein unterlegen ist, denn seine Männer, denm der Conservatismus nur eine Maske war, hätten die konservative Sache blos verrathen oder, was noch schlimmer ist, blamirt. Jetzt wird sich eine wirklich und aufrichtig eonservative Partei bilden. Herr Dr. Goldschmidt-Königshütte, der von der Rabbiner-Wahlcommission vorgeschlagen, war, ist vom Vorstand nicht alsbald bestätigt worden. Damit ist aber noch nicht gesagt, daß er als abgelehnt anzusehen ist. Die Commission hat noch einen bestimmten Punkt zu prüfen und aufzuklären und wenn dies geschehen ist, wird der Vorstand sich nicht weiter sträuben. Die Entscheidung wird in Wochenfrist getroffen sein. Die Wahl des sechsten Rabbiners wird nicht drei Jahre dauern. Herr Dr. Jacob aus Göttingen wird noch eine Gastpredigt halten, und dann wird er gewählt. In dem Kampf wegen der städtischen jüdischen Lehrerinnen ist eine Wendung zum Besseren zu verzeichnen. Auf der einen Seite hat man angefangen, die Haltung der städtischen Schuldeputation so zu beurtheilen, wie in diesem Blatte geschehen: auf der anderen Seite hat der Herr Cultusminister Dr. Bosse die Erklärung abgegeben, daß er die Entziehung des Ordinariats gegenüber langjährigen Lehrerinnen nicht gut heiße und R e m e d ur e i n t r e t e n lassen werde, sobald die Angelegenheit amtlich vor ihn gebracht sein wird. Das galtzifche Elend und dir Schulstistung des Baron Hirsch. In Nr. 48 der „Oesterr. Wochenschrift" ist ein Expos« des Herrn Leo Herzberg-Fränkel aus Teplitz abgedruckt, welches derselbe in einer Versammlung des Vereines Bnei- Barith in Prag erstattete. Daß die Juden in Galizien systematisch von allen bisherigen Erwerbsquellen, die ohnehin kaum hinreichten, zurückgedrängt werden, daß ihnen jeder Lebensnerv unterbunden wird, und daß sie, wenn sie bei Wahlen ihre Schuldigkeit als Stimmvieh gethan, bis auf die wenigen Macher nur als Prügelknaben betrachtet werden, weiß jeder Galizianer ebenso wie der verehrte emeritirte Secretär der Brodyer Handelskammer, der allerdings die Vorgänge bei Wahlen in unmittelbarer Nähe schon infolge seiner langjährigen amtlichen Thätigkeit etwa zu beobachten Gelegenheit hatte. Eines aber ist. und zumal bei diesem Referenten, ganz unfaßbar. Daß nämlich eine Institution, deren Aufgabe es ist, das leider allzu niedrige und, wie die Verhältnisse einmal find, so arg vernachlässigte Culturniveau unserer

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