Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 48 (2.12.1898)
- Date
- 1898-12-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 884 Ar. Dr. Bloch's Wochenschrift. könnte. Habakuk wußte seit Langem, daß es genüge, um einen Regen zu erflehen, wenn der Heiligste in der Gemeinde die während der Zeit der Dürre vorgeschriebenen Gebete sage. Nur diesen Mann zu finden, war sehr schwer. Doch Habakuk war fest überzeugt, daß der Allmächtige seine treuen Diener darüber aufklären werde. Habatuk suchte nun in seiner Umgebung unter denen, die fich durch ihre Tugenden auszeichneten; er ging zu denen, die ergraut find im Dienste der Wohlthätigkeit, der Krankenpflege und der Leichenbestattung. Er ging zu einem Gelehrten, der sich schon seit zwanzig Tagen kasteiete und darüber nachgrübelte, warum der Allmächtige über die Egypter zehn Plagen sandte, nur zehn Plagen.' Aber nirgends hatte Habatuk das Gefühl, daß er den Auserwählten gesunden hat. Eines Morgens, als er gedrückt, verzweifelt auf der Schwelle seines Hauses über die Schwierigkeiten nachdachte, selbst unter denen, die der Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Gerechtigkeit nachzugehen vorgeben, den Richtigen zu finden, da glaubte er eine Stimme zu hören, die ihm zurief: „Warum hast Du den Fünf-Sünder nicht ausgesucht?" Aus diese Frage antwortete Habatuk, daß er den Fünf- Sünder nicht besucht habe, weil er ihn gar nicht kannte. „Laß ihn also zu Dir kommen," erwiderte die Stimme. Der greise Rabbi ries seinen Diener Rüben zu sich, um sich über den Füns-Sünder zu erkundigen. „Es ist ein Mann Namens Siba," antwortete Rüben, „den die Leute im Hafen wegen seiner vieler: Laster den Füns-Sünder nermen." „Es macht nichts," erwiderte Habakuk, „mache Dich auf den Weg zu ihm und bring' ihn hieher." Rüben durcheilte alle Buchten Caesareas und erst Abends fand er den Fünf-Sünder in der Gesellschaft einer Flötenspielerin. Er entledigte sich seiner Mission. Die hohe Ehre, die ihm Habakuk zutheil werden ließ, überraschte den Fünf- Sünder außerordentlich; neugierig und eitel verließ er seine Gesellschafterin, der er bereits überdrüssig war, und folgte dem Rüben. Der treue Diener führte ihn zu feinem Herrn und hrer angelangt, zog er sich zurück. Habakuk betrachtete den Fünf- Sünder mit Aufmerksamkeit und Erstaunen. Er war von untersetzter niedriger Statur, hatte dicke Lippen und ein rothes Gesicht. Dabei entströmte ihm ein starkes Odeur, ein Gemisch von Wein-Aroma und gemeinen Parfümerien. Habakuk prallte zurück. Aber bald faßte er sich und begann seine Fragestellung: „Heißt Du Siba?" „Jawohl, Rabbi. Aber man kennt mich mehr unter dem Namen des Fünf-Sünders und ich gestehe, daß mir dieser Name viel lieber ist." „Was ist denn Dein Beruf, Fünf-Sünder, werrn Du Dich schon so nennen willst?" „Ein Vermittler, Rabbi. Ich kenne alle Frauen von Caesarea, die schlechten und jene „ehrsamen", die sich gerne verfuhren lassen möchten." „Hast Du denn gar kein anderes Gewerbe?" „Ich reinige auch das. Theater, bringe den Badenden ihre Wäsche und unterhalte sie auch, wenn man sie massirt, mit meinen Witzen und Spässen." „Bist Du also immer nur dem Bösen nachgegangen?" — fragte Habakuk. „Man sagt es" — erwiderte Fünf-Sünder bescheiden. „Ueberlege doch! Hast Du niemals Gutes gethan?" „Ich verstehe eigentlich nicht, was Sie meinen. Uebrigens vielleicht doch. Eines Tages, als ich um den Tempel Augustus herumstrolchte, sah ich eine Frau, die mir klagte und die sich wie rasend geberdete. Die Passanten stießen sie und ohne meine Hilfe hätte sie ein schwer beladener Esel fast verwundet. Ich erkundigte mich über die Ursachen ihres Leides und ihrer Thränen. Sie erzählte mir, daß ihr Gatte gefangen sei und daß sie kein Lösegeld aufbringen könne, es sei denn, daß sie sich preisgebe. Ich weiß nicht, was für ein Gefühl mich plötzlich übermannte, mich, der ich doch den Frauen helfe, wenn sie diese Pfade betreten, ich hatte Mitleid mit dieser Fratt, die ihren Mann so sehr liebte und ihn nicht betrügen wollte. Ich beschloß, mich ihrer anzunehmen. Aber ich hatte kein Geld. Da verkaufte ich mein Bett, die Decke und den Fußschemel und gab ihr den Erlös, damit sie ihrem Mann die Freiheitverschaffe.Nennensie das, Rabbi, vielleicht eine guteThat? Herausgeber: Dk. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Der Rabbi stand von seinem Stuhl auf und sich verbeugend, sagte er : „Du allein bist würdig, für uns zu beten." Abends nach Vornahme der Waschungen betete der Fünf-Sünder in der Synagoge zum Entsetzen der Pharisäer für das Wohlergehen Aller. Und kaum hatte er das Bethaus verlassen, da überzogen schon die Wolken den Himmel von Caesarea. Habakuk weinte vor Freude. Zur gleichen Stunde waren die christlichen Priester und die den Cultus Zeus und der Astarte überwachter:, sicher, daß es ihren Gebeten gelungen ist, ihre Götter zu besiegen. Nur Siba nahm gar kein Verdienst für sich irr Anspruch; als ihm des Morgens ein Matrose das Errde der Dürre ankündigte, da gab er sich nur der Frerrde hin über das Gedeihen der nächsten Weinlese. Briefkasten. Herr« Joachim Neiger, Kozldw. Wir ehren und achten Ihre Anschauungen, auch wenn wir sie nicht zu theilen vermögen. Sie verkennen die Situation. Wir befinden uns in der Lage der Nothwehr und sind der heftig und perfid angefallene Theil. Beiten Dank jeden-' falls für Ihre wohlmeinenden Aus,ührungen. Ihre Zuschrift zu drucken und mit uns selbst zu polemisiren, sind wir nicht in der Lage. S. E. TMiN, Jerusalem. „The Jewish Yearbook“ von Josef Jacobs erhalten Sie durch die Buchhandlung Calvary, Louisenstraße öl, Berlin, NW/6. „F. K." Ihr Bekannter möge sich getrost an die genannte Stiftung wenden, deren Adresse ihm ja bekannt ist. An die Kuratoren einzeln heranzutreten, ist gänzlich überflüssig. S. in K. Wer Bücher, Zeitungen rc. unaufgefordert eingeschickt erhält, ist zur Retournirung derselben laut gerichtlicher Entscheidung rechtlich nicht verpflichtet. Er erfüllt jedoch ein Gebot des Anstandes, wenn er werthvollere Zusendungen, die er nicht zu behalten und zu bezahlen wünscht, an deren Aufgeber zurückgelangen läßt. Herrn «ruck, gymn, F. Brenner in Czernowitz. Zur Ergänzung des Artikels „Blutlüge" machen Sie noch auf die Stelle im 0r Serua S. 2126 aufmerksam, in welcher die Talmudstelle von Ketuboth lo2b besprochen wird. Herrn E. K. IX. Dankend abgelehnt wegen Mangels jeglicher Originalität. Herrn E. R. in T. „Ist es etwa zionistische Propaganda? — dafür sind wir hier nicht." Jedenfalls ist Borsicht rn Bezug auf den Büchsen-Mann zu empfehlen. Der Name ist uns fremd. Horodenka, „Schnlleitnng". Brandes Jude — Klaczko getauft. M. S. R., Lemberg. Adressiren Sie an d. E. Herrn Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a. M. Weshalb Sie sich eigentlich in Anonymität hüllen, ist ganz unerfindlich. Dr. K., BiroviiicN. Haben Recension gar nicht erhalten. Gruß K. S., Teplitz, S. C., Troppan, K. E, Floridsdorf. Wird wegen Verspätung erst in nächster Nummer erscheinen. Emgrsendet. Geehrter Herr Redacteur! Mit Bezugnahme aus die Erklärung des Herrn Sigm. Kauders, 1l. Miesbachgasse Nr. 7, bitte ich die Erklärung entgegenzunehnren, daß, wenn mein Name auf irgend einem Wahlprogramm oder aus einer Candidatenliste sich befinden sollte, dies ohne mein Vorwissen und ohne mein Hinzuthun geschah; ich habe bereits am Sonntag den 20. November, nach den Vorgängen im Central-Wahlcomite, welches meine Candidatur aufstellte, ausdrücklich erklärt, kein Mandat als Cultusvorstand anzunehmen. Indem ich bitte, dieser Erklärung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes Raum zu geben, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Si,egmund Kauders, Weingroßhändler, Wien-Simmering. Wien, 25. November 1898._ Für 2 Gulden 200.000 Kronen gewinnen, kan man nur in der Staats-Lotterie, deren Lose in1 allen Tabak-Trafiken, Lotto-Collecturen, Wechselstuben u. dgl.- zu haben sind. Die^Ziehung findet unwiderruflich am 15. December 1. J. statt. Wie günstig die Chancen dieser Lotterie sind,- ergibt sich schon daraus, dass im Ganzen nicht weniger als- 12.034 namhafte Gewinnste, sämmtliche in baarem Geld, zur Auszahlung gelangen, unter denen sich — abgesehen von dem Haupttreffer per 200.0ii0 Kronen — solche zu 10.000 Kronen, 5000 Kronen,- 3000 Kronen, 2000 Kronen etc. befinden. l»bert Wolf — Druck von N. Kanins & Co., Wien, VI. Theobaldg,