Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 48 (2.12.1898)
- Date
- 1898-12-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenpchrifk. Seite 883 Nr. 48 weitere Spenden an Geld, Kleidern, Schuhen, Wasche rc. beim Obmann entgegenqenommen und im Jahresbericht ausgewiesen. Wien. (Winterkleider für arme Greise.) Vor ungefähr sechs Monaten constituirte sich im Restaurant Sohr unter der Leitung des Herrn Theodor Schwarz eine Tischgesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht, beim herannahenden Winter über 60 Jahre alte Männer mit Winterkleidern und Schuhen zu versehen. Diese Aufgabe wurde, nun erfüllt, indem Sonntag den 27. d. M. 16 alte Männer, darunter einer im Alter von 93 Jahren, mit gutem neuen Winterrock, Hose, Leibchen, Schuhen, Hut und warmen Handschuhen betheilt wurden. Mit einer herzlichen Ansprache wurden die Greise vom Obmann begrüßt, und nachdem dieselben mit einem guten Mahl bewirthet waren, wurde die Vertheilung vorgenommen. Mit Thränen des Dankes nahmen die Greise die Gegenstände in Empfang. Aus Antrag des Mitgliedes Herrn Philipp Weiner wurde sofort ein Gründungsfond für das nächste Jahr gesammelt. Me Kosten der ganzen Veranstaltung von 360 fl. wurden theils von den Mitgliedern erlegt, theils von edlen Menschen gesammelt. Wien, am 28. November 1898. Aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers findet Freitag den 2. December l. I., Abends 4'/< Uhr, im Bethause „Liwias Chen“, II. Obere Donaustraße 89, ein Festgottesdienst statt. Wiener-Neustadt. Aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums unseres geliebten Kaisers hat.der Ausschuß der israelitischen Cultusgemeinde Wiener-Neustadt einstimmig beschlossen, Donnerstag den 1. December, Abends, die schön oecorirte Synagoge und Cultuskanzlei zu beflaggen und zu illuminiren. Freitag den 2. December, 10 Uhr Vormittags, einen Fest-Jugendgottesdienst für sämmtliche Schüler und Schülerinnen der hiesigen Schulen zu veranstalten, bei welchem Herr Religionslehrer Landau die Festrede halten wird. Abens um 4 Uhr' findet für alle Mitglieder der Cultusgemeinde sowie des hier garnisonirenden Militärs ein Festgottesdienst mit Predigt, welche Herr Rabbinatsverweser Weiß halten wird, statt. B. Prag. Der israelitische Frauenverein der kgl. Weinberge bei Prag, der durch die warme Hingabe und umsichtige und tüchtige Leitung seiner Präsidentin Frau Pauline Weiseles schon viele Werke wahrer Humanität geübt, wird auch die Jubiläumsfeier Sr. Majestät des Kaisers durch besondere Wohlthätigkeitsacte würdig begehen. Es werden am Jubiläumstag wie nachher jeden 2. December die Zinsen einer Jubiläumsstistung von 5000 fl. an 10 bedürftige Familien, außerdem noch andere, 100 fl. vertheilt werden. Ferner werden wie alljährlich den 2. December 55 arme Schulkinder vollständig bekleidet werden. Es wäre nur zu wünschen, daß dem Verein reichliche Unterstiitzung zuflöße, damit er seine segensreiche Wirksamkeit noch mehr ausdehnen könne. Prag. Bei Neuwahl der Cultusgemeinde Luditz wurden die Herren Abraham Bäuml und Julius Hoffer, Beide aus Luditz, Ignaz Sametz und Bernard Fischer, Beide aus Chiesch, und Carl Ko Horn, k. k. Postmeister aus Stiedra, in den Ausschuß gewählt. Zu Ersatzmännern wurden gewählt: Julius Löwy aus Schaub und Max Abeles aus Chiesch^ Aus^itz, 27. November 1898. Aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät unseres Kaisers Franz Josef I. veranstaltet die Jsraelitengemeinde Auspitz am 4. December l. I., 11 Uhr Vormittags, in der Synagoge einen feierlichen mit Predigt verbundenen Gottesdienst, woran sich der Anspitzer Männer-Gesangverein und der Damen-Singverein betheiligen werden. Weiters gründet die Jsraelitengemeinde Auspitz aus diesem Anlaß eine Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Stiftung im Betrag von 500 fl., deren Zinsen alljährlich am 2. December zur Unterstützung von Witwen und Waisen verwendet werden. ' PrMrcim. Die hiesige^ Cultusgemeinde hat für die Bundeslade im Tempel in einer Wiener Kunstanstalt einen künstlerisch ausgeführten Vorhang mit goldgestickter, das Regierungs-Jubiläum des Kaisers feiernder Inschrift Herstellen lassen, welcher bei dem Festgottesdienst am 2. December zum erstenmal zur Verwendung gelangt. Temesvar. In feierlicher Weise hat die Jnstallirung des neugewählten Rabbiners der Fabriker israelitischen Statusquo-Gemeinde, des Herrn Dr. Jakob Singer, stattgefunden. Eine Deputation holte denselben aus seiner Wohnung ab und brachte ihn in den Sitzungssaal, woselbst der Präses der Gemeinde, Herr Dr. Ludwig Schwarz, den Rabbiner mit einer schwungvollen Rede begrüßte. Tief gerührt, antwortete Dr. Singer und versprach, mit all seinen Kräften für das Wohl und das Gedeihen der Religionsgemeinde eintreten zu wollen. Ein Festmahl folgte der Feierlichkeit, bei welchem zahlreiche Toaste gesprochen wurden. Feuilleton. Der Fünf-Sünder. Bon Bernard Lazare. Unter der Regierung des Erlauchten Valerius Diocletian lebte zu Caesarea in Palästina ein Mann, Namens Siba. Siba war ein Jude, aber keiner von den Gläubigen. Er besuchte sehr selten die Synagoge und nie sah man ihn die heiligen Schriften studiren oder der: Vorträgen der Gelehrten lauschen. Die wenigen Glaubensgenossen, die mit ihm verkehrten, brachten ihm geringe Achtung entgegen, und die Gottes Gesetze streng befolgten, wollten an seiner Tafel nicht Platz nehmen. Schließlich ignorirten sie auch ganz die Existenz dieses räudigen Schafes. Doch Siba setzte sich dariiber hinweg. Er besaß ein sehr sorgloses Naturell und bekümmerte sich mehr um die Befriedigung seines Magens als um die Achtung seiner Mitbürger. Auch war ihnr kein Laster fremd: er war ein Trunkenbold, Feinschmecker, Faullenzer, Lüstling und Zänker und ließ seinen Leidenschaften ohne jeden Scrupel stets freien Lauf. Hätte er heute gelebt, so würden ihm unsere Tugend-Professoren gewiß jeden moralischen Sinn abgesprochen haben. Aber da er dieses Bewußtsein nicht hatte, so war er stets lebensfroh. Unter den Griechen und Syriern im Hafen erfreute er sich einer großen Popularität. Diese Naturmenschen schützten .an ihm die freimüthige Naivetät, wenn sie auch für seine Fehler offene Augen hatten: darum gaben sie ihm auch das Prädicat: Fünf-Sünder — wahrscheinlich, weil ihr einfacher Verstand von einer sechsten Sünde nichts wußte. Siba besuchte gemeinsam mit ihnen die Kneipen, trank dort Wein und aß gebackene Fische, weil ihn ein letzter Scrupel noch vom Fleisch zurückhielt. Wenn Fünf-Sünder nüchtern war, da arbeitete er fleißig; die Zahl seiner Berufe war ebenso groß wie die seiner Laster. * * ★ Zwei Jahre, bevor sich der geheiligte Imperator Diocletian nach Salona zurückzog, um die Sorgen des Thrones mit der Landwirthschaft zu vertauschen, wurde Caesarea durch eine große Dürre verödet. Sechs Monate hindurch blieb der Himmel unversöhnlich und keine Wolke trübte seinen reinen Glanz; kein auch nur vorübergehendes Gewitter befeuchtete die trockene Luft. Die umliegenden Felder und die Aeste waren wie versengt; der Boden war gespalten und wollte weder Körner noch Gemüse zeugen. Nur die Weinreben auf den Hügeln schienen bei diesem Brennofen zu gedeihen. Allabendlich kamen darum auch ausgehungerte Bauernbanden nach Caesarea und nahmen Nahrung mit Gewalt, wenn man sie ihnen freiwillig verweigerte. Alle Gebete, die man an die Götter richtete, blieben vergebens, und es gab doch viele Götter in Caesarea. Die Griechen flehten zu ihrem Zeus, der den Regen spendet; die Syrier gelobten ihrer Aphrodite Opfer und auch die christlichen Priester beteten zum Gekreuzigten, den sie wie einen Gott verehren. Die Juden konnten angesichts dieses Elementar-Ereignisses nicht gleichgiltig bleiben. Auch viele von ihnen wurden dadurch betroffen. Die Gotteshäuser vermochten nicht mehr alle Hirten und Ackerbauer zu fassen, die hier ihre Gebete verrichteten, und den Reichen wurde es bange, daß sie bald für so viele Arme würden sorgen müssen. Auch Hab akuk, der strenge Rabbi und große Gelehrte, mußte sich vom Studium des Gesetzes, seinem einzigen Berufe, losreißen, um mit Unterstützung Gottes die Mittel und Wege zu finden, durch welche das verderbliche Unglückgehemmt werden