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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 684 Dr. Vloch's Wochrnschrist Rr. 47 Sprecher (Lemberg), Dr. Günzig (hebräisch), KrePPel, Leser, Spira (Jargon und hebräisch) und der Schriftführer der Colonisten, Eisig Haber, der in einfacher, schlichter Weise erklärte, daß sich die Colonisten keineswegs der Illusion hingeben, als ob ihnen in Palästina gebratene Tauben in den Mund fliegen werden; sie wissen, daß ihrer harte Arbeit und mannigfache Beschwerlichkeiten harren, aber sie sind fest entschloffen auszuharren, Alles muthvoll zu ertragen; sie wissen, daß die Augen aller Juden, speciell derjenigen Galiziens, auf sie gerichtet sind, und sie werden nicht ermangeln, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Mit der Absingung einiger hebräischer Nationallieder schloß um 2 Uhr nach Mitternacht die stimmungs- und eindrucksvolle Feier, die lange noch in Erinnerung all' Derjenigen bleiben wird, die an derselben theilgenommen haben. Hierauf wurden die Colonisten zum Bahnhofe begleitet, wo ein rührender Abschied stattsand. Gar Mancher konnte sich des Weinens nicht enthalten. Rom. Zwischen dem Finanzminister Carcano und seinem Unterstaatssecretär W o l l e n b e r g sind Differenzen ausgebrochen, die zu dem Rücktritt des Letzteren geführt haben. Man glaubt, daß der Unterstaatssecretär die leichtsinnige Wirthschaft des Finanzministers nicht - gebilligt habe. Wollenberg, unser Glaubensgenoffe, hat sich einen so bedeutenden Einfluß in der Kammer gesichert, daß man infolge seines Rücktrittes das ganze Ministerium für bedenklich erschüttert hält. Petersburg. Die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden veröffentlicht ihren Jahresbericht pro 1897. Danach hat dieselbe 2326 Mitglieder und eine Einnahme von 89.547 Rubel, denen eine Ausgabe in der Höhe von 85.280 Rubel gegenübersteht. Außerdem ist ein Vermögen von 68.308 Rubel vorhanden. — Die antisemitische „Nowoje Wremja" beklagt sich darüber,, daß die Juden in Port-Arthur in China, bereits eine große Rolle spielen. Es sollen eine ganze Menge Lvn Israeliten aus Sibirien und sogar ans Rußland eingewaudert sein, die bereits in Handel und Industrie den maßgebendeu Einfluß besitzen sollen. Coustautiuopel. Von dem deutschen Kaiser wurde anläßlich der Empfangsfestlichkeiten ein großer Ordensregen über die türkischen Würdenträger ausgeschüttet. Auch einige jüdische Beamte wurden ausgezeichnet, darunter Moise Bey Dalmedigo, erster Dolmetscher der Marine, mit dem Kronenorden zweiter, und David Effendi Ruzzano mit dem Kronenorden vierter Classe. Jerusalem. Die Anstrengungen, welche die hiesigen Juden gemacht haben, um das Kaiserpaar würdig zu empfangen, sind von Erfolg gekrönt worden. Der Triumphbogen, der von den vereinigten jüdischen Gemeinden in der Jaffastraße zwischen der Allianceschule und dem Hause Pasqual errichtet wurde, repräsentirt sich sehr vortheilhast. Dieser Bogen ist mit Laub bedeckt und mit synagogalen Ornamenten decorirt. Die Schilder über dem Bogen zeigen zwei türkische Wappen, in deren Mitte der deutsche Reichsadler sich erhebt. Der Psalmenvers „Gesegnet, der da kommt im Namen des Ewigen, grüßen wir Euch aus dem Hause des Ewigen" ist in hebräischer und deutscher Sprache an dem Bogen gemalt. Innerhalb des Triumphbogens ist zu jeder Seite je eine Laubhütte. In einer derselben erwarteten die Oberrabbiner Eljaschar und Galant, umgeben von den Mitgliedern des Comites die Ankunft Ihrer Majestäten, während in der anderen Hütte geladene Gäste Platz fanden. Die beiden Oberrabbiner hielten Thorarollen. Bor dem Triumphbogen bildeten die Zöglinge der Lämleschule Spalier. Die Schüler, alle in Uniform, waren mtt Schärpen in deutschen Farben und einer Unzahl Fahnen versehen. Die Begrüßung fand ganz programmgemäß statt, und die Antwort des Kaisers war außerordentlich liebenswürdig. Das Kaiserpaar hielt zwei Minuten vor den Kiudern, während dieselben ihr hebräisches Lied sangen, und die Begrüßung endete mit einem jubelnden Hoch auf das deutsche Kaiserpaar und dem Gesang der Kinder, die „Heil Dir rm Siegerkranz" vortrugen. Die Lämleschule war die erste deutsche Schule, welche das Kaiserpaar in Jerusalem empfing. — Der Chacham B a s ch i erhielt den Kronenorden ll. Classe, Selig Hausdorf als Vorsteher der deutsch-jüdischen Gemeinde und als ältester hier ansäßiger, deutscher Jude den Kronenorden IV. Claffe, und dieselbe Auszeichnung erhielt Dr. Wallach. Es gereicht uns allen zur Geuugthuung, daß die Juden in keiner Weise hinter den anderen Confessionen zurückgesetzt worden sind. Ausgefallen ist es vielfach, daß Oberrabbiner Galant keine Auszeichnung erhielt, doch erklärt man dieses Vorkommniß damit, daß die türkische Regierung nur den Chacham Basch i als Oberrabbiner anerkennt, während Galant amtlich nur als Privatmann gilt. — Unser Consul, Herr von Tischendorf theilte dem Director Ephraim Cohen mit, daß es die Kaiserin interessiren würde, eine schön geschriebene Copie des hebräischen Festliedes mit der deutschen Uebersetzung zu erhalten. Natürlich kam Herr Cohen diesem Wunsche nach und ließ eine solche Copie in Form einer kleinen Rolle der Kaiserin durch den Consul übermitteln. Darauf erfolgte der nachstehende Dankbrief: Kabinet Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. Jerusalem, den 3. November 1898. An den Director der Lämel-Schule, Herrn Ephraim Cohn, Wohlgeboren I e r u s a l e m. Ihre Majestät die Königin und Kaiserin haben mich berufen, Euer Wohlgeboren für die Uebersendung der Rolle mit dem hebräischen Texte und der deutschen Uebersetzung des Festliedes, welche Ihre Schüler beim Einzuge Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten in Jerusalem gesungen haben, Allerhöchst Ihren besten Dank auszusprechen. Gez. Freiherr von Mirbach, Oberhofmeister. Vermischtes. Zu den Cultuswahlen. (Versammlung der Tempelvereine.) Ueber Einladung der Tempelvereins-Obmänner Herren G. Bettelheim, H. Beck und S. M e i s e l s versammelten sich Dienstag den 22. November Abends im Sitzungssaale des polnischen Tempels die Vorstände und Vertreter von zwanzig Wiener Tempelvereinen, um über die Stellungnahme zu den bevorstehenden Cultuswahlen Berathung zu Pflegen. Der ehrwürdige Obmanu, Herr S. M e i s e l s, erörterte als Vorsitzender die Nothwendigkeit sowohl, wie die Vortheile eines gemeinsamen Vorgehens, — nicht nur jetzt, sondern auch in allen sonstigen Gemeindeallgelegenheiten und empfahl speciell für die dermaligen Wahlen den Anschluß an das bestehende Wahlcomite des Politischen Volksvereines, welch' Letzterer in seinem bekannten, grundlegenden Wahlprogramme die Wahrung der Interessen der Tempelvereine gewährleistet. Herr Obmann-Stellvertreter Ignatz Zolles erweitert diese Darlegungen unter Hinweis auf Herrn Dr. F i a l l a, den Präsidenten des Politischen Bolksvereines, als den einzigen und bedeutendsten Candidaten (Lebhafter Beifall), um den alle Tempelvereine ohne Unterschiede ihrer confessivnellen oder rituellen Richtung fteudig und vertrauensvoll sich schaaren würden. (Stürmische Zustimmung.) Hierauf erhebt sich die ganze Versammlung in st ü rmischer Accla mation an den anwesenden Herrn Dr. F i a l l a, welcher sichtlich bewegt für diese spontane, ihn außerordentlich ehrende Ovation seinen Dank ausspricht, zugleich aber auch zum großen Bedauern der Versammlung feinen während der ganzen Wahlbewegung schon so häufig ausgesprochenen V e r z i ch t auf ein Mandat in motivirter Weise erneuert; in längerer Rede erörtert sodann Herr Dr. F i a l l a die den Tempelvereinen naheliegenden Punkte seines Programmes, befürwortet lebhaft die von Herrn Meisels angeregte Idee der Bildung eines Verbandes der Tempelvereine und schließt unter Hinweis auf die Einheit des Judenthums trotz ritueller Unterschiede. (Allseitiger lebhaftester Beifall.) Nach animirter Debatte über Wahlmodalitäten und Candidaten beschließt die Versammlung den Anschluß ihrer Vereine an das Wahlcomite des Politischen Volksvereines, welchem die Aufstellung der CandidatenlisteV vertrauensvoll überlassen wird.

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