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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-25 · 47 (25.11.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
47 (25.11.1898)
Date
1898-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch’s Jahrgang XV, Centralorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. 8. ft. Postsparkassen-Hlmt Cie«ringVerkehr Nr. 610.976. Lrdartton und Kdmi»Mr«Non: VttR n., Untere Bugarfcnpc. la. Telephon-Nr. 6539. — Wien, 25. November 1898. Erscheint jeden Freitag -- Brief-Adresse: Wien, II., Untere Augartenstraße 1 a. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. X—. -- * B/|U8»rr*t» Wr SrÜrrrrtrh- Hatbjähri- 4 fl. 8 Jtr. j Einzelexemplare tft kr. Für'» Äialanö: j halbjährig 6 ft. 10 Kr. j j ganzjährig 10 „ 90 „ j Lnzeigen: Die 4mal gespaltene! Peritzeile 12 kr. |, X —=-^=-=& 555»? Inhalt. Leitartikel: Briefe aus Galizien. — Die Reprise eines alten Bubenstückes. — Bom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Zur Frage des Zionismus. Zur zionistischen Propaganda. Zur Palästina-Reise des Deutschen Kaisers. Jüdische Neger. Selbstbekenntniß eines Predigers. Die Stimme aus dem Sumpf. — Die Berliner Gemeindewahlen. — Wählerversammlung der israelitischen Cultusgemeinde. — Korrespondenzen: Wien, Baden, Czernowitz, Tarnow, Paris, Rom, Petersburg, Constantinopel, Jerusalem, — Vermischtes: Wien, Skole, Bielitz, Olmütz, Budapest, Salzburg. — Feuilleton: Der Letzte' — Brieflasten. Briefe aus Galizien. Von Dr. S. Pinkas. UI. („Professor Baudouin de Courtenay gegen den Schlachzizen- Antisenritismus. — Jüdische Credit-Genossenschaften und jüdische Mittelstandspolitik. — Brandes' „Polen". — Professor von Rofchmann-Hörburg als Hospitant der — Deutschen Dolkspartei.") Diese Woche wird der galizische Ausnahmszustand im Parlament zur Debatte gelangen. Mlt Erlaubniß des Herrn von Jaworski wird auch Herr Dr. Byk sprechen; natürlich für die Regierung. Was er sonst noch sprechen wird, werden wir ja hören; ob er den Muth haben wird, das seltsame Verhalten der galizischen Regierungsbehörden und der Stanzykenpartei zu beleuchten, wird sich zeigen. In letzter Zeit hat dies bereits eine viel competentere Persönlichkeit, ein Christ, in ganz unzweideutiger Weise gethan. Professor Baudouin de Courtenay in Krakau hat erst vor Kurzem mit seiner Broschüre über die „falsche Steuerfassion" in Galizien viel Staub aufgewirbelt; er setzt nun in einer neuen Schrift: „Nichtopportunistische Gedanken" seinen Kampf gegen die polnischen Schlagwörter und Vorurtheile unerschrocken fort. Der in Rußland gemaßregelte Professor, eine Capacität auf dem Gebiete der Philologie, hat sich schnell in seiner neuen Umgebung orientirt; seine in kurze Aphorismen gefaßten Darstellungen beweisen, wie er durch ihre jesuitische Maske der Scheinheiligkeit zu dringen vermochte. Was er im Zusammenhänge mit den letzten Judenexcessen gegen den Antisemitismus sagt, richtet seine Spitze unmittelbar gegen die „führende" Partei in Galizien und zeigt ihre verwerfliche Heuchelei anläßlich der letzten Ereignisse. Professor de Courtenay ist der erste Mann, der ihren Geschäfts-Antisemitismus entlarvt. Wo Alle schweigen, spricht er. Wenn man die Verbissenheit der galizischen, sowohl conservativen als „demokratischen" Preßcanaillen kennt, weiß man erst das Verdienst dieses Mannes zu schätzen. In seiner Broschüre sagt er Folgendes: „Ich beschäftige mich nicht mit der Menschenjagd und bin überhaupt kein Jäger. Jede Hetze ist mir daher zuwider. Den jetzt so sehr beliebten Sport der Judenhetze kann ich lediglich auf den der Majorität der Menschen angeborenen Jnstinct des Hasses und der Verfolgung zurückführen. Und die Juden eignen sich doch so gut dazu! Haben sie ja durch die Dauer ganzer Jahrhunderte die aoirs des „christlichen" Pöbels abgegeben. Wenn aber Jemand, der zu den minderprivilegirten Gruppen der Menschheit gehört und daher schon von Geburt mit dem Brandmal des Verfolgten behaftet ist (z. B. ein Llthauer, ein Pole, der aus Preußen ausgewiesen wurde, ein Nicht-Russe in Rußland rc.) sich dem gegen die Juden heulenden Chor anschließt, der muß folgerlchtig auch die Verfolgungen, denen er selbst ausgesetzt ist, für berechtigt anerkennen. Wer selbst im unschuldigsten gesellschaftlichen Gespräch die „Vertreibung" der ihm „widerlichen" Juden propagirt, wer sociale Fragen auf eine confessionelle Basis stellt, wer nach dem „Antidotum des Antisemitismus" seufzt, der unterscheidet sich nur in seiner äußeren Erscheinung vom „besoffenen Vagabond" von einem „Buben", der an einem „widerlichen" Juden sein Müthchen kühlt, und dieser sollte daher aus vollem Herzen den „Excessen wegen der Juden" zujubeln. Und man würde auch frermüthig Beifall klatschen und Bravo! rufen, wenn nur nicht zu fürchten wäre, daß das brennende jüdische Haus auch das eigene Palais oder die eigene Fabrik in Brand stecken könnte. Vorerst also „Altruismus" und Rücksichten auf das „öffentliche Wohl!" Die antisemitische Feuersbrunst löschen wir durch den legalen Mord und mit Ketten; dafür dürfen die unmittelbaren Hetzer, die das Gift des Hasses den darnach lechzenden „christlichen" Seelen einflößen, auch fernerhin unbehindert ihr „protegirtes Gewerbe betreiben." Daß irgend ein galizisches Tagblatt dieses Buch auch nur genannt hätte, habe ich nicht gefunden. Und doch gibt es Blätter, die wie die „Nowa Reforma" in Krakau und das „Staro Polskie" in Lemberg, nur in Folge jüdischer Abonnements bestehen können, oder wie der „Kuryer Lwowski" zum Theil sogar Juden gehören! Ist ein Buch unwiderlegbar und sein Verfasser unantastbar, dann werden Beide — verschwiegen. Die Judenhetze erleidet dabei keinen Abbruch. Ein Anlaß findet sich schon. Hat man gerade keine Uebelthat irgend eines Individuums, das zufällig Jude ist, bei der Hand, kann man den Juden nicht „Ausbeutung" oder „Wucher" vorwerfen, dann müssen sogar ihre Versuche, sich wirthschastlich zu organisiren und im Wege der Cooperation der breiteren Schichten billige Creditquellen zu schaffen, herhalten. Seit den letzten Jahren sehen wir in Galizien zahlreiche jüdische Credit-Genossenschaften entstehen. Zwar gibt es da noch Vieles zu bessern, aber der Gedanke ist gesund, er ist die Folge der Erkenntniß, daß sich die Juden in Galizien

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