Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 46 (18.11.1898)
- Date
- 1898-11-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 848 Dr. Bloch'« Wochrnschrifi Rr. 46 — dann wird diese Stunde in unverwelklicher Schönheit fortleben in aller Ewigkeit; und der allmächtige Gott, der aber auch ein Gott der Liebe und Barmherzigkeit ist, der gerechte, mächtige, starke, unerfaßbare Gott, zu dem der Wehschrei des unschuldig Gefolterten, unschuldig Hingerichteten emporgestiegen, wird Ihnen huldvoll lein Antlitz leucht-n lassen!" „Ich dank' Ihm!" rief die Kaiserin, an Sonnenfels herantretend und ihm die Hand reichend, die er ehrfurchtsvoll an seine Lippen führte. „Ich dank' Ihm viel tausendmal, daß er so festgehalten an Seiner Sach' und nit locker ließ! Er ist ein rechtschaffener, unerschrockener, braver Mann.Er soll Recht behalten;.die Tortur wird aufgehoben in Oesterreich; in meinem Oesterreich darf Niemand mehr gefoltert werden; — der Lucker Schutzjud' war der Letzte!" Maria Theresia löste ihr Wort ein, wenige Tage später erschien folgende allerhöchste Entschließung: „Die peinliche Frage nst nach dem in mehreren Staaten schon vorhergegangenen Be spiele ohne einigen Vorbehalte allgemein aufzuheben, dessen sämmtliche Gerichtsbehörden in allen Meinen Erblanden mit Inbegriff des Banates und Galaziens zu ihrer Darnachachtung zu verständigen sind. Es folgt hieraus, daß künftig der Richter in Criminalfällen den Jnquisitionsproceß damals zu schließen hat; wenn er nach der damaligen Vorschrift die genüglichen Jnzichten zur Tortur abhanden zu sein erkennt und kein anderweitiges Mittel zur Conviction mehr übrig ist; doch kann bei dem sogestaltigen Schluffe der Inquisitionen durch schöpfende Final - Erkenntniß lediglich eine poena extraordinaria verhängt werden, bei deren Ausmessung es auf die jeweilige Erwägung ankömmt, in wie weit die bestehenden Jndicia permanentia, die entweder von ihnen selbst nicht abgelehnt oder ex officio ttquirentis durch bie anderweitig erhobenen Umstände nicht entkräftet worden sind, allezeit extraordinaria zu bestrafen und nach Verschiedenheit, als sie sich durch derlei Indicia gravirt finden, auch in der Bestrafung anzusehen sein. Worinnen aber diese körperlichen Strafen nach Verschiedenheit der mehr oder mindern Gravirung bestehen könnten, auch wie nach den verschiedenen Anschauungen der Länder auch mit der Rücksicht, damit dem Staat der Verhaft dieser Leute so wenig wie möglich zur Last werde, wegen deren Züchtigung künftig die Ausmessung zu treffen wäre? darüber hat Mir die oberste Justizstelle ihren weitern gutächtlichen Vorschlag zu eröffnen; sie wird möglicherweise auch ermessen, wie in Folge dieser neuen Ausmessung in dem Oodice criminali die Abänderung zu geschehen habe. Bei dieser Gelegenheit will ich der obersten Justizstelle zur näheren Berathung geben, ob nicht auch die Todesstrafe nach und nach, wo nicht gänzlich doch zum größten Theile aufzuheben und nur auf die äelicra atrocissiwa zu beschränken wäre, unter der Voraussetzung, daß in allen Ländern zur angemessenen Züchtigung und Strafe die erforderlichen Häuser errichtet; oder die obhandenen erweitert und daselbst wider die anhaltenden Delinquenten mit solcher Härte und Schärfe vorgegangen werden müßte; damit das öfters wiederholte Ansehen dergleichen Sträflinge in dem Publiko mehr wirke als die Todesstrafe und solchergestalt auch die Gesellschaft aus der Arbeit solcher Delinquenten noch einigen Nutzen ziehen. Den 2ten Jayuar 1776. Maria Theresia." (Schluß folgt.) Briefkasten. Mehreren Einsender von Ausschnitten: Läßt ein jüdischer Lehrbub auf einem Dachboden unglückseligerweise eine Kerze fallen, so ist das — nach Ehren-Vergani — eine jüdische Nationaleigenschaft! Und wenn ein Commis, von dem derzeit noch nicht einmal erwiesen ist, daß er wirklich einen Geldbrief spoliirt hat, eine Handelsschule besucht hat, welcher ein hochachtbarer israelitischer Direetor vorsteht, so werden dieser und viele hunderte seiner ehrlichen achtbaren Schüler im „Deutschen Volksblatt" Nr. 3544 in Bausch und Bogen beschimpft — aber so verelausulirt, daß gerichtlich nichts dagegen zu machen ist. Alfred R. Wetzet, „Christlich-deutsches Haus", VII., Westbahnstraße 54. Sie senden uns einen abgeblaßten, verwischten, verklapsten Schreibmaschinenbrief, an dem die Verschlagungen noch das Beste sind. Die Buchstaben hüpfen lustig aus den Zeilen. Wir nehmen gern an, daß Sie diesen Brief nicht mit den von Ihnen so stürmisch den Juden empfohlenen „Hammond-Maschinen" geschrieben haben. Wir haben uns fast die Augen herausgelesen bei der Entzifferung. Es lohnte nicht der Mühe. Zur Abfuhr: ad 1. Annoncen antisemitischer Häuser refusiren wir grundsätzlich, ad 2, Daß Sie Herrn Weigl setzt in der Ihrer Geistesrichtung vollkommen zusagenden Weise beschimpfen, wundert uns keineswegs, ad 3. Die für Friedrich den Großen von Ihnen eingelegte „warme Lanze" hat uns so gerührt als befremdet. Was geht Sie FridericusRex cm? Hat der mit Schreibmaschine geschrieben oder gehandelt? So viel wir wissen hat er gesagt: „In Meinem Reiche kann jeder nach seiner FaZon selig werden" und ein andermal: „Mit solchem-muß ich mich herumschlagen". Er mußte. Wir müssen nicht. Herrn Qsias Horowitz, Zurawno. Sie ziehen zur Sterblichkeitsstatistik der ehelichen und unehelichen Kinder („Qesterr. Wochenschrift Nr. 42 v. 21. October l. I.) die interessante Talmudstelle Truct. Jebamoth Fol. 78 d heran. — Gruß! O. O. stuä. phil. Talent! — Aber zum Abdruck noch ungeeignet. Bitte abholen zu lassen! Herrn Leopold Kary, IX. Liechtensteinstraße 53. Sie fragen uns, „welches jüdische Institut abgeschnittene Cigarrenspitzen geschenkweise annimmt?" — Wir können mit einer diesbezüglichen Auskunft nicht dienen. 3k. V. Z. Selbstverfaßte Notizen über abgehaltene Concerte lehnen wir dankend ab. Unser musikalischer Berichterstatter wird alle jene Concerte besuchen, zu welchen wir Ungeladen werden und im Blatte kurz darüber referiren. Abonnent Sal. M. in Lemberg. Die „Patrioten" — wie der „Naprzod" weiß — mit ihrem P. Gnatowski voran — sollen Georg Brandes nach Lemberg eingeladen haben, der auch zu kommen versprochen haben — soll. Das Blättchen schreibt: „Plötzlich berichteten die Blätter, daß Brandes nicht kommen werde. Die Ursache dieser plötzlichen Veränderung war eine Entdeckung, die über die Person Brandes' gemacht worden war. Gnatowski und der Bürgermeister Malachowski hatten nämlich in Erfahrung gebracht, daß Brandes Jude sei und zogen deshalb die Einladung zurück." Vergani übernimmt wonnegrunzend diese Nottz. Es ist aber auch die andere Annahme mindestens ebenso berechtigt, daß Georg Brandes erfahren habe, mit welcher Sorte Antisemiten er es hier zu thun bekäme und deshalb schleunig absagte. Diese Version hat sogar die weitaus größere Wahrscheinlichkeit für sich. Stud. med. Carl L., IX. Sie sind mit Recht entrüstet über die empörenden Auslassungen der „Ostdeutschen" vom 10. d. M. gegen Nothnagel und Marmorek. Sie sind eben noch jung und Ihre heftige Reaction gegen alle derartige Frivolität gereicht Ihnen zur Ehre. „Oder ist es ein so großes Verdienst, mit zwei Flaschen von Paris nach Wien zu fahren? Das würde wahrlich jeder Dienstmann getroffen haben, wenn man ihm nur die Adresse zur Ablieferung aufgeschrieben hätte. Würde man diesen Dienstmann auch so verherrlicht haben? Hätte man ihn auch itt^den Judenblättern iir Conterfei gebracht? — — — — — — — — — Der Herr Marmorek ist vollauf bezahlt, wenn man ihm die Reisespesen vergütet, als Ueberzahlung hat er noch die Reclame. Aber uns darf man doch nicht zumuthen, daß wir so naiv sind, den Marmorek wegen seiner Reise von Paris nach Wien mit zwei Flaschen und dem Regenschirm seines Chefs als großen Mann zu bewundern. Das überlassen wir der Nachwelt, die etwa so organisirt sein wird, wie Nothnagel und Marmorek es wünschen. („Ostdeutsche Rundschau" Nr. all.) I. S. in U. Hofrath Grünhut, Baron Oppenheimer, Dr. Verkauf. G. S. 19. Am Hochzeitstage des Bruders trägt man Trauerzeichen überhaupt nicht. Herrn Arthur St., Budapest. Der Name des Verfassers des Feuilletons „Dr. Kohn" in der „Frankfurter-Zeitung" vom Samstag ist uns nicht bekannt. D. K. in Nk. Der 4. November 1812 war Mittwoch der 29. Cheschwan 5573, der 29. Ab 5625 war Freitag der 10. August 1866. Babrtte Srhnaxik und Dr. M. Kofrnmanrr, Bezirksrabbiner, zeigen auf diesem Wege ihre am 10. November l. I. in Lemberg stattgefundene Verlobung an. Lemberg. Floridsdorf. Staatlich appr Hanse gegen mäßiges Honorar. Camilla Mahler. VI straße 45. 1. St. III. St. Clavierlekreml pädagogisch tüchtig, unterrichtet in und außer dem Mariahilfer- 94 Herausgeber: De. Josef «. «loch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Deck 1 Sohn, Wien. VUL