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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Date
1898-11-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 46 Jahrgang XV I Dr. Bloch’s Centrslorgsn I- - - ■ — - R. k. Postsparkassrn-Amt |j CI eartngderketz r Nr. 810.976. j j Lrdartton und Rdmiutstratton: I »t» u In., Ankere Augarlenstr. r». ' Telephon - Nr. 6535. j; » 1 " - -2 für die gesammten Jntereffen des Judenthums. Wien. 18. November 1898. Erscheint jeden Freitag. -^—»-4—- Brief-Adresse: WiSn» II., Untere Augartenstraße 1 a. Telegramm-Adresse: Vloch's Wochenschrift. B t jujjajjrtta für Sefterrelrh - Halbjährig 4 fl. ■= 8 Är. Einzelexemplare »4 kr. ISr's Ausland: halbjährig ü fl. — IS lkr. ganzjährig 10 „= 10 „ Anzeigen: Die 4m al gespaltene Peiiizeile lS kr. Inhalt. David's Grab. — Leitartikel: Wem gehört Jerusalem? — Ein Jahresbericht der Wiener Cultusgemeinde. — Zn den Wahlen in den Cultusvorstand. Eine Berichtigung. — Der Kampf gegen die jüdischen Lehrerinnen. —,Zur Frage der Colonisation. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Der deutsche Kaiser und der Zionismus. Die Frage des Einwanderungs-Verbotes nach Palästina. Ein moderner Dienstmann. Eine seltsame Anklage. Ans judenfreier Zeit. Bekehrte Antisemiten. Von einer pietätvollen Enkelin. Ein antiseniitischer Gemeinderath. Aus dem Leben gegriffen. - Correspondenzen: Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Wien, Olmiitz, Prag, Czernowitz, Tachau, Frankfurt a. M-, Berlin, London. Vermischtes: Wien, Proßnitz, Kolin, Reichenberg, Krakau, Temesvar. — Feuilleton: Der Letzte. - Briefkasten. — Inserate. David'« Grab. „Dies David's GrabDie Thüre that sich auf. Der Raum gewölbt Ein hoher Katafalk Gethürmt und mächtig; drauf ein alter Teppich In milden Farben glühend. Drüber hin Ausblick in sonnenbraunen Grund. Ganz ferne, Dem blauen Himmel nah und milde schillernd Wie ein Opal, ein Endchen todtes Meer. „Dies David's Grab!" Der Kaiser trat heran. Und bog sein stolzes Knie dem todten König, Dem Hirtenknaben, den des Einen Ruf Zum Throne Hub. Der seine Feinde schlug Und der nach Zwietracht und nach Bruderfehde schon Sein Volke geeint, der ihm die Stadt gegründet, Darin, ein Wunder aller Welt, der Tempel Des Ewig-Einzigen gestanden: der ein Weiser Und doch voll Thorheit war, der ein Gerechter Und doch voll arger List; ein Frommer Und doch ein Sünder war. Mit alledem Verehrt durch die Jahrtausende, ein ganzer Herrscher. Ein ganzer Mensch. So groß durch sich, Daß er der Nachsicht Schleier nie bedurft, Der seine Fehler bärge. „Dies David's Grab!" Der Kaiser Hub sein Haupt; Rings Todtenstille; nur der Windhauch zog Um diese Höhe, ächzend wie gequält — Doch keine Melodie: so lauter klangen In seiner Seele sie, die der erhoben, Der nun den Todesschlummer schläft. Die gellen Weisen, In denen seine Seele schrie zu Gott, Wenn Seiner Allmacht Finger schlug daran, Daß ihm das tiefste Herz verzagen wollte, Das Jauchzen der Gottinnigkeit; der Muth Des Gottesstreiters klang: „Ein' feste Burg" Und wieder stöhnend sein: „Aus tiefster Noch." „Dies David's Grab!" Es schläft in diesem Schacht, Versiegt die Quelle, die so köstlich war, Ein Born im Wüstensande, dessen Rauschen (Ein Epilog.) Vernehmlich klingt durch all' die Ewigkeiten, Stets gleichen Tones, nimmer überbraust Vom schrillen Sturm der Zeiten. Und versiegelt Vom Todessiegel schweigt der Liedermund, Der Weisheit kündigte, noch kaum geübt, Noch kaum begriffen. Welcher Nachruhm mag Sich dem vergleichen, dem dies Grab der Hüter? Und welcher Fürst, und sei sein Thron erhöht Ob allen Thronen, mag dem Sohne Jsai's Nicht nah'n in Ehrfurcht? Denn sein Name glänzt Wenn eine gleiche Spanne Zeit verflossen. Wen kennt man noch, den unsere Zeit gerühmt? Er aber scheinet gleich dem Sterne der Nacht Durch alle Dunkelheiten, keine Wolke Betrübt sein Licht. So kniee nieder, Fürst, Und beuge Dich der größer'» Majestät — „Dies Davids Grab!" Es stand vor David's Grab Ein Schwarm von Juden, Erben dieser Väter Und dieses Landes, drein sie Heimlos sind, Und keine Scholle Boden eignet ihnen, Der ihnen heilig doch vor Allen ist. Und nur die Klagemauern haben sie, Um dran zu schreien, ihre Brust zu schlagen Um Zions Fall. Uno Einer sprach daraus: Hast Du gesehen, Rabbi? Gottes Wunder! Der große Fürst vom großen Aschkanas Gekommen ist er her zu David's Grab Und kniet an David's Grab?I" Der Rabbi strich Den weißen Bart: „Und nu? Was weiter Joel? Sie machen's so. Sie knieen vor unsren Vätern, Und ihre Lieder singen sie in Kirchen, Und Steine sammeln sie, wo sie gegangen. Und kommt die Lust, so mit denselben Steinen, So schmeißen sie nach dieser Väter Kinder Vor denen sie gekniet. Was weiter Joel? Das ist nun so, seit David's letzter Enkel Zu seinen Vätern ging."

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