Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 42 (21.10.1898)
- Date
- 1898-10-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021266--08253-3032623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 772 Vr. Vloch's Wochenschrrfi Nr. 42 angelegenheiten bei, die für Fremde nicht gehören, die unendlich unerquicklich und beklemmend sind. Die geschickte Hand des Autors hilft uns über diese Unerquicklichkeiten nicht hinweg und sonniger Humor geht Nordau gänzlich ab. Das vermöchte doch vielleicht über manche Klippe hinüberzuhelfen. Wasserstein wo bist Du?! Es muß auch hervorgehoben werden, daß die kleinbürgerliche Bornirtheit, der blöde Arierstolz der Burschenschafter, des preußischen Militärs und des salbungstriefenden Ober-Bonzen namentlich, gut geschaut und ganz brillant skizzirt sind. Es wäre auch wohl ungerecht, von Nordau, der so Vieles kann und leistet, auch nachdem mustergiltiges Drama von dauerndem Werthe zu fordern. Er ist ^bekanntlich ein hervorragender Journalist, ein fascinirender Redner — für einen großen Dichter wird er sich selbst wohl nicht halten. So viel Selbsterkenntniß darf man einem Manne seiner Bedeutung immerhin schon zutrauen. Und der Vorwurf, den er sich gewählt, erfordert einen ganzen Poeten. Was der gewandte, geistreiche Schriftsteller zu bieten vermochte, das hat er reichlich, geboten und es ist nicht wenig gewesen. Das „Mehr" zu geben, welches das Werk zum Kunstwerk erhoben und ihm den Stempel des Bleibenden ausgeprägt hätte, blieb ihm versagt. * * W. Bambus: Herr Mozkin und die Wahrheit über die Colonisation Palästinas. Diese Broschüre beabsichtigt, die Rede eines gewissen Herrn Mozkin zu widerlegen, welche dieser auf dem letzten Baseler Zionistencongrefse über die Colonisation von Palästina gehalten hat. Wirerfahren, daß Herr Mozkin, .stuä. math.u, das gelobte Land im Aufträge des Wiener Actions-Comites bereist hat. Er hat ungünstige Eindrücke von den Schulen und den Colonien gewonnen. Nach seinem Dafürhalten entsprechen die Leistungen der Colonien nicht den aufgewandten Summen. Für die künftige Taktik bezüglich der Colonisation verlangt er sichere Garantien und ein planmäßiges Vorgehen. Solange nicht diese Bedingungen erfüllt, insbesondere die Thore Palästinas der Gesammtheit der Judenschaft geöffnet seien, müsse das jetzige Einsührungssystem einzelner Familien verworfen, dagegen müssen die bestehenden Colonien gehoben werden. — So weit Herr Mozkin. Herr Bambus beschuldigt ihn nun, unwahre Anklagen und Behauptungen ausgesprochen, schwere Angriffe „geschleudert" zu haben, ohne Spur eines Beweises. Mit der angeblichen „Leichtfertigkeit" des Herrn Mozkin beschäftigt sich die Schrift. Allerlei Klatsch und Zwischenträgereien haben die Kluft zwischen den Anschauungen der Herren Mozkin und Bambus beträchtlich erweitert, so daß die principielle Meinungsverschiedenheit bereits das persönliche Gebiet betreten und die gehässigsten Formen angenommen hat. Es wäre derk^Herren sehr zu empfehlen, einen ehrenvollen Frieden zu schließen, die Streitaxt zu begraben, sonst compromittiren ihre Broschüren die Sache und deren Vertreter, um die es ihnen ja doch zu thun sein sollte weit mehr als Karl Kraus und sein witzsprühendes Pamphlet! I. Saschar. Briefkasten. „I. W." II. Sie können, so weit wir informirt sind, beruhigt in die angefragte Schule eintreten, ohne antisemitische Unbequemlichkeiten befürchten zu müssen. S. S. S. in E. Verlag Siegftied Kronach in Berlin. Frau Dora P—. Ihre Bemerkung ist recht fein: „Mit der Absonderung der Judenkinder ist es wie mit dem Worte „Jud!", wenn die Antisemiten es uns zurufen. Der Schimpf ist hier tvic dort in der Meinung, in der Absicht gelegen, nicht im Wort, nicht in derSache!" „Sind. phil. 87.« Die letzteinteressante Arbeit des berühmten Botanikers Professor Ferdinand Cohn, der kürzlich verstorben ist, finden Sie im October-Heste der „Deutschen Rundschau". Sie handelt vom Verhältniß der Botanik zu den bildenden Künsten. „Ein alter Abonnent.« Der „Goastier-Tonl", der Tiroler Hausirer aus der Ausstellung, heiratet und verlangt in der Kirche — einen Gulden Entree von jedem Hochzeitsgast. Vergani ist spaltenweise entzückt von der Idee! Wenn e i n I u d e dasthäte! „Ehemaliger Besucher des alten Fürst-Theaters." Ja, Sie haben Recht! — „Deutsches Volksblatt" vom 13. October (Gerichtssaal) schreibt wörtlich: „Wir dürfen selbstverständlich vor der Verhandlung kein Urtheil über diese Klage abgeben, hoffen aber zuversichtlich, daß dieser Mißbrauch des Gerichtssaales zur Befriedigung der Scandal- und Reclamesucht der Juden geahndet wird." — Das ist genau so, wie: „Forschet nicht — meinen Namen werdet Ihr nie erfahren — ich bin der Kaiser Josef!" Berlin W., Dr. L. Sch—y. Es gibt noch immer viele Leute, welche das Auftreten in einem Circus für weitaus anständiger halten, Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redact« als das Herausgeben eines antisemitischen Pauschalien-Hetz-Journals. Der Ehrenbürger von Mühldorf findet, „daß die Frau des jüdischen, getauften Rechtsanwaltes Fritz Friedmann in Berlin, den traurigen Ruf, den ihr Gatte hinterlassen, benütze, um für sich Reclame zu machen." Med. Dr. Alois K—n. Die „Ostdeutsche Rundschau" von: 13. October d. I. sieht einen Act besonderer Judenschlauheit darin, daß in den Kammervorstand der II. Aerztekammcr sechs Christen und nur drei Juden gewählt wurden: „Die Juden trugen Bedenken, ihren Sieg voll und ganz auszunützen." Zu dumm! — Dasselbe Blatt in der gleichen Nummer schreibt: „Von deutschen Hochschulen. Ein Denkmal für einen jüdischen Professor. Im Arcadenhofe der Wiener Universität wird Sonntag den 16. d. M. ein Relief des Universitätsprofessors Dr. Ernst von Fleischl-Marnow feierlich enthüllt. Fleischl-Marnow war Jude. Wozu die alte, deutsche Wiener Universität mit Inden- Denkmälern geschmückt wird, ist nur dann zu begreifen, wenn damit die Absicht verfolgt wird, die leider sehr zahlreichen jüdischen Universitätslehrer, getaufte und ungetanste, in ihrer Anmaßung zu bestärken." — Die Wissenschaft ist anderer Meinung. Dr^ S. R. Der schöne Gedanke, welchen Sie in Ihrer Zuschrift ausführen, wäre als Thema einer eingehenden Betrachtung zu verwenden. In der vorliegenden Form nehmen wir von der Veröffentlichung Abstand. G. P. in Agram. Derartige Hetzschriften werden massenhaft verbreitet; es ist unmöglich, sich mit jedem Einzelnen dieser nichtswürdigen Pamphlete zu befassen. „Medaillenfreund". Auf dem Kohlmarkt, in einer der Münzenhandlungen. — Der jugendliche Gymnasiast Arthur Löwenthal hat den Humoristen Mark Twain, als er nichts ahnend in der Loge saß, abgezeichnet und nach dieser Skizze die Gußmedaille angefertigt, welche in einem Exemplare vom k. k. kunsthistorischen Museum in Wien erworben wurde. Herrn M. Ernst, Ustrzyki-dolne. In jeder guten Buchhandlung. Sie finden solche öfters imJnseratentheile unseresBlattes angezeigt. „Eine Wette". Wir sind nicht competent. Wenden Sie sich doch mit Ihrer sonderbaren Anfrage lieber an eine antisemitische Zeitung, ob die Unfallversicherungs-Gesellschaft für einen — Hingerichteten die Prämie ausbezahlen muß? Rudolf Kl-ke. Die neueste Protections-Affaire zeigt, wie tief diese Partei gesunken ist — vorläufig bis in den Keller. Man schiebt fähige und bewährte Leute, die doch auch Antisemiten sind, beiseite und zieht ihnen junge, im Weinpantschen wenig erfahrene vor. Welche traurige Aussichten haben nun die „gleichberechtigten" Juden auf Anstellung und Beförderung?! Minus Null. Nur fleißig Steuerzahlen im Nathhaus. Prag, Dr. M. Ihre Mittheilungen. über die Erfahrungen jüdischer Studenten in den sogenannten „freisinnigen Vereinen" der czechischen Collegenschaft überraschen uns gar nicht. Diese Art nationalen Freisinnes entspricht vollkommen dem Charakter der Renegaten, und der getaufte Jude, der seine Stammes-Angehörigen höhnt, macht sich nur umso verächtlicher bei Ariern und Semiten! Herrn Adolf St— y„ B.-Br. 1. Zu streng. Es gibt noch schlechtere Stücke. 2. Der Record antisemitischer Verrohung, den Sie aufstellten, wurde inzwischen weitaus geschlagen. -Wenn eine arme, kranke Haustrerin im Spitale in einem Wahnsinnsanfall sich die Nase mit einem Messer abschneidet, so berichten diese Gemüthsmenschen vom Wiener Moniteur für Volksverhetzung und Massenverblödung darüber unter der Spitzmarke: „Sonderbarer Selbstmordversuch einer I ü d i n." Und das Journal veröffentlicht Aufsätze überschrieben: „Zur Verrohung unserer Jugend." Gmgesrndet! An jüdische Vereine! Der Verein „Ferienheim", welcher feit sieben Jahren die Gastfreundschaft der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" genießt, sieht sich infolge der Zunahme seiner stets wachsenden Agenden veranlaßt, ein geräumiges Bureau zu miethen. Der Vorstand erlaubt sich, solche jüdische Vereine, die für Sitzungen oder andere Zwecke ein passendes Local bedürfen, zum Beitritte einzuladen, so daß mehrere Vereine ein gemeinsames, aber bequemes und billiges Domicil aquiriren können. In Ermanglung eines jüdischen Vereinshauses, dürfte dieser Plan bei verwandten Vereinen Anklang finden, zumal als auf etwaige Wünsche bei Miethung einer Wohnung leicht Rücksicht genommen werden könnte. Gefällige Zuschriften richte man an das Bureau „Ferienheim", I. Schottenring 23. S o f i e G r ü n f e l d Präsidentin. ^:önt)r als Pfleger zu einem alten Herrn gesucht, muß im Hause mithclfen und gute Zeugnisse über ähnliche Posten vorweisen können. Vorzustellen Sonntag den 23. d. M., zwischen 10 bis 12 Uhr, II„ llllrichsgafse 1, 1. Stock. Thür 11. «i : Robert Wolf. — Druck, von L. Beck Ä Sohn, Wien. VIII.