Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 42 (21.10.1898)
- Date
- 1898-10-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 42 Jahrgang XV. Dr. Bloch’s Centralorgan für die grsannnten Interesten des Iudenthums. *= K. ft. Poyfxsrftslstn-Zilmr Tlraringverkrhr Nr. 610.976. SrdsrNon und »LuU»tstreMon: »ttn n., Ktiiu* Lugsrlrnflr. la. Telephon - Nr. 6535. =X Wien, 21. Ortober 1898. X Erscheint jeden Freitag. - -n- - Brief-Adresse: Wien» I.» Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Btoch's Wochenschrift Wien. X- NrprgNprris fiir Srstrrrrich: Halbjährig 4 fl. --- S Kr. Einzelexemplare »L Ir. Für'» Aualsnd: halbjährig » fl. -- 10 Kr. ganzjährig 10 JO „ Anzeigen: Die 4mal gespaltenej Petirzeile IS kr. Inhalt. Leitartikel: Der Protest gegen den Schnlerlaß. — Ein Attentat ans die jüdischen Hausirer. — Briefe aus Galizien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Groß-Antisemit von Weikersdorf gestorben. Edward Bellamy. Die körperliche und geistige Gesundheit christlicher und jüdischer Kinder. Egidy über die Affaire Treyws. Marokkanische Juden. Die Juden in Rußland. Der letzte Gaon und Resch Metibta. — Trauerkundgebungen für die Kaiserin. — Correspondenzen: Prag, Kuttenberg, Berlin, Straßburg i. E. — Vermischtes: Wien, Jungbunzlau. Lemberg, Berlin, Hamburg. — F e u i l l e t o n: Der Letzte. — Der Bäbaszeker Jude. — Zi o ni sti sch e L ite r atur. - Briefkasten. — Eingesendet. — Inserate. Zur gefälligen Beachtung. Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten» welche noch mit der Abonnrmenlsgebühr im Rückstände sind» die zur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufirägr gefälligst hvnorirrn zu wollen. Die Administration. Der Protest gegen den Schulerlatz. Die große Versammlung, in welcher die Wiener Judenschaft gegen den ungesetzlichen Erlaß des Bezirksschulrathes entschiedenen Protest erhob, hat Montag Abends im Festsaale des kaufmännischen Vereines stattgefunden. Der überaus zahlreiche Besuch dieser Versammlung, für welche sich der Saal und die Galerie als viel zu klein erwiesen, um Allen, die gekommen waren, den Einlaß zu ermöglichen, und die stürmische Begeisterung, welche die Ausführungen der Redner erweckten, gaben Zeugniß davon, welchen liefen Eindruck das Attentat der Antisemiten in der Wiener Judenschaft hervorgerufen hat. Mit überzeugender Klarheit und die weitgehende Bedeutung des Erlasses im Einflüsse auf die Zukunft der Juden in Oesterreich kennzeichnend, schilderte der Referent, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. F i a l l a, Präsident des P o l i t i s ch e n Volksvereines, in seiner geradezu meisterhaften Rede die Verderblichkeit des Erlasses in pädagogischer, cultureller und politischer Hinsicht, und führte den stritten Nachweis von der absoluten Unvereinbarkeit dieses Erlasses mit dem Staatsgrundgesetze und mit dem Reichs-Volksschulgesetze. Der Vortrag Dr. Fialla's wurde fast bei jedem einzelnen Satze von stürmischem Beifall und Zurufen unterbrochen, und als er schloß, erhob sich ein Beifallssturm, wie ihn nur die wahre Begeisterung für eine gerechte Sache, und die tiefste Entrüstung ob eines erlittenen Unrechtes hervorzurufen vermag. Das war eine imposante und begeisterte Kundgebung für das Recht der Jndenschast, das war aber auch die Kundgebung entschiedener Kampfbereitschaft gegenüber den unaufhörlichen verwegenen Versuchen der antisemitischen Partei, die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden zu vernichten. Landtagsabgeordneter Dr. Ofner und Reichsrathsabgeordneter Hosrath K a r e i s beleuchteten ebenfalls den gesetzwidrigen Erlaß hinsichtlich seiner absoluten Ungesetzlichkeit und sittlichen Verwerflichkeit, und Hofrath Kar.eis war in der Lage, die ihm bekannt gewordene Anschauung des Unterrichtsministers über den Erlaß mitzutheilen. Es sprachen ferner unter großem Beifall die Herren Ortsschulrath Leopold Strauß, kais. Rath R u z i c z k a und Architekt M a rm o rek. Der Letztere vertrat in seiner Rede den zionistischen Standpunkt. Die von Dr. Fialla beantragte Resolution wurde unter brausendem Beifall und Hochrufen auf den Referenten einstimmig angenommen. Als nach der Rede des Herrn Marmorek mit Rücksicht aus die vorgerückte Stunde Schluß der Sitzung angenommen wurde, demonstrirte eine Gruppe von Zionisten dagegen und wollte, während alle Anderen den Saal verließen, die Debatte fortsetzen. Der Regierungsvertreter erklärte jedoch, daß nach Schluß der Versammlung der Saal geräumt werden müsse, und so mußten die Zionisten sich der Anordnung der erschienenen Sicherheitswache fügen und den Saal verlassen. Der Zweck der Versammlung, gegen ein brutales Unrecht einmüthig zu protestiren und kundzugeben, daß sich die Jndenschast diese Willkür unter gar keinen Umständen gefallen zu lassen entschlossen sei, wurde in vollstem Maße erfüllt. Es war eine imposante und würdige Veranstaltung. * * * Den Vorsitz in der Versammlung führte der Präsident der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" kais. Rath A n n i n g e r. Unter den Anwesenden befanden sich: Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, kais. Rath K l i n g e r, und die Vicepräsidenten Gemeinderath Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, die Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer, Carl K o h n, Oberingenieur von Mises, Gottlieb Taussig, Baurath S t i a ß n y, Theodor Ritter von G o l ds ch m i d t, kais. Rath Hirsch, ferner waren erschienen: Reichsrathsabg. Hosrath Kar eis, Landtagsabg. Dr. Ofner, die Ge-