Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 41 (14.10.1898)
- Date
- 1898-10-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 752 Vr. Vloch'r Wochrnschrist Nr. 41 Briefkasten. „Hans Sachs", Die überkeuschen Herren von der „Reichspost" können sich noch immer nicht über die von der Ausstellungs- Commission zurückgewiesenen unmoralischen Schuhe beruhigen, die jetzt in einem Schaufenster unter den Tuchlauben stehen. Lassen Sie sic doch gewähren! Den Antisemiten ist jeder Stiefel willkommen! M. F. Cgbcll. Es muß heißen: Das Pathos; „der" Pathos ist grundfalsch. Empfehlen Ihnen Zum Nachschlagen in ähnlichen, Ihnen zweifelhaften Fällen das Buch: „Die Hauptschwierigkelten der deutschen Sprache" von Daniel Sanders, welcher, en passant bemerkt" ein Jude gewesen ist und zugleich die unbestritten höchste Autorität in germanischen Dingen. Otto R. Den Bericht, den Sie uns über die Scene beim Leichenbegängnisse des Herrn Nobile de Zenetti sandten, haben wir bereits in einem anderen Blatte gelesen« Der Priester im Ornat schrie der trostlosen verzweifelten Witwe am offenen Grabe des Gatten die trostreichen Worte zu: „GlaubenSie denn an kein Wiedersehen? Was ist das für ein heidnisches Betragen?!" Dieses Vorgehen findet vielleicht darin seine Erklärung, daß die Dame eine getaufte Jüdin und ihre Tochter derzeit mit einem Israeliten verlobt ist. Der Antisemitismus an der offenen Gruft ist etwas ganz Neues. Weh' dem, der da reagirt hätte. Der Religionsstörungsparagraph wäre sofort in Function getreten! B. W. in R. Der jüdische Astronom heißt L fo Brenner, der jetzt verstorbene hervorragende österreichische Ingenieur Siegfried Markus. Von deutscher Abkunft und lange Zeit Adlatus von Werner Siemens, kam er vor mehr als vierzig Jahren nach Wien und wußte sich bald durch seine Begabung für Erfindungen einen ersten Platz unter den Fachgenossen zu erringen. Seine Erfindungen sind äußerst zahlreich und bedeutend. Auf dem Gebiete der Elektricitar allein seien nach der „Frkf. Ztg." erwähnt: Die mit dem großen Preise der Wiener Akademie der Wiffenschasten ausgezeichnete Thermosaule, die automatische Auslösung am Morsetelegraphen, die magnetoelektrischen Feldtelegraphcn rc. Auch die ersten Lustgasmaschinen sind unter dem Namen „Astralgasapparate" von Markus erfunden, ebenso die elektro - mechanischen Sceminen, die während des Krieges 1866 zur Anwendung kamen, ferner die elektrische Centralgeschützabfeuerung, auf österreichisch - ungarischen Kriegsschiffen im Vereine mit dem Fregattenkapitän Karl v. Wohlgemuth eingeführt, schließlich noch der Petroleummotor (1873, also zehn Jahre vor den deutschen und französischen Motoren ausgestellt), magneto - elektrische Zündapparate von erstaunlicher Kraft, welche im Kriege 1870/71 von der deutschen Armee angewendet wurden. Die meisten französischen Festungen, wie Straßburg, Laon, Toul, wurden mit diesen Zündapparaten gesprengt. Lange Zeit war Markus der erste Mitarbeiter Auer v. Welsbach's, mit dem ihn schließlich ein Prozeß entzweite. Die Markus-Lampe, eine Spiritusglühlampe, war wohl seine bedeutsamste Erfindung; vor einigen Jahren schon hatte Markus nicht ohne Erfolg damit debutirt, aber ihm selbst genügte die Lampe nicht, urrd er arbeitete rastlos an ihrer Verbesserung und seine Bemühungen brachten die günstigsten Resultate hervor. Es war dem unermüdlichen Thätigen nicht vergönnt, die Früchte dieser Arbeit zu genießen. Neugieriger Abonnent. Feuilleton des „Deutschen Volksblatt" vom 6. d. M., „Pariser Plaudereien", drei Mal: — „Mordaines" (??). Vermuthlich „Moudaines" gemeint. Daß die Herren nicht Deutsch können, haben sie längst gezeigt, nun bringen sie auch der, Unbefähigungsnachweis für die fremden Sprachen. Herr« M. H., Kozlow. Ihr Schreiben zerfällt in zwei Theilc. Der erste, welchen wir verstanden haben, wendet sich gegen die Methode der Baron Hirsch-Schuleu. Wir theilen Ihre Anschauungen in diesem Punkte nicht. Diese Schulen bezwecken ja nicht die Ausbildung von Rabbinern! Den zweiten Theil gestehen wir ein, nicht verstanden zu haben. Herrn Antou Kl—., Innsbruck. Das „Tiroler Tagblatt" berichtet, daß die Patres Servilen, Besitzer des Hauses Nr. 44 in der Maria Theresienstraße zu Innsbruck, allen daselbst wohnhaften Schauspielern gekündigt haben! Die schwarzen Herrschaften fühlen sich auch nach dieser Hinsicht ganz im Mittelalter, wo Scharfrichter, Komödianten, Ketzer und Juden gleich verfehmt, gleich recht- und ehrlos waren! Damals wurde dem Freimann und dem Mimen auch das kirchliche Begräbniß in geweihtem Grunde Vertveigert. Bon den Teufelaustreibungen in modernen Italien dürften Sie wohl in jüngster Zeit gelesen haben. Nichts gelernt und nichts vergessen! * „Hietzinger Abonnent 1095." Sie wünschen constatirt, daß der übel berüchtigte Wuchererkönig Ferdinand Linke kein Jude gewesen ist. Gerne. „Entrüsteter Consument, IX. Bezirk." Sie schlagen verschiedene von Ihnen verfaßte Inschriften vor, die den Haupteingang der neuen städtischen Gaswerke schmücken sollen. Einzelne sind recht witzig und scharf. Wir würden jedoch dem von Ihnen citirten Goethe'schen Vers den Vorzug geben: «Ich habe schimpflich m i ß g e h a n d e l t, Ein g r o ß e r A u f w a n d s ch m ä h l i ch i st v e r t h a n!" Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redactc Diese Worte spricht nämlich Mephistopheles im „Faust", zweiter Theil, wo cs schon stark gegen das Ende zugeht. . . . „Alter Buchhalter." Sie senden uns ja gleich eine ganze Inventur mit complicirten ziffermäßigen Gegenüberstellungen ein. Eine große Arbeit haben Sie sich da gemacht! Ungeeignet für uns zur Veröffentlichung. Die Hauptsache bleibt, daß 16'/2 genau um 20'/, weniger als 36'/, ist — ob Zwetschken oder Millionen Gulden. Nach Ihrer Ansicht, würde es einem Cridatar, der so wirtschaftet, schwer fallen, sich vor seinen Richtern zu vertheidigen. Aber es sind ja nur Steuergelder. Die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmannes? Sind Sie aber naiv, alter Herr! „Doctorarid" Max Str—♦ ad 1. Den Titel Doctorand dürfen Sie nicht führen. — ad 2. Hebbel sagte: „Die Juden sind genau so schlecht wie die Menschen". Dersifex Sal. Sch—nn, Pr—n. Dichten Sie in Gottes Namen weiter, wenn Sie es absolut nicht lassen können. Nur schicken Sie uns Ihre Achillesverse nicht ein. Sie fragen, ob ein Gedicht an Dreyfuß diesem zugestellt werden würde? — Wir glauben nicht. Herrn Adolf N—nn» N—m. Den Scherz aus der Sitzung des französischen Generalstabs: „Messieurs, so haben wir uns im Frieden noch nicht blamirt!" las man kürzlich in einem Münchener Witzblatt. „Josefstädter Abonnent." Das Blatt des Mühldorfer Ehrenbürgers hängt jedem „Moritz" sein — „(!)" an, auch dem französischen Lustspieldichter Hennequin. Es wird den Moritz von Sachsen auch noch für einen Juden erklären. Zu läppisch diese Ansrnfzeichen- Manic! Aber dafür ist es ja bekannt! — Das Poker-Spiel, welches endlich glücklich verboten worden ist, als ein speciell jüdisches Kartenspiel hinzustellen, blieb gleichfalls diesem edlen Organ Vorbehalten. Ein Jude. Sie wünschen offenbar durch Anregung solcher heikler Themata die „Oesterreichische Wochenschrift" öfter confiscirt?! „Dichter aus der Rothe Sterngasse". Sie senden uns zwei Ihrer Poesien und bitten um deren Abdruck: „Elia s" Der Name stets mir klang als Stämmling des Propheten, Muthmaßlich, klingt er stets althergebracht! Den Blick hinaus ins Feld um seine Schaar Bewacht, behütet er dieselbe, gleich dem Aar. K o h a n i m. Ihr seid Menschen, die aus Ueberlieferungen, Viel weiter, als das Lied der Nibelungen, Reicht Euer Stamm zurück ins graue Alterthum, Den Priestern gleich sollt spenden Ihr das Gotteswort und Ruhm. Doch das Naturell, das in Euch innewohnt, Aufbrausend stets, sollt mildernd Ihr bezähmen. Das Höchste, das dort oben thront, Wird Euch hesänftigend gewöhnen. S. in B. Der 9. Ab im Jahre 5576 war. am 3. August 1616 der auf einen Samstag fiel. Gefastet wurde am darauf folgenden Sonntag. Eingesendet. Geehrte Redaction! Von meiner „Ethik des Judenthums", erster Band, sind soeben zwei Ausgaben erschienen, welche in jeder Buchhandlung zum Ladenpreis von 6 Mark und 3 Mark zu beziehen sind. Prediger jedoch, Cultusbeamte, Lehrer und Studenten, welche sich deshalb direct an mich wenden, erhalten das Buch gegen 2 Mark Nachnahme franco zugesendet. Meran, Untermais. Lazarus. Or. Ignaz Lemberger’sclte Heirats-Ausstattungs-Stiftung für ein armes verwaistes. . Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bringt zur Kenntniss, dass die Zinsen der genannten Stiftung ä 135 fl. an ein armes verwaistes Mädchen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, das sieh zu verehelichen im Begriffe ist, als Ausstattnngsbeitrag zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Geburts-, einem Armufchs-, einem Sittenzeugnisse und dem Nachweise ihres Brautstandes versehenen Gesuche bis 31. October 1898 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, l. Stock, woselbst während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags Gesuchsblauquette unentgeltlich zu beheben sind, einzureichen. Diejenigen Bewerberinnen, welche eine Verwandtschaft oder Sehwägerschaft mit dem seligen Herrn Dr. Ignaz Lemberger oder ihre Zuständigkeit nach Wien uachzuzuweisen im Stande sind, gemessen den Vorzug. i fHobttt Wolf. — Druck von L. Geck & Sohn, Wien, VI1L ^984