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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudrnthums. 8. k. PostsparksWm-Amt Clearingverkehr Nr. 610.976. Lrdariion und AdmwMraNon: »itn II., Sntm StwatiniSt Ja Telephon - Nr. 6535. * Wien, 30. September 1898. -^- Erscheint jeden Freitag. - >. i i h- Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: IBIodfd föodjettfditift Wien. »,Mg»vrri» ptr Krstrrrrich: Halbjährig 4 f . 9 Jh. Einzelexemplare 2& kr. lör’* An»! and: i halbjährig 0 fl. 10 Är. ganzjährig 10 , M , Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile Nt kr. jg _:..= - - -X Inhalt. Leitartikel: Alfred Dreyfus. — Eine Enquete über das galizische Judenelend. — Die preußischen Landtagswahlen. -- Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Kaiserin Elisabeth und das Kol - Nidre. Ein jüdisches Museum. Soldatenlieder. Ein antisemitischer Defraudant. Wie ein Ausnahmsgesetz gewirkt hat. Zum Friedensmanifest des Ezaren. — Reminiscenzen an eine Ghetto-Sckule. — Trauerkundgebungen für die Kaiserin. — Aufruf. — Correspondenzen: Wien, Lemberg, Budapest, Raab, Sarajevo, Berlin, Breslau, Amsterdam, London, Petersburg, Constantinopel, Jerusalem, Philadelphia. — Vermischtes: Wien, Mähr.-Aussee, Bielitz-Biala, Galantha. — Feuilleton: Der Letzte. — Literatur. — Notiz. — Briefkasten. — Med 4 Auf fürchterlicher Felsenküste kauert Ein siecher Mann im früh erbleichten Haar. Auf's Meer schaut er hinaus, das zischt und brandet, Das unermüdlich graue Wogen wälzt. So kommen sie heran, die Stunden, Tage, Die Wochen — Monde — Jahre-! Längst versiegte Der Thräne Trost, und er vergaß schon lang Der eig'nen Stimme Ton. Die stummen Hüter Verwehren, finster deutend, jeden Laut. — Träumt er zurück sich ins Vergangene — nach Frankreich! — Das er geliebt mit Gluth und heißer Inbrunst, Weit mehr, als Weib und Kind, so denkt er auch Der Schmach, die berghoch ward auf ihn gethürmt. Und schuldlos! — schuldlos!! — — Dreiste Diebe stahlen Ihm seiner Ehre fleckenlosen Schild Und gaben ihn besudelt ihm zurück Und wiesen höhnisch grinsend ihn der Welt: „Schmach, Schand' und Tod dem jüdischen Berräther! Reißt von der Brust ihm ab die gold'nen Schnüre, Den Degen von der Seite und zerbrecht In Stücke ihn — werft sie ihm vor die Füße Und speit ihm in's Gesicht-!" Es krampst sein Herz In wildem Zucken sich zusammen, und die Scham — Denkt er des Tag's — steigt brennend in die Wangen . . . Und schuldlos? schuldlos!! „Völlig schuldlos nicht, Nicht schuldlos völlig," spricht die inn're Stimme. „Denkst du der Brüder auch, die du gedrückt, Geknebelt und geknechtet und gekränkt?! Mit strenger Strafe und mit hartem Wort Hast du gebeugt sie unter deines Dienstes Erbarmungsloses Joch, vergiß es nicht! — War das die Schuld vielleicht, so schwer zu sühnen? Du droben, großer Gott! Vergiß mein nicht! Als ein getret'ner Wurm liegt auf der Erden Hiob, dein Knecht — und doch nicht Hiob, nein — Ich zweifelte und murrte — du bist Gott, Der Gnade kennt und Milde und Erbarmen! Vergaß ich je des Stamm's, dem ich entsprang, Jetzt fühl' ich mich als Jude, nur als Jude. Den Juden haßt in mir das Nachtgeschlecht, Dem Trug und Täuschung die bewährte Waffe. Mit List und Lug kommt es herangeschlichen Und gleisnerischen Blicks, uns zu verderben. So war es immer! Seit Jahrtausenden! Ja, ich bin selber Juda, ich erkenne Juda In mir und meinem elenden Geschick!-" Ein leiser Hoffnungsfrühschein dämmert ihm In seiner ruhelosen Seele plötzlich auf: „Und bin ich wirklich Juda, so ersteht auch Juda Jung und unsterblich auf von jeder Schmach! Glänzt es nicht immer, auch im Koth gespiegelt, Als Stern am Völkerhimmel Allen vor! Und bin ich wahrhaft Juda, wird mir auch Der Wahrheit Licht entzündet von dem Herrn. Und kämpften haßenbrannt 'gen mich verschworen, Den kraft- und waffenlosen, stechen Mann, Die finstern Mächte alle dieser Erde, Wie gegen Juda fie noch stets gekämpft — Der Herr, mein Gott, wird ihrer Bosheit wehren, Des Truges Netz zerreißen und die Erde Wird austhun ihren Mund und fie verschlingen, Wie sie die Rotte Korah einst verschlang! Es wird die Wahrheit nah'n, gleich einer Fürstin, In Glanz und Pracht, die Fackel in der Hand. Zu feffeln ist sie nicht und nicht zu binden, Und aller Ketten spottet ihre Macht. Sie ist schon auf dem Weg, ich fühl' das Nah'», Das sich're Kommen der Befreienden.- Th eilt dort ein Lichtstrahl nicht das Sturmgewölk', Nicht eines Schiffes Kiel die düstern Wogen?! Die Wahrheit kommt, die Rettung, die Befteiung!! In seine Kniee sinkt er und hat Thränen Und Worte wieder, weinend, betend, Schreit er zum Herrn: „O höre Israel, Dein Gott, er ist ein ein'ger, starker Gott!! '-'«'TSc

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