Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 37 (16.9.1898)
- Date
- 1898-09-16
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 688 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 Gefängniß bringen. Doch trotz all der Kümmernisse und Drangsale, die auf ihn einstürmen, ist er mit ungeschwächter Kraft ganz dem Studium hingegeben. Da beschließt er nach Palästina auszuwandern. Nach einem kurzen Aufenthalte in Livorno, wo er mit Unterstützung opferwilliger Literaturfreunde den genannten Thoracommentar erscheinen läßt, kommt er 1741 in Jerusalem an. Er beginnt eine segensreiche Thätigkeit als Lehrer zu entfalten. Zu seinen Schülern gehört unter anderen namhaften Männern Chaim I. D. Asulai, der bekannte Lrterarhistoriker. Hier, wo ihm die Sonne des Glückes leuchten zu wollen scheint, stirbt er gar bald im jugendlichen Alter von 47 Jahren. Die Sage, die um das Haupt dieses wegen seines frommen Lebenswandels verehrten Mannes einen Strahlenkranz gewoben hat, läßt schon zu seinen Lebzeiten seinen Namen und den Nuf seiner Heiligkeit bis in die entferntesten Gegenden dringen. Israel Baal Schem-Tob, dem Begründer des Chasidismus in Polen, legt sie Lobeserhebungen über ihn in den Mund, läßt diesen Wunder wirken, um das Lob jenes in desto höheren Tönen anzustimmen (S. 26), beiläufig bemerkt, ein deutlicher Hinweis auf den Entstehungsort dieser übrigens armseligen Legende. Wäre es nicht sein Bibelcommentar, der in seiner Vereinigung von einfacher Erklärung und rabbalistischer Deutung dem Geschmacke jener Zeit entgegengekommen war und sich m den Gegenden des Chasidismus Beliebtheit errang, sein Name wäre trotz seiner übrigen Werke vergessen, wie der so vieler anderer nicht unbedeutender Männer. Oder ist die Thätigkeit dieses Mannes in Marokko oder etwa die zweijährige in Jerusalem von so weittragender Bedeutung gewesen, daß er ein unbestreitbares Anrecht auf Unsterblichkeit besäße. Der Verfasser vergleicht seine Thätigkeit mft der Israels Baal Schem-Tob und meint, auch erhübe die noch immer gefahrdrohende Bewegung der Rabbalisten eingedämmt und in ruhige Bahnen geleitet. Uns erscheint die Glaubwürdigkeit der Legenden, die allein darauf Hinweisen würden, höchst fraglich und unzuverlässig. Dieser Umstand wird wohl, wie wir vermuthen, auch Grätz bewogen haben, diesen wenn auch bedeutenden, so doch weder in die Geschicke des Judenthums im Allgemeinen irgendwie eingreifenden, noch auch durch unsterbliche literarische Leistungen glänzenden Mann unbeachtet zu lassen. Immerhin wird es das bleibende Verdienst Dr. Nacht's sein, auf diesen Mann hingewiesen und ihn in einer Beleuchtung gezeigt zu haben, die uns das Verständniß eher ganzen Periode unserer Geschichte wesentlich erleichtert, und das.Dunkel, das darüber gebreitet ist, erhellt. Besondere Anerkennung aber verdienen der geradezu erstaunliche Fleiß und' die bei dem jugendlichen Alter des Verfassers bewunderungswürdige Gelehrsamkeit, die er auf das Einsammeln und Verarbeiten des Stoffes aufgewandt hat. Möge er auch in Zukunft seine Kraft der Erforschung unserer Geschichte widmen, in die er sich nunmehr unter so günstigen, vielverheißenden Aspecten einführt. Berlin. - Dr. I. Holze r. Schriften über den Zionismus. Wilhelm Stiaßny, k. k. Baurath. Ueber Zionismus, Vortrag gehalten in Wien am 23. Februar 1897. Samuel Meisels, Przemysl. Socialistische oder zionistische Lösung einer Zeitfrage der Juden. Verlag des Verfassers. Briefkasten. Den geehrten Lesern, Gönnern und Freunden wünschen wir aus Anlass des Jahresw.ee/tsels führt, so bekommen wenigstens einige jüdische Lehrer Anstellungen und es kann sich nicht ereignen, daß jüdische Kinder von antisemitischen Lehrern verspottet werden. Das Volksschulgesetz perhorrescirt aber die Trennung der Kinder nach Confessionen aus sehr wichtigen ethischen und pädagogischen Motiven. F. P., alter Wiener. Daß die obligatorische Ausspeisung das Versorgungshaus zu einem „Zuchthaus" macht, ist eine Lueger'sche Phrase. Wenn die Pftündner bessere Kost erhielten, würde sie ihnen auch behagen. Herr Dr. Lueger hat keine Ursache auf seine Einrichtung „stolz" zu sein. Abonnent in der Taborstraße. Die Campagne des Vergani- Blattes gegen die jüdischen Aerzte wurde in den „Glossen" ausführlich besprochen. Anonymus. Ihre neuerliche Eiusendung bestärkt uns in dem Mitleid, welches Sie uns wrgen Ihres augenscheinlich getrübten Geisteszustandes einstößen. Es wäre bedauerlich, wenn sich derselbe so weit verschlimmern würde, daß Sie Tobsuchtsanfälle bekommen. Consultiren Sie daher schleunigst einen Arzt bevor es zu spät wird, und vermeiden Sie die Lectiire eines Blattes, welche Ihr antisemitisches Gemüth so sehr aufzuregen geeignet ist. Tramway-Passagier. Knigge's Umgang mit Menschen wird von Antisemiten principiell nicht gelesen, seitdem Strobach's „Umgang mit Comfortablekutschern" Schule gemacht. Solche kleine Erlebnisse, Wie das von Ihnen geschilderte, sind übrigens nicht selten und nicht wichtig genug. Sie leben ja im modernen Wien. Ä—Z. Die Photographie, welche Sie meinen, stellt Herrn Dr. Lueger und einen damals mit ihm befreundeten jüdischen Journalisten dar. D. N. Wie Sie aus dem heutigen Blatte ersehen, hat der Cultusvorstand sich an den Unterrichtsminister mit der Bitte gewendet, den Erlaß des Bezirksschulrathes aufznheben. Ob dieser Schritt Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Alter L-eser in Boskowitz. Ihre Arbeit eignet sich nicht zur Veröffentlichung in unserem Blatte. Wenden Sie sich an eine Familien- Zeitschrift. M. im Cafe Sch. Nicht verwendbar. JACOB SINGER Tapezierer and Decoratenr. Will HL, Obere Weissgärberstrasse 17. Empfiehlt sich zur Uebernahme aller Tapezier-, Oecorations- sowie Zimmer-Spalierungs- Arb eiten. Nette, jedoch rasche Effectuirung bei billigster Preisberechnung. Reiigionslehrei* an Volks- und Bürgerschulen in Wien ertheilt Privatunterricht im hebräischen, wie auch in der mosaischen Religionslehre. Unter „8. Lehrer“, Taborstrasse, Post. rest. ^<4 , Die Redaclion der „Öestei^eidiisäien Wodiensdudfl“ Dr. JOS. S. BLOCH. Josef Ä. Der ärztliche Beruf ist vollkommen vereinbar mit dem Stande eines Kohen. Treuer Jude. Zum Wiedereintritt in das Judenthum genügt die amtliche Erklärung an derselben Stelle, an welcher der Austritt angemeldet worden. Dadurch allein ist der Austritt unwirksam und als nicht geschehen zu betrachten. M. Schutzmann in S. Das I. Krupeniesche Bild „Moses" in Lichtdruck erhalten Sie in der Buchhandlung Wolf B a n d l e r, Wien I., Am Bergl 2. Herr« I. T. in M. Die Angelegenheit scheint uns nicht wichtig genug zu sein, um den Gegenstand eine Polemik zu bilden. Baker schulpflichtiger Kinder. Allerdings ist die confeffionelle Schule einem Zustande vorzuziehen, der den Anttsemitismus auf ungesetzlichen Wege in die Schule einführt. Jetzt werden jüdische Lehrer überhaupt nicht angestellt; wird gesetzlich die confessionelleSchule einge- Pakecomk. Die Deutschnationalen in Graz haben Herrn Feichtinger neuerdings in den Gemeinderath gewählt. Seine eigenartige Moral befähigen ihn vorzüglich für antisemitische Zwecke. Vorzügliche Pension" mit Wohnung tür 1 oder 2 Studenten oder Herren (Gymnasium, Real« und Handelsschule in der Nähe) bei israelitischer Familie jui 2. Bez. nächst dem Carltheater. Preise massig. Grosse Mohrengasse 22, 1. Stock, Winter. Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien berief für Donnerstag, den 15. d. M. durch seinen Präsidenten Herrn S. Brod die Vorstandsmitglieder zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammen, um eine Trauerkundgebung anlässlich des Ablebens der Kaiserin Elisabeth zu beschliessen. Heran gebet: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII,