Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 664 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 36 graf, Grünwald, Dr. Alfred Berger, Leopold Weiß und Dr. O r n st e i n betheiligten. Die Mitglieder der Vereinsleitung vertraten die Ansicht, daß die Zusicherung, die Bausmnme nicht zu überschreiten, der Cultusgemeinde genügen sollte und daß persönliche Haftungen von den Vorstandsmitgliedern aus principiellen Gründen nicht gefordert werden sollten. Herr Dr. Berger betonte, die Cultusgemeinde könne nicht die Mittel für einen Luxusbau, sondern nur für ein einfaches, würdiges Bethaus bewilligen. Von mehreren Rednern wurde hervorgehoben, daß das derzeitige Betlocale der Simmeringer an einer durchaus ungenügenden Stätte untergebracht sei, sanitätswidrig und ungeeignet, ein wahres Chiliul haschem. Die Versammlung faßte einstimmig den Beschluß, den Baugrund um fl. 10.400 anzukaufen. Der erschienene Architect Herr Gärtner erklärte, für die Herstellung des Tempels um fl. 30.000 haften zu wollen, machte jedoch darauf aufmerksam, daß der Bauconsens nicht zu erlangen sei, wenn nicht auch eine Hausmeisterwohnung hergestellt wird, und diese verursache einen weiteren Kostenaufwand von fl. 3000. Schließlich sollte die Neuwahl der Vereinsleitung vorgeuommen werden, allein es erlangten nur fünf Personen und zwar die Herren David Ster n, Alexander Vogel, Ignaz N e u f e l d, Jacob Lunzer und Dr. W e n g r a f die absolute Majorität, während die weiteren vier Herren, nämlich Adolf S e g a l, Paul B a ch u s, Josef K o b l e r und Max Nemschitz nicht die erforderliche Stimmenanzahl auf sich vereinigten. Der bisherige Vorstand wird über diese Sachlage an die Cultusgemeinde Bericht erstatten. Es ist aller Grund vorhanden, zu hoffen, daß die bestehenden Mißverständnisse beseitigt und daß die Simmeringer Judenschaft mit Hilfe der Cultusgemeinde und der Munificenz hervorragender Gemeindemitglieder in den Besitz des unentbehrlichen Gotteshauses gelangen werde. Wien. („Ferienheim"). Dieser Tage inspicirte die Bicepräsidentin dieses Vereines, Frau Julie F i a l l a aus Wien in Begleitung der Frau Lea L ö w b e e r und des Herrn W i tr o v s k i aus Brünn, die in dem Schlosse der Frau Baronin H i r s ch in R o s s i tz weilende, aus 70 Kindern bestehende Feriencolonie des „Ferienheim". Das Aussehen, die Haltung, Humor und Appetit, sowie die gesanglichen und turnerisch *n Exercitien der Kinder gaben beredtes Zeugniß von dem segensreichen pädagogischen und hygienischen Einflüsse der vortrefflich geleiteten Colonie auf ihre Schützlinge, die, von deu Besuchern freundlich beschenkt, nur mit Wehmuth an das mit dem Schulbeginne eintretende Ende dieser Sommerherrlichkeit zu denken vermögen. Wien. (Commercialrath Lein kauf.) Ein hervorragender israelitischer Mitbürger, welcher eine Reihe von Jahren hindurch auch dem Vorstande und dem Vertretercollegium der Wiener Cultusgemeinde angehörte, Herr Moriz L e i n k a u f, Generalsecretär der Börse für landwirthschaftliche Producte, ist am 4. d. M. nach langer schmerzhafter Krankheit im Alter von 65 Jahren gestorben. Moriz Leinkauf, ein gebürtiger Budapester, war der Organisator der Fruchtbörse, der Schöpfer des internationalen Saatenmarktes in Wien, welcher 23 Jahre lang in Wien abgehalten wurde und erst durch die antisemitische Hetze zu bestehen aufgehört hat. Vom höchsten Werthe und allgemein anerkannt war der Bericht über den Stand der Ernte, welchen Leinkauf alljährlich auf dem Wiener Saatenmarkte erstattete. Die Statistik der Ernte-Resultate, welche er daselbst unmittelbar nach der Einheimsung der Frucht vorlegte, genoß die größte Autorität und wurde selbst von den Gegnern des Getreidehandels vorbehaltlos anerkannt. Seit der Aushebung des Saatenmarktes werden diese Berichte schmerzlich vermißt, da die officiellen Ernte-Resultate in den meisten Ländern erst sehr spät, zumeist zu einer Zeit, wo bereits die neue Ernte das Interesse absorbirt, veröffentlicht werden. Bon größter Bedeutung war es, daß Leinkauf es verstanden .hat, deu Börsenhandel stets in der innigsten Berührung und Verbindung mit dem wirklichen Consum zu erhalten. Die Müller, Bäcker und Brauer zählen zu den eifrigen Freunden der Wiener Productenbörse, und sind in deren Kammer zu gemeinsamer harmonischer Wirksamkeit vertreten. Ein bleibendes Verdienst hat sich der Vestorbene um die Errichtung des Wiener Lagerhauses, welche auf die energische Initiative des Bürgermeisters Dr. Felder zurückzuführen ist, erworben; auch die Ausgestaltung des Umschlagverkehrs hat er kräftig gefördert. Endlich hat Leinkauf thätig mitgewirkt, daß die Productenbörse ein würdiges Heim in dem prächtigen Gebäude in der Taborstraße erhalte. Anläßlich der Eröffnung des Gebäudes wurde dem Generalsecretär Leinkauf der Franz-Josef- Orden verliehen. Im vorigen Jahre, als er sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feierte, wurden seine hervorragenden Verdienste durch Ovationen wirthschaftlicher Kreise anerkannt. Leinkauf wgr eines der angesehendsten Mitglieder der Permanenz- Commission für die Handelswerthe und ist für die hiebei geleisteten hervorragenden Dienste durch die Allerhöchste Anerkennung ausgezeichnet worden. Leinkauf war auch als Schriftsteller hervorragend thätig. Mittwoch Vormittags fand das Leichenbegängniß statt. Bei demselben waren anwesend: Der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia", Ferdinand Groß, mit mehreren Vorstands- und Ausschußmitgliedern, der deutsche Viceconsul Dr. v. B i v e n o t. Bankdirector K a n i tz, Oberbanrath Kaiser, der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde kaiserlicher Rath K l i n g e r, mit den Vorstehern kaiserlichen Rath Wilhelm Pollak, Dr. Marcus Spitzer, Dr. Josef Grünfeld, sowie der Präsident der Börse für landwirthschaftliche Producte, Paul Ritter v. S ch o e l l e r, mit vielen Kammermitgliedern, der Präsident der Börsekammer Miller Ritter v. Ai ch h o lz, mit dem Generalsecretär Link und mehreren Börseräthen, der Präsident der Handels- und Gewerbekammer, Max M a u t h v e r, mit zahlreichen Kammermitgliedern, die kaiserlichen Räthe Naumann, S ch e f f t e l und R u s ch i tz k a, Architekt Fleischer, die Gemeinderäthe Dr. Vogler, Bauratb Ritter v. G o l d s ch m i d t, H e l b in g, Dr. Mittler, Baurath Stiaßny, Tagleicht und Zifferer, Generalrath Friedrich S u e ß, Procurist Emil Horner, Bezirksschulrath S. Heit, Schriftsteller Dr. Josef S. BloH Professor König, dem Secretär Dr. Lieben und dem Vicesecretär Dr. Adler, die Industriellen Heinrich Eg er, Commercialrath Stiaßny, die Commiffäre der Börse für land- U'irthschaftliche Producte rc. Um halb 10 Uhr wurde der Sarg nach dem Central-Friedhofe gebracht. Obercantor Singer recitirte die Trauerpsalmen, und Ober-Rabbiner Dr. Güdemann hielt die Trauerrede. Karlsbad. (Der König.von Serbien in der (5 a r l s b a d e r Synagoge.) Samstag den4. d. M., nach Schluß des um 7 Uhr Abends abgehaltenen Wochengottesdienstes, erschien König A l e x a n d e r v o n S e r b i e n im hiesigen israelitischen Tempel. Der anwesende Custos der Gemeinde, Herr Gütig, ließ das Gotteshaus sogleich elektrisch beleuchten und stellte sich dem Adjutanten des Königs zur Ertheilung von Auskünften zur Verfügung. Se. Majestät wandte sich jedoch direct an Herrn Gütig und ließ sich eingehende Erklärungen geben, wobei er zum Schluffe erwähnte, daß falls es ihm möglich sein werde, er nächsten Freitag oder Samstag dem Gottesdienste beiwohnen werde. Der Besuch des Königs im hiesigen Tempel dürfte nicht ohne Absicht sein. Die israelitische Gemeinde zu Belgrad gedenkt einen Tempel zu erbauen und es ist bekannt, daß sich König Alexander für das Project lebhaft interessirt. Prag. (Israelitischer Landeslehrerverein in B ö h m e n.) Die Feier des Regierungs-Jubiläums des Kaisers und des 25jährigen Vereinsbestandes wurde am 29. August mit einer außerordentlichen Festversammlung eröffnet. Nach Absingung eines Chorals unter der Leitung des Musikdirectors Rubin und einer patriotischen Begrüßungsansprache des Obmannes Springer entrollte Rabbiner Freund aus Bodenbach in einer wirkungsvollen Festrede ein Bild der Thätigkeit und der Entwicklung des Vereines. Mit der Absingung der Volkshymne und eines Psalmes fand die Feier ihren Abschluß. — Das Concert, welches Abends vom Musikdirektor Rubi n veraustaltet wurde, erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches und die Leistungen der einzelnen Mitwirkenden fanden lebhaften Beifall. Einen ebenso würdigen als angeregten Verlauf nahm der Festcommers, welcher nach Schluß des Concertes die Festtheiluehmer vereinigte. Der verdienstvolle Obmann des Vereines Herr Springer eröffnete den Commers mit einem stürmisch aufgenommenen Kaisertoast. Im Verlaufe des Abends toastirten unter lebhafter Zustimmung die Herren Rabbiner A b e l e s aus Kuttenberg auf die Solidarität der Vereinsmitglieder, Rabbiner Freund auf die bewährten Alten Herren des Vereines, Rabbiner Dr. Grün auf das kommende goldene Zeitalter der Lehrer, Rabbiner K n ö p felmach e r aus Leitomischel auf das jüdische Volk, Rabbinatscandidat Hoch auf die religiöse Erziehung der jüdischen Kinder, Oberlehrer Dux aus Thönischen - auf den Vorstand und Rabbiner Stein auf die Damen. Am 30. August fand die 25. ordentliche Hauptversammlung des „Israelitischen Landeslehrervereins in Böhmen" unter fehr zahlreicher Betheiligung statt. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Obmannes Lehrer Springer wurden die einzelnen Gegenstände der Tagesordnung einer eingehenden Bcrathung unterzogen und u. A. die Grundsätze für die Regelung des Religionsunterrichtes auf dem flachen Lande in Böhmen, die Schaffung des Jubiläumsfondes (Referent tz. S. Springe r, Prag) und Abänderung des Vereinsnamens „Israelitische Landeslehrerverein in Böhmen" in „Verband der Rabbiner,