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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-02 · 35 (2.9.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
35 (2.9.1898)
Date
1898-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 85 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die grfammtrn Interrsten des Iudenthums. K. ft. Postsparkassen-Amt Clraringvrrkrtzr Nr. 810.976. Lrdmtton und LLministraNon: »1»« II., Bnba VnpatitpVr Ja. Telophon - Nr. 6533. m Wien, 2. September 1898. Erscheint jeden Freitag. -» i - Brief-Adreffe: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift Wien. m= Bijngacrctai für Srstrrrrtch: f Halbjährig 4 fl. S Kr. Einzelexemplare »5 kr. Für'» Sxulanb: halbjährig 5 fi. ---> 10 Kr. ganzjährig 10 „ 30 „ Razeigen: Die 4mal gespaltene Peritzeile IS fr. =* Inhalt. Leitartikel: Die Ethik des Judenthums. — Budapester Brief. — Aus der Sommerfrische. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Sensationelle Wendung in der Dreyfus-Affaire. Glossen zur Tagesgeschichte. Zweiter offener Brief an Seiner Wohlgeboren Herrn 5. U. Dr. Jacob Scharf. Mechaniker Schneider auf Reisen. Briese von der Teufelsinsel. Eine christliche Stimme über Galizien aus dem Anfänge des 19. Jahrhunderts. Goethe und die Dentschnationalen. Wolfgang Menzel. — Eine Philppfon- Biographie. —Correspondenzen: Der Ziomsten-Congreß, Rossitz, Eger, Preßburg, Prag, Bad Nauheim, Tripolis. Saratoga. — Vermischtes: Wien, Prag, Nasice, Liebeschitz, Eibenschitz, Protznitz, Damboritz, Straßnitz, Berlin, Magdeburg, Worms, Ems, Riga, Constantinopel. — Feuilleton: Der Letzte. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die Ethik des Iudenthums. Von Dr. Adolf Biach, Rabbiner in Brüx. Am 4. Juli d. I. find es 29 Jahre geworden, seit Dr. Löw aus Szegedin an den Präsidenten der ersten israelitischen Synode zu Leipzig, Profeffor Dr. Lazarus, die Worte richtete: „Ein deutscher Philosoph ersten Ranges, der Begründer der Völkerpsychologie, glüht nicht nur für Idealität und Religiosität im Allgemeinen, was leicht zu erklären wäre, sondern er glüht in frommer Begeisterung für die Lehre und Ehre Israels". Wie berechtigt jene Worte waren, beweist ein epochemachendes Werk'), mit dessen Idee sich Lazarus bereits vor 15 Jahren getragen, und das nun Mitte September erscheinen wird. Mit viel größerem Rechte als Horaz dürfte Lazarus, wenn seine Bescheidenheit ihn nicht daran hinderte, von diesem Werke sagen: exegi monumentum aere perennius; denn Lazarus hat mit seiner „Ethik des Judenthums" ein Werk geschaffen, das die jüdische Literatur bisher nicht aufzuweisen hat. Wohl hat es von Maimonides bis in neuerer Zeit zu Fasse! an Versuchen nicht gefehlt, ein System der jüdischen Ethik aufzustellen, aber man ging darin irre, daß man den Aufbau der jüdischen Ethik fremden Mustern nachbildete. Das kann aber, wie Lazarus bemerkt, unmöglich „zu einer wahren Erkenntniß des specifischen Gehaltes und des ureigenen inneren Zusammenhanges der sittlichen Weltanschauung des Judenthums führen". — „Maimonides trägt im Grunde genommen die Ethik des Aristoteles vor und Faffel die von W. T. Krug, nur daß einzelne Gedanken aus diesen fremden Systemen mit Bibelversen und Talmudstellen zugleich als jüdische Lehren nachgewiesen werden". Wer aber verwundert thun sollte, daß die jüdische Literatur bisher ein solches Werk nicht aufzuweisen hat, der lese nur einmal das erste Capitel in Lazarus' „Ethik des Judenthums", betitelt: „Bon den Quellen der jüdischen Sittenlehre". Um ein solches Werk zu schaffen, genügt nicht allein die innigste Vertrautheit mit den jüdischen Quellen, Bibel, Talmud, Midrasch und Religionsphilosophie, sondern dazu gehört noch eine ganz besondere philosophische Schulung, ein Eindringen in den Gesammtgeist des Judenthums, ein geistiges Durchschauen der zahlreichen Imponderabilien, die das Judenthum in sich birgt, ') „Die Ethik des Judenthums", dargestellt von Professor Dr. M. Lazarus (in Commission bei I. Kauffmann in Frankfurt am Main>, 1898. dazu gehört philologische Kunst nicht minder, wie historisches Gewissen. Denn „Vieles, was auf dem Boden des Judenthums geschaffen, was innerlich erlcbt, in Gemüth und Gesinnung ergriffen worden ist, hat den Weg zum methodisch geformten Gedanken vollends zur systematisch geordneten Fassung desselben gar nicht gefunden; und es ist, wenn schon zum Denken, doch nicht zum strengen und. klaren, kurz gesagt, zum sprachlichwissenschaftlichen Ausdruck gekommen . . . „Die ethische Grundanschauung geht eben weiter, ist tiefer und klarer als die entwickelten Begriffe und als die formal d u r ch g e f ü h r t e Anwendung". Das öffentliche Bewußtsein aber in „seinen geheimsten Regungen zu belauschen, die Imponderabilien des ethischen Geistes zu erfaffen; was nur als dunkle Ahnung und ideale Sehnsucht die Herzen des Volkes bewegt, in begriffliche Form und sprachliche Gestalt zu bringen", das vermag nur ein Völkerpsychologe und ein Meister des Styles, wie es Lazarus ist. Doch nicht um die künstlerische Darstellung ist es dem gefeierten Philosophen zu thuu, sondern einzig und allein um die Erforschung der historisch-objectiven Wahrheit. Jede Polemik wird vermieden; gleichwohl aber wird durch die rein sachliche und objective Darstellung zahlreichen Vorurtheilen, die wie eine ewige Krankheit sich forterben, hart an den Leib gerückt. Das zweite Capitel der „Ethik des Judenthums", betitelt „Das Princip der jüdischen Sitten lehre", zeigt uns, daß die jüdische Ethik ihrem Ursprünge nach zwar theologisch ist — denn die gesammte jüdische Weltanschauung kann ohne Gott so wenig gedacht werden, wie die physische Welt ohne die Sonne — keineswegs aber der Autonomie des Sittengesetzes widerspricht. Sehr treffend wird E. v. Hartmann, der alle theistische Moral, und daher auch die jüdische Ethik, als Heteronom verwirft, eines Besseren belehrt. Gott ist das Urbild und der Urquell aller Sittlichkeit; nicht durch einen göttlichen Machtspruch entsteht das Sittengesetz, sondern fließt vielmehr aus dem ureigenen Wesen Gottes selbst, aus seiner unbedingten und unendlichen fittlichen Natur (S. 87). Nur ethische Ideale werden als Eigenschaften Gottes gedacht. Demnach beruht das jüdische Sittengesetz auf freier sittl icher Ueberzeugung und ist vollkommen autonom. Denn nicht darin zeigt sich die Autonomie des Sittengesetzes, daß der Mensch es fich gibt, sondern, daß das Sittengesetz im Menschen ihn zur Anerkennung desselben zwingt. Der kategorische Imperativ findet fich bereits in der Bibel V. B. Mos., Cp. 22, B. 3 — noch deutlicher, wie mir scheinen will, II. B. Mos., Cp. 23, B. 5 — (Gegen Deinen Willen und Deine Neigung „wechodalto" mußt Du

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