Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 84 Dl*« BlOCh 8 Jahrgang XV. Centralorgan für die grfannntrn Interessen des Iudenthums. s. ft. Postsparkaffrn-Aml I Clr «ring Verkehr Ar. 610.976. Ardsrtiorr und MdmvUstrstwn: »i,n II., Nntrrr Vugarlrnpr. I«. Telephon - Hr. 6535. j [ ■ — —X -- - Wien, 26. August 1898. Erscheint jeden Freitag. --» «- —t- Bries-Adrrsse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift Wien. M—. 3f|ugacrtta für Srstrrrrtch: Halbjährig 4 fl. --- S Kr. Einzelexemplare JO kr. Für'» Aumland: halbjährig 4 fl. — >0 Sti. ganzjährig 10 „ 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt. Leitartikel: Zur Geschichte der Emancipation der Juden in Frankreich. — Bo m I ah rmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Antisemitischer Festzug. Der Wiener Rathhauskeller. Suspendirte Schwurgerichte. Dentschnational und doch nicht antisemitisch. Prof. Dr. Kautsch. Ein Gespräch über den Antisemitismus. Eine Demonstration Mittermayer's — Synagogengesänge der Neuzeit. — Correspondenzen: Wien, Eine Niederlage der Christlich-Socialen, Jamnitz, Mödling, Neubydzow, Prag, Teplitz, Lzeszow, Budapest, Paris, Petersburg, London, Rom, Amsterdam, St. Louis, Mexico. — Vermischtes: Wien, Waidhofen a. d. Thaya, Budapest, Wotitz, Kremsier, Olmiitz. Probnitz, Prag, Krakau, Berlin, Breslau, Elbing, Stockholm, Gnesen, Leipzig, Bologna. — Feuilleton: Der Letzte. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Zur Geschichte der Gmanripation der Juden in Frankreich. Angesichts der Ereignisse, welche sich in Frankreich abgespielt haben und aus welchen hervorgeht, daß der Antisemitismus den französischen Volksgeist vergiftet und das Rechtsgefühl der Nation untergraben hat, ist die nachfolgende Darstellung über die Emancipation der Inden in Frankreich von außerordentlichem und actuellem Interesse. . Der erste Schritt zur Emancipation der Inden geschah in Frankreich. Cers Beer, ein intimer Freund Mendelssohns, Abraham Furtado, Gradis und Andere setzten alle Hebel in Bewegung, um die Vorurtheile, die den Horizont ihrer Glaubensgenossen verdunkelten, durch Wort und That zn verscheuchen und die schmachvollen Ausnahmsgesetze, die sie entwürdigten und tief zu Boden drückten, zu beseitigen. Ihren Bemühungen und Bestrebungen gelang es, den König Ludwig XVI. zu veranlassen, das Leibzollgesetz aufzuheben. In einem Erlasse vom 24 Jänner 1784 erklärte der König: „Wir haben wahrgenommen, daß besonders in Elsaß und beim Eingang der Stadt Straßburg die Juden einer Leibtaxe unterworfen sind, die sie denr Vieh vergleicht. Da es nun den Gesinnungen, die wir gegen alle unsere Nnterthanen hegen, zuwider ist, eine Menschheit zu erniedrigen, geeignete Steuer fortdauern zu lassen, befehlen wir, daß fortan in dem ganzen Umfange unseres Königsreiches die Juden befreit sein sollen von Leibzolls-, Neberfährtssteuer, Herkommens- und allen anderen Abgaben dieser Art, es mögen nun solche Gebühren der königlichen Kammer oder den Städten, Gemeinden, weltlichen und geistlichen Herrschaften zugehören". (Schlepper, Aufhebung des Leibzolles 154). . Mit freudig bewegtem Herzen theilte Cerf Beer einem Berliner Freunde die frohe Nachricht von der Aufhebung des Leibzolles mit, und W e s s e l i konnte nicht umhin, den freudigen Gefühlen seines Herzens ob dieser Errungenschaft durch treffliche Verse Ausdruck zu verleihen. Die Gesellschaft der Wissenschaften in Metz schrieb einen Preis aus für eine die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden behandelnden Schrift. Drei dieses Thema beleuchtende Schriften, die des Abbe G r e g o r i, des Advocaten T h i e r y und die des polnischen Juden Salkind H u r w i tz wurden preisgekrönt. Gregori schloß seine Abhandlung mit den Worten: „O, Ihr Nationen! seit achtzehn Jahrhunderten tratet Ihr Israel mit Füßen. Die Rache Gottes entfaltet über sie ihre Strenge; aber hat sie Euch beauftragt, ihre Werkzeuge zu sein? Die Wuth Eurer Vorfahren hat ihre Schlachtopfer unter dieser unglücklichen Herde gewählt. Welche Behandlung spart Ihr Euch für die schüchternen Lämmchen auf, die dem Blutbade entronnen, in Euren Armen eine Zuflucht suchen? Ist es denn genug, ihnen das Leben zu lassen, wenn Ihr ihnen Alles raubt, was dasselbe erträglich machen kann? Werdet Ihr Euren Haß Euren Kindern als Theil der Erbschaft hinterlaffen? — Ein neues Jahrhundert bricht an; mögen die Palmen der Menschlichkeit feine Pforte umkränzen nnd möge die Nachwelt im Voraus der Vereinigung Eurer Herzen Beifall zujauchzen. Die Juden sind Glieder derselben ausgebreiteten Familie, welche die Brüderschaft unter den Völkern befestigen soll und über sie wie über Euch breitet die Offenbarung ihren majestätischen Schleier aus. Kinder desselben Vaters, entzieht jeden Vorwand zur Verachtung bei Euren Brüdern, die eines Tages in demselben Gotteshaufe vereinigt sein werden. Oeffnet ihnen Freistätten, wo sie in Sicherheit ihre Häupter niederlegen und ihre Thränen trocknen können, und möge endlich der Jude, indem er dem Christen Gegenliebe bewilligt, in mir seinen Mitbürger und seinen Freund umarmen." Nach Ausbruch der französischen Revolution appellirten die französischen Juden, deren Zahl damals sehr groß war, an die National-Versammlung. die auch thatsüchlich die vollständigste Emancipation der Juden beschlossen hatte, obwohl es auch an fanatischen Gegnern, die die Emancipation der Juden bekämpften, nicht fehlte. Mit glühender Wärme und echtem