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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Date
1898-08-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 620 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr« 33 auch — ich bitte viel tausendmal um Entschuldigung — in diesem Falle nicht gehörig angewandten Geisteskräfte für eine verlorene Sache, für die Aufhebung der Tortur in Oesterreich kämpfen. Wenn — ich bitte nochmals tausendmal um Entschuldigung — Ihre irrige Anschauung zum Siege gelangte, so wäre das — ich spreche als praktischer Richter — das fürchterlichste Unglück, das über die Menscheit Hereinbrechen könnte! Da wäre ja diese dem Verbrecher gegenüber vollkommen schutzlos; da würde ja dieser, die Fälle ausgenommen, wo er in flagranti ertappt würde, immer straflos ausgehen müssen! — Herr Regierungsrath, bedenken Sie es, welcher Mensch wird ohne Anwendung-der Folter eingestehen, einen Mord begangen oder auch nur einen silbernen Löffel gestohlen zu haben? . . . . Da müßte er ja geradezu sinnlos sein!" Sonnenfels sah den Bürgermeister einen Augenblick groß an, dann erwiderte er: „Sie sind in einem Jahrhundert währenden Jrrthum befangen! — Es ist geradezu umgekehrt. Sinnlos müßte der Mensch sein, der einem hohen Foltergrade unterworfen, nicht Alles gesteht, was man eben gestanden haben will! .... Herr Bürgermeister, ich spreche aus eigener Erfahrung — ich habe den ersten Foltergrad an mir vollst r e ck e n lassen!" _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Der jüdische Arbeiter." Unter dem Titel: „Der jüdische Arbeiter", Organ für die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft, gibt der bekannte Zionist Dr. S. R. Landau, der ftühere Redacteur der „Welt", eine neue zionistischsozialistische Zeitschrift heraus, die die Interessen des jüdischen Proletariats und der jüdischen Arbeiterschaft, die „bisher von der jüdischen Publicistik in unverzeihlicher Weise vernachlässigt", vertreten sollen. „Ein Opfer antisemitischen Boykotts", so heißt es in dem Prospecte weiter, „ein Ausbeutungsobjcct für jüdische Eapitalisten und ein heimatsloser Fremdling, der im Kampfe um das trockene Brod üott einem Arbeitsmarkt auf den anderen geschleudert wird, hat der jüdische Arbeiter keinen Freund, der für ihn spricht, kein Organ, das für ihn Eintritt." „Der jüdische Arbeitet soll nun dieses Organ 'sein. Von Herrn Dr. S. R. Landau ist auch eine sehr bemerkenswerthe Schrift: „Unter jüdischen Proletariern" in der Buchhandlung L. Rosner erschienen. In derselben finden wir einige Bemerkungen über das jüdische Theater in Lodz (Russisch-Polen), die hier wiedergegeben seien: „Auch Lodz hat sein jüdisches Theater. In einen: großen Saal, der 3—400 Personen faßt, befindet sich die improvisirte Bühne, ein Orchesterraum für zwölf Musikanten und der Zuschauerraum: Sitzplätze und Stehparterre. Im Hintergründe auf einer Erhöhung über dem Stehparterre erheben sich zwei Logen für das „feinere" Publicum. Diese Logen sind leer, und nur einige Kinder treiben oben ihr lustiges Spiel. Sonst ist der Zuschauerraum ganz voll. Es ist Samstag Abend. Festlich gekleidete Frauen und Mädchen sitzen in den ersten Reihen, darunter herrliche Typen mit schwarzen Haaren, schwarzen Augen und einem Gesicht voll Ernst und Selbstbewußtsein. Das sind Arbeiterfrauen, Arbeiterinnen, Köchinnen, Ladenmädchen u. dergl. mit ihren Männern oder Bräutigamen. Die Brautpaare, die nur an: Samstag zusammenkommen können, geben sich hier gern ein Stelldichein. Frauen vom Mittelstände finden wir hier selten; Mädchen fast nie. Die gehen lieber ins polnische Theater zur neuesten Posse von Balucki oder Zalewski. Aber Alle, die hier sind, bilden eine andächtige Gemeinde. Trotzdem sich hinten im Stehparterre die Menge mit den schwarzen, langen Röcken und schwarzen Kappen staut, herrscht im Saale eine lautlose Stille. Jedes Wort, das von der Bühne herabdringt, ist wie eine Offenbarung. Es zündet und entzückt, es berauscht und reißt fort. Die Heldenthaten der Makkabäer und Bar-Kochbas (Dramen von Goldfaden), eines Simson und einer Esther gelangen erst hier in ihrer ganzen Größe zum Bewußtsein des Volkes. So werden in ihm die Liebe zur alten Heimat und die nationale Opferwilligkeit geweckt und großgezogen. In Lustspielen und Possen werden dem Volke seine Schattenseiten vorgehalten, selbst Bigotterie wird getadelt, das Protzenthum der Reichen und die Unterwürfigkeit der Armen werden verhöhnt, und der Jagd nach Gold wird die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins entgegengehalten. Und an den Eindrücken, die die Zuhörer von hier forttragen, zehren sie dann die ganze Woche. So kommt ein Hauch Poesie in ihr jämmerliches Alltagssein. Wenn sie unter der Last der Sorgen schier zusammenbrechen, dann sind es die wehmüthigen Lieder uud Volksmelodien ans den Wischen Opern, die gedrückten Gemüthern Erleichterung schaffen; die Mütter singen sie ihren Säuglingen als Wiegenlieder vor, und in den Werkstätten geht dabei die Arbeit flinker von statten. Der Eigenart des jüdischen Theaters entspricht die der Schauspieler. Die meisten sind Schiffbrüchige auf dem Ocean des Lebens: Kellner, Belfer (Hilfslehrer, corrurnpirt von Behelfer), Frieseure, Köchinnen oder Ladenmädchen, die mit ihrem Berufe unzuftieden sind, weil sie hinaus möchten ins Leben und in die Welt, die sie nicht kennen, die sie aber in vollen Zügen genießen möchten. Es gibt darunter arbeitsscheue Faulenzer, aber auch viele echte Talente, die auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen. Diese bleiben auch nicht lange im Osten, sie gehen nach England oder Amerika, wo. ihnen große Gehalte winken. Die Lodzer Truppe zählt 23 Schauspieler. Die meisten beziehen einen Monatsgehalt von 15 bis 20 Rubel; die „ersten" Schauspieler theilen das Reinerttägniß unter einander. Um halbwegs existiren zu können, erklärte mir der „Theaterdirector", muß die Truppe 200 Rubel Per Abend einnehmen, das sei aber höchstens zweimal wöchentlich der Fall. Darum machte er auch gehörige Reclame von der Bühne aus. Nach Schluß des „Doctor Almasado" hielt er an das „sehr verehrte Publicum" eine Ansprache, worin er die Vorzüge seiner Truppe gegenüber der früheren betonte und zu zahlreichem Besuch einlud. Die piöos äs lesistance der Saison werde das „berühmte Stück" „Jbn Esra" von Kaminski und die neueste Komödie „Zum Kranklachen", „Freide Rotekopf" sein. Und darunr kommen Sie und unterstützen Sie uns. Denn wir brauchen kein Geld, nein, nein, nur — Mazzes auf Pesach . . ." Briefkasten. N. Kläger« M. - Ostrau. Hebräisch-deutsche und Deutschhebräische Wörterbücher, sowie Anleitungen zum Selbststudium der hebräischen Sprache gibt es in größerer Zahl und können durch jede Buchhandlung bezogen werden. Wir empfehlen Ihnen Richard Lewit, I., Rothenthurmstraße 22, Josef Schlesinger, I., Seitenstettengasse 5. «»Rabbiner P", Prof. Dr. August Wünsche wohnt in Dresden seit vielen Jahren. Dr. K. Dogcshani. Der 13. Juli 1874 war am 28. Tamus 5634. R. Sch. Wenn das „Deutsche Volksblatt" es einen: liberalen Blatte zum Vorwurfe macht, daß dieses bei Besprechung des Testaruentes des jüngstverstorbenen Wucherers Linke ausdrücklich dessen streng kirchliche Gesinnung hervorhebe, und es auffordert, „auch" bei jedem der mosaischen Confession ungehörigen Uebelthäter diese zu betonen, so ist demgegenüber zu bemerken: Es ist noch keinem Liberalen eingefallen, zu behaupten, daß die Juden sämmtlich fehlerlose Menschen seien. Verbrechen kommen bei jeder Nation und bei jeder Confession vor; diese sind daher irrelevant und eine Generalisirung unzulässig. Daß unter dem Scheine der Frömmigkeit oft eine niedrige, ja verbrecherische Gesinnung thätig ist, — dafür ist Molieres „Tartuffe" ein bekannter Typus. Uebrigens lesen Sie die „Glossen vom Tage". „Ein Höchstbesteuerter." Die Antisemiten, die der Landtag in die Erwerbsteuer-Landescommission entsendet hat, waren halt rwch zu wenig. Da hat der Herr Finanzminister den Herrn Dr. Vincenz R a b e n l e ch n e r auch noch als Mitgliedstellvertreter ernannt. Dieser Herr ist ein bekannter antisemitischer Agitator. „Toleranz." Daß die antisemitische Presse in Frankreich nunmehr auch eine Protestantenhetze beginnt, entspricht nur dem natürlichen Verlauf der Dinge. Nur in einem antisemitischen Frankreich darf ein D rumo nt es wagen, die Wiederkehr der Barth o lo- :n ä u s n a ch t, in welcher die Protestanten niedergemetzelt wurden, als nationales G e d en k f e st zu feiern. L. M.« Wallnerstrasie. Die einzelnen Phasen der Polemik zu verzeichnen, welche zwischen gewissen Wiener und reichsdeutschen Blättern anläßlich der Reise des Deutschen Kaisers nach Palästina entstanden ist, würde zu weit führen. Der Gesammteindrnck ist der, daß zwischen dem Protestantismus und dem Katholizismus hinsichtlich des Anrechtes auf die heiligen Stätten ein gewisser Gegensatz oder eine Art frommer Eifersucht besteht. Es zeigt dies, wie gefehlt es wäre, Palästina vom Standpunkte der Zionisten als staatsrechtlich gesicherten neutralen Boden anzusehen. H. W. Das Gedicht ist gerade nicht schlecht, aber zur Veröffentlichung in unserem Blatte nicht geeignet. A. G., Ung.-Brod. Die Conclusionen, die Sie ziehen, konnten zu Mißdeutungen Anlaß geben. „Gedenkfeier." Sie haben vollständig Recht, wenn Sie sagen, daß der Aufruf zur Gedenkfeier der antisemitischen Bewegung, unterzeichnet von Herrn — Schneider, sehr lehrreich ist. Im März 1882 fand eine Versammlung statt, in welcher der Regierungsvertreter in der schönsten Weise gegen die antisemitischen Ausführungen auftrat", heißt es in dem Aufrufe. Das passirt heutzutage allerdings nicht mehr. Der Schneider darf Schußgeld für Juden verlangen und ein Individuum, dessen Name uns momentan nicht einfällt, — der Bursche soll Realschulprofessor sein — durfte das „Abschießen" von Juden empfehlen. „Ein nachahmenswerthes Beispiel." Die Notiz, auf die Sie uns aufmerksam machen, ist ein echter Vergani. Im Orte Hoslan würde Niemand bei einem Juden kaufen, so daß im ganzen Dorf kein einziges jüdisches Geschäft existirt. Ein alter Leser. Die Mittheilung ist uns von einer Seite zugekommen, von welcher wir eine genauere Kenntniß der betreffenden Personalverhältniffe voraussetzten. HerauLgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwottlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Be» Ä Sohn, Wien. VIII.

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