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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Date
1898-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 82 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudrnthums. K. k. Poysparksssrn-ZIlmt Ct earingverkessr Ar. 810.976. Lrdariion und Mma»tstr«Non: »t»n N., Nnlerr BrrgarlrvVr. 1». Telephon - Nr. 6535. ---- - Wien. 12. August 1898. --4—- Erscheint jeden Freitag. -»K - Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. M=-= ,, . ^=-— l Bejugaortta fitr Srstrrrrtch: Halbjährig 4 fl. S Stu Einzelexemplare Sft kr. Wr'm MumlanL: halbjährig S fl. — 10 Stt. ganzjährig 10 „ *0 „ Aazeigen: Die 4mak gespaltene Peritzeile IS kr. X- Inhalt. Leitartikel: „Mord." — Emile Zola und die französischen Künstler. — Die Religion und ihre Repräsentanten. — Assimilation. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die Niederösterreichische Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt. Eine clericale Gründung. Gemeinderath Wimberger's Speculationen. Abgeordneter Stojalowski verhaftet. Christian Esterhazy's Enthüllungen. Eine Grabrede. — Corres Pondenzen: Wien, Kladno, Teschen, Berlin, Amsterdam, London, Paris, Petersburg, Lodz, Athen, Bukarest, Rhodus, Bombay. — Vermischtes: Wien, Ischl, Reichenberg, Prag, Jglau, Budapest, Gaya, Jnsterborg, Salisburys — Feuilleton: Der Letzte. — Literatur.— Briefkasten. — „Mord". Unter diesen: grusligen Titel und mit fetten Lettern verzeichnet das „Deutsche Volksblatt" die Nachricht, daß in Skalitz der Führer der dortigen Deutschen, Herr Pitsch, von fünf Czechen überfallen und schwer verletzt wurde. Die zartfühlende Natur Ernst Vergani's entsetzt sich ob dieses blutigen Ausbruches nationaler Leidenschaften. Soweit ist es also in Mähren schon gekommen, daß man wegen der bloßen Zugehörigkeit zum deutschen Volksstamme einfach hingemordet werden kann! Mord aus nationalem Hasse! Gibt es etwas Ungeheuerlicheres, Verwerflicheres, Scheußlicheres? Den Schriftleitern des „Deutschen Volksblatt" stehen förmlich die Haare zu Berge! Sie, die stets für die friedliche Gemeinschaft aller Staatsbürger, für die Bethätigung der reinsten Menschenliebe, für die Milderung aller Raren- und Classengegensätze eingetreten sind, sie müssen es nun erleben, daß ein Deutscher um seiner Nationalität willen überfallen und fast todtgeschlagen wird! „Mord!" Mit der vollen Kraft seiner Lungen schmettert Ernst Vergani das Schreckenswort hinaus unter sein „christliches Volk", und energisch widerspricht er der officiösen Beschwichtigungsnote, welche die erwähnte Gewaltthat lediglich als „persönlichen Racheact übelbeleumundeter Individuen" darstellt. Der überfallene Herr Pitsch ist nicht nur ein Deutscher, sondern auch Christ. Es gibt nun speciell in Mähren und Böhmen auch zahlreiche Juden, die sich als Deutsche fühlen und dem vordringenden Czechenthum heftigen Widerstand entgegensetzen. Nehmen wir nun an, Herr Pitsch wäre nicht christlichen, sondern jüdischen Bekenntnisses — wie hätte sich der empfindsame Vergani in diesem Falle benommen? Hätte er auch dann an der Spitze seines Blattes mit fetten Lettern von einem nichtswürdigen feigen „Morde" gesprochen? Hätte er auch dann die verthierenden Wirkungen des Racenhasses constatirt? Aehnliches hat sich ja bei den vorjährigen Prager Excessen ereignet. Damals hat der czechische Mob vorwiegend jüdische Kaufleute geplündert, weil er in denselben die Stützen des Prager Deuischthums haßte. Das „Deutsche Volksblatt" aber hat damals schadenfroh geschrieben, daß ja „nur" Juden dem Raubgesindel zum Opfer gefallen seien. UiD „nur Inden" waren es auch, die in Galizien bei den jüngsten Excessen thätlich mißhandelt, beraubt und gebrandschatzt wurden. Als vor wenigen Wochen gemeldet wurde, daß dem Rabbiner von Bursztyn, einem fast 80-jährigen Manne, von den „Baraben" der Arm dreifach gebrochen wurde, da machte der zartfühlende Vergani seine Späffe über den schwerverletzten Greis. „Mord!" schreit der Ehrenmann mit den Mühldorfer Strupfen, wenn einige Raufbolde die Hetzereien der national-chauvinistischen Blätter in Handgreiflichkeiten umsetzen und einen Deutschen mit Messern bearbeiten. Aber wenn Herr Schneider ein Schußgeld auf die Juden verlangt, wenn der Jugendbildner Sturm das „Abschießen der Juden" als eine erlösende That Preist, wenn in Wien jüdische Hausirer zu Boden geschlagen und in Galizien friedliche Jrckeu zu Krüppeln gemacht werden, wenn das „Deutsche Volksblatt" selbst den herrlichen Vorschlag macht, alle Juden in der Donau zu ertränken oder Herr Lueger die Wahl läßt, sie zu köpfen oder zu hängen, dann ist das nicht eine verbrecherische Wirkung des nationalen Hasses, sondern ein köstlicher Ausfluß des erwachenden arischen Volksgeistes! Die Regierung hat es für nöthig befunden, in einem officiösen Communique der Skalitzer Blutthat andere als nationale Motive unterzulegen. Sie begreift offenbar, wie sehr solche Vorfälle die Gemüther verbittern und die Leidenschaften zur Siedhitze steigern müssen. Wir können das Bestreben der Regierung, beruhigend zu wirken und den Racenhaß einzudämmen, nur billigen. Aber dieses Bestreben wird fruchtlos bleiben, wenn es sich weiterhin so einseitig bethätigt, wie bisher. Die Verrohung, ja Verthierung der ungebildeten Menge ist durch nichts so sehr gefördert worden, als durch die antisemitische Hetze und deren Duldung. Wenn der große Haufen aus dieser Duldung den Schluß zieht, daß Menschen wegen ihrer Abstammung oder ihrer Sprache und äußeren Erscheinung vogelfrei sind, warum sollte sich diese Schlußfolgerung just nur anf^ die Juden beschränken, warum soll sie der Czeche nicht auf den Deutschen,

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