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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-29 · 30 (29.7.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
30 (29.7.1898)
Date
1898-07-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 572 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 90 Reichsdeutscher Curgast in Meran. Der Artikel des „Vaterland", den Sie uns übersenden, ist wohl einer Widerlegung nicht Werth, gibt aber eine Aufklärung dafür, warum der Fremdenverkehr in den österreichischen Alpen zurückbleibt, während die Fremdenindustrie die einst arme Schweiz zu einem reichen Lande gemacht hat. Der Autor sagt von den Fremden: „Allerdings ist auch das schlechte Beispiel, das die meisten Fremden der einheimischen Bevölkerung in Bezug auf die Erfüllung der religiösen Pflichten geben, em wirksames Mittel zur Verbreitung jener g e n u ß s ü ch t i g - m a t e r i a l istischen Abgestorben heit für alles Uebernat ü r l i ch e, die man leider schon unter dem Tiroler Volke in gewissen Gegenden verspürt". Es meint ferner: „Es naht dem einheimischen jungen Volke die Verführung zu allen Ausgelassenheiten der Sitten in jeder Form und Gestalt". Davon, daß in der seit vielen Jahren vielbesuchten Schweiz die Unsittlichkeit größer wäre als in dem seit kürzerer Zeit und viel weniger besuchten Tirol ist bisher nichts bekannt. Als Mittel gegen die Verführung schlägt dieser erleuchtete Schriftsteller eine „Gemeinbürgschaft" vor, derzufolge nur solche Gasthöfe freqnentirt werden sollen, wo ausschließlich oder mindestens hauptsächlich katholische Blätter aufliegen. Sie selbst brauchen sich über die Verführungskünste, die allen Fremden zugemuthet werden, weiter nicht zu kränken. Herrn Benjamin Silberschütz in Wadowice. Das Benehmen jener Feldarbeiten welche im Coupe antisemitische Lieder sangen und ein Mädchen in unanständiger Weise belästigten, ist gewiß tadelnswerth, allein die Nordbahn kann doch nichts dafür. Gegen den Conducteur, an den die Aufforderung erging, den Unfug abzustellen, hätten Sie die Anzeige erstatten sollen. Alter Abonnent in Berlin. Herr Professor Theologiae Kautzsch soll also „wissenschaftlich" bewiesen haben, daß die Juden weder für Religion, noch für staatliche Organisation, noch für Wissenschaft, noch für Kunst Talent haben, sondern nur für den Schacher. Falls Sie diesen Professor gelegentlich zu Gesicht bekommen, so empfehlen Sie ihm freundlichst die Durchsicht des Meyer'schen Conversationslexikons. Da wird er einige Namen von Juden verzeichnet finden, die vielleicht doch für Religion, Wissenschaft und Kunst einiges „Talent" bekundet haben und für deren Aufzählung es uns an Raum fehlt. Die „Wissenschaftlichkeit der betreffenden Antrittsrede läßt sich unschwer beurtheilen. Dr. F Wir halten die Meldung des „Deutschen Volksblatt", daß der Richter in Wyznitz erklärt haben soll, es sei nach den traurigen Erfahrungen, welche in Wyznitz mit den jüdischen Zeugen gemacht wurden, den Aussagen der vom Kläger citirten jüdischen Zeugen kein Glauben beizumessen, für gänzlich unglaubwürdig. Der Richter mag ja bestimmte Zeugen als unglaubwürdig bezeichnet haben, aber sicherlich nicht im Hinblick auf ihre Eonfession. Ueber Zeugenaussagen im Allgemeinen sollten aber die Antisemiten lieber nicht viel sprechen; warum, wird ihnen Ernst Schneider und Professor Rohling sagen« Abolitionistencongrefi. Der Ruhm des Wiener Stadtrathes Alexander P u r s ch t scheint eben noch nicht nach London gedrungen zu sein, sonst hätte man ihn gewiß eingeladen, dem Kongreß seine Erfahrungen über „Reglementirung" mitzutheilen. Bewunderer Bergani's. „Ich suche eine einflußreiche Persönlichkeit für eine Protection. Geld Nebensache". Diesem Inserat merkt es das „Deutsche Volksblatt an, daß es „zweifellos" von einem reichen Juden herrührt, der sich etwas erschleichen will, was er auf ehrlichem Wege nicht erreichen kann". Sie bewundern mit Recht den Scharfblick Vergani's, der die Eonfession eines gänzlich unbekannten Inserenten zu bestimmen weiß. Nur hätte seine Divinationsgabe noch weiter reichen und enthüllen sollen, was jener Protectionsbedürftige erschleichen will. Zweifellos ist cs ja, daß sich in Wien derzeit so Manches „erschleichen" läßt. Alois M., Neubau. Sie thun Herrn Eigner Unrecht, wenn Sie anläßlich seines Ausspruches, daß die Arbeiter im städtischen Steinbruche „in eigener Menagerie" wirthschaften, einen ungünstigen Schluß auf seinen Bildungsgrad ziehen. Herr Eigner ist vielmehr eines der g e b i l d e t st e n Mitglieder der christlich-socialen Majorität des Wiener Gemeinderathes. T. iu B. Der Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Herr Dr. Josef S. Bloch, befindet sich seit 14 Tagen zum Curgebrauch in Marienbad. Aufruf! Zur Betheiligung an -er ersten österreichischen Gesellschaftsreise von Juden, bei ritueller Verpflegung, nach dem heiligen Lande. Die Vermögenden unserer Glaubensgenossen stellen zu den so modern gewordenen Gesellschaftsreisen alljährlich ein bedeutendes Contingent, und es soll dies nur zu ihrer Ehre gesagt sein, denn sie bekunden damit ihren N a t u r s i n n, den unsere Feinde den Juden ganz absprechen wollen: kann es aber da mehr als einer Anregung bedürfen, unter unseren Vermögenden einmal auch eine Reisegesellschaft aus religiösem Sinn zusammenzubringen, wie solche auf anderen Religionsgebieten seit Langem schon von Jahr zu Jahr sich finden, um auch in diesem Falle die Ehre des Judenthums zu retten, daß die Feinde von uns nicht sagen können, wo ist ihre Religion? Eine Reisegesellschaft in das Land, wo nicht Naturerhabenheiten, sondern Patriarchengräber, über welchen die Trauer schwebt und Tempelruinen, an denen jeder Stein weint, das Interesse des Besuchers in Anspruch nehmen und über alles Weltliche erheben, — eine Reisegesellschaft nach dem heiligen Lande, nach Jerusalem, der Gottesstadt, Land und Stadt, die uns doch noch näher stehen, als jeder anderen Religion. Wohl pilgern Einzelne unserer Glaubensgenossen, wie in den trübsten Zeiten auch heute noch dahin; aber „daran will ich gedenken und ausschütten in mir meine Seele, daß ich einst dahin zog in Menge und wallte mit einer festlichen Schaar", mögen diese Einzelpilger mit dein Palmisten klagen. Die einstigen jüdischen Wallfahrten nach Jerusalem, haben Fremde fortgesetzt, und wir die eigenen Kinder, zu unserer Schande, gar keine Anstalten dafür getroffen, seitdem wir das Land der Väter verlassen haben. Was in den Zeiten der Verfolgungen begreiflich war, ist jetzt unverzeihlich. Wer hindert uns heutzutage daran, uns zu versammeln und gesellschaftsweise eine Reise außer Land zu machen? Oder legt die türkische Regierung ihr Veto gegen einen jüdischen Massen besuch Jerusalems ein? Und wenn in früheren Zeiten bei dem traurigen Exterieur der Juden eine solche Gesellschaftsreise nur zum Gespötts gewesen . wäre, kann sie heute ebenso achtunggebietend, wie eine christliche und zur Ehre des Judenthnms stattfinden. Was endlich noch in jüngstvergangener Zeit ein Hemmniß für eine jüdische Gesellschaftsreise gewesen wäre. — die Schwierigkeit einer rituellen Massenverpflegung während der Reise und am Reiseziel, ist gegenwärtig behoben, denn es befinden sich Gott sei Dank schon aller Orten comfortable, rituell eingerichtete Restaurants und Hotels ersten Ranges. Wenn wir auch jetzt von diesen Gesellschaftsreisen nach dem heiligen Lande nichts wissen wollen, kann es rein nur aus Jndifferentismus sein, und wir würden unseren Feinden Recht geben, welche behaupten, daß das Judenthum keine Religion mehr sei und ihm „unaufhörlich, zurufen: „Wo ist dein Gott?" nachdem wir das Land, an dem unsere religiösen Erinnerungen . haften müßten, ja ganz vergessen haben. Diese Schmach wollen wir tilgen und eine Gesellschaft von h u n d e r t u n d s i e b z i g Gefährten, nach welcher Zahl wir die Vereinbarungen mit den Fahrgelegenheiten, den Restaurants und Hotels getroffen haben, zusammenbringen, die eine auf 25 Tage berechnete Fahrt nach dem heiligen Lande unternimmt, und daß der Aufenthalt in Jerusalem gerade während der hohen Feste Rosch-Haschana und Jom-Kippur fällt, damit wir die Stimmung dieser heiligen Tage an den seit Jahrtausenden gottgeweihten Stätten selbst empfangen, und in dieser Gnadenzeit an der „Westmauer" für unsere Lieben daheim beten können. Außer Jerusalem werden wir aber noch sämmtliche uns Juden heilige Stätten besuchen. Nach genauesten Berechnungen und langen Unterhandlungen ist es gelungen, die möglichst niedrigen Kosten für die Theilnehmer an dieser Gesellschaft zu erzielen und zwar die Fahrt inclusive ritueller Verpflegung I. Classe 260 fl. 50 kr. und II. Classe 220 fl., Preise, die dem auch nur Bemittelten keine zu großen Opfer auferlegen, um seinem religiösen Zuge und seinem Sehnen, den geweihten Boden zu küssen, auf welchem einst die Patriarchen und Propheten gewandelt, Genüge zu thun. Die Abfahrt von Wien erfolgt am 7. September 1898, die Ankunft in Jerusalem am 15. September, Aufenthalt daselbst v i e r z e h n Tage, Rückkunft nach Wien am 4. oder 5. October. Alle näheren Bedingungen sind aus dem Programme zu erfahren, in welches in jeder Redaction der hiesigen jüdischen Blätter Einsicht genommen werden kann und das vom gefertigten Comite zu erhalten ist, wo auch über alle darauf bezügliche Anfragen bereitwilligst Auskunft ertheilt wird. Zur Ehre des Judenthums wagen wir zu hoffen, daß unser Unternehmen gelingen, daß man uns von allen Seiten entgegenkommen werde mit dem Rufe: „Ich freue mich, daß man zu mir spricht: Nach dem Tempel Gottes wollen wir wallen, O, daß schon stünden unsere Füße iu deinen Thoren, Jerusalem!" und demnach die nöthigen hundertsiebzig Theilnehmer an dieser Reisegesellschaft sich einstellen. Das Somit« für die erste jüdische Reisegesellschaft aus Oesterreich nach dem heiligen Lande. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Deck & Sohn, Wien, VIIL

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