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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 54 0 Nr. 28 Dr. Bloch's „Was gibt es, Vater? verheimliche mir nichts!" schrieHanna. „Nichts, gar nichts!" entgegnete Weritsch, aber David Schammes, der neugierigste Mann in der Gemeinde, eilte hinaus und kam bald glühend roth vor Erregung zurück. „Ein großes Chidusch 8): jetzt hat der Szore seinen Bedienten vom Schloß heruntergeschickt und befehlen lassen: der Amtsdiener Klaus soll mit hundert Bauern hinaufkommen, etwas e Paar schlechte Menschen, Razchonim9 * * * * * * *), Gaslonim *") oder Ganowim ") sind oben und die soll man einfangen oder todtschlagen!" Plötzlich überflog es aber den plauderhaften, aber theilnehmeuden Schammes, als wenn er mit emer.t Topfe siedenden Wassers begossen worden wäre. „Schomajim woorez »)!" schrie er jammernd auf; „accurat sind das die beiden Menschen, die Jakob Leipnik hinaufgeführt hat!" „Ma soß oßo elokim lonu,3)!" sprach Weritsch mit bebender Stimme: „Allbarmherziger Gott! sind wir nicht schon genug unglücklich?!" rief Hanna. Mosche richtete seine lichtlosen Augen aus Beide. „Erschreckt doch nicht so .... hine lo jonum welo jischon Schomer Jisroel")!" »Du hast recht, ganz recht, lieber Bruder!" entgegnete Hanna mit hervorbrechenden Thränen — „ich weiß das — aber trotzdem hat der unendliche, unergründliche Gott, gelobt sei er, in seinem unerforschlichen Rathschlusse doch schon Tausende edler würdiger Menschen, tödten, in die Verbannung, ins Elend treiben und unglücklich werden lassen! . . . . „Vater! wir müssen ins Schloß!" Hanna mußte tief aufathmend inne halten, „gehen wir!" „Versteht sich!" rief der Vater nach Hut und Rock greifend. „Ihr werdet mich doch nicht allein zu Hause lassen!" schrie Mosche auf, „ich gehe mit Euch!" „O! nein, nein, — heute nicht!" erwiderte Hanna, „Du Armer kannst ja nicht so schnell laufen, als wir es müssen!" „Ich werde Euch nicht aushalten, ich werde des Vaters Rockschoß fassen und flink mit Euch vorwärts schreiten — thut mir das nicht uu, mich allein zu Hause zu lassen, die Angst um Jacob, meinem besten, liebsten Freunde, würde mich verzehren, mich qualvoll tödten!" und Mosche weinte heiße bittere Thränen, wie ein kleines Kind, — es war eine furchtbare, aufregende Scene; — aber in dem Momente wurde die Thür aufgerissen — und Jacob Leipnik trat, mit von Glück erhellten Zügen, mit leuchtenden Augen und lachendem Munde ins Zimmer. „Ich bin der Bringer froher, glücklicher Botschaft," rief er, „wir dürfen aus voller Seele die Brocho ,5) sprechen: „Boruch hatow wehametiew!" ,6) Gott hat uns unverdiente Huld bewiesen — Mosche hatte gestern recht gehabt, wenn Gott will, kann er in einem Augenblicke glücklich machen — er hat uns einen rettenden Engel gesandt. Ich bin auf meinem Wege einem Manne begegnet, den ich nach Brauschitz zurückführen sollte — Gott ließ mich Gnade in seinen Augen finden — er frug mich nach meinen Verhältnissen, ich schilderte ihm das bittere Elend, die Hoffnungslosigkett, die mich und Euch bedrückte — der Mann ist — der Kaiser Joses! der gütige, mächtige, gerechte Monarch — Hanna wir können heiraten — der Kaiser hat uns die Erlaubniß dazu gegeben!" „Ja!" schrie Weritsch völlig betäubt, „es hatte sich ja in der Gaß 17) das Gerücht verbreitet, es hätten sich zwei Verbrecher ins Schloß geschlichen und diese sollten festgenommen werden, wie war's denn damit?" „Unser scharfblickender Baron und sein neuer Oberamtmann," erklärte Leipnik lachend, während noch die Thränen der Rührung über seine Wangen rollten, „haben des Kaisers römische Majestät und seinen Begleiter — Graf Rosenberg — für zwei Erzspitzbuben gehalten!" 8) Eine große Neuigkeit.. '') Mörder. ,u) Räuber. M) Diebe. '') Himmel und Erde. ") Was hat uns Gott da zugefügt. ,4) Es schlummert und es schläft nicht der Hüter Israels. '^) Benediction, Segensspruch. ,6) Gelobt seist Du Allgütiger, Gnadenspender! — ein Segensspruch, der bei dem Empfangen einer guten Nachricht gesprochen wird. 17) Judengasse. Wochenschrift Versucht es, Ihr lieben Leser, .Euch den Wonnejubel auszumalen, der in diesem Kreise herrschte; doch verlanget nicht, daß ich ihn schildere! (Schluß folgt.) Literatur. Neue Bücher. Dr. Israel Günzig. Der Commentar des Karäers. Jephet Ben Ali Halllvi zu den Proverbien, zum ersten Male nach mehreren Handschriften edirt, mit einer Einleitung und Anmerkung versehen. Krakau 1898, Verlag von Josef Fischer. Dr. Max Weißberg Neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien, Leipzig und Wien 1898. M. Vreitenstein's Verlagsbuchhandlung. Dr. Jakob Nacht. Mekor Chaiinr, Biographie des Rabbi Chaim ibn Allar und Minhage Trefot der jüdischen Gemeinde in Fez von Rabbi Juda ibn Allar. Jzydor Bernfeld. Sprüche der Väter in's Polnische übersetzt. Lear Look ol Leutra!-Louiereuce of American Rabbis for 1897-1898. Briefkasten. K. Die „Judenfurcht" hat nun auch Ernst V e r g a n i angesteckt. In der Abendausgabe am 12. d. M. reproducirte er eine Zuschrift des Herrn Baron Gudenus, Fürst Trauttmansdorff, Markgraf Pallavicini und Anton Dreher an die officielle „Kaiser Jubiläums-Schützenzeitung", welche in der ehrendsten und anerkeunenswerthesten Weise die Verdien st e des Juden Alexander Tritsch hervorhebt, „der als Mitglied des Executiv- Comitss sich monatelang vor dem Feste den weitverzweigten Arbeiten für dasselbe widmete und in der unermüdlichsten Weise auch während der Festtage rastlos und bescheiden in seinem Wirkungskreise arbeitete." W. in Aussig. Wir halten es für zweckmäßiger, jene Aeußerungen nicht zu veröffentlichen. Lehrer Zador in Neuhäusel. Sie finden das Wesentlichste aus Ihrer Zuschrift in der vorliegenden Nummer. R. A. Besten Dank sür Ihre interessante Mittheilung. Die Antisemitenführer gleichen sich alle bis auf verschiedene kleine Nuancen, und die „christliche Presse" ist auch in München durch ein würdiges Subject vertteten. Herrn Jakob Gröbel in Blizanicsa. Wenden Sie sich an die Handelsschule Porges in Wien, Wollzeile. Für jüdische Eltern. Es dürfte viele israelitische Eltern in teressiren, daß Gymnasiasten in Mähr.-Weißkirchen bei Lehrern und sonstigen Familien so gut wie im besten Convict versorgt werden. Die nöthigen Auskünfte ertheilt bereitwilligst der Rabbiner Herr Dr. Rabbinowicz. Samuel Schäfer in Bajnok. Die von Ihnen entwickelten Grundsätze dürfen auf den Beifall jedes ehrlichen Inden rechnen und Sie erwerben sich ein Verdienst um das Judenthum, wenn Sie dieselben überall vettreten. Herrn Julius Hochfeld in Lemberg. Wir nehmen von Ihrer Erklärung Kenntniß, daß Sie nicht einem Comite zur Umstürzung, sondern zur Verbesserung der Gemeindestatuten angehörten, ferner daß es Ihnen ferne liegt, den Fortschritt unterdrücken zu wollen, daß Sie vielmehr seit 30 Jahren auf humanitärem Gebiete zu wirken bestrebt sind. Daß Sie sich um die Schaffung wohlthätiger Institutionen verdient gemacht haben, wurde Ihnen auch keineswegs streitig gemacht. Nach dieser Constatirung werden Sie wohl auf eine weitere Polemik verzichten. Herrn Osias Horowitz in Zurawno. Es ist allerdings richtig, daß aus den verschiedenen von Ihnen cititten Stellen im Talmud hervorgeht, daß einzelne moderne Erfindungen auf dem Gebiete des Magnetismus, der Elettricität und der Dampfkraft den Alten bekannt gewesen seien, allein Sie dürften in Ihren allerdings geistreichen Deutungen und Schlußfolgerungen vielleicht doch zu weit gehen. Wir wollen Ihr Eitat aus Koheleth hiehersetzen, welches lautet: „Ich habe mir einen großen und kleinen Wagen anfertigen lassen, in den geheizt wurde." Aus diesen Citat und aus anderen Talmudstellen folgern Sie, daß eine Art von Dampfmotorwagen schon im Altetthum in Gebrauch war. Kollow. Herr Daniel Zimmt aus Kupowna schenkte einen ihm gehörigen Bauplatz in Kozlow für eine Talmud-Thora-Schule und verpflichtete sich, das ganze Material dafür beizustellen. Diese hochherzige Schenkung widmete Herr Zimmt auf Fürsprache des Rabbiners Herrn David Horowitz. Herr Sandor Ochs aus Tarnopol steuette zu dem Bau der Schule die zum Dachdecken nöthigen Schindeln bei. Die genannten Herren haben sich dadurch um die Sache des Judenthums in rühmenswetther Weise verdient gemacht. - C. M. in Lodz. Der „Courier Codzienny" gehört ebenfalls zu jener nichtswürdigen antisemitischen Hetzpresse, welche die christliche Bevölkerung direct zu Feindseligkeiten aufreizt und zu Mißhandlungen geradezu ermuntett. Herrn Dr. B. in Brüx. Ihr Manuscript haben wir erhalten und es wird demnächst verwendet werden. Herausgeber: Dr. Joses S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Deck $ Sohn, Wien, VUL

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