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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Date
1898-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die grsammten Interessen des Iudmthums. L. lr. PostspsrksDm-Mmt Clearingverkehr Ar. 810.876. »rdsrNon und Mdmvüstratton: »trn Lnlrrr Dvgar1r«pr. 1s. Telephon - Nr. 6535. Wien. 15. Juli 1898. -M—•-4' =* Erscheint jeden Freitag. - -» <■ —fr- Bries-Adrefse: Wien. L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift Wien. - ■ ■ ■ -r H B*iugapr*t8 Kr Srstrrrrtch: 1 Halbjährig 4 fl. «= 8 Stx. Einzelexemplare SS kr. Für'» SUalanb: halbjährig 5 jl. 10 Jtr. ganzjährig 10 „ =20 „ Aazeigea: Dir 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt. Leitartikel: Jüdische Gymnasien in Ungarn. — Der politische Volksverein in Wien. — Die Juden Galiziens in der Griminalstatistik. — „Absolute Gewißheit." — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Herrn Purscht's Nachfolger im Bezirksschulrath. Eine faustdicke Lüge. Diätenschneiderei. Die Plündererprocesse in Galizien. Gerechtigkeit soll sein. Aus der Häuslichkeit des Dr. Sigl. Jüdische Hexen. — Die hervorragendsten Rabbinen Prags. — Korrespondenz en: Wien, Saaz, Preßburg, Troppau, Lemberg, Krakau, Saybusch, Mielec, Zborow, Liegnitz, Berlin, Jnowrazlaw, Brüssel. — Vermischtes: Wien, Teschen, Boskowitz, Preßburg, Przemysl, Paris, New-Aork. — Feuilleton: Der neue Oberamtmann. — Literatur. — Briefkasten. Jüdische Gymnasien in Ungarn. (Von einem ungarischen Schulmanne.) Während der Congrua-Debatte wurde im ungarischen Reichstage gegen die ungarländischen Inden der Vorwurf erhoben, daß sie keine Gymnasien errichten, sondern ihre Söhne auf Kosten der christlichen Confessionen unterrichten und erziehen lassen, weil das billiger zu stehen komme. Wie unbegründet und ungerecht dieser Vorwurf in Bezug auf die Zeit vor dem Jahre 1868 ist, hat der Abgeordnete Moriz Mezei treffend nachgewiesen. Jeder recht und billig denkende Mensch sieht es auch ein, daß die ungarischen Juden vor ihrer Gleichberechtigung nicht einmal denken durften an die Errichtung jüdischer Gymnasien; denn hätte eine Gemeinde oder ein Privater Schritte zur Gründung einer solchen Anstalt unternommen, so wäre es der damaligen Unterrichtsbehörde ein Leichtes gewesen, den unangenehmen Bittsteller abzuweisen und ihren Bescheid mit der lakonischen Frage „für wen?" zu begründen. Die Zahl der Juden, welche sich dazumal dem gelehrten Studium widmeten, war so gering und die Schulbänke in den meisten christlichconfeffionellen Gymnasien waren so leer, daß man den hie und da sich Meldenden ohne gar zu große Schwierigkeit die Aufnahme gewährte. Nach Wiederherstellung der ungarischen Verfassung und der Emancipation der Juden trat aus allen Gebieten des staatlichen und socialen Lebens ein solcher Umschwung ein, der auch die Mittelschule nicht unberührt ließ. Zur Förderung des technisch-commerciellen Fortschrittes errichtete der Staat zumeist Realschulen, den Gymnasialunterricht überließ er wie bisher den Confessionen. Doch die von Jahr zu Jahr zunehmende Schülerzahl zwang die Confessionen zur Nothwehr. Schüler jüdischer Confession wurden nur dann ausgenommen, wenn es die Raumverhältnisse erlaubten und wenn sie das doppelte Schulgeld entrichteten. Unter Hangen und Bangen verbrachten die jüdischen Eltern die ersten Tage des neuen Schuljahres, und um die wenigen freien Plätze brach dann ein wahrer Kampf aus. Viele drängten sich heran und Wenige wurden auserwählt. Diese widerlichen Scenen wiederholten sich von Jahr zu Jahr und haben auch heute noch nicht aufgehört, trotzdem der Staat seit einigen Jahren auch Gymnasien, jedoch in viel zu geringer Anzahl, errichtet, und trotzdem man es duldet, daß die Bürgerschule als Surrogat für die fehlende Mittelschule diene, und wie alle Surrogate das Echte verdränge, ohne es zu ersetzen. Ja, die Befürchtung liegt sehr nahe, daß den Juden in naher Zukunft ein noch heftigerer Kampf um einen Platz in dem Gymnasium bevorsteht; denn das Unterrichtsministerinm wird aus pädagogisch-didaktischen Gründen gezwungen sein, dem Drängen des Lehrkörpers nachzugeben und das Maximum der Schülerzahl einer Classe auf 40 herabzusetzen. Für die Ueberzahl der Schüler müßten Parallelclassen errichtet werden, was aber den confessionellen Gymnasien wegen des empfindlichen Lehrermangels unmöglich ist, abgesehen von den Mehrkosten, welche ihnen dadurch erwachsen. Aber auch diese spielen eine wichtige Rolle. Heute schon gewährt der Staat den confessionellen Gymnasien eine jährliche Subvention von mehr als einer halben Million Gulden, und es ist sehr fraglich, ob der Reichstag den Juden zuliebe diese Mehrkosten gar so leicht bewilligen wird; denn schon erheben sich gewichtige Stimmen im Finanzausschüsse, welche von der rapiden Belastung des Unterrichts-Budgets ernstlich abrathen, und wiederholt wird der Vorwurf gegen die Juden erhoben werden, daß sie auf Grund der Reception gleiche Rechte genießen wollen, ohne auch die Pflichten zu übernehmen. Das Damoklesschwert der Ausschließung unserer jüdischen Schüler aus den Gymnasien hängt noch immer über uns, und um dieser Gefahr zu entgehen, werden die Verhältnisse die ungarischen Juden zur Errichtung von Gymnasien zwingen. Der Herr Abgeordnete Mezei hat wohl in der eingangs dieser Zeilen erwähnten Reichstagssitzung die decidirte Erklärung abgegeben, daß die Juden auch in Zukunft keine Gymnasien errichten werden, und begründet seine gleichsam im Namen der ungarländischen Juden abgegebene Erklärung mit folgenden Worten: „Wir erblicken keinen Vortheil darin, daß unsere Jünglinge an die Universität aus jenen confeffionellen (jüdischen) Schulen kommen, wo sie mit Jünglingen anderer Confession gar nicht in Berührung kommen, wo sie nicht in unmittelbarer Berührung mit dem ungarischen nationalm Gemeingeiste waren." So schön auch diese Begründung klingt, so sehr auch die ritterliche ungarische Nation diese schmeichelhaften Worte verdient, müssen wir

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