Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 27 (8.7.1898)
- Date
- 1898-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die gesannnten Interessen des Iudenthums. K. ft. Postsxsrftsssrn-Flmt Clearing Verkehr Nr. 810.976. LrdmUon und Adurttttstrstton: W«rn NnLerr DugarlrnUr. 1s. Talaphon-Nf. 6535. C * Wien. 8. Juli 1898. -- Erscheint jeden Freitag. - >i. .| i «■*■-- Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. X- .■ »sfugaptti» Kr Sestrrrrtch: ji Halbjährig 4 ff. 8 Jtr. Einzelexemplare 85 kr. Für'» Lu»land: halbjährig 5 fl. — 10 Kr. ganzjährig IO „ 20 „ Lazeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 13 kr. X - ^=■■^7=. --^Lk Inhalt. Leitartikel: Durch das galizische Aufruhrgebiet. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Der Raubzug von Alt-Sandec. Ausweisung des Pater Stojalowski. Ausuahmszustand und Jury. Zwei Urtheile. Der türkische Gesandte gegen die zionistische Bewegung. Die Affaire Dreyfus. „Lohn" in der Chemie. Fürsterzbischof Dr. Kohn. I. Merk. — Werbung für die neue Export-Akademie. — Die llnterrichtsresultate der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien. — Die Stellung der Rabbiner in Deutschland. — Correspondenzen: Wien, Jungbunzlau, Bielitz, Prag. Horazdowitz, Budapest, Neustadt! a. d. W., Hamburg. St. Petersburg, Saloniki, Jerusalem. — Vermischtes: Wien, Preßburg. Berisch Goldenberg, Floridsdorf, Mähr.-Ostrau, Olmütz, Mähr.-Weißkirchen, Kremsier, Leitmeritz, Sarajevo, Berlin, Breslau, Altona, Hagen, Erlangen. — Feuilleton: Der neue Oberamtmann. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. An unsere Leser! Die vorige Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" wurde wegen der Artikel und Berichte über die galizischen Zustände von der k. k. Staatsanwaltschaft mit Beschlag b elegt. Wir haben sofort eine neue Auflage mit Hinweglassung der incriminirte» Stellen veranstaltet und werden gegen die Confiscation den Einspruch erheben. Diejenigen unserer geehrten Leser, welchen die zweite Ausgabe der vorige» Nummer nicht zugekommen ist, wollen dieselbe bei unserer Administration reclamiren. Die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift". Wir ersuchen unsere geschätzten ^Abonnenten um rechtzeitige Zinsendung der taufenden tAbonnemenfsgebühr, damit die Zusendung des jflattes keine Unterbrechung erleide. Zfir Zinsendung der Beträge wolle man die beigelegten Post-Checks benützen. Die ^Administration. Durch das galirische Aufruhrgebiet. (Von unserem Special-Correspondenten.) Neu-Sand ec, 1. Juli. Graf Pininski ist hier an Ort und, Stelle der schrecklichsten Plünderungen von der optimistischen Auffassung der Lage, die er noch von Lemberg aus mit nach Wien genommen hat, rasch abgekommen und hat zu den schärfsten Maßregeln, zur Verhängung des Standrechtes über die Bezirke Neu-Sandec und Limanowa und des Ausnahmszustandes über ganz Westgalizien gerathen. Man muß der Wiener Centralregierung das Zeugniß geben, daß sie ohne alle schwächliche Rücksicht auf die höchst fragwürdige Errungenschaft der „galizischen Autonomie" die Autorität der Staatsgewalt ohne Säumniß und in der energischesten Weise zur Geltung brachte. Ich habe heute die Verwüstung in Alt-Sandec gesehen und obwohl meine Nerven während einer zweiwöchentlichen Fahrt durch das Aufruhrgebiet ziemlich abgehärtet wurden, bin ich doch beim Anblicke dieser Vandalenarbeit in Thränen ausgebrochen. Der Statthalter hat vorgestern die geplünderten Läden und Wohnungen der Juden besichtigt und auch er hat sich einer tiefen Erregung nicht erwehren können. „Wenn ich das nach Wien herichte", rief er händeringend aus, „wird man es mir nicht glauben." Es muß hier hervorgehoben werden, daß sich speciell die jüdische Bevölkerung von Alt-Sandec des besten Rufes erfreut. Es sind durchwegs Leute, die in ehrlicher, oft ein Menschenleben währender Arbeit ihr Brod gesucht haben und nie einem unredlichen Erwerb nachgegangen sind. Die .Vorgänge in Neu- und Alt- Sandec stehen auch mit der westgalizischen Bauernbewegung nur in einem indirecten Zusammenhänge. Während in Jaslo, Strzyzow, Gorlice und Sanok die bäuerliche Bevölkerung durch Emissäre aufgereizt wurde, ging hier die Initiative zu den Plünderungen direct von der städtischen „Intelligenz" aus, welche die Bauern nur als Coulisse benützte. Diese „Intelligenz" ist der eigentliche Träger des antisemitischen Giftes in Westgalizien. Man versteht darunter Beamte, Advocaten, Aerzte, Professoren, Lehrer und — soweit solche vorhanden sind — christliche Kaufleute. Auf welcher politischen Bildungsstufe dieser schmalbrüstige galizische Mittelstand steht, erfuhr ich auf der Fahrt von Sanok nach Chyrow, wo rin alter Krakauer Gymnasial-Professor mein Reisegenosse war. Ich fragte ihn nach der Ursache der Excesse. „Ganz einfach," entgegnete er, „die Socialisten Hetzen die Bauern gegen die Juden, obwohl ihnen diese bei den Reichsrathswahlen geholfen haben." Ich bat ihn um sein Urtheil über Stojalowski. „O, das ist ein echter Bolksmann, ein Feind der Socialdemokraten und ein Freund der Bauern. Es ist nicht wahr, daß er die Bauern aufreizt, das haben nur die Socialdemokraten aufgebracht. Diese sind überhaupt eine ganz verworfene Bande. Daszynski hat für die Erstürmung des Präsidiunis in den parlamentarischen Novemberschlachten von Schönerer 1000 fl. bekommen und jeder seiner Parteigenosse» täglich 10 fl." — „Woher wissen Sie das?" — „Es stand ja in der Zeitung." — Jawohl, es stand in der Zeitung, im Krakauer „Glos Narodu", der das Evangelium all dieser Schwachköpfe bildet und der auch unter dem Ausnahmszustande lustig weiter hetzt, während die soeialistische Presse unterdrückt wurde.