Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 24 (17.6.1898)
- Date
- 1898-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die grsammten Interessen des Iudenthnms. -- —^- Wien. 17. Juni 1898. -«4- Erscheint jeden Freitag —--» «■ —«- Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift Wien. K. k. Pogsparkslsrn-Lmt Clearingverkehr Nr. 810.976. Sederrtton und Admtuistrstton: »trn ».» Etil*» Vnoarlrnpr. la. I Telephon - Nr. 6535. m : »ijngaprttB für Srstermch: Halbjährig * 3. 8 £r. Eiujelexemplare 35 kr. Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Jlr. ganzjährig 10 * 20 „ Anzeigen: Die 4m al gespaltene Petitzeile 13 kr. Inhalt. Leitartikel: Das Judenthum und die Exportfrage. — Zu unserer Lage in Galizien. — Mickiewicz über die Juden. — Der Jndenstaat. — Vom Schlachtfelde in Jaslo. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagcsgeschichte. Tie antisemitischen Excesse in Galizien .Der amerikanische Gesandte in Constantinopel. Von der judenreinen Nordbahn. Zionismus, lieber das Berliner Ibsen-Bankett. Ein Distichon als Lebensretter. Ein jüdischer Erfinder. Zur Affaire Esterhazy. Jüdischer Antisemitismus. Goethe und die Antisemiten. Fürst Bismarck und die Bibel. In einem alten Stammbuche. Arische Ehesitten. — Tie Pflege des jüdischen Nationalbewußtseins in Böhmen. — Correspondenzen: Wien, Prag, Krakau, Berlin, Basel, Brüssel. Athen, New-Pork. — Vermischtes: Wien, Nikolsburg, Brünn, Prag, Gr.-Tapolcsany, Karlstadt. — Feuilleton: Der neue Oberamtmann. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Das Judenthum und die Expvrtfrage. Von jeher hat es unser Blatt für seine Aufgabe gehalten, den Blick der österreichischen Judenheit aus die realen Interessen des Judenthums zu lenken, durch deren intensive Verfolgung jeder Einzelne sich und der Gesammtheit Vortheil und Ehre zugleich verschaffen kann. Auch wir glauben von ganzem Herzen, daß, wenn die Zeiten sich erfiillt haben werden, Zion zu neuem Glanz erstehen wird; aber vorläufig hat Israel in der ganzen Welt noch viel zu viel zu leisten, die Welt ist des Mittelalters noch zu voll, als daß der Augenblick schon gekommen wäre, uns auf unser Altentheil im Oriente zurückzuziehen. Es ist nicht Zeit, zu schwärmen und zu träumen und daiüber seines Lebens Kraft zu vergeuden. D i e A ug eit ct-itf, arbeiten und Zusammenhalten in Familie, Gemeinde und Vaterland! Das sind unsere allerdings recht bescheidenen, aber einigermaßen erprobten Hausmittel zur Milderung der Judenfrage. So möchten wir denn auch heute die Aufmerksamkeit unserer Leser auf eine Frage lenken — richtiger auf eine Gesammtheit von Fragen, deren Bedeutung für die Rehabilitirung des Judenthums in Oesterreich-Ungarn nicht hoch genug angeschlagen werden kann und in welcher überdies jeder Schritt für den, der ihn mit Verstand und Muth rechtzeitig thut, einen sicheren Erfolg und den Weg zu hohen Ehren bedeutet. Es wird in letzter Zeit gar herzbeweglich über den unbefriedigenden Zustand unseres Exportes geklagt, eine große Enquete hat da stattgefunden. Nach der letzten großen Rede unseres Ministers des Auswärtigen kann man sagen, daß sich die Erkenntniß von der Staatsnothwendigkeit eines steigenden Exportes bis in die höchsten Kreise verbreitet hat. Es ist dies gewiß mit großer Freude zu begrüßen. Mitten in der wüsten Hetze gegen unser Volk sind wir treue Oesterreicher geblieben und begrüßen mit Freude jedes Anzeichen, daß unser Vaterland endlich einen anderen Ehrgeiz zu entwickeln im Begriffe steht, als jenes verhängnißvolle Kokettiren mit allen Mächten des Rückschrittes, dessen unvermeidliche Folgen die Geschichte gerade jetzt in der furchtbaren Tragikomödie „Die spanische Kriegführung" vor unseren Augen bloßlegt. Spanien ist ja das Ideal des „neuen" Geistes von Wien, dort ist die Unduldsamkeit zuhause, seiner Juden ist es nun schon seit vierhundert Jahren los Md ledig, seiner Größe, seines Ruhmes, seiner Colonien, seines Reichthumes allerdings ebenfalls. In welchen Abgrund ist all das verschwunden? Es ist hohe Zeit, daß man sich auch in Oesterreich über die drohenden Anzeichen der Zukunft nicht täuscht. Da sind zwei Erscheinungen handgreiflich, über die kein Geschwätz christlich-socialer Maulhelden hinweghelfen kann. Die deutschen Exportziffern steigen in einer Weise, daß selbst dem gewaltigen England vor Eifersucht schier der Kamm schwillt, der österreichische Export aber geht in einer Weise zurück, daß unsere passive Handelsbilanz selbst die dringend nöthige Valutaregulirung fast unmöglich macht. Wie können wir daran denken, in dem klaren und realen Weltgeld des Goldes zu zahlen, wenn eine passive Handelsbilanz, das heißt ein Ueberwiegen des Imports uns heute oder morgen zwingen kann, unser ganzes mühselig zusammengeschaartes Gold an das Ausland abzuliefern? Und doch muß die Valutaregulirung sein. Sie ist selbst ein Stück von jener beständigen Kriegsbereitschaft, welche das höchste Ziel des modernen Staates ist. - Ein Staat mit Goldwährung ist schlagfertig, ein Staat mit Papierwährung für Schläge fertig, wie eben wieder das Beispiel Spaniens bewiesen hat. Soll aber die ValutaregulirMg in Oesterreich wirklich durchgeführt werden, soll der Staat schlagfertig und die Volkswirthschaft blühend bleiben, so muß eine Losung Allebeseelen: Vergrößerung des Exports! Hier nun ist unserem Volke eine große Aufgabe gestellt, die jeden Einzelnen und die Gesammtheit zu Macht und Ehren bringen kann. Wer soll denn in Oesterreich exportiren? Doch nicht die Volkskreise, welche Lueger zujubeln, wenn er Oesterreichs Namen durch Bedrängung einer englischen Gesellschaft auf einem weltumfassenden Absatzgebiet verhaßt macht'? Auch nicht die Herren, welche es für eine Unmöglichkeit halten, eine fremde Sprache