Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-06-10 · 23 (10.6.1898) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
23 (10.6.1898)
Date
1898-06-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021247--07912-3032263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 450 Nr. 23: Dr. Bloch's Wochenschrift Heim, welches als Jublläumsbau erstehen wird. Das Publicum gewinnt durch das ausgestellte Object einigen Ueberblick über das Ganze, und dürste dies ein immer intensiveres Interesse für die Institution erwecken, welche armen, leidenden Schulkindern einen Ferienaufenthalt ermöglicht. Lemberg, im Juni. Dem von dem Amte eines Präsidenten der Cultusgemeinde scheidenden Herrn Samuel Edlen von Hvrowitz widmeten die Beamten der Gemeinde eine einfache, aber künstlerisch ausgeführte Adresse, in welcher sie die Gefühle aufrichtigster Dankbarkeit für die gerechte, unparteiische und doch höchst wohlwollende Amtsführung des genannten Herrn niederlegten, aber auch der Freude Ausdruck gaben, daß fein reiches Wissen und seine erprobte Erfahrung dem Cultusrathe erhalten bleibt. Der die Adresse überreichenden Deputation, an deren Spitze die Gemeiuderabbiner sich befanden, dankte Herr v. Hvrowitz in freudig bewegten Worten und versprach, auch fernerhin den Beamten ein treuer, wohlwollender und aufrichtiger Freund bleiben zu wollen. Lemberg. Am vergangenen Sabbath fand in der reich mit Grün und Blumen geschmückten Synagoge am alten Markt ein ebenso feierlicher, als erhebender Gottesdienst statt. Er galt der Einführung der nach dem neuen Statute gewählten Verwaltungskörper und des definitiv angestellten Gemeinderabbiners. Der Vorstand, der Cultusrath, die Tempelverwaltung und der Spitalsrath hatten sich fast vollzählig eingefunden, ebenso waren viele Vereine durch Deputationen vertreten Die Zöglinge des Waisenhauses nahmen mit ihrer Fahne Aufstellung. Herr Rabbiner Dr. Caro, dem die Tempelverwaltung bei dieser Gelegenheit einen kostbaren Ornat überreichte, wurde von derselben in das Gotteshaus geleitet, während Herr Obercantor Halpern und der Chor einen Psalm sangen. Beim Aufrufen zur Thora, spendeten der Präsident der Cultusgemeinde Herr Dr. Emil Byk, sowie der Bicepräsident Herr Dr. Simon Schaff bedeutende Gaben zur Errichtung eines Gitterzaunes um den Tempel. Die sehr beifällig aufgenommene Predigt des Herrn Rabbiners knüpfte an die Gaben derFürsten imWochenabschnitt an, besprach die Pflichten derer die in Israel ein öffentliches Amt bekleiden. Der Tempelverwaltung, mit dem Landesadvocaten Herrn Dr. Jacob Diamant an der Spitze, gebührt für die würdige Durchführung der erhebenden Feier, die mit der Abstngung der Kaiserhymne schloß, Anerkennuug und Dank. Lemberg. Der hiesige Gemeinderath hat zur augenblicklichen Abhilfe der Brodtheueruug 3000 fl. bestimmt. Auf Antrag der Gemeinderäthe Rabbiner Dr. Caro und Dr. Wilhelm Holzer in der I. Section wurde hievon ein Drittel mit 1000 fl. der israelitischen Gemeinde überwiesen. Seit Mitte vorigen Monats werden nun täglich mehr als 1000 Brode zu erheblich billigere» Preisen den Armen abgegeben. Mit der höchst beschwerlichen, aber verdienstvollen Vertheilung beschäftigt sich besonders hingebend Herr David Maschler, Mitglied des Cultusrathes und der Armencommission. Lemberg. In der für die Juden Galiziens so wichtigen Angelegenheit der Gründung eines israelitischen Seminars zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer ist eine wichtige Entscheidung des Cultusministeriums ergangen. Auf Antrag des Landesausschusses erklärte sich der Landtag für die Creirung einer oder zweier Profeffuren für jüdischen Religionsunterricht am k. k. Lehrerseminar. Das Unterrichtsministerium ist jedoch anderer Meinung und hält die Gründung eines besonderen Religionslebrer-Seminars für geeigneter. Mit Berufung auf das Gesetz erklärt aber das Ministerium die Gründung einer solchen Anstalt als Sache der betreffenden Religionsgenoffenschaft, verspricht jedoch, unter Wahrung des staatlichen Aufsichtsrechtes, der zu gründenden Schule eine bis zum vierten Theile der Kosten reichende Subvention. Das Ministerium hat sich aber auch bereit erklärt, den jüdischen Religionsunterricht im gesetzlichen Ausmaß an dem k. k. Lehrerseminar in Lemberg schon jetzt für alle jüdischen Zöglinge als obligat zu erklären und fiir diesen Unterricht eine Lehrkraft zu bestellen, der zur Ausfüllung des gesetzlich vorgeschriebenen Stundenmaßes auch der Religionsunterricht an einer der Mittelschulen überwiesen werden soll. Auf diese Weise soll dem höheren Unterricht in dem Religionslehrer-Seminar vorgearbeitet werden. Brünn, 1. Juni. (Kaiser Jubiläums-Pensionsfond für die Angestellten der israelitischen Cultusgemeinden, deren Witwen und Waisen.) 1. Liste: An Beiträgen von Gemeinden und Spenden von Privaten sind bisher beim Curatorium des „Mähr.-jüd. Landesmassafonds" eiugegangen: Cultusgemeinde Triesch fl. 250, von Battelan fl. 50, Mißlitz fl. 200, Kremsier, Gewitsch, Butschowitz, Nicolsburg je fl. 100, Groß-Meseritsch, Aussee je fl. 50, Wischau, Kostl, Zwittau je fl. 30, Pirnitz fl. 15, Teltsch, Damboritz, Loschitz, als jährliche Gabe fl. 10, Privatspenden aus Kojetein und Tobitschan fl. 172.50, Loschitz, Müglitz, Littau fl. 50, Wischau fl. 19.50, Philipp Kohn, Vorsteher in Nikolsburg, und Jakob Stern. Vorsteher in Aussee, Creditverein in Ungarisch-Brod (durch Cur. Schnabel) je fl. 20. Weitere Beiträge und Spenden, insbesondere die bereits subscribirten, wollen an das Curatorium gerichtet werden. Gliniany, 6. Juni. Am 5. d. M. wurde hier das hundertjährige Jubiläumsfest des großen polnischen Dichters Adam Miczkiewicz gefeiert. Vom Ortscomitä, welches aus dem christlichen Adel besteht, wurde Gefertigter und noch zwei jüdische Bürger in die Kirche?geladen, und von Seiten der israelitischen Gemeinde wurde dieser Tag festlich begangen. Die jüdische Bevölkerung versammelte sich in der Synagoge Sonntag 8 Uhr Früh zu einem andächtigen Gottesdienste. Der hierortige Rabbinatscandidat Herr Beresch Basches, sowie Herr Lipo, Director der Baron Hirsch-Schule, hielten schwungvolle Reden zur Beleuchtung des Dichters, in dessen großen Geschichte kein Judenhaß, vielmehr die große Toleranz anzutreffen ist, und die Andacht endete unter Absingen der Volkshymne mit Musikbegleitung und dreimaligem Hoch auf Sc. Apostolische Majestät. Leo Wolf. Tabor, 30. Mai. Nachdem die hier bestandene blühende isreaelitische Volksschule von den Decemberstürmen zerstört wurde, wurde der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde beim h. k. k. Landesschulrathe um Bewilligung zur Eröffnung einer Bibelschule bittlich. Die Concession wurde nun vor Kurzem ertheilt und Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. N. Weislovits und Herr Lehrer Adolf Fried an dieser zweiclassigen Anstalt bestätigt. — Am ersten Tage des Wochensestes machte Herr Dr. Weislovits unsere Bibelschule zum Gegenstände seiner Festpredigt und legte den Eltern der schulpflichtigen Kinder die Beschickung der Schule, den -übrigen Gemeindemitgliedern die kräftigste Unterstützung der Anstalt ans Herz. Die Bibelschule, an welcher Kinder unbemittelter Eltern unentgeltlich unterrichtet werden, zählt bereits 52 Schüler und ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß kein israelitisches Kind dieser Anstalt fernbleiben wird. Tabor genießt den Ruf, eine der religiösesten Gemeinden Böhmens zu sein; daß diese altehrwürdige Gemeinde es auch in Zukunft bleibe, wird sicherlich das Bestreben ihrer Mitglieder sein. Mähr. Weißkirchen. Mähr.-Weißkirchen im herrlichen Betschwa-Thale gelegen, mit dem Curorte Teplitz in der Nähe zählt zu den gesündesten Städten der Monarchie. Aus diesem Grunde bildete sich dieser Ort zn einer echten Schulstadt heraus. Es sind hier verschiedene k. und k. Militärschulen, eine höhere Forstlehranstalt und ein k. k. Staatsobergymnasium. Auch die letztere Anstalt wird von vielen auswärtigen Schülern, selbstredend auch unserer Confession, stark besucht. Während jedoch anderswo die leider zeitgemäß gewordene Strömung sich fühlbar macht, sind wir gottlob von dieser Krankheit verschont. Dank der Gerechtigkeitsliebe des früheren Herrn Gymnasial-Directors Eduard Kucera, der gegenwärtig k. k. Landesschul-Jnspector in Brünn ist, und Dank auch der Gerechtigkeit des jetzigen Gymnasial-Directors Herrn Adolf Spanner, der ganz im Sinne seines Vorgängers die Anstalt leitet. Sehr verläßliche.jüdische Familien gibt es hier, welche- Knaben in Kost und Quartier halten. Unterfertigter Bezirksrabbiuer macht daher die Leser dieses geschätzten Blattes auf die hiesige Anstalt aufmerksam, da so Mancher, dessen 'Knabe körperlich etwas schwächer ist, ihn lieber in der Provinz studiren läßt, als in der Großstadt. Der Gefertigte ist auch gerne bereit zur Ertheilung jedweder näheren Auskunft. Bezirksrabbiner Dr. I. Rabbinowicz. Frankfurt a. M., 29. Mai. Wegen Beleidigung der Richter desFrankfurterLandgerichtsbezirkes hatte sich der antisemitische Abgeordnete Otto Hirschel heute vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Unter der Spitzmarke „Jüdische Richter" hatte der als verantwortlicher Redacteur zeichnende Angeklagte einen Artikel gebracht, in welchem den jüdischen Richtern Parteilichkeit in den gegen, ihre Stammesbrüder anhängigen Processen vorgeworfen worden war. Obgleich der Vertheidiger, ein Rechtsanwalt aus Darmstadt, die Legitimation der Strafanzeige bemängelte, beantragte der Staatsanwalt doch eine Strafe von 50 Mark. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.