Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Date
- 1898-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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^Seite 328 Vr. Vloch » Wochrnschrist. / Sck. 17 Wie I. I. Marcel in seinem L’Egypte depuis la conquete des Arabes (Paris 1848) erzählt, geschah im ersten Jahre nach der Eroberung Egyptens durch die Araber (640 n. Ehr.) unter Amru, dem Feldherrn des Kalifen Owar, daß die für die Fruchtbarkeit des Landes so nothwendige Anschwellung des Nils sich verzögerte. Die christlichen Einwohner des Landes, die Kopten, schickten daher, wie der arabische Chronist Ben Ayas berichtet, eine Deputation an Amru mit der Bitte, ihnen zu gestatten, ihre Pflicht gegen den Nil nach alter Vorschrift zu erfüllen. „Was ist denn das für Vorschrift?" fragte der mohammedanische Feldherr. „Wir haben den Brauch", antworteten die Kopten, „am dreizehnten des Monats Bauneh (7. Juni) „eine schöne Jungsrau ihren Eltern zu rauben, sie reich wie eine Braut zu schmücken und als Opfer in den Fluß zu werfen". „Das darf unter dem Islam nicht mehr geschehen", antwortete Amru. Da aber der Nil auch in den folgenden drei Monaten nicht steigen wollte und das Volk immer besorgter und unruhiger ward, schrieb der Feldherr an den Kalifen und fragte an, was er thun solle. Omar schickte ihm ein sehr höfliches an den Nil gerichtetes Schreiben, indem er ersucht wurde, wenn es Gotres Wille sei, ja recht bald zu steigen. Das Handschreiben wurde in den Strom geworfen, der sofort zu steigen begann und den mehr als genügenden Wasserstand von 17V« Ellen erreichte. Von da an haben die Menschenopfer aufgehört, dagegen wird alljährlich, - bis auf den heutigen Tag, sagte vor fünfzig Jahren der französische Gelehrte, eine Puppe in Gestalt eines Mädchens in den Nil geworfen, und diese nennt man Arusieh — die Verlobte. M. Oesterrrichisch-I srarlitische Union. (Bericht über die Thätigkeit im Vereinsjahre 1897—98.) Unter reger Betheiligung seitens der Mitglieder, sowie zahlreicher Gäste, unter welchen man die Herren Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Cultusvorsteher kais. Rath Wilhelm P o l l a k, und Dr. Grünfeld, Dr. Marcus Spitzer, Ortsschulrath S. Heit, den Präsidenten des „Politischen Bolksvereines" Dr. F i a l l a, Consul Arnold Marek, den Bicepräsidenten des „Wiener kaufmännischen Vereines" Isidor P o p p e r u. A. bemerkte, hielt dieser äußerst rührige Verein Samstag den 23. April d. I. seine XII. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, kais. Rqth Wilhelm A n n i n g e r, eröffnete die Versammlung und ertheilte das Wort dem Secretär Herrn Josef Fuchs zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes. Geehrte Versammlung! Als wir vor Jahresfrist den ^Bericht über unsere Thätigkeit in dem abgelaufenen Vereinsjahre erstatteten, haben wir am Schluffe desselben unserer Ansicht dahin Ausdruck gegeben, daß wir Juden in Oesterreich trotz der vielen Mißerfolge, die wir erlebt, dennoch keinen Grund haben, eine.Politik der Entsagung zu treiben, daß es aber für uns Juden geboten erscheine, in unserer Haltung zu den verschiedenen politischen Parteien und Körperschaften besondere Reserve zu beobachten. Aus dieser Reserve sind wir auch im vorigen Jahre unserer Vereinsthätigkeit nicht herausgetreten. Denn die allgemeinen politischen Verhältnisse, sie haben sich nicht nur nicht entwirrt, sondern sind seit der Erlaffung der Sprachenverordnungen noch viel complicirter geworden und der nationale Hader, der eine Scheidung der Parteien nach rein politischen Grundsätzen unmöglich macht, ist zu einer Höhe der Erbitterung emporgewachsen, welche unser ganzes constitutionelles Leben in Frage stellt. In diesem nationalen Kampfe nach der einen oder anderen Seite Partei zu ergreifen, würde für uns Juden einen Act der Selbstvernichtung bedeuten. Wir haben daher unser Augenmerk in umso höherem Maße jener unserer statutarischen Aufgaben zugewendet, welche uns die Bekämpfung der auf Verschärfung ver konfessionellen und Racengegensätze gerichteten Bestrebungen zur Pflicht macht. Die Verunglimpfung unserer Ehre, die Verleumdung ein-, zelner Glaubensgenossen wie der jüdischen Gesammtheit, die wirtschaftliche Ausschließung und die Antastung unserer staatsbürgerlichen Rechte haben sich in einer Weise gehäuft, daß ein neues System der Abwehr unabweislich geworden ist, wenn wir nicht den Vorwurf auf uns laden wollen, durch allzu weit getriebene Passivität uns selbst zu Staatsbürgern zweiten Ranges degradirt zu haben. Wenn bei dem Ursprünge der antisemitischen Bewegung und noch geraume Zeit nachher jene Stimmen in der Majorität waren, tvelche die Taktik des Schweigens als die einzig richtige empfahlen, so ist Ihr Vorstand schon seit Jahren zu der Erkenntniß gelangt, daß es längst Zeit geworden, laut und entschieden zu reden und alle gesetzlichen Mittel in Anwendung zu bringen, die uns zur Verteidigung unserer Rechte zustehen. Aus dieser Erkenntniß entsprang die Einsetzung eines Rechtsschutz-Comites, über dessen Thätigkeit wir Ihnen im Vorjahre Bericht erstattet haben. Es hat sich aber gezeigt, daß in dem enggezogenen Rahmen des bloßen Rechtsschutzes die weitaus größte Zahl der von unseren Gegnern und namentlich von der antisemitischen Presse verübten Ehren- und Rechtskränkungen nicht abgewehrt werden kann. Dazu kam noch die lebhaft empfundene Notwendigkeit, nicht nur dort, wo einzelne oder juristische Personen in ihrer Eigenschaft als Juden eine Unbill erfuhren, sondern auch in allen Fällen, wo das Judenthum in seiner Gesammtheit angegriffen wurde und es sich um öffentlich rechtliche Fragen handelt, thätige Abwehr zu üben. So hat fick denn Ihr Vorstand, einer im politischen Comite gegebenen Anregung Folge gebend, entschlossen, ein eigenes Bureau zur constanten Evidenzhaltung, Verfolgung und Widerlegung aller gegen einzelne unserer Glaubensgenossen oder das Gesammtjudenthum in der Presse, in Versammlungen oder in autonomen Körperschaften gerichteten Angriffe und unwahren Ausstreuungen zu errichten. Dieses seit dem 15. December 1897 bestehende Bureau hat sich schon nach wenigen Wochen seines Bestandes zu einer Centralstelle für die Wahrung der politischen Rechte und der wirtschaftlichen Interessen nicht nur unserer Glaubensgenossen in Wien, sondern auch jener in ganz Cisleithanien, zum unausgesetzt wachsamen Hüter der persönlichen Ehre jedes einzelnen Juden, mag er auch im verlorensten Dorfe Galiziens ein kümmerliches und obscures Dasein führen, zu einem stets kampfgerüsteten Organ der Abwehr gegen antisemitische Lüge und Bosheit entwickelt. Wir können mit ehrlichem Gewissen versichern, daß nicht an uns, sondern an der noch vielfach anzutreffenden Indolenz unserer Glaubensgenossen und an dem Widerspruche zwischen dem Geiste unserer Gesetze und dem Geiste der Verwaltung die Schuld liegt, wenn nicht immer und überall dem Angriff die Abwehr, der Lüge die Richtigstellung, der Unbill die gesetzliche Sühne folgte. Trotzdem sind unsere Bemühungen vielfach von wirksamem Erfolge gewesen und wir danken dies zum nicht geringen Theile dem erfreulichen Entgegenkommen, welches uns gleichartige Institutionen und opferwillige Männer in Böhmen, Mähren und Galizien entgegengebracht haben, so daß wir heute, namentlich für den Recherchendienst, eine weitverzweigte und festgefügte Organisation über ganz Oesterreich besitzen. Zum Berichte über die Thätigkeit unseres Abwehr- Bureaus übergehend, müssen wir zunächst betonen, daß nicht alle der von uns recherchirten und ganz oder theilweise durchgeführten Fälle sich zur öffentlichen Besprechung eignen. Zum Theil gebieten uns Familien- und-Geschäftsrücksichten der Betheiligten Discretion, zum Theil sind es politische Interessen der wichtigsten Art, welche uns zur Wahrung des Geheimnisses zwingen. Gerade über die wichtigsten und weittragendsten der erzielten Erfolge können wir uns hier nicht so offen aussprechen, wie wir dies srlbst wünschten. Diese Erfolge haben uns aber, wie wir mit Befriedigung constatiren dürfen, die Ueberzeugung verschafft, daß die Abwehr gesetzwidriger Angriffe auf das Judenthum in Oesterreich noch lange kein fruchtloses Beginnen ist und daß unsere Glaubensgenossen in Oesterreich noch keineswegs recht- und hilflos dem Anstürme ihrer Widersacher preisgegeben sind. Unser Bureau hat vom 15. December 1897 bis zum 20. April 1898 in 82 Fällen intervenirt und Erhebungen gepflogen. Die überwiegende Mehrzahl dieser Fälle betraf galizische Vorfälle, so daß in Folge der weiten Entfernung und anderer localer Schwierigkeiten die Feststellung des thatsächlichen Sachverhaltes mit einem bedeutenden Aufwande an Zeit, Mühe und Kosten verbunden war. Aber gerade in diesen schwierigen Fällen hat sich unsere Organisation vortrefflich bewährt. In 19 Fällen haben wir eine tatsächliche Berichtigung in den betreffenden antisemitischen Blättern bereits erzwungen, in vier ES