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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Date
1898-03-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 10 Vloch's WochrnptzrM Seite 199 rührend lieblich aus, daß der stürmische Beifall, der ihr gezollt wurde, von Scene zu Scene wuchs, von Act zu Act sich steigerte und selten gehörte Dimensionen annahm. In den Zwischenacten hörte man vielfach die Aenßerung, daß, wenn Fräulein Marburg nicht eine so großartige Stimme besäße, sie unzweifelhaft ihre große dramatische Gestaltungsgabe befähigen würde, die lieblichen Bilder einer Desdemona, Jungfrau von Orleans, Clärchen und Gretchen in vollendet idealer Weise zu verkörpern.. Den Schwanenritter gab ein bedeutender Künstler, Cornelien ebenbürtig im Spiel und Gesang, und da Telramund und die böse Ortrud ebenfalls von bewährten Kräften gut dargestellt wurden, gestaltete sich die Vorstellung zu einer glänzenden und abgerundeten; zahlreiche Hervorrufe und Blumenspenden wurden am Schlüsse derselben Cornelien zutheil. Die Freunde zählten mit zu den Letzten, welche das Theater verließen. Cornelie hatte sich mit Frau Winter's Hilfe schnell der Prachtgewänder entledigt und trat den Freunden in ihrem alltäglichen grauen Kleide entgegen; während der Professor auf dem kurzen Wege zu dem nahen Hotel laut Cornelien beglückwünschte, ihrer Stimme Macht und Zauber ^bewunderte, hatte Dr. Seefeld nur einen stummen, aber doch beredten Händedruck als Dank und Anerkennung für das junge Mädchen. Es war dem Professor schon seit mehreren Tagen ausgefallen, daß Dr. Seefeld ernst, ja träumerisch einherging; es war kein Zweifel möglich, er war auf der richtigen Fährte, der Freund war in dem täglichen, häufigen Verkehr mit der jungen Sängerin dem Zauber ihres liebreizenden Wesens unterlegen! Als jetzt die Freunde durch die still gewordenen Straßen in der milden, sternenklaren Mondnacht ihrer Wohnung zuwanderten, der Professor in seiner lebhaften Art unermüdlich Corneliens seelenvollen Gesang, ihr dramatisches Talent pries, ohne auch nur durch ein einziges beistimmendes Wort des Freundes unterbrochen zu werden, schwieg auch er endlich und überließ in Erinnerung an das Dichterwort: „Wo still ein Herz in Liebe glüht, O rühret, rühret nicht daran". Dr. Seefeld seinen Gedanken; nicht durch vorzeitige Fragen, verfrühte, unzarte Anspielung wollte er den Freund, der auf dem besten Wege schien, sein Herz zu entdecken, verletzen, sondern ruhig warten, bis er ihn wieder sein Vertrauen entgegenbringen, ihm einen Blick in sein Herz gestatten würde. Was Dr. Seefeld sich bisher selbst nicht eingestehen wollte, wurde ihm von Tag zu Tag immer deutlicher, klarer bewußt; in unbezwinglicher Sehnsucht schlug sein Herz Cornelien entgegen, um ihr liebliches Bild bewegten sich seine Gedanken wachend und träumend. Die Liebe, welche er, der gereifte Mann, bisher noch nicht kennen gelernt hatte, denn was er einst für Blanca fühlte, war nur ein ruhiges Empfinden, das kurze Zeit sich steigernd, nur zu bald als flüchtiger Rausch, dem die Enttäuschung auf dem Fuße folgte, sich erwies, eine heiße, leidenschaftliche Liebe, ein brennendes, verzehrendes Verlangen „dieses Mädchen mußt Du zu erringen streben, dieses Mädchen mußt Du besitzen", war über ihn gekommen! Er, der längst begonnen hatte, sich als alternden, einsamen, stillen Gelehrten zu betrachten, er, der gefeit zu sein schien gegen die Macht jeglichen Frauenreizes, konnte nun von sich sagen: „Erröthend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt." Ob Cornelie seine Liebe erwiderte? Er glaubte vollberechtigt zu sein, sich diese Frage bejahen zu dürfen; alle Anzeichen schienen dafür zu sprechen. Corneliens zartes Antlitz überhauchte stets dunkle Purpurgluth, wenn er sie begrüßte, das Wort an sie richtete, und wenn er ihr oft fragend, tief, wie um ihr junges Herz zu ergründen, in die blauen, seelenvollen Augen blickte, senkte sie dieselben verwirrt und ihre süße Stimme bebte, wenn sie zu ihm sprach. Aber durfte er sich einer Liebe hingeben, die ihn mit seinem hohen Berufe in einen so -argen Conflict bringen würde, bringen mußte? Es war schon ungewöhnlich, daß eine junge Jüdin so frühzeitig die höchste Stufe der Vollkommenheit als Sängerin errungen und sich, ungeachtet ihr so viel gehuldigt wurde, dennoch den ganzen Glauben echt mädchenhafter Bescheidenheit, holdester Weiblichkeit bewahrt hatte! (Fortsetzung folgt.) Literatur. Der Hausadvocat für Jedermann, der auf Grund der neuen Civttprocetzgesetze fein Recht vor Gericht geltend machen will, von Dr. L. Berg, Wien. 1898. Verlag Moritz P e r l e s, Wien. I.. Seilergaffe 4. Preis broschirt fl. 1.80, elegant gebunden fl. 2.20. Das vorliegende, mit 47 Formularien ausgestattete Handbuch wird seiner Verwendbarkeit wegen Jedem willkommen sein. Dr. Berg schildert in gedrängter Kürze die Vorzüge des neuen öffentliche n mündlichen Verfahrens, erörtert die Gerichtsz u st ä n d i g k e i t, das Gerichtsverfahren, bespricht klar und allgemeinverständlich die Lehre von den B eweisen, die U r t h e i l s a r t e n, die besonderen Verfahrensarten und die Rechtsmittel. Hiebei wird auch das am 1. Juli ins Leben tretende Gesetz, betreffend die Gewerbegerichte, berücksichtigt. Eine ganz besondere Sorgfalt hat der Verfasser der neuen Executionsordn u n g gewidmet. _ Briefkasten. Wien. Mehreren Einsendern. Sie rufen ja dem Landtage ganz entsprechend stylisirte Nekrologe nach, aber das Aergste, was dieser sonderbaren aller Sessionen angethan werden konnte, bleibt doch das — Lob und die Anerkennung des Vergani, welcher sich, wie folgt, vernehmen läßt: „Zunl erstenmale hat die antisemitische Partei Gelegenheit gehabt, ihr Können in größerem Maße zu bethätigen, und sie hat bewiesen, daß sie ihre Versprechungen gegenüber dem Volke einhält und daß sie auch die Fähigkeit hat, Gutes zu leisten, kurz, daß sie will und kann." Wer lacht da nicht?! Und gleich noch weiter: „So ist denn das Wort, welches gestern der Landmarschall sprach, vollberechtigt: „DieThätigkeit des n iederö st erreicht schen Landtages in der ab gelaufenen Tagung war ein Ausfluß deutschen Ernstes, deutschen Geistes und der d e u t s ch e n T r e u e!" — Der Ernst des - Schneider, der Geist des — Gregorig und die Treue des-Gudenus!! Wien. Adolf R. Sie fragen uns, was die Annonce in den „Uuverfälschten deutschen Worten" Nr. 5 eigentlich bedeute: „Einige Taschenmerk-Zeitweiser 1888 in Ledereinband» die e r st jetzt von einem Buchhändler zurückgestellt wurden, können noch bezogen werden. Verwaltung des „Deutschvolklichen Taschenmerk-Zeitweisers", Wien, X1I/1, Ruckergasse 20 II, 10." Es handelt sich nur um — einen Kalender, wie uns ein wirklicher Aspirant auf eine definitive Anstellung im demnächst zu errichtenden großen deutschvolklichen Narrenhause mittheilte. — _ Ferner fragen Sie, wer in der nachfolgenden Briefkastennotiz desselben Blattes denn gemeint sein könne: „Freiwillige Feuerwehr Jahrings. An den Abgeordneten Schönerer gelangte unterm 2. Hornungs eine Zuschrift, in der es u. A. heißt: „Die freiwillige Feuerwehr hat in ihrer Hauptversammlung am 23. Eismonds einstimmig den Beschluß gefaßt, Se. Hochwohlgeboren Herrn Georg Ritter voil^Schönerer der vielen Verdienste wegen, die er sich um die deutsche Feuerwehrsache und insbesondere auch um die Feuerwehr Jahrings erworben hat, zum Ehrenmitglied e zu ernennen." Bedauern recht sehr, nicht dienen zu können. Ein „Ritter" dieses Namens ist uns vollständig unbekannt. Brünn. „K. K-r." Artikel dankend abgelehnt. Mit tollwüthigen Kötern polemisirt man nicht. Wien. Frau Fa—n. Sie theilen mit, daß im Hause Novaragasse 41, dessen Besitzer der fortschrittlichen Partei angehört, ein unhöflicher Hausbesorger mit Erfolg bestrebt ist, das Haus judenrein zu machen und die israelitischen Parteien chicanirt. Herrn I. L. in F. Die Bedeutung des Mannes wollen wir nicht verkleinern, seine Methode jedoch wird von vielen bedauert. Danksagung. Anläßlich meines 70. Geburtstages sind mir so viele sympathische und schmeichelhafte Glückwünsche zugekommen, daß es mir ein wahres Herzensbedürfniß wäre. Jedem einzeln meine dankbaren Gefühle ausdrücken zu können. Da mir dies jedoch physisch unmöglich ist, muß ich mich darauf beschränken, auf diesem Wege einem löblichen Vorstand der Wiener israelitischen Eultusgemeinde, dem geehrten Bethaus-Vorstande für den 16. und 17. Bezirk, dem geehrten Vorstande der „Chewra-Kadischa" für den 16. und 17. Bezirk, dem geehtten Vorstande des Humanitären Vereines „Gemiles Chesed" in Hernals, dem geehrten Vorstande des Vereines der Kinderfteunde für den 16. und 17. Bezirk, dem geehtten Vorstande des Vereines „Tischgesellschaft Humor", sowie Allen, die meiner gedacht haben, meinen heimlichsten, innigsten Dank zu sagen. LeopoldKohn, Wien, 6. März 1898. Restaurateur.

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