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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-18 · 7 (18.2.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 134 Vr. Vwch » MortzrnsthrM Nr. 7 . eröffnet werden. — Officielle Ziffern geben den Nachweis, daß im Jahre 1897 im Ganzen 54-20 erwachsene männliche Personen nach Afrika und Amerika ausgewandert sind. Davon sind über 5000 Juden. Moskau. Zur Judenfrage in Rußland liegen zwei beachtenswerthe Meldungen vor: In Moskau hatte sich eine jüdische Dame, die in einer Apotheke als Lehrling gearbeitet und nach Verlauf der Lehrzeit das Apothekergehilfenexamen bestanden hatte, an den Rector der Universität mit der Bitte gewandt, ihr zu gestatten, in die Zahl der Pharmaceuten ausgenommen und nach Absolvirung der Studien zum Provisorexamen zugelaffen zu werden. Der Rector schlug diese Bitte rundweg ab. Run wandte sich die Petentin an das Ministerium und erhielt sofort die Erlaubniß, ihre Studien zu beendigen, um hernach ein Provisordiplom erlangen zu können. Dieses ist der erste Präcedenz-Fall. — Der „Syn Otetschestara" theilt mit, daß das Ministerium des Innern binnen Kurzem die Fragen über das Domicilrecht der jüdischen Handwerker außerhalb des sogenannten „Rayons der beständigen Ansäffigkeit der Juden" untersuchen und in allen Einzelheiten klarlegen wird, damit „die Juden zu ihrem Rechte kommen". Jerusalem, 2. Jänner. Dem „Jewish Chronicle" wird über das hier zu erbauende jüdische Spital geschrieben: »Die fortwährende Bemühung des Miffionshospitals und der von den Rabbinern erneuerte losur gegen die Freqnentirung dieses Hospitals, dessen Hauptzweck Seelcnfängerei bildet, haben, namentlich nach den jüngsten von Ihnen berichteten Ereignissen, die besondere Aufmerksamkeit auf den von dem Frankfurter Eomite unternommenen Bau eines neuen großen jüdischen Spitals gelenkt. Es ist einleuchtend, daß es nicht genügend ist, wenn man die arme jüdische Bevölkerung von beit Anstalten der Missionäre znrückhält, sondern, daß wir den Verhältnissen entsprechende Fürsorge für die Armen zu tragen haben, so daß diese keinen Anlaß haben werden, das Missionshospital aufzusuchen. Die bereits bestehenden jüdischen Hospitäler, so verdienstvoll sie sind und wirken, enthalten zusammen nur 90 Betten, welche in keinem Verhältnisse zu der Zahl der Kranken einer armen Gemeinde von 30.000 Seelen stehen. Um Ihnen einen schwachen Begaff von der Höhe der Krankheitsfälle zu geben, theile ich Ihnen mit, daß Herr Dr. Wallach allein in neun Monaten von 30.396 Kranken ausgesucht wurde und 3019 Personen besucht hat. Als Begleiter des Herrn Dr. Wallach überzeugte ich mich persönlich, wie geradezu tödtend die dumpfen Räume sind, in denen die meisten Kranken der armen Bevölkerung sich befinden, und die höchst traurige Erscheinung konnte mir leicht erklären, daß ein großer Percentsatz dieser Kranken wenig oder gar keine Aussicht auf Rettung hat, während sie in den luftigen Rimmen eines nach allen Gesetzen der Hygiene erbauten Spitals bei entsprechend guter Verpflegung in überaus vielen Fällen vollständige Genesung erlangen würden. Sie und Ihre geschätzten^ Leser ersehen daraus, welch' großem und unabweisbarem Bedürfniß das neue Spital entsprechen und welche Fülle von Wohltaten für unsere armen Glaubensgenossen dasselbe auszuüben bestimmt sein wird. Der Neubau, den ich in Augenschein nahm, macht die erfreulichsten Fortschritte. Mehr als 100 Arbeiter — darunter 85 Glaubensgenoffen — sind an demselben beschäftigt. Daß so viele arme Juden Arbeit und Brot bei dem Bau gefunden haben, ist an sich ein erfreuliches Resultat; es haben sich sogar mehrere Hundert gemeldet, die aber auf einmal nicht-verwendet werden können, und dabei ist die Arbeit eine sehr schwere. Die Kosten des Baues sind auf 300.000 Mark geschätzt, der Plan ermöglicht auch eine Erweiterung des Gebäudes. Es ist zu constatiren, daß das Frankfurter Comits (Herr Dr. R o o s fungirt als Ehren-Schriftführer) entschlossen ist, eure Institution mit allen sanitären, hygienischen und architektonischen Erfordernissen zu errichten und nicht auf halbem Wege stehen bleiben wird. Ein solches Unternehmen wahrer Humanität verdient gewiß die Mitwirkung aller unserer Glaubensgenossen, rn welchen Ländern sie auch wohnen und welche Ansichten über Jerusalem sie auch haben." NewHork. Die Gesellschaft für jüdische Freischulen hat kürzlich ihre Jahresversammlung im Tempel Emanu-El abgehalten, doch war die Betheiligung des Publicnms ungemein gering. Der Bericht über die Thätigkeit besagt, daß in den 65 Claffen der Gesellschaft circa 3500 Knaben und Mädchen Religionsunterricht genießen. Wie groß diese Zahl auch scheint, so klein ist sie gegenüber der Thatsache, daß mehr als 30.000 jüdische Kinder in unserer großen Gemeinde keinerlei Religionsunterricht erhalten. Die Einnahmen betrugen circa 35.000 Mark, doch überschritten die Ausgaben die Einnahmen nicht unerheblich. Leider ist die Interesselosigkeit des jüdischen Publicnms so groß, daß mir besondere Veranstaltungen, wie Bazare, Ausstellungen rc., seine Gebelust anspornen können. Die Chanukawoche wird überall zu besonderen Veranstaltungen benutzt, und auch bei uns at mau dies gelernt. So veranstaltete die Schwesterschaft der West Eud Synagoge eine Kirmeßfeier zu wohlthätigen Zwecken Der Verein für Religionsunterricht gab am Sonntag den 19. December ein Concert mit Stücken aus Judas Maccabaeus von Händel. Die Schwesterschaft Bnai Jeschurun macht ihrerseits einen Chanukabazar am 28. und 29. December und so weiter in infinitum. Seitenlang könnte ich aufzählen, wollte ich alle die Feste und Festvorträge angeben, die in der zweiten Hälfte des December in der hiesigen Judenschaft veranstaltet werden. Selbst eine Aufführung des „Mikails" muß denselben Zwecken dienen. Hoffentlich bezeigt sich das Publicum dankbar und belohnt die Mühe der Arrangeure, indem es einen Goldregen ans die wohlthätigen Institutionen niedergehen läßt. Bombay. Die leider immer noch steigende Wuth der Pest hat die Notabilitäten der hiesigen jüdischen Gemeinde veranlaßt, eine Versammlung einzubcrusen, um ein eigenes Pestspital ins Leben zu rufen. Allgemein ist das Bedürfniß anerkannt worden und eine Commission mit der Aufgabe betraut, die nöthigen Schritte zu thun, um bald ein Pestspital zu eröffnen, während eine zweite die nöthigen Sammlungen hier und in London ins Leben rufen soll. Wir hoffen auch auf die Hilfe von Waldemar Mordechai Haffkine, dessen Pestsrrum, wenn es auch nicht unfehlbar ist, doch die glänzendsten Erfolge hat. So in Kirkee, wo von 1530 Einwohnern 671 geimpft wurden, während 859 sich weigerten. Von den Geimpften erkrankten 32, davon 17 tödtlich, von den andern aber 143, davon 98 tödtlich. In Sanowli wurden von 700 Einwohnern 323 geimpft, davon erkrankten 14 und starben 7 au der Pest. Von den nicht geimpften 377 aber wurden von der Seuche befallen 78 und erlagen ihr 58, ei» zehnfach höherer Theil. Vermischles. Wien. Der Verein zur Abwehr des A n t i s e m i t i sm u s veranstaltet Montag den 21. d. M., 8 Uhr, im Hotel de France, Schottenring Nr. 3, einen Discussions-Abend, zu welchem Eintrittskarten — gegen Vorweisung der Mitgliedskarte — in der Vereinskanzlei, I., Dorotheergasse Nr. 12, II. Stock, erhältlich sind. W,en. Herrn Polizeirath Frankl ist in Würdigung seiner »hervorragenden Leistungen von Seiner Majestät der Titel eines Regierungsrathes verliehen worden. Diese Auszeichnung des vortrefflichen Beamten hat nicht verfehlt, alle seine zahlreichen Freunde sehr zu erfreuen. Wien. (T r a u n n g.) Sonntag den 20. Februar d. I., 7,4 Uhr Nachmittags, findet im Tempel I., Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein I d ä K o h n, Tochter des Herrn Nathan Kobn, mit Herrn Emerich Herzog, Sohn des Herrn Wilhelm Herzog, statt. Wien. Es dürste gewiß viele Leser interessiren, daß Herr Emil B a r n ch, Besitzer des Hotel New-Dork in Marienbad, der einzige Jude war, der in die Jury der Kochkunstausstellung berufen wurde und zu diesem Zwecke auch eigens nach Wien reiste. Wien. (E r n e n n u n g.) Herr Emil Fuchs, Volksschullehrer in Döbling, ist zum Oberlehrer der Knaben-Bolksschule im II. Bezirke, Kleine Sperlgasse Nr. 2, ernannt worden, Wien. (Jüdisches Musen m.) Der Vortrag des Herrn Dr. Gustav K a r P e l e s-Berllin: „I ü d i s ch e T r o ub a d o u r s und Minnesänger" findet D o n n e r st a g d e n 24. Februar, halb 8 Uhr Abends, im Festsaale des Niederö st erreich i scheu G e w e r b e verein e s, I., E s ch e n b a ch g a s s e 11, statt. Die Kartenausgabe erfolgt von Montag den 21. d. M. angesangen, an diesem Tage für Mitglieder, und an den darausfolgenden Tagen für Nichtmitglieder im Bureau der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums, I., Rathhausstraße 13, Hochparterre links,-.2 bis 4 Uhr Nachmittags. Wien. (C o n c e r t.) Am Montag den 21. Februar wird die jugendliche Pianistin Fräulein Gusti Meitner im Saal Bösendorfer ein Concert mit sehr interessantem Programm ver- , anstalten, zu welchem die Nachfrage um Karten schon jetzt eine sehr rege ist, weshalb es angezeigt sein dürfte, sich rechtzeitig mit Billetten zu versehen. Die junge Künstlerin ist schon wiederholt vor die Oeffentlichkeit und stets mit großem Erfolg getreten — im Concert Lillian Henschel u. A. — und man darf auf i ihr erstes eigenes Concert gespannt sein. Vor Kurzem stellte sie

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