Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die gefsmmien Interessen des Iudenthums. R. k. PostsparksUrn-Nml Tlrarinsverkrhr Nr. 610.976. DrLsrtton und Administration: Wien N.» NnLerr Nusnrtrnfte. Ls. Telephon - Nr. 6535. -• — —^- Wien, 11. Februar 1898. -H Erscheint jeden Freitag. -l <■ «4- Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Zach. Telegramm-Adresse: Bloch s Wochenschrift Wien. *==-:- -r I Srzugsvrris fiir Vrstrrreich: '> Halbjährig 4 fl. 8 Kr. |j Einzelexemplare SS kr. j; Lür's Ausland: jj ] halbjährig 6 fl. — 10 Kr. j ganzjährig 10 „ 30 „ j | 'Anzeigen: Die 4m al gespaltenr! i Pekitreile 12 kr.!. Inhalt. Leitartikel: An Emile Zola. — „Unton" contra ©regortg. — „Ein unterschlagener Brief." Zur zionistischen Propaganda. Zur Klarstellung. Das Fiasko des Balles der Stadt Wien. Die volkswirthschaftlichen Resultate der antisemitischen Politik in Oesterreich. Arische Nächstenliebe. Zur Schächthetze im niederösterreichischen Landtag. Der holländische Kriegsminister gegen die Schächthetze. Jugendlectüre. — Antisemitische Kritikaster. — Zur Lage der Juden in Rumänien. — Korrespondenzen: Wien. Franzensbad, Lemberg. Skole, Krakau, Auspitz, Beraun, Agram, Hlinik, Berlin. Breslau, Lübeck, Hildesheim, Paris, Algier, London, Chicago. — Vermischtes: Wien, Göding, Lemberg, Dornawatra, Mißlitz, Strakonitz, Boskowitz, Mährtsch - Weißkirchen, Prag, Teschen, Berlin, Petersburg. — Feuilleton: Spätes Glück. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. — An Emile Zola. short yos\ Ps. 137, 9. Madame Justiee, die Bind’ um Aug und Stirne, Die thronte hoch mit Waage und mit Schwert, Doch die Erhabne sank zur niedern Dirne, Von Pfaffen und Soldaten stark begehrt. Die Waage schwankt, das Aug blinzt durch die Falten, Und ein und zwei Mal log sie falsch Gewicht — So wie die Magd die Weisung hat erhalten, Nachbuchstabiiend sie das Urtheil spricht. Da zog Zola ergrimmt sein Schwert vom Leder Und warf ihr in die Schale seine Feder! Ihn ekelt vor des Dichterruhms Chimäre — „Nehmt ihn zurück nur, die ihr feil und schlecht, Wer Ehren theilt, muss selber haben Ehre, Gebt erst der Unschuld ihr verkürztes Recht! Ich klage an! Ein Mensch büsst über’m Meere, Der Lüge Opfer und der Corruption! Ich klage an die Führer Eurer Heere! Ich klage an, begehre Revision! “ Da öffnet sich nochmals nach seinem Worte, Jedoch für ihn nur des Gerichtes Pforte! Nun staunt die Welt, wie frech das Recht sie beugen, Wie rasch zur Farce wird das Trauerspiel : Nur fort mit Euch, ihr unliebsamen Zeugen! Und ja kein Wort, das „oben“ nicht gefiel! Madame Justiee gibt Blosse sich um Blosse, Die Säbel rasseln merklich hinter ihr — Zola, Du „Fels“ in unbeugsamer Grösse, Zerschmettern wird der Feinde Wuth an Dir! Schau streng und|ernst herab auf das Gelichter Und sprich das Urtheil über Deine Richter i A. F—nn. „Union" contra Gregorig. Die antisemitische Schwefelbande bleibt sich überall gleich. Sie lügt, verleumdet und vernichtet Existenzen, und tritt dann die Wahrheit auf den Plan, so unterdrückt sie deren Stimme. Das sehen wir gegenwärtig an eineni welthistorischen Processe, der sich in Frankreich abspielt, das zeigt sich aber auch bei uns in kleineren Dingen. Am 16. Jänner d. I. brachte das „Deutsche Volksblatt" die Nachricht, daß der „Hilfsverein für weibliche Angestellte" in Berlin eine Liste derjenigen Chefs und Leiter von Handelsbetrieben angefertigt habe, die sich ihrem weiblichen Personale gegenüber Uebergrisfe in sittlicher Beziehung zu schulden kommen lassen. Das „Deutsche Volksblatt" schlug aus dieser Meldung sofort Capital gegen die jüdischen Chefs und fügte hinzu: „Wir meinen, eine solche Schutzactiou wäre im Interesse unserer armen Christenmädchen in Fabriken, Confectionshäusern rc. auch in Wien am Platze." Schöne Seelen finden sich! Herr G r e g 0 r i g griff eiligst diese Pauschalverleumdung auf und wiederholte dieselbe unter dem Schutze der Immunität von der Landtagstribüne herab. Auch er erklärte es für feststehend, daß sich die Action des Berliner Vereines ausschließlich gegen jüdische Chefs und Betriebsleiter richte und daß es sich dabei blos um den Schutz von Christeumädchen handle, auch er bezeichnete die Gründung eines ähnlichen Vereines für Wien als dringend nothwendig, um zu verhindern, daß Christeumädchen in jüdischen Geschäftshäusern „der Schande verfallen". Der Verein „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" hat es nun für zweckmäßig erachtet, in die antisemitische Lügenwerkstätte einmal gründlich hineinzuleuchten und die Verleumder in ihrer ganzen Erbärmlichkeit und Feigheit zu zeigen. Er wendete sich zunächst an den Urheber der vom Berliner „Hilfsverein für weibliche Angestellte" eingeleiteten Action, Herrn Rechtsanwalt Dr. Bieber, um ein authentisches Zeugniß darüber, ob diese Action thatsächlich einen confessionelleu Charakter trage. Herr Dr. Bieber äußerte in seiner Antwort seine Entrüstung über die Unverfrorenheit, die fragliche Sache im antisemitischen Sinne auszunützen, und schrieb wörtlich: „Es dürfte genügen» wenn ich Ihnen mittheile» was ja allerdings bei den Principien der Gesellschaft selbstverständlich ist, daß in der Ethischen Gesellschaft — in welcher ich seinerzeit die fragliche Mittheilung machte — eine ganze Anzahl Mitglieder Juden sind.