Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 4 (28.1.1898)
- Date
- 1898-01-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 80 N 4 Vr. Vloch's Mochrnfchrtf Ersterer spielte daun eine beliebige Karte aus, da er ungewiß war, ob diese oder jene Karte zum Ausspielen die empfehlenswertheste sei. In derselben Ungewißheit fiel die zweite, dritte und vierte Karte. „Herz ist Trumpf/ rief der Rabbi, statt der Karte den Brief desNothleidenden ausspielend, „und wenn ich nicht irre, so habe ich das Spiel gewonnen!" Er nahm die 10 Ducaten aus der Untertasse, schob sie an sich heran und deckte die Tasse darüber. Die Mitglieder ließen es geschehen. „Wenn ich gewonnen habe/ sagte der Rabbi, die Tasse umdrehend und das Gold hineinlegend, „so kann ich ja wohl auch über meinen Gewinn verfügen." „Natürlich pflichtete das Quartett bei. „Gut'/ sprach der Rabbi, sich erhebend und öffnete die Thüre. „Herein, meine Tochter! ries er das draußen wartende Mädchen. „Sage Deinen Eltern, der Rabbi hätte heute in der Reffource Karten gespielt und gewonnen, er schickt Euch seinen Gewinn/ Dabei wollte er dem Mädchen den Inhalt der Tasse überreichen. „Bitte, ein Wort / sagte ein Mitspieler, welcher den Brief gelesen hatte. „Ich hätte wahrscheinlich nur um einen Ducaten gespielt, wenn ich von der Partie gewesen wäre, aber ich hätte bei einem solchen Trumpf ganz sicher das Spiel verloren!" Mit diesen Worten legte er einen Ducaten in die Tasse. „Uns Men wäre dasselbe Malheur passirt!" rief ein Zweiter aus der Gesellschaft, deren Mitglieder inzwischen sämmtlich Kenntniß von dem Briefe genommen hatten, und bald war die Taffe bis zum Rande mit Gold gefüllt. Weinend barg das Mädchen die ziemlich bedeutende Summe in ihrer Schürzentasche. Sie fand zu Hause ihre Eltern in Thränen. Die Erzählung von dem Spiel des Rabbi in der Ressource machte die . Thränen nur noch reichlicher fließen, aber es war eine andere Sorte. (R. W. M. Bl.) Briefkasten. Wie«, Adolf E—r. Wir begreifen vollkommen Ihren Unmuth, denn Moniteur Vergani findet mit gewohnter Unverfrorenheit („Deutsches Volksblatt" vom 22. d. M.,) daß das „sichere und einfache Auftreten E st e r h a z y's , jeden guten Franzosen erfreut Hab c." Wir sind. auch vollständig überzeugt, daß Esterhazy von dein Ehrenobligationär von Mühldorf, falls er ihn kennen würde, außergewöhnlich entzückt wäre. Budapest, Aladar T—y. Ihre Anregung trifft merkwürdiger Weise mit dem Vorschläge der Brüsseler „Reforine" zusammen, daß an dem Tage, an dem Zola vor Gericht erscheint, in der ganzen gesitteten Welt alle Diejenigen, die sein muthiges Eintreten für Wahrheit und Gerechtigkeit billigen, ihm ein Zeichen ihrer Sympathie übermüteln, sei es brieflich, sei es telegraphisch. An dieser Kundgebung, die nicht ohne Wirkung bliebe und gewiß dem Angeklagten zur Ermuthigung dienen würde, könnten sich einzelne Personen wie auch Vereinigungen, Zeitungen u. dgl. betheiligen. Die „Reforme" schlägt vor, für sämmtliche Kundgebungen die gleiche Adresse zu wählen: „Zola, cour d’assises Paris." Czeruowitz, „Neugieriger Kaufmann". Bedauern ungemein, aber eine Zeitungsredaction ist doch kein Jnformationsburcan. Meran, „Ypsilon". Aufsatz über Dreyfus von hervorragender Unverwendbarkeit. Ihre Schreibweise erinnert lebhaft an: „Wenn sich der Schwäche Kraft in der Erreichung dunkler Ziele hat gesondert und wie auch des Gelingens hulderwerbende Nachsicht dünkt, dann ist ihrer Güte Muth des Strebens u. s. w." — Suchen Sie doch andere Muster! Troppau, „Treuer alter Leser". Sie senden uns einen Ausschnitt aus dem „Deutschen Volksblatt" Nr. 3252: „Unterröcke vor Gericht." Sie haben Recht — frivol, ordinär, sittenlos! An „einem Theater in Deutschland" hat sich datz ereignet? Wo denn, wenn man fragen darf? Und die Tänzerin drohte dem sparsamen Director, ohne Unterröcke zu tanzen? — Alles müßig und albern, Erfindung irgend eines nicht blos sensationslüsternen Ehrenbürgers. Wieselburg, „R— " Börne sagte schon 1819: „Es wird mit der schamlosesten Heuchelei gegen die Juden zu Werke gegangen, es werden lügnerische Behauptungen mit solcher Keckheit geführt, daß selbst Gutgesinnte dadurch getäuscht werden, weil sie nicht glauben können, daß man sie so plump betrüg e n w o l l e." Wien, K. Sch. Wir können doch nicht jede antisemitische Albernheit gleich zum Gegenstand eines Leitartikels nehmen. Dem großen Strategen Gregorig — Avenue mit Kanonen — lächerlich zu machen, überlassen wir lieber ihm selbst. Er besorgt das am Besten. Budweis, Eorrespondenl ..E. R." Sie regen an, daß in Böhmen politische Vorträge zur Aufklärung der Judenschaft in Bezug auf ihre Stellungnahme in den nationalen Kämpfen gehalten werden sollten. — Für alle Mittheilungen verbindlichen Dank. Wien, Eduard T. Unter der Spitzmarke „Einjüdischenglischer R a u b z u g" zetert das Blatt des Vergani gegen die Auer-Beleuchtung. Wir vermutheu, daß es bald seine Ansicht ändern wird. Es wird in kürzester Frist sich von der vollständigen Unrichtigkeit seiner Information in dieser Sache überzeugen. Die Engländer Räuber! Weil sie mit dem Herrn Hraba keine Geschäfte abschließen wollten, müssen sie sich die Vergaui'schen Liebenswürdigkeiten an den Kopf werfen lassen. Rabb. Dr. Spira in Mähr.-Ostrau. Eine solche Anstalt in Wien oder in Oesterreich ist uns unbekannt. Przemysl, „S. M." Ihr jedenfalls gut intentionirtes, allegorisches Märchen „Zu spät" hätte für uns gar nicht spät genug eintreffen können. — Sy ring a vulgaris, der gemeine Flieder, auch „Holle r" genannt! Wien. „Leser des Amtsblattes der Stadt Wien". Das Kirchenmeisteramt zu St. Stephan hat auf die Entfernung eines armen Teufels von Maronibrater von seinem nächst der Domkirche, gegenüber dem fürsterzbiscköflichen Palais, befindlichen Standplatz angetragen. Der Referent und die Barrierestockpartei stimmten zu. „Was Ihr dem geringsten meiner Brüder thut, das habt Ihr mir gethan." Prag. Leopold F. V e r g a n r ist dem Wolf ’ir um das gute Geschäft neidig. Lesen Sic, was er schreibt: „W o l f ist wohlbehalten in Prag angekom i an der Sammelstelle der Reichsgoldstücke, mit denen man ihn von allen Seiten in Deutschböhmen bombardirt. Jeder Zwischenruf seinerseits im Landtage ist ein Zug an der Pumpe, durch die sich netter Rebbach in seine Taschen, die er sich seit Monaten immer vergrößern lassen mußte, ergießt." Prag. M. P. Ueberholt. Wurde schon gebracht. Wien. D. W. Wir bedauern, diesmal wegen bereits in Satz gegebenen gleichartigen Materials dankend ablehnen zu müssen. Bern. Prof. Dr. Lndwig Stein. Wir werden Ihr freundl. Schreiben dem Herrn Verfasser des betreffenden Artikels zugehen lassen. Marcus. O nein! Gregorig's Abenteuer beim Wimberger sind arische Familienangelegenheiten. A. L. 100. Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rothenthurmstraße 22. Prag. „Ein Abonnent". Warum Sie uns Ihre Ansicht über die — Orgel — für die Orgel — anonym zusandten, ist ein Ueberschuß von Discretion! Alles Anonyme — Papierkorb! I. W., Wien. Freilich wäre es herrlich, wenn Tolstoi in der Dreyfus-Affaire seine Stimme erhöbe! Viele wundern sich mit Ihnen, daß er es bis nun noch nicht gethan hat. Billiges Silber. Der seit Jahrhunderten nicht beobachtete billige Silberpreis, welcher in den meisten Minen kaum die Erzeugungskosten deckt, läßt eine Preissteigerung dieses stets beliebt gewesenen Edelmetalles fast sicher erwarten. Diesem Umstande danken wir es, daß die industrielle Verwerthuug dieses Metalles ganz ungeahnte Dimensionen aufweist und z. B. in Oesterreich (ohne Ungarn) laut Ausweis des k. k. Punzirungsamtes Wien von 29 Millionen Kilogramm im Jahre 1885 aus 52 Millionen Kilogramm im Jahre 1895 (also um 80 Percent) gestiegen ist! Die seit altersher geübte Sitte, Hoch zeits gescheute, Jubiläumsgeschenke nur in echtem m a s s i v e n Silber zu kaufen, gewann hiedurch neue Nahrung, und ist es interessant, zu sehen, wie Cassetten, enthaltend echt silbernes, massives silbernes Eßbesteck, welches früher die kühnsten Träume einer schönes Tafelgeräth liebenden Hausfrau bildeten, nunmehr um weniges Geld zu haben und selbst in bescheidenen Familien vielfach anzutreffen sind. Der Silberwaarenerzeuger Max Schwarz, VI., Mariahilferstraße Nr. 29, I. Stock, welcher den Verkauf des Silbers zum Tagescourse besorgt, hat diesfalls einen interessanten illustrirten Preiskatalog zusammengestellt, welcher Jedermann gratis und ftanco zugeschickt wird und welcher ungemein anziehende und interessante Daten enthält. Da e ch t e s, massives Silber sich in der Stunde der Noth denn doch immer als „treu gebliebener Freund" erwiesen und sich auch als solcher stets erweisen wird, glauben wir, unseren Lesern empfehlen zu sollen, die günstige Gelegenheit zum Ankäufe echter Silberwaaren zu benützen. Wir bitten die geehrten Leser, bei Zuschriften an die in unserem Blatte inserirendrn Firmen sich stets auf Dr. Bloch's „Oeyerreichifche Wochenschrift" zu beziehen; ferner in Hotels, Restaurants, Cafes, Pensionen, an Bahnhöfen, in Lesezimmern immer wieder nachdrücklichst Dr. Bloch's Wochenschrift verlangen oder eventuell wohlwollend empfehlen zu wollen. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.