Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 1 (7.1.1898)
- Date
- 1898-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 1. Dr. Bloch’s Iahr-sng XV. ♦ f ♦ Cenkrslorgsn für die gefammtrn Interessen des Iudenthums. - - —^- Men, 7. Jänner 1898. -- —■>—<■ »«j»- Erscheint jeden Freitag. -•» <■ «-*■- Lries-dldrkffe: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. m= Btfngamcetg plr Srstrrrrlch Halbjährig 4 jl. 8 Jtr. Einzelexemplare 16 fr. Wr'» Ausland: halbjährig 6 fl. 10 £r. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Peiitzeile 12 kr. S. ft. Postsparftassrn-Amt ClesringvrrKehr Nr. 610.976. Ardartton und Administration: Vien tl., Untere Vngartrnstr. is. Telaphon - Nr. 6535. « ' ~ -* Inhalt. Leitartikel: Baron Rothschild und die rumänischen Judenplündernngen. — Bismarck, der „Antisemit". — Antisemitismus und Parlamentarismus. — Russische Erlebnisse und Eindrücke. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das gescheiterte Gasanlehen. Goethe „judenliberal". Ein jüdischer Staatsanwalt. Die Defraudation der judenreine» Krakauer Versicherungsgesellschaft. Ein General als Wucherer. Der gute Ton.der antisemitischen Parlamentarier. Die Schächtmethode iii der deutschen Militär- Verwaltung. Mickiewicz im Lichte der neuesten Forschung. Hochstapler oder geistesgestört? Jüdische Bilder. „Statistik". Der „bestochene" Lessing. Proselyten-Dörfer. Juden auf dem Schlachtfeld. — Generalversammlung des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirke. — Bernhard Ehrenthal. — Correspondenzev: Wien. Amstetten, Skotschau, Mährisch-Ostrau, Berlin, Hamburg, Westhofen, Jassy. — Vermischtes: Wien, Ungarisch-Brod. Lemberg, Troppau, Hullein, Nikolsbnrg, Holleschau, Neutra, Agram, Kostet, Zwierzyniec, Berlin, Paris. — Feuilleton: Chanukalichtchen. — Literatur. — Briefkasten. J%ur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen die P. T. Herren Abnehmer, deren Pränumeration ru Ende dieses Monats abläuft, sowie auch Diejenigen, die mit ihrem Abonnement noch im Rückstände stnd» dir Erneuerung desselben möglichst bald vornehmen?u wollen, damit keine Störung in der regelmäßigen Zustellung der Zeitung rintretr. Die Administration der „Oestrrreiarischrn Wochenschrift". Varvn Rothschild und die rumänischen Judenplündernngen. Constantinopel, 2. Jänner 1898. Die „O österreichische Wochenschrift" hat in ihrer letzten Nunlmer, unter Bezugnahme auf die im Jahre 1895 durch ein Sendschreiben Dr. Bloch's an das italienische Parlament vereitelte Sympathiekundgebung des letzteren für Rumänien, eine Reihe von Aeußerungen italienischer Blätter über die jüngsten rumänischen Barbareien gegen die dortigen Juden veröffentlicht. Die öffentliche Meinung Italiens ist von ihren Sympathien für die stammverwandten Rumänen gründlich geheilt, seit es sich gezeigt hat, daß das junge Königreich an der unteren Donau nur mit dem äußeren Anstrich eines modernen Staates überfirnißt ist, in seinem Kerne aber sich als unfähig erweist, den Anforderungen europäischer Civilisation zu entsprechen. . Bemerkenswerth aber ist auch die einmüthige Stellungnahme der Türkischen Presse gegen die barbarischen Judenverfolgungen in Rumänien. Der „Mahumat", ein officielles Regierungsorgan, übt eine scharfe Kritik an dem Verhalten der Regierung und Polizei in Bukarest, welche die Excesse augenscheinlich förderten. Der „Stamboul", welcher mehr die politische Seite in Erwägung zieht, verweist auf die Verletzung des Artikels 44 des Berliner Vertrages durch die rumänische Regierung. Das Blatt wünscht wenigstens der Hoffnung sich hingeben zu dürfen, daß die Barbarei endlich einer humaneren Auffassung der Regierungspflichten auch in Bukarest weichen werde, uni jener Cultur gerecht zu werden, deren man sich so prahlerisch rühmt. Nur in einem einzigen Punkte ist Rumänien bisher dem Beispiel der Culturstaaten gefolgt: im Punkte des Schuldenmachens. Die Bojarenwirthschast und der national-chauvinistische Großmachtdünkel haben Rumänien seit seiner Erhebung zum Königreiche in eine traurige finanzielle Lage gebracht. Die rumänischen Staatsmänner wußten jedoch immer das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Sie bedrückten die einheimischen Juden, gingen aber zu den ausländischen Juden pumpen. Die Sache hat ihre zwei Seiten. Sie beleuchtet nach der einen Richtung die schäbige Moral der judenfeindlichen rumänischen Regierungen, die zu Hause die Juden wie die Zigeuner behandelten, auf. dem europäischen Geldmärkte aber den jüdischen Geldverleihern nachliefen, und sie kennzeichnet nach der anderen Richtung die Scrupellosigkeit, die das Welthaus Rothschild bei der Placirung seiner Capitalien bekundet. Es ist überaus charakteristisch, daß die jüngste große Anleihe, welche das Welthaus Rothschild mit Rumänien abschloß, in die Zeit der ärgsten Bedrängniß der rumänischen Juden, im Frühjahre 1896 unter dem Ministerium Sturdza, fiel. Diese Regierung hat selbst die im Lande geborenen Juden als „Fremde" stigmatisirt, sie hat ihnen die Ausübung der Advocatur und der ärztlichen Praxis verwehrt, sie untersagte ihnen die Beschäftigung mit den wichtigsten Handels- und Gewerbezweigen, sie verschloß den jüdischen Kindern den Zutritt zu den Volksschulen und höheren Bildungsanstalten, sie verweigerte ihnen das Wahlrecht und gestattete ihnen blos, als gemeine Soldaten, ohne Aussicht auf irgendwelche Beförderung, sich für das „Vaterland" todtschlagen zu lassen, ein Recht, das, so zweifelhaft es auch sein mag, nun auch noch in demüthigendster Weise den Juden genommen werden soll. Und in dem Augenblicke der härtesten Verfolgung und Bedrückung schloß das Haus Rothschild mit Herrn S t u r d z a die 4percentige Anleihe ab und unter den Prospecten derselben prangte wie zum Hohne der niedergetretenen jüdischen Bevölkerung Rumäniens stolz und groß der Name Rothschild. Sie veröffentlichen in Ihrer letzten Nummer einen Auftuf der Bukarester Arier, in dem es heißt: „Der Kampf» der zwischen uns und den Juden entbrannt ist, ist ein Kampf auf Leben und Tod, er ist eine Bedingung unserer Existenz als Nation."