Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021222--07431-3031759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
OCR text
Nr. 53 Vr. Vloch's »ortzrnptzrist Seite 107 t Juden in Europa vor, daß sie nicht genug für die Armen der Aermsten in Persien thun. Mit Männern wie Poljakoff im Norden, den Sassoons im Süden, müsse es ein Leichtes sein, große Resultate zu erzielen." Als ihm der Interviewer entgegenhielt, daß die Alliance beabsichtige, in Teheran eine Schule zu errichten, deren Director auch als Vermittler zwischen der Regierung und den Juden in Persien fungiren könne, antwortete ihm der General: Es ist ein Fehler, die -schule in Teheran zu | errichten, denn hier unter den Augen der europäischen Gesandten ' geht es den Juden verhältnißmäßig gut. Aber in den anderen Städten Irans sind sie weit schlimmer daran, jedem fanatischen Mollah preisgegeben und hier wäre Aufsicht durch europäische Beamte sehr nöthig. Gefragt, was es mit den 400 jüdischen Familien auf sich hätte, die 1892 angeblich nach Jerusalem ausgewandert seien, von deren Ankunft man doch aber gar nichts gehört habe, antwortete Gordou, daß ihm der Gouverneur von Schiras die Geschichte erzählt habe, dieselbe sei vielleicht nach orientalischer Manier übertrieben, aber er freue sich, daß dieselbe im Kerne wahr sei, denn sie beweise, daß auch bei den persischen Juden der nationale Geist noch nicht erloschen sei. Die Emigranten zogen von Schiras nach Buschir, dann nach Bassorah und weiter nach Bagdad. Bon da ist ihre Spur verschollen und die meisten sinsicher zu Grunde gegangen. Eine Anzahl Familien ist aber doch nach Jerusalem gekommen, freilich zum Theil in großem Elend und die westeuropäischen Juden mußten sich ihrer dort aanehmen. Gvrdon schloß das Interview mit der abermaligen Mahnung dahin zu wirken, daß die Juden Europas eine ständige Vertretung mindestens in Teheran eiurichten. New-Zork. Die Schwesterschaft des Tempels „Emanuel" hält jetzt einen Bazar mit Ausstellung ab. Zweifelhaft bleibt ihr nur der Gelderfolg und das wäre sehr bedauerlich, denn die Schwesterschaft leistete wirklich sehr große Dienste zum Nutzen der armen Juden in unserer Stadt. Die »Listerdoock Emanu-EU zerfällt in 8 Sectionen. Die 1. Section heißt „Die Freunde der Armen und Kranken", sie leistete Hilfe in 1357 Fällen, vertheilte 1362 Anzüge, 330 Pallete Materialien, 66 Flaschen Wein, 133 Tonnen Kohle. Section 2 heißt „Die Freunde der arbeiteudell Mädchen", sie nnterhi-lt Unterrichtscurse in Schneiderei und Buchführung, sowie in augenblicklicher Hilfeleistung bei Unglücksfällen und im Studium der Bibel. 96 Mädchen nahmen an diesen Cursen theil. Die 3. Section, „Unterricht in Handarbeit", unterhielt Curse für Nähen und Sticken; durchschnittlich 48 Stück Kleidung wurden in jedem Monat angefertigt. Section 4 ist „Kindergarten und Krippe"; 60 Kinder von 27s Jahren bis zu 6 Jahren werden unterrichtet. Die 5. Section ist „Das Arbeitsvermittlungs-Amt", welches während des letzten Jahres für 911 Personen Unterkunft fand. Section 6 ist diejenige für „Religions- und Missionsschulen" und unterhielt 3 Schulen mit 7OO Schülern und Schülerinnen. Section 7 ist „Die Kochschule", die in drei stark besuchten Classen arbeitet. Endlich die 8. Section ist der „Nähzirkel für Schwestern". Es ist ein sehr bedeutendes Werk, das so die Schwestern leisten und man muß vor diesem socialen Wirken allen Respect haben. Philadelphia. Die dreizehnte Jahresversammluug der hiesigen Gesellschaft für jüdische Einwanderer gab Louis Edward Levy, dem Präsidenten der Gesellschaft, Gelegenheit zu einem Ueberblick über die jüdische Einwanderung überhaupt. Im Jahre 1897 wanderten in das ganze Gebiet der Bereinigten Staaten 23O.OOO Personen ein, davon waren 22.OOO Personen Juden, während noch im Vorjahre 30.000 Israeliten landeten. Speciell in Philadelphia landeten in den letzten 12 Jahren 34.311 Juden, am meisten 1893, am wenigsten 1895. Im letzten Jahre waren es 1752, also 742 weniger als im Vorjahre. Von dieser Zahl blieben in Philadelphia 703, nach New-Jork gingen 104, nach Chicago 173, nach Pittsburg 84, nach Baltimore 72 dcr Rest endlich nach 126 verschiedener Plätzen in 2 Staaten der Union. Von den Ankömmlingen waren 1080 aus Rußland, 192 aus Ungarn, 132 aus Deutschland, 114 ans Oesterreich, 99 aus Galizien, 51 aus Polen, 42 aus England, 29 aus Rumänien, endlich 13 aus verschiedenen Ländern. Zum Schlüsse waren unter den Einwanderern 958 unter 20 Jahre, darunter 457 Kinder unter 10 Jahre, 931 männlich, 821 weiblich und nur 248 gelernte Handarbeiter. Zn wünschen wäre es, daß auch die anderen Häfen der Union so detaillirte Berichte über die Einwanderer veröffentlichten. Coolgardie. Eine glänzende Leistung hat der hiesige Advocat Levinson vollbracht. Am Vorabend des Bersöhnnngsfestes hatte er als Leiter der städtischen Feuerwehr ein Feuer in Bayly Street zu löschen und bei der angestrengten vielstündigen Thätigkeit passirte ihm das Malheur, in einen Brunnen zu fallen, wodurch er total durchnäßt wurde und sich die Hand nicht unerheblich verletzte. Bon dem gelöschten Brande fort, mußte er in die Synagoge, in der er am Morgen eine große Anrede über „Religiösen Jndifferentismus" an eine stattliche Zahl von Betern hielt. Kaum war der Gottesdienst beendigt und der ärgste Hunger gestillt, so mußte Levinson auf das Rathhaus, wo er lebhaften Antheil an den Debatten des Stadtrathes nahm. Ob dieses gleich regen Eifers in der Erfüllung seiner bürgerlichen, wie seiner religiösen Pflichten erfreut sich Levinson der ungetheilten Achtung aller seiner Mitbürger, gleichviel welcher Coufession. Algier. Abermals hat das Gericht in Oran eine Entscheidung getroffen, welche für die durch den hiesigen Antisemitismus geschädigten Juden Schadenersatz aus spricht. Diesmal Handeltees sich um die jüdischen Cabkutscher in Oran, 38 an der Zahl, die gegen den M. Agribier, Eigenthümer der antisemitischen Zeitung „Es Petit Atricain“, klagbar geworden waren. Diese Zeitung hatte eine Liste derselben veröffentlicht mit der Aufforderung an alle Abonnenten, stets diese Liste bei sich zu tragen und im Bedarfsfälle die auf derselben verzeichneten Kutscher nicht zu wühlen, weil sie Juden, also Fremde seien. Nach französischem Gesetz ist der Boycolt strafbar und trotz geschickter Vertheidigung des Angeklagten, der die Schuld nicht bestritt, aber die Verantwortung auf den Bankerotteur Budaine schob, erkannte das Gericht zu Recht, daß jeder der Kläger einen Schadenersatz von 100 Francs und die Kosten zu beanspruchen hat. Gegen dieses Uctheil gibt es keine Appellation und M. Agribier wird 3800 Francs und die'Kosten bezahlen. Wenn unsere Brüder in der ganzen Provinz jetzt energisch gegen die judenhetzerischen Schreier Vorgehen, so werden diese in Zukunft ihre Sprache schon mäßigen müssen, denn iu puncto Geldbeutel sind sie sammt und sonders sehr empsindlich. Vennijchles. Wien. (I s r a e l i t i s ch e C u l t u s g e m e i n d e W i e n.) Sonntag den 2. Jänner 1898, 12 Uhr Mittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, im Sitzungssaale, I. Seitenstettengaffe 4, II. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Einlauf; 2. Conftituirung des Vorstandes pro 1898 und zwar: a) Wahl der Obmänner und Obmann-Stellvertreter, b) Wahl der beiden Vicepräsidenten, c) Confitös; 3. Bericht der II. Section: a) periodische Schnlinspectionen, b) Conserenz der Religionslehrer an Mittelschulen. Wien. Mittwoch, den 5. Jänner 1897, findet zu Berlin Hotel Imperial die Trauung von Frl. Amelie Schur aus Karlsruhe mit Herrn Dr. Alexander Minz aus Wien statt. Wien. Herr Dr. Oscar S a m u e l y, prakt. Arzt in Wien, hat sich mit Frl. Helene Edle von Zwiklitz, Tochter des Herrn Felix von Zwiklitz in Berlin, verlobt. Wien. (Enthüllungsfeie r.f Sonntag den 26. December, 3 Uhr Nachmittags, fand im Ceremoniensaale des polnisch-israelitischen Teurpels die feierliche Enthüllung des für diesen Saal angefertigten Bildnisses des verdienstvollen Bereinsobmannes Herrn S. Weisels statt. Aus diesem Anlaffe versammelte sich in dem genannten Ceremoniensaal eine zahlreiche distinguirte Gesellschaft von Damen und Herren zu Ehren des Gefeierten. Bor Enthüllung des Bildes richteten der Herr Cultusvorsteher Edler v. Mises und Bereinsvorsteher Herr B. L a n d a u an den greisen Vereinsobmann Herrn M e i s e l s herzliche Ansprachen und gedachten seiner vielen Verdienste um den Verein und die Erbauung seines schönen Tempels. Das Bild ist ein Meisterwerk des Malers Kreutler und wurde von allen Anwesenden bewundert. Herr Obercantor S ch o r recitirte mit seinem trefflichen Chor ein für diesen Anlaß eigens verfaßten Mi-Scheberach, der auch auf die Anwesenden einen großen Eindruck machte. Wien. Die am 13. Jänner im Sofiensaale stattfindende Akademie für das „Ferienheim" bringt einen theatralischen Novitätenabend. Arthur Schuitzler's „Anatol" gelangt zur ersten Aufführung und wird von Fräulein Adele