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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jM. 52. Dr. Bloch’s Jahrgang XIV. Centralorgan für die gefanntttrn Interesten des HWien, 24. Dezember 1897. -- Erscheint jeden Freitag. ->. -» i - Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. S. N. PofisparKaNrn-Amt Clearing Verkehr Ar. 810.976. Lkdartwn und »dmUNstretioni Wien >>., Nntrrr Vugarlrnpr. 1a. Telephon - Nr. 6535. 6= Iudrnthums. W- - .. Vrprgsprrt« flir Srstrrrrtch: Halbjährig 4 fl. ---- s Kr. Einzelexemplare O» kr. Für'» Mumland: halbjährig » st. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ 10 , Anzeigen: Die 4m al gespaltene Petitzeile IS kr. * -- ==■ - -- =m Inhalt. Leitartikel: Zum Jahresschluß. — Aus Prag. — Vom antisemitischen Karlsbad. — Zu den Judenkrawallen in Rumänien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Jüdische Samariterwerke. Affaire Dreyfus. Jüdische Faullenzer. Hetze gegen einen Arzt. Arische Rasse. Jüdischer „Christenhaß". Arische Humanität. Chanuka und das Judenthum. — M. Heß, ein literarischer Vorläufer des Zionismus. — Zum 100jährigen Geburtstage Heinrich Heine's. — Nachruf an Oberrabbiner Josef Weisse s. A. — Correspondenzen: Wien, Lemberg, Krakau, Jaworczna, Mistelbach, Leipnik, Prag, Pribram, Cssegg, Sofia, Brasilien. — Vermischtes: Wen, Olmütz, Lomnitz, Mähr-Ostrau, Prag, Raab, Leipzig, Constantinopel. — Feuilleton: Zum Chanukafeste. — Chanukalichtchen. — Brieflasten. %ur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen die P. T Herren Abnehmer, deren Pränumeration;u Ende dieses Monats abläuft, sowie auch Diejenigen, die mit ihrem Abonnement noch im Rückstände find, dir Erneuerung desselben möglichst bald vornehmen;u wollen, damit keine Störung in der regelmäßigen Zustellung der Zeitung rintrrte. Die Administration^der „Orsterreichischen Wochenschrift". Zum Iahresfchlutz. Wenn man am Schluffe des Jahres einen Rückblick aus die Vorgänge im Laufe desselben wirft und die sich immer mehr häufenden, immer barbarischere Züge annehmenden Ausartungen und „nationalen Demonstrationen" betrachtend, ein Fortschreiten derselben im gleichen Tempo voraussetzt, so muß man zu dem Schluffe gelangen, daß die europäischen Nationen noch vor Ende des Jahrhunderts jenen Zustand erreichen werden, zu dem man nach einem bekannten Dictum von der Humanität durch die Nationalität gelangt. „Der alte Urständ der Natur kehrt wieder. Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht." Doch steht jetzt nicht Mensch gegen Mensch, sondern Volk gegen Volk. Und was Schiller beim „Antritt des neuen Jahrhunderts" von zwei Völkern sang „Gold muß ihnen jede Landschaft wägen Und wie Brennus in der rohen Zeit Legt der Franke seinen eh'rnen Degen In die Waage der Gerechtigkeit. Seine Handelsflotten streckt der Brite Gierig wie Polypenarme Ms." das gilt jetzt von mehr als Zweien. Nicht blos die Briten schicken gierig ihre Flotten aus, und in die Waage der Gerechtigkeit legt der Franke nicht mehr das seit Sedan etwas schartige Schwert des Brennus, sondern, wie im Falle Dreyfus, einen Haufen Jutriguen und Lügen. Gegen den einzelnen Juden der Mißbrauch der Rechts^ pflege, gegen ganze nichtchristliche Nationen die Gewalt der von den „Ariern" vervollkommneten Kriegs- und Zerstörungsmittel. Deutschland konnte seinen Sieg gegen Frankreich ungestört in vollstem Maße ausnützen, dem siegreichen Japan, der siegreichen Türkei fielen die europäischen Mächte in den Arm und beraubten sie des größten Theils ihrer Waffenerfolge. Als vor Kurzem ein österreichischer Unterthan unter dem Verdachte, die rebellischen Armenier unterstützt zu haben, von der türkischen Regierung etwas unsanft angefaßt wurde, schickte uian gleich ein paar Kriegsschiffe aus und drohte mit einem Bombardement und alle Welt rühmte das energische Vorgehen zum Schutze der Staatsangehörigen, für die Plünderung ihrer jüdischen Staatsangehörigen in Rumänien verlangen die Mächte in viel gelinderer Weise Entschädigung. Am charakteristischesten tritt aber diese Politik in dem Auftreten Deutschlands gegen China hervor. Im Vereine mit Rußland und Frankreich hat das Deutsche Reich vor zwei Jahren die Integrität Chinas gegen Japan geschützt, und jetzt bemächtigt sich dasselbe Deutschland mitten im Frieden eines Stückes von China. Wie es offtciell heißt, weil dort einige deutsche Missionäre mißhandelt wurden. Man hat aber nicht gehört, daß China die geforderte Genugthuung für diese Missionäre verweigert hätte; ja es scheint, daß die Gewährung einer solchen gar nicht erwünscht gewesen wäre. Wie verschiedene durchaus nichtjüdische Zeitungen behaupten, hat der Plan, sich der Kiaotschau-Bucht zu bemächtigen, schon früher bestanden und die Missionäre sind nur ein Borwand. Mit diesen Missionen ist es aber eine merkwürdige Sache: In den europäischen Staaten bestehen Gesetze gegen Gotteslästerung, Beleidigung einer anerkannten Confession, Religionsstörung u. dgl., und man kann sehr oft von Berurtheilungen auf Grund dieser Gesetze hören. Käme ein buddhistischer oder mohammedanischer Missionär nach Europa, um Proselyten zu machen und würde er sich über die christliche Religion so äußern, wie die europäischen Proselytenmacher über die Religionen der Chinesen, Türken u. s. w.. so würde er gewiß zu längerer oder kürzerer Gefängnißstrafe verurtheilt werden. In China und der Türkei scheinen solche Gesetze nicht zu existiren und die Missionäre können dort ohne Furcht ihre eigene Religion anpreisen, die heimische herabsetzen. Proselyten gewinnen sie dadurch im Berhältniß zu den Kosten sehr wenig; aber wenn das Volk einmal die Geduld verliert ob der Schmähung der heimischen Religion, ihrer Helligen Männer, Ceremonien und Glaubenslehren, oder

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