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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-10 · 50 (10.12.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 1016 Vr. Bloch » Wochenschrtsr Nr. 50 Während des Gottesdienstes war sie sehr bewegt. Die Worte, denen sie früher so oft gleichgiltig zugehört hatte, wendeten sich nun mit einer neuen Deutung an sie. Alles wurde chr zum Stachel. Als das Schofarblasen*) begann, schienen die ersten starken Töne des Harnes den Raum mit drohender Klage gegen sie zu «Men. Satan rief nach ihrer Seele. Was wollte sie, die Verfluchte, in der Gemeinde des Herrn? Wortlos rief es in ihrem Innern nach Beistand. Von Neuem erschallten des Hornes Töne in kurzen, scharfen Stößen, die Heerschaaren der Engel zum Kampf gegen die Mächte der Finsterniß herbeizurufen. Angstbebend hörte sie in dem zitternden Schwingen der Töne die drohenden Stimmen austauchen und wieder versinken. Angst und Qual zerrissen chr Gemüth. War das das Strafgericht über den Sünder? „Gott Israels, erbarme Dich!" stöhnte sie. Da kam das letzte große Blasen, ein Ton, wie das Windesrauschen, wie entweichender Flügelschlag. Satan verstummte, die Engel hatten gesiegt. Unter strömenden Thränen schwor sie durch Buße und Opfer chre Schuld zu sühnen, sei es selbst mit ihrem eigenen Leben. Wie Geisterstimmen klingend, antworteten ihr gedämpfte, langgezogene Töne mit Worten der Liebe und des Erbarmens. Die Kohanniter sprachen den Segen über die Gemeinde.**) Bon diesem Tage an begann chre Buße. Nur die nothwendigsten, stugalen Gerichte ohne besonderen Wohlgeschmack kamen auf ihren Tisch. Sie tranken keinen Wein mehr. Die Haushälterin wurde verabschiedet und Hindel selbst stand der Küche vor. Am Sabbath ward kein Feuer angezündet. Das so lange verachtete Scholet-Gericht***) nahm auf der Sabbath-Tafel wieder den Ehrenplatz ein. Sie sättigten die Hungernden, kleideten die Entblößten. Hindel vollbrachte alles dies mit Leichtigkeit und eine Zeit lang wirkte ihr glühender Eifer auch auf Samuel und nahm chn ebenfalls so ein, daß er ihren Anordnungen Folge leistete, so schwer es ihm auch wurde; er fastete, wenn sie es verlangte und verzehrte, was sie ihm vorsetzte. Allein dieser jähe Uebergang vom übertriebenen Wohlleben zu strenger und einfacher Kost war seiner Gesundheit nicht zuträglich und zwar nicht länger blos in seiner Einbildung. Da versuchte er bisweilen etwas an dem Essen zu verbeffern, einen oder den anderen Leckerbissen auf den Tisch zu schmuggeln. Jedoch Hindel war unerbittlich. Nathan aß nicht mehr bei ihnen. Jetzt, da sie fromm geworden war, lag ihm nichts mehr an Hindel. Er hielt sich mehr an das Gasthaus essen. Mit betrübter Miene schaute Samuel chm nach, wenn sie sich am Eingänge zu diesem gelobten Lande trennten. Nathan lachte. „Du wirst mir noch Nachkommen" sagte er, „Du hast zu viel Schweinefleisch gegessen, um wieder richtig und ckossed-si) zu werden. Lange Zeit widerstand Samuel der Versuchung. Dann überwand sein Gelüst alle Scrupeln. Er speiste in größter Heimlichkeit auswärts, ohne selbst Nathan etwas zu verrathen. Bei diesen heimlichen Mahlzeiten füllte er seinen Magen übermäßig an und praßte, bis er krank wurde. *) An den großen Feiertagen erscheint Satan als Ankläger vor dem Throne Gottes. Bei dieser Veranlassung wird „Schofar" (das Horn) geblasen. Jeder Ton, der aus dem Horn erschallt, wird zu einem Engel, welcher die Gemeinde gegen Satans Anklage vertheidigt. Es wird geblasen: Tekia, d. i, das Blasen, ein langer Ton; Schevorim, ein kurzer, scharfer Ton; Teruah, das Beben, Trillern. (Siehe Goldschmidt's Lebenserinnerungen, S. 387, ff.) **) An Festtagen erscheinen alle Kohanim (Nachkommen des Priesterstammes) der Gemeinde auf dem erhöhten Platz vor dem Allerheiligsten. Von Kopf bis Fuß in weiße Talisim eingehüllt, sprechen sie in eigenthümlichen Lauten und unter mysteriösen Gesten den Segen über die Gemeinde. (Siehe Goldschmidt: „Ein Jude.") ***) Ein jüdisches Nationalgericht; eine Fleischsuppe mit Bohnen und dazu gehöriger Fleisch-Puddingmasse; in Rücksicht darauf, daß nach dem Gesetz die Juden am Sonnabend kein Feuer im Ofen anzünden dürfen, wird es am Freitag gekocht und bis zum Sonnabend in heißer Äsche aufbewahrt. (Siehe Goldschmidt: „Ein Jude."). 10 heilig. Bon Todesfurcht befallen, bereute er und praßte wieder, wenn er genesen war. So wurde er eines Tages vom Schlage getroffen und tobt nach Hause gebracht. Hindel war vernichtet, der Herr hatte ihr Opfer verworfen, sein Fluch folgte Samuel in's Grab nach. Aber nachdem man ihn an den guten Ort*) gebracht hatte, gab Hindel den Armen die Hälfte ihres Vermögens. In der Gemeinde war damals Mangel an frommen Frauen.**) Sie ward eine solche. Sie pflegte Kranke, betete bei den Sterbenden und wusch die Leichen. Und jeder Segen, den sie von einem Sterbebett oder Krankenlager mit hinwegnahm, ward, wie der Ton des Schofarhorns für sie die Fürbitte eines Engels bei Gott. Briefkasten. A. K. Wien. Wir fürchten, daß Sie Unrecht haben werden. Unsere Finanzgrößen haben bisher für die gemeinsame Noth des Judenthums nur sehr wenig Sinn und Gefühl gezeigt. Wenn Dr. Lueger einladet, so muß ein Acquit schon gegeben worden sein. DH. F—s, Prag. Sie werden zugeben, daß jene Juden, die sich an die Ezechen anschloffen, dabei nichts gewonnen haben. Spectator. Es wird in Prag allgemein behauptet, daß der Bürgermeister nicht ohne Fühlung mit den Leitern der Bewegung war. Herr P o d l i p n y ist ein gelehriger Schüler L u e g e r' s. In einem Staate, wo solche Persönlichkeiten an die Spitze großer Gemeinwesen gestellt werden, müssen schließlich Recht und Moral untergraben werden. Georg Tr—ff, Wien. . Von einer Sistirung der Verfassung ist noch lange keine Rede. Aber was hätten denn die Juden dabei p verlieren? Unsere Rechte sind ja de facto längst sistirt. Aber vielleicht wäre es heilsam, wenn auch unsere.Bedränger wieder füreinige Zeit zu „gehorsamen Unterthanen" degradirt würden. Abonnent Lodz. Paris, rue de l’Elisde 2. B. P. in D. Leider verspätet. Abonnent Dorna Watrar Nicht jede Lumperei gehört für die Oeffentlichkeit. M. Spiegel r Für halachische Auseinandersetzungen ist hier der Raum nicht. Notiz. Orgelverkauf. Der Temesvarer israelitischen Religionsgemeinde wurde zum Zwecke der Anschaffung einer neuen Orgel von ihrem gewesenen, gegenwärtig in Wien wohnenden Mitgliede Herrn Eduard Weiß der Betrag von 4000 fl. gespendet. In Folge dessen wünscht die genannte Gemeinde ihre gegenwärtig in Verwendung stehende Orgel zu verkaufen und veröffentlicht in unserer heutigen Nummer ein diesbezügliches Inserat, auf welches wir die Interessenten hiemit besonders aufmerksam machen. „Wiener Rundschau." (Herausgeber Gustav Schoenaich, Felix RappaPort. Redaction und Administration: Wien, 1/1, Spiegelgaffe 11.) Die Nummer 2 des zweiten Jahrganges der „Wiener Rundschau" bringt eine fesselnde Skizze Anton T s ch e ch o w's „Die Christnacht", einen originellen Beitrag Peter Altenberg's «De amoren, Gedichte von Freiherrn Carl von Levetzow, eine Momentaufnahme der „Heilsarmee" von Oskar P a n i z z a. Ferner werthvolle Essays der Prinzessin Elsa Cantacuzene und Richard S ch a u k a l's über „Decorative Kunst" und Heinrich Heine, die Fortsetzung der „Randglossen über London" von Madame Alphonse Daudet, einen Artikel über die Aufnahme der „Meistersinger" von Richard Wagner in Paris von Gustav Schoenaich und eine Betrachtung „Das politische Wien" von F. Schick. Besprechungen actueller künstlerischer Ereignisse bilden den Schluß des Heftes. kunämaeliung. Ls ist sin Eanni lleiteles-Stipendium ä fl. 94 jährlich für einen Babbinats-Candidaten, welcher zugleich ordentlicher Hörer der philosophischen Wissenschaften ist, auf die Dauer seiner noch znrückzulegenden, gesetzlich vorgeschriebenen Studienzeit zu vergeben. Bewerber haben ihre Gesuche, belegt mit Studien , Gebürt s-, -Moralibäts- und Mittellosigkeitszeugniesen, bis spätestens Ende December 1897 bei der Cassa der israelitischen Cultusgemeinde in Wien I., Seitenstettengasse Nr. 4, im 2. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr Vormittags zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, im December 1897. Die Curatoren - der Fanni Jeiteles-Stiftungen. *) Friedhof. **) Eine Art Diakoniffinen der jüdischen Gemeinde. HereuAg«der u. verautw. ftcbactotr: It. 2tftf «. «l,ch. — Druck V. L. Beck 4 Sohn. Wien. Viii., ttrchen'rwrrnc 46.

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