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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-12-10 · 50 (10.12.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1014 Vr. Vloch's MochrnMrM Nr. kv Hohenau, 7. December. Zum Tempelbau in Hohenau sind weiters folgende Spenden eingegangen: Von Frau Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth 300 fl.; von Herrn Tobias D a s ch s, Hohenau 100 fl.; von Herrn Leopold W e i um a n n, Mistelbach 2 fl. Summe 402 fl. Hiezu die früher ausgewiesenen 1894 fl. 35 kr. Zusammen 2296 fl. 35 kr. — Herr K. F ü r st spendete am Neujahrsfeste ein Sefer-Thora für unseren Tempeh Herr Fritz Altbach war Mitglied des Comites des zum Besten des Tempelfonds veranstalteten Simchas- Thoraballes und hat wesentlich zum Gelingen beigetragen. Kopreinitz, 7. December. Unser lieber Glaubensgenosse Herr Dr. Ludwig Schwarz wurde bei der stattgehabten Ergänzungswahl mit einer Majorität von 56 Stimmen als Abgeordneter in den Landtag gewählt gegen den oppositionellen und antisemitischen Candidaten Dr. R u z i c, der in seinem Blatte „Hrvatski narod" jederzeit eine Spalte reservirt für blöde Schmähartikel über Juden und Judenthum. Unser nunmehriger Deputirter Herr Dr. Schwarz ist der einzige Jude unter 88 Abgeordneten der Agramer Landstube und steht wegen seinesCharakters, seiner fachmännischen Kenntnisse bei allen Parteien in hohem Ansehen. Das glücklche Resultat danken wir der Besonnenheit wackerer Männer aus dem Borstande, der Herren Jacques Hirschler, Arnold Bettelheim, Rudolf Meyer, David Kollmann und der Herren königl. Commissär S ch m i t und Bezirksadjunct Z a k o, in deren Händen die Wahlleitung lag. Lipto-Ujvar, 1. December. Mitte dieses Monates feiert Herr Moritz Eichner im engsten Familienkreise seine goldene Hochzeit. Das Jubelpaar ist noch ganz rüstig und erfreut sich der besten Gesundheit. Ueber ein halbes Säculum wirkte Herr M. Eichner hier als Lehrer mit unermüdlichem Eifer und Hingebung, so daß seine Schule weit und breit berühmt war nnd aus den weitesten Gegenden Oberungarns ihm Schüler zuströmten. An die Tausend müssen ds gewesen sein, die er zu ordentlichen, intelligenten Menschen herangebildet, und eine große Zahl derselben wirkt als Aerzte, Advocaten, Ingenieure und tüchtige Kaufleute in der weiten Welt. Vor mebreren Jahren, da er seinen 70. Geburtstag feierte, wurde er von Seiner Majestät unserem allgeliebten König mit dem Verdienstkreuze ausgezeichnet. Nicht unerwähnt darf ferner bleiben, welch' unvergängliche Verdienste Herr M. Eichner um das Zustandekommen der hiesigen Chewra-Kadischa sich erworben. Bei der Gründung dieses heiligen Vereines war er einer der eifrigsten Förderer und zum Präsidenten gewählt, als welcher er lange Jahre mit größtem Pflichteifer und Gewissenhaftigkeit zum besten Gedeihen diese Institution leitete. Viele seiner einstigen Schüler bereiten ihm zu dem seltenen Feste Ovationen vor. Budapest. Am 18. d. M. wurde Herr Sigmund Gomperz, ein sehr geachtetes Mitglied der Budapester Cultusgemeinde, zum Bicepräsidenten des Siechenhauses gewählt. — Unter dem Präsidium des Herrn Dr. Alexander Himmler hat in Jpolysag eine Generalversammlung der dortigen Status gno-Cültusgemeinde stattgefunden, in welcher beschlossen wurde, von nun ab in der Synagoge ausschließlich ungarischen Gottesdienst und Predigt zu halten. Eine Episode aus der Geschichte Spaniens. Ein spanisches Blatt »LI Eco de las Aduanas« veröffentlicht die Geschichte eines Versuches, den ein spanischer Minister unternahm, um die Juden dreihundert Jahre nach ihrer Vertreibung wieder nach Spanien zurückzuführen. Der Plan scheiterte an dem Widerstande König Carl IV., aber die Motivirung desselben ist so interessant, daß sie weiteren jüdischen Kreisen zugänglich gemacht zu werden verdient. Die „Jüdische Presse" gibt aus dem Artikel nachstehenden Auszug, der werth ist, weiter gegeben zu werden. „Die Zerrüttung der spanischen Finanzen und der traurige Zustand unseres Nationalwohlstandes, der durch die von uns geführten Colonialkriege hervorgerufen wurde, ist nur eine Erneuerung der Bedrängnisse, welche Spanien in wiederholten Epochen seiner Geschichte durchzumachen hatte und im speciellen Fall bietet sick) in der Zeit zu Beginn der Regierung Earls IV., also gerade vor 100 Jahren, eine 2lnalogie der gegenwärtigen Zustände. Auch damals bedurfte der Staatsschatz ungemein großer Summen; man war zu außergewöhnlichen Hilfsmitteln gezwungen, um sie aufznbringen, die eingegangenen Verpflichtungen aufrecht zu halten, und die Nation trug die Opfer jeder Art mit Würde und Ergebung. Drei Jahre des Krieges gegen die französische Republik (1793—95) welchen der Friede von Basel eben erst beendigt hatte, hatten die Hilfsmittel des spanischen Staatsschatzes auf das Aeußerste erschöpft. Man nahm zu den ungewöhnlichsten Mitteln seine Zuflucht, aber sic reichten nicht aus, die erschütterten Finanzen wiederherzustellen. und die Ministerien wechselten ohne Erfolg. 1796 folgte dem Minister G o r d o g n i eine der bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Zeitepoche in Spanien, ein sehr aufgeklärter Mann Don Pedro V a r c l a, in der Leitung des Ministeriums. Dieser schlug allerlei Heilmittel für die trostlosen Zustände vor, darunter auch die Nückberufung des hebräischen Volkes nach Spanien, welches Volk nach allgemeiner Meinung, wie er ausführte, die größten Reichthiimer Europas und Asiens besitze. Man muß sich über einen so kühnen Vorschlag wundern in einer Zeit, in der in Spanien noch die ärgste Intoleranz herrschte, das Tribunal der heiligen Inquisition noch sungirte nnd jenes Gesetz noch in Geltung war, das dreihundert Jahre früher Hundcrttausende von Juden aus dem Königreich vertrieb. Diese ebenso thörichte als grausame Maßregel des katholischen Königspaares ruinirte unsere Landwirthschaft wie unsere Industrie und lies; Sultan B a j a z i d II., der von der Klugheit König Ferdinands eine hohe Meinung hatte, ausrufen: „Diesen König, der sein Land verarmen ließ und das meinige bereichert, nennt Ihr einen weisen Politiker?" Sagt doch selbst Pater M u r r a n a im 8. Capitel des vierten Buches seiner Geschichte Spaniens, daß er diese Maßregel mißbillige und daß Grund genug sei: „den Entschluß König Ferdinands zu tadeln, aus seinen Landen so nützliche und so reiche Leute zu verbannen, welche alle Mittel kannten, um Geld ins Land zu ziehen." Die Beweise, deren sich der weise Minister Karl's iV. bediente, um seinen kühnen Vorschlag zu unterstützen, verdienen bekannt und gewürdigt zu werden. Sie befinden sich in der Denkschrift ddto. Aranjuez, 22. März 1797, welche er verfaßt hat, und lauten: „Alte Vorurtheile und Anschauungen sind überlebt, das Beispiel aller anderen Nationen Europas muß auch uns veranlassen, unsere Stellungnahme zu ändern. Uebrigens kann die Lehre des heiligen Paulus zu Gunsten dieses proscribirten Volkes auch die hartnäckigsten Theologen ebenso überzeugen, wie die zartesten Gewissen, daß die Zulassung der Juden in unser Königreich Vesser zu den Lehren unserer erhabenen Religion paßt, als seinerzeit ihre Vertreibung. Die Politik der Jetztzeit kann in einem solchen Vorschläge nur eine mächtige Förderung für die Entwicklung von Handel und Industrie sehen, welche auf keine andere Weise dahin kommen werden, den Kampf mit den Fremden erfolgreich aufzunehmen, denn weder Betriebsamkeit noch Sparsamkeit gehören zu den Tugenden der Majorität unseres Volkes. Ich glaube, Sire, daß die Kaufleute dieser arbeitsamen Race es unternehmen würden, unsere Bank mit Baargeld zu versehen und ihr in Europa und darüber hinaus Cours zu verschaffen. Sie würden uns auch den Handel mit der Levante erleichtern, der ohne sie beinahe eine Chimäre bleibt. Dieser Erfolg aber wäre für uns in unseren gegenwärtigen Verhältnissen zugleich eine gute Spekulation und von unschätzbarem Vortheil für die Entwicklung unserer Fabriken; wir werden ihn jedoch nie erreichen können ohne die Hilfe der Juden, welche in jenen Ländern fast die einzigen Kaufleute und Makler sind. Der Handel mit Amerika würde ebenfalls einen neuen Aufschwung nehmen, während er gegenwärtig nur die Beschäftigung einiger Müßiggänger in Eadix, Malaga und anderen Häfen ist, sowie einiger fremden Kaufleute, deren unmäßige Gewinnsucht sich für die Annehmlichkeiten eines Lebens in der Heimat schadlos zu halten sucht. Es scheint mir, Sire, daß wir mit einigen jener großen jüdischen Häuser, die schon seit lange in den holländischen, sowie in einigen anderen nordischen Handelsplätzen etablirt sind, Verhandlungen anzuknüpfen versuchen sollten, um sie zu veranlassen, Comptoire in Cadix und anderen Orten einzurichten. Sie sollten verpflichtet werden, ein gewisses Capital zusammenzuschießen, um damit em Kasseninstitut zu gründen, das unseren Bon al pari einlösen müßte, wenn jene Häuser nicht vorziehen, es selbst zu thun, wofür man ihnen als hypothekarische Sicherheit die Einnahmen gewisser Zölle überlassen könnte, sowie diejenigen aus den aufgelösten Pfründen und aus dem Verkauf gewisser Aemter, sofern; Eure Majestät auf diese beiden letzten Vorschläge eingeht. Wenn man zugleich durchblicken ließe, daß die Zulassung einiger großen Handelshäuser nur ein Vorspiel für die Zulassung des ganzen Volkes sein könnte, so glaube ich, daß man die Gewinnsucht dieser habgierigen Nation reizen könnte, welche bis heute die günstige Situation noch nicht vergessen hat, in der sie sich einst in Spanien befand." Dieses große, politisch so bedeutsame Project scheiterte au dem frühzeitigen Tode des Ministers und an dem Geist der Unduldsamkeit, die diese Epoche in Spanien noch beherrschte. Zwar bestach die Idee der allgemeinen Toleranz den König, und am 8. September 1797 erschien ein für seine Zeit immerhin bemerkenswerthes Edikt, welches den ftemden Fabrikanten und Handwerkern, selbst wenn sie nicht Katholiken waren, die Etablirung in Spanien gestattete, ohne anderen Bedingungen, als daß sie sich den bürgerlichen Gesetzen zu unterwerfen hatten; auch wurde der Inquisition verboten, sie ihrer religiösen Anschauungen halber zu belästigen, sofern sie die öffentlichen Sitten achteten. (Man kann dies bei Sanchez, „Urkunden-Sammlung", Nachlesen.) Anders mit den Juden. Was diese anbetraf, so gab der König nicht nach, und er war in seinen Edikten weniger tolerant gegen sie, als die Päpste Clemens VII., Paul III. und Julius III., die ihnen im Kirchenstaat freie Ausübung ihrer Religion gestatteten. Das allgemeine Wohlwollen, das Karl IV. im Jahre 1797 allen Classen von Fabrikanten, Kaufleuten und Handwerkern, ob sie Katholiken waren oder nicht, erwiesen hatte, schränkte er in Bezug auf die Juden

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