Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Płock 1× ep/1048069
- Radom 1× ep/1000823
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Sette 10X2 Dr. V Lochs WochrnlchrM Nr. 50 halb sein Heil im Auslande suchen müßte. Wenn er dies thut, wird unsere Provinz aufathmen dürfen. Bor der Appellkammer des Zuchtpolizeigerichtes standen fünf von den Tumultuanten des 5. Juni 1897, welche in Mostaganeur die Synagoge erbrochen und beraubt hatten. Bon den Angeklagten wurde einer freigesprochen, vier zu drei Monaten Gefängniß und je 50 Francs Buße verurtheilt, bei dreien aber nach dem neuen Gesetz die Vollziehung der Strafe ausgesetzt. Ob das Gericht gegen Juden, die eine christliche Kirche erstürmt hatten, ebenso milde gewesen sein würde? Petersburg, 16./28. November. Es hat bier heute unter Betheiligung eines zahlreichen Publicums und in Anwesenheit vieler Würdenträger die Einweihung eines neuen dreistöckigen Gebäudes für die Schulen (für Knaben und Mädchen) der Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden in Rußland stattgefuuden. Die Feierlichkeit war großartig und rührend zugleich. Außer verschiedenen der Gelegenheit angepaßten Ansprachen verdienen besonders hervorgehoben zu werden die Reden des Herrn Gehilfen des Volksaufklärungsministers Geheimrathes Anitschkoff, des Lehrbezirks curators Geheimrathes Kapustin und des Präsidenten der Stadtverwaltung Geheimrathes Ratkof-Roschnoff. Alle drei Redner drücken ihre Freude über die Fortschritte der jüdischen Bildung aus und wünschten ihren „Mitbürgern mosaischer Religion" die besten Erfolge, sowohl in gesellschaftlicher, als staatlicher Beziehung. Das neue Schulgebäude ist in jeder Hinsicht befriedigend, umfaßt viele. geräumige Säle, entspricht allen Anforderungen der neuzeitigen Schulhygiene und ist außer für Schulclassen noch für eine Handwerksabtheilung, nebst gut bestellten Werkstätten und einer Sonnabendschule für Erwachsene eingerichtet.. . Zur Zeit werden da zusammen 330 Schüler (180 Knaben und 150 Mädchen) unterrichtet. Die Schulräume sind ungefähr auf 600 Kinder berechnet. Die Baukosten beliefen sich auf ungefähr 130.000 Rubel, die alle aus freiwilligen Spenden zusammengebracht waren. Die Initiative des Unternehmens, sozusagen den Grundstein des prächtigen neuen Schulhauses legte unser vielverdienter Präses der Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden, Baron Horaz Günzburg, der zu diesem Zwecke die ersten 22.000 Rubel beitrug. A. C. Petersburg. Ein Circular des Ministers des Innern theilt allen Gouverneuren mit, daß auf den Schulen für Geburtshilfe und Zahnheilkunde jüdische Schüler von nun an in unbeschränkter Zahl zugelaffen werden, während früher dieselben auch nur in dem bekannten Percentsatze theilnehmen durften. Bekanntlich besitzen die Inden das Recht, Land zu kaufen nur in zehn Gouvernements, davon haben sie in folgendem Maße Gebrauch gemacht: Warschau 61225 Acres Kalisch 69122 „ Radom 28341 „ Kjiletr 51058 „ Petrikow 38832 „ Lomza 26712 „ Suwalki 45370 „ Siedletz 54429 „ Lublin 33335 „ Plotzk 47284 „ 455708 „ Es ist ein alter Plan, daß auf diesem Terrain jüdische Ackerbauschulen und Colouien angelegt werden sollen. Neuerdings hat Herr Moriz Meyer, der ein großes Terrain in Polen besitzt, das Terrain zu einer Ackerbausckule gratis angeboteu. und die Stiftung für jüdische Bauern und Handwerker in Petersburg wird voraussichtlich die Schule einrichten. Auf Verwendung des Herrn G. Ssyrkin in Minsk hat die Jewish Colonisation Association in Minsk die.Summe von 19.200 Rubel bewilligt zur Vergrößerung der dort bestehenden jüdischen Handwerkerschule. Die Aufsicht über die Schule soll nicht das Petersburger Comits, sondern der Pariser Rath der Gesellschaft direct führen. Eine amüsante Geschichte ist hier bekannt geworden; einer der ärgsten Antisemiten in der „Nowoje Wremja" ist der jüdische Renegat H. Litwin, der die gehässigsten Artikel gegen die Juden schreibt. Dagegen erschien kürzlich in dem „Woschod" eine Erzchluug von H. Efron, die das jüdische Familienleben, wie die Religion auf das Überschwänglichste feiert. Nun hat sich heraus» gestellt, daß Efron und Litwin ein und dieselbe Person ist. Wie die jüdische Fleischtaxe mißbraucht wird zu Zwecken, die den armen jüdischen Steuerzahlern ganz fremd sind, davon wieder ein Beispiel. In Odessa baut die Regierung ein Seminar um und die dazu nöthigen 196.000 Rubel werden einfach von der jüdischen Fleischsteuer genommen. — In der Odessaer Handelsschule dürfen diesmal 27 Plätze mit neuen jüdischen Schülern besetzt werden. — In Moskau -ist bekanntlich seinerzeit die Talmud-Thoraschule geschlossen worden, nun ist die Ordre von dem Generalgouverneur eingegangen, dieses Gebäude für eine andere öffentliche Institution zu benützen. Wenn solches nicht in 2 Monaten geschehen ist, so wird das Haus von der Polizei meistbietend versteigert werden. New-Aork. Bei den Wahlen zu den Aemtern von Groß- New-Aork wurde unser Glaubensgenosse RandolphGuggenh e i m e r zum ersten Präsidenten des großen R a t h e s gewählt. Eine bedeutungsvolle öffentliche Thätigkeit von einschneidender Tragweite begann Herr Randolph Guggenheimer zu entfalten, als er im Januar 1887 von Mayor Grace in den „Board of Education" berufen ward. Als „Register" wurde Anwalt R. W. Isaak Fromme gewählt. Herr Fromme nimmt besonders regen Antheil am Vereinsleben unserer Stadt, und alle die Vereine aufzuzählen, in denen er Mitglied ist, würde die Geduld unserer Leser ermüden. Herr Fromme gehört zur Mount Horeb Lodge, Free Sonsof Israel, zum Unabhängigen Orden B'n a i Brith, zur Westside Association und zum West End Club. Das Mount Sinai Hospital, das Montefiore Home, die Deutsche Gesellschaft der Stadt New-Aork und das Elizabeth-Heim finden an ihm einen eifrigen Unterstützer und Berather. Auch der Cily-College Club und die Tammany Society zählen Herrn Fromme zu den ihrigen. Herr Fromme hat sich als Anwalt einen großen Ruf erworben. Die Organisation mehrerer Corporationen und Gesellschaften zum Zwecke der Bekämpfung von Trusts und „Combines" ist ihm mit großem Erfolge gelungen. In frischer Erinnerung steht in dieser Beziehung die neulich erfolgte Organisation der Retail Butcher's Fat Meltin Association, welche an 3500 tüchtige Metzger umfaßt, die gegen den Fettschmalz-Trust ankämpfen wollen. Allgemein bekannt ist auch seine Stellung als Rechtsbeistand und Organisator der Firma Koster, Bial und Co., der großartigsten Vaudeville-Theater-Unternehmer in ganz Amerika. New Aork. Die Jewish Publication Society hatte vor Kurzem einen Preis von 1000 Dollars ausgesetzt für die beste Jugendschrift über ein jüdisches, Thema. Die Bewerbung wurde am 10. November 1895 öffentlich bekannt gemacht, der Schlußtermin für die Einreichungen war am 1. März 1897. Obwohl nun der ausgesetzte Preis ein ganz respectabler ist und die Zeit für die Preisbewerbung ebenfalls genügend lang war, so ist doch. keine Arbeit eingegangen, welche den Anforderungen entsprochen hätte. Die Preisbewerbung ist daher resultatlos verlaufen. — Die Gemeinde Beth-El befindet sich im Besitze einer beneidenswerthen finanziellen Lage. In ihrer diesjährigen Generalversammlung wurde constatirt, daß die Einnahmen des verflossenen Jahres einen Ueberschuß von 21.000 Mark ergeben haben. Man konnte daher zu einer Ermäßigung der Beiträge um 20 Percent schreiten. In derselben Sitzung wurde Rev. Köhler auf weitere fünf Jahre gewählt und der Cantor Silbermann auf weitere drei Jahre mit vergrößertem Gehalt. — Das jüdische Hospital veranstaltet in diesem Jahre einen Cyclus von 24 Vorträgen über Krankenpflege mit Demonstrationen, um auch in denjenigen Kreisen, die nicht in der Lage sind, sich eigene Wärter, respective Wärterinnen zu halten, Sinn für rationelle Krankenpflege zu erwecken. Die Vorträge sind stark besucht und werden unzweifelhaft guten Erfolg haben. Vermischtes. Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein Jofefstadt hatte am 1. December l. I. seine Kinderbekleidung, 100 Kinder wurden betheilt. Der Verein ist der einzige, der in allen Bezirken Wiens betheilt, aus der Leopoldstadt allein wurden 36 Kinder mit warmen Kleidern bedacht. Sämmtliche Kleider, wie Stiefel und Wäsche sind von bester Qualität. Die Präsidentin, Frau Amalie Beck, begrüßte alle Anwesenden uud führte an, wieviel Kinder in jedem Bezirke betheilt wurden und daß der Verein nach 6jähriger Thätigkeit es bis zur Betheilung von 100 Kindern brachte, sprach schließlich allen Vor-