Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 50. Divjiloch’s Jahrgang XIV. CenlralorgÄN für die gefsmmien Interessen des --H- Wien, 10. Dezember 1897. -- Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien. L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift Wien. S. tk. PostspÄrKklNrn-Ztmt ClrarinsverKotzr Nr. 810.976. Lrdartton und NdmtnißrsNon: Wien Antrrr Nngsrirnpr. la. j Telephon - Nr. 6935. MC Iudenthums. y »eprs»vrrt» flkr Sesterrrtch: Halbjährig 4 fl. 8 Jtr. Einzelexemplare Sft kr. Für'» Äu»lanb: halbjährig » fl. — 10 St. ganzjährig 10 , M „ Anzeigen: Die 4m al gespaltene Peutzeile IS kr. « ..— * Inhalt. Leitartikel: Die Judenhetze in Böhmen. — Auch ein Weihnachtsgeschäft. — Das Programm der arischen Zionisten. — Nom Jahrmarkt des Lebens: Rumänische Barbarei. Affaire Dreyfus. Prager Vorstadtbilder. Ein antisemitischer Cautionsschwindler. Hebräische Urkunden als gerichtliches Beweismittel in Oesterreich. Blutaberglaube in China und — Deutschland. Arischer Pferdehandel in judenreiner Zeit. Menschenhandel in Rußland. W. Windelband über Spinoza. — Correspondenzen: Wien, Waag-Neustadtl, Prag, Kolin, Teplitz, Berlin, Paris, Algier, Petersburg, New-Iork. — Vermischtes: Wien, Holleschau, Trebitsch, Lemberg, Lipto-Ujvar, Budapest, Kis-Szeben, Botoschany, Lyon. — Feuilleton: Eine Episode aus der Geschichte Spaniens. — Mierah. — Briefkasten. — Notiz — Inserate. j%ur gefälligen JSeachtunq! Wir ersuchen die P. T. Herren Abnehmer, deren Pränumeration zu Ende dieses Monats abläuft» sowie auch Diejenigen» die mit ihrem Abonnement noch im Rückstände sind, die Erneuerung desselben möglichst bald vornehmen zu wollen, damit keine Störung in der regelmäßigen Zustellung der Zeitung rintrete. Die Administration der .»Oesterrrichische Wochenschrift". Die ludenhetze in Böhmen. Die Erbitterung der Czechen über den Sturz des Ministeriums B a d e n i hat sich in Gewaltthaten gegen die Juden geäußert. Die Gefährdung von Leben und Eigenthum unserer Prager Glaubensgenossen, nahm solche Dimensionen an, daß über die Landeshauptstadt Böhmens und ihre Vororte das Standrecht verhängt werden mußte. Nun heißt es in czechischen Volksversammlungen, daß diese drakonische Maßregel ein Beweis der Feindseligkeit der neuen Regierung gegen die Czechen sei, und die armen Juden werden auch für die Proclamirung des Standrechtes verantwortlich gemacht. Das Los unserer Glaubensbrüder in Böhmen ist fürwahr kein beneidenswerthes. In Karlsbad, Eger, Saaz und anderen Orten des geschlossenen deutschen Sprachgebietes werden sie verfolgt, weil man sie für Schädlinge des Deutschthums erklärt, in Prag, Kolin und Jungbunzlau geht man auf sie los, weil sie angeblich das Deutschthum unterstützen. Aber man prügelt die Juden auch schon in rein czechischen Orten, wie Tabor und Beneschau, wo sie sich selbst Äs gute Czechen gaben. Es ist also nicht die wirkliche oder vermeintliche Parteinahme für die eine oder ändernder beiden streitenden Nationalitäten, welche den Haß gegen die Juden erzeugt; nein, dieser Haß ist etwas Selbstständiges, Ursprüngliches, er gilt immer und überall den Juden als solchen. Was haben und hatten denn auch unsere Glaubensgenossen mit dem Wechsel der politischen Situation zu thun? Sie waren an Cilli unschuldig, welches das Coalitionsministerium zu Fall brachte, sie haben den Grafen Badeni nicht gerufen, sie haben ihn gewiß nicht veranlaßt, Dr. Lueger in die Hofburg zu führen und seine Wahl zum Bürgermeister zu bestätigen; sie haben ihm nicht zu den Sprachenverordrmngen und den Deutschen nicht zur Obstruction gerathen, und sie erhoffen auch endlich von der neuen Situation kaum eine Verbesserung chrer Lage. Der Druck, unter dem wir seufzen, ist so schwer, daß wir sogar den Verfassungsfragen, welche sich gegenwärtig mit dem nationalen Zwiste compliciren, theilnahmslos gegenüberstehen, weil wir uns sagen,, daß selbst die Sistirung des constitutionellen Apparates wohl noch den Andern, aber nicht mehr uns schaden kann. Und dennoch ist das erste Opfer der entfesselten nationalen Leidenschaften immer und überall, bei den Deutschen wie bei den Czechen, der Jude. Es zeigt sich hier der innige Zusammenhang der nationalen Strömungen mit den sociüen Krankheit erscheinungen unserer Zeit. Die intelligenten Schichten fachen den Racenhaß an und der Raubthierinstinct des Pöbels bemächtigt sich seiner als willkommenen Vorwands zu Plünderung und Raub. Keinem unserer Staatsmänner, von Taaffe bis Badeni, die alle den Antisemitismus als eine Art Regulator der nationalen Strömungen und zur Rückstauung freiheitlicher Bestrebungen benützen wollten, ist diese Erkenntniß gekommen. Aber die Prager Ereignisse wirken wie ein erhellender Blitzstrahl. Ob von diesem grelleu Lichte auch die Augen unserer Staatsweisen getroffen werden, ist allerdings fraglich — in den Köpfen der Juden jedoch wird es gewiß hell werden. Nach den schrecklichen Erlebnissen der jüngsten Tage muß auch die letzte Illusion schwinden, als ob sie durch die Anlegung des deutschen Flausrockes oder der czechischen Samara sich imd ihren Familien Frieden oder auch nur Duldung erkaufen könnten. Auch diejenigen unserer Glaubensgenossen, die sich vor dem deutschen Antisemitismus unter den Schutz des zweigeschwänzten czechischen Löwen flüchteteu, sind heute