Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 49 (3.12.1897)
- Date
- 1897-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 49. Dr. Bloch’s Jahrgang XIV. Cenlralorgan für die gefammten Intereffrn des Iudrnthums. «- A. k. Postsparkasten-Rmt Clearing Verkehr Ar. 810.976. Lrdartton und ALmUttstrstton: Wien II., Untere Augarirnfir. la. Telephon - Nr. 6535. Wien, 3. Dezember 1897. Erscheint jeden Freitag. ->>—»--1—4- Bries-Adreffe: Wien, I., Hauptpostamt — Zach. Tklegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift Wien. X. - ■ ==« Vefligsprris für Oesterreich: {] Halbjährig 4|. =8 Kr. || Einzelexemplare 25 kr. j lör’a Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — JO „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene|; i Petitzeile 12 kr. t X-— — - =« Inhalt. Leitartikel: Die Nemesis. — Lueger stürzt Badem. — Sprachen- und Judenkrawalle. — Alfred Trepfus. — Zur Lage in Rußland. — Die Juden in Amerika. — Corres pondenzen: Wien, Karlsbad, Boskowitz, Berlin, Hamburg, Frankreich, Kopenhagen, Petersburg, London, New-Aork, Philadelphia, Süd-Afrika. — Vermischtes: Wien, R'audnitz, Brünn, Prag, Nikolsburg, Proßnitz, Klattau, Hunsdorf, Vradist, Belgien, Berlin, Potsdam, Breslau, Sonnt, Memel, Königsberg, Paris, Haag, London, Norwich, Lissabon. Denvers, New-York. — Feuilleton: Mierah. — Reb Gawrile. — Jakob Frohschamer, Philosoph der Weltphantasie, und Bernhard Münz. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. jjttr gefälligen Beachtung! Wir ersuchen dir P. T. Herren Abnehmer, deren Pränumeration zu Ende dieses Monats abtauft. sowie auch Diejenigen, die mit ihrem Abonnement noch im Rückstände stnd, dir Erneuerung desselben möglichst bald vornehmen zu wollen, damit keine Störung in der regrlmähigrn Zustellung der Zeitung eintrrtr. Die Administration der ,,Oesterreichischen Wochenschrift*. Die Nemesis. Will man aus den poliüschen Erschütterungen der letzten Tage eine dauernde Lehre ziehen, dann ist es nothwendig, durch das Gestrüpp und Gerölle der Tagesmeinungen und oberflächlichen Urtheile über den Sturz Badeni's zu dessen tiefer liegenden Ursachen vorzudringen. Graf Badeni hat als Statthalter von Galizien mit allen Mitteln der Gewalt und der Einschüchterung sich ein unbestrittenes Ansehen zu erwerben gewußt. Er wußte die ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel des Staates zu gebrauchen, wie kein Anderer vor ihm. Wenn man ihm eine „eiserne Hand" nachrühmte, was war dies Anderes, als das Zugeständniß, daß er gegebenen Falles Gewalt vor Recht gehen lasse? Er hat es in Galizien nicht gelernt, moralische Machtsactoren zu würdigen, und er hat auch als österreichischer Ministerpräsident auf solche Factoren niemals Werth gelegt. Die „eiserne Hand" war eigentlich immer nur eine geballte Faust, und die geballten Fäuste haben ihn endlich anch aus seinem stolzen Ministerpalaste vertrieben. Noch ehe er nach Wien kam, war er entschlossen, den Kamps gegm Lueger auszunehmen. Aber wieder war es nicht die Würdigung ethischer Grundsätze, die ihn dazu trieb. Er prahlte schon in Lemberg selbstgefällig mit dem Ausspruch: „Mit diesen Leuten werde ich schon fertig werden." Nicht weil er in dem Antisemitismus eine vom Standpunkte der allgemeinen und der politischen Moral verdammenswerthe Bewegung erkannet, war er gegen Lueger, sondern weil er an der Macht dieses Mannes seine eigene Macht erproben wollte. Er hat darum in diesem Kanipse auch durchaus allein stehen wollen. Der Polenclub hat den Mandatsverzicht Dr. B l n ch's erzwungen, der Obmann Zalesky scheute sich nicht offen einzubekennen, daß er mit dem Prinzen Liechten st ein den schamlosen Handel abgeschlossen, um den verhaßten Abgeordneten für K o l o m e a zu verdrängen, Graf Badeni aber bot Alles aus, um eine Wiederwahl Dr. Bloch's zu verhindern, weil er in den rein physischen Gefühlen brutaler Kraft jede literarische und parlamentarische Hilfe gegen Lueger verschmähen zu dürfen glaubte. Und wieder war es die nackte Gewalt, die Absperrung des Wahllocales durch Polizei und Gensdarmerie, die Einschüchterung und Brutalisirung der Wähler, mit der er dann die Wiederwahl Bloch's verhinderte. Was wir in den letzten Tagen im Wiener Parlamente und in den Straßen Wiens gesehen haben, das wurde in kleinem Maßstabe schon in Kolomea und in Brody prakticirt. Mit Knütteln und Bajonetten sind dort die Wähler Bloch's, mit Knütteln und Bajonetten sind die Abgeordneten im Parlamente und ist das Volk in den Straßen Wiens behandelt worden. Die Gewalt war das einzige Princip Badeni's und der G ewalt ist er auch unterlegen. Mit großen Erwartungen wurde vor zwei Jahren der Amtsantritt dieses Mannes begrüßt, der das Vertrauen der Krone im eminentesten Maße genoß. Der Ruf ungewöhnlicher staatsmännischer Begabung und eiserner Willenskraft ging ihm voran. Aber die Ausgaben, die chm gestellt waren, erforderten auch eine über das Mittelmaß weit hinausreichende Kraft. Er sollte nicht nur den dringendsten Nothwendigkeiten des Augenblicks durch die Schaffung der Wahlreform und die Erneuerung des Ausgleiches mit Ungarn gerecht werden, sondern anch die unter Taaffe und während der Coalitionsära gewaltig aufgewühlten nationalen Leidenschaften besänftigen, die so oft gescheiterte Regelung der