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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-19 · 47 (19.11.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 960 Br. Vloch's Wochrnsttzrlft Nr. 47 von Schopenhauer, der sich auch heute noch eines ziemlichen Anhanges erfreut: „Er (Schopenhauer), der sich für einen neuzeitlichen und europäischen Buddha hielt, kannte im Leben keine buddhistische Weltflucht, keinen Sinn für die Leiden Anderer, wie sein Vorbild, sondern nur für -sein eigenes, noch dazu eingebildetes; deun er wußte niemals, was Sorge ist." (a. a. O. S. 426). Von seinem idealen Standpunkt ausgeheiid nennt er Ibsen, dessen bedeutendes dramatisches Talent er anerkennt, einen „theoretischen Anarchisten", der nicht nach den Consequenzen seiner Richtung fragt (S. 502), Zola einen Schriftsteller, der für das Rohe und Gemeine eine Vorliebe hat und es für das einzig Wirkliche hält. „Die „Herrenmoral" N i e tz s ch e's", sagt Otto Henne- Am Rhyn mü Recht, „ist, bei Lichte besehen, ein reiner Widersinn. Wenn „Herren" Lotterbuben werden, so handelt es sich eben um keine Herrenmoral, sondern um eine Lotterbubenmoral." „T o l st o i", bemerkt er, „fehlt es wohl nicht an hohen Idealen, allein er suche sie in einer Vergangenheit, die nicht zurückkehren könne; in seinen humanitären Bestrebungen werde er namentlich von seiner energischen Frau, Sophie Behrs, die eine Bürgerliche von jüdischer Abkunft ist, unterstützt. Elf Kinder habe ihm diese geboren, was ein eigenthümliches Licht auf seine Philippiken gegen jede, auch die eheliche Geschlechtsverbindung werfe." (A. a. O. S. 542.) Sehr interessant und von hoher Wichtigkeit ist das Urtheil dieses objektiven Denkers über den Antisemitismus. Wir wollen nur Einiges aus diesem Capitel, betitelt „Reaction", anführen, indem wir den Leser auf das Buch selbst verweisen. Schon der Name „Antisemitismus", sagt Otto Henne-Am Rhyn, sei verrückt, weil sich die Partei keineswegs gegeir die wirklichen Semiten, wie Araber und Abessynier, sondern nur gegen die national gemischten Juden wendet, welche längst keine reinen Semiten sind. „Es gibt auch schon", so heißt es weiter, „Antisemiten, welche sich auch gegen das Christenthum, als einen Ausfluß des Judenthums, wenden, ja sogar von einer Rückkehr zum althergebrachten Wotansglauben schwärmen." .... „Die Antisemiten stellen zwischen Ariern und Semiten einen Unterschied auf, wie ungefähr zwischen Engeln und Teufeln." .... „Nachdem die Antisemitenpartei in Deutschland seit einigen Jahren, Dank dem Treiben eines Ahlwardt und den Wandlungen des ehemaligen Hofpredigers Stöcker, total zerfallen ist und nur dem Namen nach ein Scheinleben führt, hat sie ihr Hauptquartier in Wien unter dem vom Liberalismus zum Clericalismus übergetretenen gewandten Agitator Dr. jur. Lueger aufgeschlagen und den Gemeinderathssaal erobert. Doch beginnt auch dort bereits ihre Zerklüftung." .... „Die Literatur für und gegen den Antisemitismus ist eine sehr fruchtbare in quantitativer, weniger in qualitativer Beziehung, denn vernünftige Menschen und Nichtfanatiker sollten überdieJudenfrage längst hinaus sein." Zum Schlüsse dieses Capitels weist Otto Heune-Am Rhyn auf das wichtige Werk von Schrattenholz „Antisemiten-Hammer", Düsseldorf 1864, hin, das wir ebenso wie das besprochene Werk von Otto Henne-Am Rhyn unseren Lesern empfehlen. „Dornenwege". Erzählungen von Jda Oppenheim („Jüdische Universal-Bibliothek" Band 62, Prag, Jacob B. Brandeis.) Man kennt die freisinnige Verfasserin dieser Erzählungen aus den gemüthvolleu Beiträgen, welche dieselbe seit Jahren dem Feuilleton der „Oesterreichischen Wochenschrift" liefert. Jda Oppenheim ist ein dichterisch reichbegabtes Talent, welches eine hochgespannte Empfänglichkeit für die wundersame Poesie des jüdischen Ghettos zeigt. Sie schildert diese äußerlich verfallenen Häuser und Gestalten mit ihrem reichen Innenleben so künstlerisch, so voll tiefer, ernster Empfindung und doch wieder mit jenem echten Humor, der unter Thränen lächelt und sich wie Heller Sonneuglauz über diese düstere Welt dreht. Was an Jda Oppenheim besonders überrascht, ist neben der echt weiblichere Innigkeit eine geradezu männliche Kraft der Charakteristik. Eine glühende, färbig leuchtende Phantasie — die Gegner würden sie „orientalisch" nennen — ist das Erbtheil des Stammes, den sie in so rührenden Geschichten schildert und dessen geistige Vorzüge in ihr concentrirt erscheinen. Möge es der jungen Dichterin gelingen, Sinn und Verständniß für jüdisches Geistes- und Gemüthsleben in weiteren Kreisen wieder zu erwecken und an diesem wachsenden Interesse unseres Volkes die göttliche Flamme, die in ihr selbst lodert, immer Heller und reiner zu entfachen. Neue Bücher. Kaufmann, „Heine's Liebesleben". ioo. Geburtstage Heine's. Zürich, Albert Müller, Verlagsbuchhändler. Dr. Jur. David Farbstei». „Der Zionismus und die Judenfrage, ökonomisch und ethisch". Bern. Verlag von Steiger & Co. Commissionsverlag für Deutschland und Oesterreich: C. Malcames, Stuttgart. 1868. Chillonius „Wasser-Ringe", Zeitgedichte eines Oesterreichers. III., 1893 bis Juli 1897, Zürich, Verlagsmagazin (I. Schabelitz). Dr. Rüben Vierer, praktischer Arzt in Sofia, „Die -Mischehe". Verlag von I. Kaufmann in Frankfurt a. M. . Dr. Cäsar Seligmann „Wo ist die Wahrheit?" Drei Reden über Religion und Judenthum. Hamburg. Verlag von Hermann Rothschild, 1897. Rudolf Strauß, „Ein Vorschlag". Novellen-Premieren. .Wien, Verlag von Leopold Weiß, 1897. „Wiener Rundschau". (Herausgeber Gust. Schoenaich, Felix Rappaport. Redaction und Administration: Wien, 1/1, Spiegelgasse 11.) .Die „Wiener Rundschau" beginnt mit der vorliegenden Nummer 1 ihren II. Jahrgang unter scharfer Betonung ihrer künstlerischen Teudeuzen. Das Heft bringt das Triptychon „Herbst" von Georg Fuchs, psychologisch werthvolle 'Skizzen von Richard Schaukal und Arnold Garde und ein Gedicht von. Oscar A. H. Schmitz, der bereits jetzt zu den bedeutendsten Lyrikern gerechnet werden muß. Ferner finden sich: ein Essay von W. H e n ck e l über „Graf Leo Tolstoi und die Tuchoborzen", ein Londoner Brief der Madame Alphonse Daudet, eine Charakteristik der japanischen Kunst von Leopold Brosch, sowie eine kritische Beleuchtung der vielumstritteneu Halbe'schen „Jugend" von Paul Wilhelm. Ein bedeutsamer Artikel von F. Schik über die gegenwärtige politische Lage, sowie eingehende Kunst- und Theaterberichte bilden den Schluß des reichhaltigen Heftes. Briefkasten. Mahnrufe in Rio de Janeiro. Abonnement dankend erhalten. . R. Ferdinand Hiller nennt Felix Mendelssohn-Bartholdy eine „Lichtgestalt" und fügt hinzu: „Wäre es denkbar, daß alle seine Werke der Vernichtung änheimfielen, so würde die Erinnerung an seine poetische Gestalt allein hinreichen, um dem deutschen Volke eine hohe Befriedigung zu gewähren in der Anschauung, daß eine solche Persönlichkeit aus seiner Mitte geboren wurde, blühte und reifte." A. in M. Bei dem November-Avancement in der österreichischen Armee wurden zahlreiche jüdische Officiere befördert, so in der Feldartillerie Hermann Bloch zum Hauptmann, in der Traintruppe Berthold Jellineck zum Rittmeister u. A. m. Karl W—r, Wien. Dem Stampiglienritter war es lediglich um die unter den Schutz der Immunität gestellte Verbreitung seiner Interpellation zu thun. Die nachträgliche Constatirung, daß der angebliche Ritualmörder ein Christ ist, wird natürlich in deu antisemitischen Blättern unterschlagen. Das Recept hat sich in Tisza-Eszlar bewährt. Th. G n, Wien. Herr Lueger schmeichelt nach rechts und links, nach oben und unten. Wenn ihn einmal sein heutiger Anhang durchschaut hat, wird er anfangen, auch den Juden zu schmeicheln. „Rustieus." Mit dem Bauerntag beginnt erst die rechte Bauernfängerei. Der „deutsche" Bürgermeister Wiens singt nur den slavischen Bauern sein Sirenenlied. Abonnent in Baden. Sie haben durchaus correct gehandelt. Der Jude soll sein Stimmrecht ausüben und die einfachste Klugheit gebietet, unter zwei Uebeln das kleinere zu wählen. G. H., Wien. Um eines fernen, nebelhaften Zieles willen können wir doch nicht politischen Selbstmord begehen. Wenn wir zu kämpfen aufhören, hören wir auch zu leben auf. Victor Hofmann, Komorn. Der Dauerredner heißt Doctor Otto Lecher, ist aus Wien gebürtig. Ein Subabonnent. Man kann zu jeder Zeit einreichen und zu Beginn des Schuljahres ausgenommen werden. Frau Geheimrath R. R. L. in Meran. Das neue Lied von Dr. Lueger ist auch in Wiener deutschnationalen Tagesblättern bereits abgedruckt worden. Heiraten nur in vornehmen nnd reichen israelitischen Kreisen vermittelt eine gebildete vertrauenswürdige Persönlichkeit. Israelit. Unbedingte Verschwiegenheit verbürgt. Nichtanonyme directe Zuschriften unter F. 0. 775 hauptpostlagernd Wien. Herausgeber u. verautw. Redakteur: M». Qtftf G. — Druck v. 2. Leck Je Sohn, Wie», YID« Lerchen k'-'o erst r. 46,

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