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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 940 Vr. Vlortz's Wochrnfitzrifr Nr. 46 Der Wolksmann. Von Polizisten umgeben Fürchtet er für sein Leben? Wie, Du, des „Volkes Liebling" Von Polizisten umgeben? Du armer, armer Volksmann, In Angst uni Dein kostbares Leben! Neue Erleuchtung. Beleuchtung wollt Ihr haben? Ihr, die Verfinst'rer der Stadt? Ihr reißet ja die Straßen auf, Bis man kein Licht mehr hat. Ich mein', es war die Phrase, Das von der „eig'nen Regie": Ihr braucht doch für die Arbeit Eine fremde Compagnie. Armensteuer im Rathhause zu Wien. Von jeder Stiftung „fünf Percent"! Das kam so über Nacht? Christlich-social man Solches nennt! Das habt Ihr gut erdacht! Das ist Eure Volksbeglückung? Befreier von Wucherers Bedrückung? Euch Judenfressern ist das gelungen! Habt Ihr auch eine Steuer auf Zungen? Ziehet 'mal erst recht vom Leder: Besteuert das Wort und die Feder. Lueger. Demokratie, gehst du entzwei? Der „Volksmann" schreit nach Polizei, Einst schrie er Weh und Ach, Daß man mit Bajonetten stach. Die Ungarn sind sein schwarzes Gesicht. Doch jetzt, wie kommt das? zetert er nicht? Ja, ja, man hat gemacht ein Geschäft, Die „Kette" glänzt! Die Segel gerefft! Philosemiten. Was haben wir Philosemiten? Es lachen die klugen Leute, Wir seien der „Ideale Unfreiwillige Beute". Ich aber finde doch Ei «es, Wenn Ihr auch Alle lacht: Vor dreißig Jahren hat man Tie Gesetze für u n s gemacht. Ich Hab' den Jubel vernommen, Ich habe gejubelt mit; Der Jude ist gleichberechtigt: D'rum bin ich Philosemit. So kann ich zum Schluß den Lesern den Rath geben, sich das kleine Büchlein anzuschaffen. Wenn sie sich über eine Rede von Lueger oder Gregorig geärgert haben, mögen sie dann zum Tröste und zur Beruhigung einige Gedichte von Chillvnius lesen. M. L. Literatur. Hebräische Travestien von Ad. Gestetner, Budapest 1897, Druck von Sam. Markus. Um den Gelehrtendünkel gewisser Professoren und Philologen in's Lächerliche zu ziehen, bedienen sich humoristische Blätter falscher Uebersctzuugen classischer Citate. Dieselbe Methode wendete man unter dem Namen Purim-Thora an, die Deraschath der alten Rabbiner, die von hebräischer Grammatik und Orthographie keine Spur hatten, lächerlich zu machen. In den zur Zeit der Rcformkämpfe vor dem Jahre 1848 in Leipzig erschienenen humoristischen Blättern „Maaßeh-Schmockes", welche die Tendenz verfolgten, für die modernen Prediger Propaganda zu machen, war solches Megidoth eine stehende Rubrik. Wer besonders zartfühlend für die heilige Sprache ist, kann zwar solchem, wenn auch nur scherzweisen Verdrehen der Bedeutung ihrer Wörter und Redensarten keinen Geschmack abgewinnen, allein von diesem ästhetischen Punkte abgesehen, sind derartige Travestien, wenn witzig gehalten, nicht ohne jeden Reiz. Und witzig sind in der That die nahezu achthundert „Uebersctzuugen", die Herr Gestetner niedergelegt, alle. So z. B., um aufs Geradewohl einige herauszugreifen wenn er Börse mit morisch und maaschir, Bestechung mit mathon besether, canonisirender Papst mit höre Kedoschim, der Dumme hat's Glück mit 38Lhre adam lo jachschob, Sara Bernhard gibt keine Gastrollen mit chadal lihejoth lesara orach, Vertheidiger ilt Strafsachen mit mazdik rascha, Suppenbetheiluilgsanstalt mit rnorak weschotaf bamajim travestirt. Das vorliegende Büchlein hat auch keinen anderen Zweck vor Augen, als dein Kenner von Bibel und Talmud mit diesen Travestien, deren jede eine satyrische Pointe hat, eine heitere Stunde zu verschaffen, und daß es diesen Zweck erfüllt, kann Jeder sich mit dem Opfer von fünfzig Kreuzern überzeugen. _ Briefkasten. Max Fischer. Grätz, Geschichte der Inden, Buchhandlung R. Löivith, I., Rothenthurmstraße. Herrn Julius Müller. Krakau. Ihrem Wunsche gemäß, nehmen wir zur Kenntniß, daß Herr Director Grentzer für Ihre Kinder keine Collecte einleitete und dieselben auch nicht im Restaurant bewirthete, daß ferner bei dem Leichenbegängnisse Ihrer Frau das Orpheum Friedmann durch Herrn Director Friedmann und sämmtliche männliche Mitglieder vertreten war. S. in D. „Lemech" I. B. M. Cap. 4 Vers. 18—24. Von diesem Träger des Namens rührt auch die Nebenbedeutung des Wortes her. Herrn I. M. D—d Lemberg. Es ist sehr schwierig, Personalangelegenheiten einer Gemeinde auf Grund der Darstellung eines einzelnen, wenn auch hervorragenden Gemeindemitgliedes zu benrtheilen und zu besprechen. Auch läßt Ihre Zuschrift den Gegenstand des Conflictes nicht klar genug erkennen. Da Sie ohnehin demnächst nach Wien kommen wollen, werden wir die Angelegenheit mündlich besprechen. I. N. Kozlow. Wir nehmen Notiz davon, daß Frau Baronin Clara Hirsch Ihren Mitbürger Josef L i l l e in hochherziger Weise durch einen'namhaften Betrag geholfen hat, sich eine neue Existenz zu schaffen. W. B. in H. Der jetzige Lord-Mayor von Lonoon Sir George Faudel Phillips ist laut der „Times" zum Großcommandeur des höchsten Ordens des indischen Kaiserreichs ernannt worden. (The Times, Wochenausgabe Nr. 1087, S. 697.) I. F. Der Abgeordnete K. H. Wolf ist nicht jüdischer Abstammung. D. G. S. in K. Der Inhalt Ihres Artikels ist überaus gerechtfertigt, es ist das eine beschämende Eitelkeit. Cultusvorsteher Jacob Kohn in W. Sie können in solcher Zwangslage auch mit 8 oder 9 Personen den Gottesdienst abhalten, bei Jahrzeiten Kadisch sagen lassen. I. in Baden. Es wird gut sein, vorerst das Weitere abzuwarten. G. A., Wien. Dr. Lueger hat neulich den Ausspruch gethan, daß in der heutigen Schule der deutsche Sprachunterricht mangelhaft sei. Die Parlamentssitzung vom 4. auf den 5. November hat eine Probe davon geliefert, welche Anforderungen die Christlich- Socialen an den deutschen Sprachunterricht stellen. Es ist die S p r a ch e der Gemeinheit, zu der sich der Wiener Bürgermeister mit seinem Anhang aufgeschwungen hat. B. N - d., Wien. Lassen sie die antisemitischen Antipoden sich nur untereinander raufen. Die Welt bildet sich schon ihr Urtheil über sie — uns geht dieser edle Bruderzwist gar nichts an. Theodor W—r, Wien. Der Ausdruck „Bordellvater" bezieht sich auf einen Ende der Achtziger-Jahre durchgefiihrten Prozeß, in welchem erwiesen wurde, daß Schönerer sein in der Krugerstraße befindliches Haus an nicht mehr zweifelhafte Frauenspersonen vermiethete, um seine Schwester aus diesem Hause „hinauszuräuchern". Ja Herr, der arische Edelmuth treibt oft merkwürdige Blüthen. G. M., Wien. Herr Bielohlawek verhöhnt Darwin's Lehre immer mit dem Spottrufe, daß aus Affen Menschen geworden seien. Aber das ist immer noch besser, als wenn aus Menschen Affen werden. Siehe die letzte Parlamentssitzung. W. Sch—r, Wien. Wie schön wäre es jetzt, wenn die Villa des Dr. Lueger in Baden nach Deckert'schem Muster transportabel wäre! Er würde sich in Maria-Enzersdorf entschieden behaglicher fühlen, als auf dem heißgewordenen Boden der Schwefelstadt. Frau Geheimrath N. R. L. Herzlichen Gruß und Dank für die liebenswürdigen Schreiben. Hof- und Geriehts-Advocat Dr. JULIUS SPIELER beehrt sich mitzutheilen, dass er seine Kanzlei in Graz, Postgasse 3, 1. Stock, eröffnet hat. Her«w»gÄkr u. vrrautw. Redacteur r »r J,srf G. - Druck v. L. Beck k Sohn, Wien, VH1„ Lrrchrn'ewerftr. 46.

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